{"id":3572,"date":"2020-10-27T10:42:23","date_gmt":"2020-10-27T09:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3572"},"modified":"2020-10-27T10:42:23","modified_gmt":"2020-10-27T09:42:23","slug":"friedensgedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/friedensgedanken\/","title":{"rendered":"Friedensgedanken"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Jeremia 29,1.4-7.10-14 | verfasst von Eberhard Busch |<\/h3>\n<p>Diese Worte des Propheten Jeremia reden heute zu uns. Auch wenn sie mehr als 500 Jahre vor Christi Geburt aufgeschrieben sind, es lohnt sich, hinzuh\u00f6ren. Sie sind verfasst in einer d\u00fcsteren Zeit. Alle die Ton angebenden Leute im j\u00fcdischen Volk sind aus ihrer Heimat vertrieben und in die Fremde versto\u00dfen, fern weg von den ihnen vertrauten Pl\u00e4tzen und Orten, ohne Aussicht, jemals dorthin zur\u00fcck zu kommen. Heimat-Vertriebene! Oder ist etwa Heimat \u201eein Ort, an dem noch niemand gewesen ist&#8220;, wie der Philosoph Ernst Bloch erkl\u00e4rt hat? Obendrein hat der Denker Friedrich Nietzsche gewarnt: \u201eWeh dem, der keine Heimat hat!\u201c\u00a0Wie diesen Heimatlosen zumute ist, wissen wir aus einem erhalten gebliebenen Dokument in unserer Bibel. Darin lesen wir: \u201eAn den Wassern zu Babel sa\u00dfen wir und weinten, wenn wir an Zion (an Jerusalem) dachten. Unsere Harfen h\u00e4ngten wir an die Weidenb\u00e4ume, die daselbst sind. Denn dort hie\u00dfen uns singen, die uns gefangen hielten, und in unserem Heulen fr\u00f6hlich sein\u201c (Psalm 137,1-3).<\/p>\n<p>Und nun schreibt jener Jeremia aus Jerusalem einen Brief an eben diese seine bek\u00fcmmerten Geschwister, die da klagen wie Leute, die wegen einem n\u00f6tigen Mundschutz aufbegehren. Doch Jeremia stimmt in dem Brief einen heiteren Ton an. Er hei\u00dft sie in ihrem &#8222;Heulen fr\u00f6hlich sein\u201c. Er verst\u00e4rkt nicht ihre Sehnsucht nach der alten Zeit. Er klagt auch nicht Gott an, als habe der einen Fehler gemacht. Er sagt nicht, sie seien gottverlassen, wenn sie nun so traurig dran sind. Ist er nicht fahrl\u00e4ssig leichtsinnig? Vertr\u00f6stet er sie etwa auf ein St. Nimmerlein? Er nimmt ja nun gleichsam eine ihrer beiseite gelegten Harfen in seine Hand und stimmt darauf ein Loblied an: \u201eWachet auf, Harfe und Zither! Ich will aufwecken die <a href=\"https:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Morgenr%C3%B6te\">Morgenr\u00f6te<\/a>!&#8220; (Ps 57,8f) Warum? Darum: Wir d\u00fcrfen auch im schlimmsten Fall mit dem lieben Gott rechnen. Er hat nicht abgedankt. Er l\u00e4sst euch nicht im Dunklen stehen. Er steht euch bei. Er hat in all dem Ernstfall seine Helferhand im Spiel. Er regiert. Entscheidend hat jetzt Er das Heft in der Hand und haben es nicht die falschen Propheten, die sich f\u00fcr ihre Verkehrtheit erst noch auf Gott berufen.<\/p>\n<p>Wie Ihr auch dran seid, <em>Er<\/em>, unser Gott und euer Gott, hat in jeden Fall \u201e<em>Gedanken des Friedens<\/em>\u201c. Er hat sie im Blick auf sein Volk Israel, wie es ergreifend feierlich in den Psalmen ausgerufen wird: \u201eFriede \u00fcber Israel!&#8220; (Ps 128,6). Und ebenso ruft er es aus im Blick auf seine \u00fcbrigen Menschen. In seiner Barmherzigkeit hat Gott Gedanken des Friedens auch \u00fcber uns, in unsrer erneut d\u00fcsteren Zeit. Und Frieden nicht nur \u00fcber mich. Privatfrieden ist nie echter Frieden. Nein, Frieden auch f\u00fcr die Anderen, mit unsern Nachbarn, mit den uns Fremden, Frieden f\u00fcr die Kranken und Sterbenden. Gedanken des <em>Friedens<\/em>, Gedanken nicht des Leides, nicht des Wehtuns, Gedanken des Wohltuns. Nicht in sich versponnnene Gedanken, sondern einladende. Gedanken nicht der R\u00fccksichtslosigkeit, sondern der Teilnahme. Und das Sch\u00f6nste: Diese Gottesgedanken sind keine Tr\u00e4ume, die sich bald als Sch\u00e4ume herausstellen. Gewiss, nicht \u00fcberall, wo Frieden draufsteht, ist Frieden drin: windige Gedanken, denen leider keine Taten entsprechen. Gottes Gedanken sind sein tatkr\u00e4ftiges Versprechen. Er h\u00e4lt sich daran und richtet sich danach. Wir k\u00f6nnen ihn beim Wort nehmen.<\/p>\n<p>Wenn Gott Frieden sagt, dann ist hier auch \u201eFrieden drin\u201c. Seinen Gedanken des Friedens entsprechen seine Taten des Friedens. So wie Jesus es sagt, als man ihn zu Unrecht verhaften will: \u201eStecke dein Schwert in seine Scheide\u201c (Mt 26,52). Gott streckt seine Friedensf\u00fchler aus, er, der Friedensstifter sondergleichen. Und das ist er nicht abseits von unserer Welt. Nicht abseits von denen, die Zwietracht s\u00e4en. Nicht abseits der Menschheit, deren L\u00e4nder sich aufr\u00fcsten mit immer neuen und immer teureren und immer t\u00f6dlicheren Waffen, zu ihrer Verteidigung, wie sie sagen. Nur ein Bruchteil von Geldern f\u00fcr Waffen wird f\u00fcr Entwicklungshilfe ausgegeben. Vorschlag zur G\u00fcte, wie w\u00e4re es, wenn das Verh\u00e4ltnis bei diesen Ausgaben einmal umgekehrt w\u00fcrde! <em>Das<\/em> w\u00e4re Friedenspolitik. Gott geht in seinen Friedensgedanken noch weiter. Er geht dem Unfrieden an die Wurzel. Sein Frieden ist kein weltfl\u00fcchtiges den Kopf-in-den-Sand-stecken. In seinen Friedens-gedanken <em>sorgt<\/em> er f\u00fcr Frieden, <em>schafft<\/em> er Frieden.<\/p>\n<p>Dieser Frieden ist <em>ganzer<\/em> Frieden. Kein Halbfrieden, der sich darin auswirkt, dass man etwa f\u00fcr das ungeborene Leben demonstriert <em>und<\/em> zugleich die Waffenlobby t\u00fcchtig f\u00fcttert. Kein Halbfrieden, in der Weise, dass man f\u00fcr Einheimische eintritt <em>und<\/em> die Fl\u00fcchtlinge von der T\u00fcre weist. Kein Halbfrieden, der zur Folge hat, dass man &#8222;Gretas&#8220; Demonstration gegen die Klimaerw\u00e4rmung interessant findet, aber auch die Unterst\u00fctzung einer privaten Flugzeuglinie mit einem 1,8 Milliarden-Kredit. Nein, kein Halbfrieden. Der Gott des Friedens ist kein Freund von unsinnigen Halbheiten. Was er sich vorgenommen hat, dazu steht er, so bestimmt, dass er es auch ausf\u00fchrt und zu Ende f\u00fchrt. Was er im Sinn hat, f\u00fcr das will er sorgen. Er steht zu seinem Wort. Er steht zu seiner Zusage, auf alle F\u00e4lle <em>unser <\/em>Gott zu sein und der der <em>Anderen<\/em> grad mit.<\/p>\n<p>Die Menschen, von denen Jeremia spricht, sp\u00fcren freilich noch nichts davon. <em>Sie<\/em> stecken mit ihrem Kopf noch allzu tief im Sand von bedr\u00fcckender Traurigkeit. Jedoch Gottes Gedanken des Friedens sind schon jetzt in Kraft. Sie gelten heute, wie gestern, und morgen aufs Neue. Auch wenn uns Leid trifft, wenn Schwernut \u00fcber uns kommt, wenn wir nicht von Ungl\u00fcck verschont sind, auch dann hat Gott f\u00fcr uns Gedanken des Friedens und nicht des Leids. Mitten im Leid ist und bleibt er der Gott, der zu-Frieden stellt. Davon redet ein Liedvers: \u201e<strong>Was Gott tut, das ist wohlgetan, Er wird mich wohl bedenken; Er, als mein Arzt und Wundermann, wird mir nicht Gift einschenken statt Arzenei. Gott ist getreu. Drum will ich auf ihn bauen und seiner Gnade trauen.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Gott ist getreu, auch wenn er dabei auf wunderliche Weise vorgeht. Er stiftet Frieden, indem er Unruhe stiftet, und zwar zuerst mit mir selbst, der ich so leicht Gottes Gedanken f\u00fcr unreif halte, f\u00fcr Gedanken, auf die ich nicht bauen, denen ich nicht trauen kann. Doch unbeirrt geht er dem Unfrieden wie einem Unkraut an die Wurzel: Er schafft ruhelos daran, die <em>Ursache<\/em> des Unfriedens unsch\u00e4dlich zu machen. Ist die Ursache des Unfriedens nicht zutiefst die <em>Angst<\/em>? Die namenlose Angst, die Angst, unheimlich bedroht zu sein, von Anderen. Und dahinter die Angst, weil mit denen doch Frieden unm\u00f6glich sei, die Angst, die darum auch uns schrecklich aggressiv macht. Dazu die Angst, nicht genug gelebt zu haben, bevor es daf\u00fcr zu sp\u00e4t ist. Die Angst, alles zu verlieren und zuletzt mein eigenes Leben. Wenn der Himmel uns nahekommt, dann wird uns allemal nahegelegt: \u201eF\u00fcrchtet euch <em>nicht<\/em>&#8222;, \u201eF\u00fcrchte dich <em>nicht<\/em>.\u201c Lock-down der Angst! <em>Friede<\/em> sei mit euch! Und dazu lesen wir verhei\u00dfungsvoll in unsrer Bibel (1Joh 4,18): \u201eFurcht ist nicht in der Liebe, sondern die v\u00f6llige Liebe treibt die Furcht aus.\u201c Die Liebe ist die Schwester des Friedens.<\/p>\n<p>Sie ist \u201ev\u00f6llig&#8220;, weil sie jene Halbheiten missachtet. <strong>Begr\u00fc\u00dfen wir solche Friedens-Liebe? Gelt, das f\u00e4llt uns oft nicht leicht und f\u00e4llt uns noch \u00f6fter gar nicht ein. Fehlt es uns weithin etwa an solcher \u201e<em>v\u00f6lligen<\/em> Liebe\u201c, die die Angst austreibt? <\/strong>Angst macht zu allem auch noch blind. Man \u00fcbersieht dann oft die jeweils <em>noch<\/em> gr\u00f6\u00dferen N\u00f6te auf dem Globus. Und man \u00fcbersieht dabei den Helfer-Gott, der den N\u00f6ten allemal gewachsen ist. <strong><em>Not<\/em><\/strong><strong> lehrt beten? Ja, vielleicht. Es kommt darauf an, dass wir so beten, wie es uns der Prophet Jeremia lehrt: \u201eSo ihr <em>mich<\/em> (unsern Vater im Himmel) von ganzem Herzen <em>suchen<\/em> werdet, so will ich mich finden lassen.\u201c Und Jesus l\u00e4dt uns ein: \u201e<em>Bittet<\/em>, so wird euch gegeben.\u201c Es sind zuweilen lange Wege des Suchens und Bittens, Wege wie durch Schlamm, in dem unsere F\u00fc\u00dfe leicht ausrutschen, Wege, auf denen wir beten lernen, bis es dazu kommt, wie es der Kirchenvater Augustin formuliert hat: \u201e<\/strong>Du hast uns zu deinem Eigentum erschaffen und ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir.\u201c<\/p>\n<p>Sind wir in seiner Hut geborgen, dann m\u00fcssen wir uns nicht in ertr\u00e4umte M\u00e4rchenwelten davon-stehlen. Bedenken wir lieber den Spruch: \u201eWas du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!\u201c Was heute auf der Tagesordnung steht, lautet so: \u201eSuchet der Stadt Bestes und betet f\u00fcr sie.&#8220; Also, nicht die H\u00e4nde in den Scho\u00df legen! Vielmehr doch! es gilt: die H\u00e4nde in den Scho\u00df legen und beten! Das Beste, was wir tun k\u00f6nnen f\u00fcr unsere Welt und Umwelt, ist beten. Das Beste, was wir <em>tun <\/em>k\u00f6nnen! Beten ist auch ein Tun. Beten ist kein billiger Ersatz f\u00fcrs Handeln. Beten und Handeln geh\u00f6rt zusammen. Wof\u00fcr wir beten, daf\u00fcr sind wir auch verantwortlich. Beten wir um Gottes Hilfe in der Bedrohung durch das Corona-Virus, dann werden wir Schutzmasken tragen. Wir m\u00fcssen gewiss nicht tun, was Gott tut. Aber wir sollten tun, was <em>wir<\/em> k\u00f6nnen. Nichtwahr, wir wollen um Himmels willen nicht auf Gott abschieben, was wir selbst anzupacken haben. \u201eBete und arbeite&#8220;, so lautet ein alter christlicher Grundsatz. Also setzt euch ein f\u00fcr das Gemeinwohl! Das passt zu Gottes Gedanken des Friedens \u00fcber uns alle.<\/p>\n<p>Eberhard Busch<\/p>\n<p>37133 Friedland<\/p>\n<p>ebusch@gwdg.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Jeremia 29,1.4-7.10-14 | verfasst von Eberhard Busch | Diese Worte des Propheten Jeremia reden heute zu uns. Auch wenn sie mehr als 500 Jahre vor Christi Geburt aufgeschrieben sind, es lohnt sich, hinzuh\u00f6ren. Sie sind verfasst in einer d\u00fcsteren Zeit. Alle die Ton angebenden Leute im j\u00fcdischen Volk sind aus ihrer Heimat vertrieben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3566,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[542,23,1,2,157,114,322,577,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-3572","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-21-so-n-trinitatis","category-jeremia","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-deut","category-eberhard-busch","category-kapitel-29-chapter-29","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3572","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3572"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3572\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3573,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3572\/revisions\/3573"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3566"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3572"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3572"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3572"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=3572"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=3572"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=3572"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=3572"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}