{"id":3580,"date":"2020-10-27T09:58:31","date_gmt":"2020-10-27T08:58:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3580"},"modified":"2020-10-27T11:01:14","modified_gmt":"2020-10-27T10:01:14","slug":"salz-und-licht-bild-fuer-die-unsichtbare-gegenwart-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/salz-und-licht-bild-fuer-die-unsichtbare-gegenwart-gottes\/","title":{"rendered":"Salz und Licht \u2013 Bild f\u00fcr die unsichtbare Gegenwart Gottes"},"content":{"rendered":"<h3>21. Sonntag nach Trinitatis (Allerheiligen) | Matth\u00e4us 5.13-16 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0von Peter Fischer-M\u00f8ller |<\/h3>\n<p>Mit blo\u00dfem Auge ist es nicht zu sehen. Aber wenn wir die Augen schlie\u00dfen, k\u00f6nnen wir es sp\u00fcren: Das Wunder des Lebens und das Wunder der Liebe, uns anvertraut, so dass wir hingehen k\u00f6nnen und den Tag zu einem guten Tag f\u00fcr andere und uns selbst machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jesus verwendet das Salz und das Licht als Bilder f\u00fcr die Gegenwart Gottes in der Welt und unser Leben und die Bedeutung, die wir f\u00fcr einander haben als Menschen und als Christen.<\/p>\n<p>Ich habe heute etwas Siedesalz hier mit auf die Kanzel genommen. Seht her! Die feinen flachen Salzflocken. Die k\u00f6nnen wir ja durchaus sehen. Aber was sie im Essen bewirken, das k\u00f6nnen wir nicht sehen. Das k\u00f6nnen wir nur merken. Was ist zum Beispiel ein weichgekochtes Ei ohne Salz? Eine Sch\u00fcssel ohne interessanten Geschmack! Und was ist ein Meer ohne Salz?<\/p>\n<p>Im \u00d6resund zu baden, das ist ein schlappes Erlebnis im Vergleich zum Meer bei der Insel L\u00e6ss\u00f8. Das Salz tr\u00e4gt einen, es ist kraftvoll und erfrischend. Es rieselt und reinigt und juckt in den kleinen Schrammen, die man bekommen hat, als man Brombeeren pfl\u00fcckte.<\/p>\n<p>Das Salz ist ein Bild f\u00fcr Kraft, Spannung und Frische. Salz macht einen Unterschied. Im Wasser aufgel\u00f6st ist es unsichtbar, aber \u00fcberall gegenw\u00e4rtig, und es besteht ein Riesenunterschied zwischen Wasser mit und ohne Salz.<\/p>\n<p>So auch mit dem Licht. Gewiss, wir k\u00f6nnen die Kerze und die Stra\u00dfenlampe sehen, aber das Licht selbst k\u00f6nnen wir nicht sehen. Oder besser, wenn wir direkt in das Licht schauen, werden wir geblendet, so dass wir nichts anderes sehen k\u00f6nnen. Das Licht merken wir indirekt, verborgen, wenn es uns die Welt zeigt. Im Dunkeln sind alle Katzen grau, sagen wir. Im Dunkeln k\u00f6nnen wir Angst bekommen, uns selbst und einander zu verlieren. Die Dunkelheit macht alles gleich. Das Licht macht die Unterschiede deutlich. Das Licht weckt die Farben in den Dingen. Es geschieht etwas, wenn das Licht in der Stube angemacht wird. Und der n\u00e4chtliche Albtraum wird durch die Morgensonne in die Flucht geschlagen.<\/p>\n<p>Eines der Modeworte unserer Zeit ist Sichtbarkeit. Wir sind sehr an all dem interessiert, was gesehen und vorgezeigt werden kann. Wir errichten Gespr\u00e4chsk\u00fcchen und legen G\u00e4rten an und legen redigierte Bilder auf Facebook. Gut und sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Aber vielleicht ist es so, dass es in unserem Leben dennoch etwas gibt, was man nicht sehen kann: Dass das Herz schl\u00e4gt, dass es jemanden hat, f\u00fcr den es schl\u00e4gt, dass wir Luft holen und dass wir einander in Atem halten k\u00f6nnen, dass wir Dinge in Worte fassen k\u00f6nnen und jemanden haben, mit dem wir sprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Kirche steht hier in der Landschaft, ragt heraus zwischen den anderen Geb\u00e4uden in der Stadt. Sie ist von weitem zu sehen. Aber die Gegenwart Gottes und der Glaube, der unsere Herzen anr\u00fchrt, das k\u00f6nnen wir nicht sehen. Das Wichtigste ist einfach nur da und erregt unsere Aufmerksamkeit. Genauso ist es mit Menschen, die wir lieben und die uns lieben. Sie haben wohlbekannte Gesichter, wir kennen die Art und Weise, in der sie sich bewegen, wir k\u00f6nnen ihre K\u00f6rpersprache verstehen. Wir erkennen sie wieder aus gro\u00dfer Ferne. Der K\u00f6rper ist wichtig. Er ist nicht allein ein Umschlag f\u00fcr die Seele, den wir einmal gerne abstreifen wollen. Es hat einen Sinn, dass Gott uns K\u00f6rper gegeben hat. Wir sind wie K\u00f6rper, die einander sehen und h\u00f6ren und merken k\u00f6nnen, dass wir etwas f\u00fcr einander bedeuten. Eben deshalb bekennen wir auch jeden Sonntag die Auferstehung des Fleisches. Denn das Leben ist nicht nur etwas, was wir innen in uns selbst haben, sondern was sich zwischen uns und der geschaffenen Welt entfaltet. Und trotzdem ist das Wichtigste an dem, was sich da abspielt zwischen uns, unsichtbar. Das ist das Vertrauen, das zwischen uns entstehen und sich entfalten kann, dass man die Aufmerksamkeit eines anderen Menschen sp\u00fcrt, dass man f\u00fchlt, verstanden zu werden. Die Freude \u00fcber die N\u00e4he eines Freundes, die Geborgenheit, die im Zusammensein liegt. Das ist es, was den gro\u00dfen Unterschied ausmacht. So bedeuten wir etwas f\u00fcr einander. Eine Bedeutung, die Gespr\u00e4chsk\u00fcchen und den neuangelegten Garten und die Bilder auf Facebook weit \u00fcbertrifft. Das ist die Liebe zwischen uns \u2013 den darum geht es ja &#8211; das ist die Liebe, die unsichtbar gegenw\u00e4rtig ist und uns salzt und durchleuchtet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das sp\u00fcren wir so deutlich hier an Allerheiligen, wo wir unserer Toten gedenken, wo wir an die Generationen vor uns denken, die Menschen, die unsere Gesellschaft aufgebaut haben, in und von der wir heute leben, die uns die Werte als Erbe hinterlassen haben, auf denen wir aufbauen k\u00f6nnen., die uns die Geschichten erz\u00e4hlt haben, in denen wir uns wiederfinden k\u00f6nnen, so dass wir uns selbst finden uns als Menschen entfalten k\u00f6nnen, diejenigen, die die Kirche hier gebaut haben. Generationen haben hier ihre Kinder taufen lassen und ihnen die Geschichte von Jesus und seiner vorbehaltlosen Liebe und grenzenlosen Vergebung geschenkt als dem, mit dem ein Mensch leben und sterben kann.<\/p>\n<p>Wir gedenken hier an Allerheiligen besonders unserer eigenen Toten, die von uns gegangen sind und die wir heute vermissen \u2013 die mit ihrer Aufmerksamkeit und Liebe Salz und Licht f\u00fcr uns geworden sind. Die uns das Leben frisch und spannungsreich werden lie\u00dfen, die uns Kr\u00e4fte und Mut gaben f\u00fcr das Leben, die etwas bedeuteten und uns zeigten, dass wir selbst etwas bedeuteten. Wir gedenken ihrer nicht als Tote, sondern Lebende, als Menschen, deren Liebe und Inspiration uns noch immer beeinflussen.<\/p>\n<p>Jesus verwendet im heutigen Evangelium Salz und Licht als Bilder des Unsichtbaren, von dem wir leben, und als Bilder f\u00fcr das, was Menschen f\u00fcr einander bedeuten.<\/p>\n<p>Hinter und \u00fcber all dem ist Gott \u00fcberall unsichtbar zugegen in unserem Leben als die r\u00e4tselhafte Macht oder Kraft, die uns am Leben erh\u00e4lt, die jedem Tag seine besondere Pr\u00e4gung und Farbe und seinen Charakter gibt. Und Gott ist nicht allein die Macht hinter der sichtbaren Welt, dem Licht der Sonne und des Mondes und der Sterne. Er ist auch der, der noch immer Licht schafft in unserem Leben, wo wir das Gef\u00fchl haben, dass alles in Finsternis versinkt, und keinen Ausweg sehen. Denkt an euch selbst und an Menschen, die ihr kennt. Denkt an Leben, die festgefahren sind, die aussehen, als w\u00fcrden sie nie aus der Misere kommen. Denkt an Situationen, wo ihr das Gef\u00fchl hattet, dass hier alle Hoffnung verloren ist.\u00a0 Und dann geschah dennoch etwas. Unbemerkt, ohne dass wir es sahen. Das Leben kehrte zur\u00fcck. Das Dasein \u00f6ffnete sich. Der finstere Tunnel, der uns umgeben hatte, verlor seine Macht, und wir konnten das Licht in der Ferne ahnen.<\/p>\n<p>Wie konnte das geschehen? Das wissen wir kaum, aber oft sp\u00fcrten wir, dass es zu uns kam durch andere Menschen.<\/p>\n<p>Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!<\/p>\n<p>Bemerkt, dass Jesus nicht sagt: Jetzt rei\u00dft euch zusammen und versucht, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Nein, er sagt: Ihr seid es! Ihr seid es schon. Ihr seid die, die ihr seid. Unser Leben ist durchleuchtet und durchsalzt von Gott selbst.\u00a0 Das Leben, so wie es hier und jetzt ist, f\u00fcr uns verletzliche Menschen. Wir irren uns, wir versagen, wir werden entt\u00e4uscht, da sind Tage, die uns zwischen den H\u00e4nden zerrinnen, und Monate und Jahre, die wir mit Bitterkeit und Feindschaft und Streit vergeuden.\u00a0 Aber Gott h\u00e4lt an uns fest, er glaubt weiter an uns und ist in unserem Leben gegenw\u00e4rtig. Mit seinem Salz und seinem Licht. Und manchmal erleben wir das, wie wir etwas im Leben anderer Menschen bedeuten \u2013 und sie in unserem. Wie ein anderer Mensch mit seiner Gegenwart und seiner Aufmerksamkeit mir Kraft und Nahrung gab, mir Licht brachte und mir folgte, so dass sich das Leben f\u00fcr mich wieder \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.<\/p>\n<p>Das waren die Worte Jesu damals vor fast 2000 Jahren an eine zuf\u00e4llige Gruppe Menschen: Fischer und Handwerker, Kinder und Erwachsene, Huren und Taschendiebe. Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt, sagte er. Ihr seid Menschen Gottes, geschaffen und geliebt von Gott. Und Gott wei\u00df, was ihr in euch habt. Gebraucht es, tragt die Botschaft von der unsichtbaren Gegenwart und Liebe Gottes mit euch hinaus in die Welt!<\/p>\n<p>Das sieht vielleicht nicht nach sehr viel aus, ja das, worauf es ernstlich ankommt, ist ganz unsichtbar, ein paar kurze S\u00e4tze: Du taugst wie du bist, du bist ein einzigartiger und wertvoller Mensch. Gott kennt dich und liebt dich und wird dich nie vergessen \u2013 weder hier im Leben noch wenn du einmal stirbst. Deine S\u00fcnden sind dir vergeben, du darfst das Verwirrte und Missgl\u00fcckte und Unertr\u00e4gliche ablegen bei Gott, so dass du dem heutigen Tag entgegengehen kannst mit den F\u00e4higkeiten und Kr\u00e4ften, die du hast. Dies war die Botschaft, die Jesus ihnen anvertraute mit seinen Worten und seinem Leben. Diese Botschaft ist nun von Mund zu Ohr \u00fcber 80 Generationen und \u00fcber die ganze Erde gegangen. Heute ist sie beim uns angelangt.<\/p>\n<p>Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.<\/p>\n<p>Das sind nicht einige andere, besondere hervorragende, begabte, t\u00fcchtige, fromme Heilige. Sondern wir sind es, so wie wir sind. Du und ich und er und sie, die neben uns sitzen. Ein Wunder ist es, dass Gott auf uns sieht.\u00a0 Und zu uns sagt: Es geht um dich! Eben du bist Licht und Salz, auf dich kann ich nicht verzichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bald gehen wir hinaus aus der Kirche. Und alles ist so wie vor einer Stunde. Was hier geschehen ist, l\u00e4sst sich nicht mit dem blo\u00dfen Auge sehen, aber man kann es sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Wir sind an das Salz und das Licht Gottes im Leben der Welt und in unserem Leben erinnert worden. Nun tragen wir die Botschaft mit uns hinein in unseren gemeinsamen Alltag, so dass das salz wirken kann und das Licht scheinen kann zum Nutzen und zur Freude aller. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bischof Peter Fischer-M\u00f8ller<\/p>\n<p>Roskilde<\/p>\n<p>Email: pfm(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21. Sonntag nach Trinitatis (Allerheiligen) | Matth\u00e4us 5.13-16 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0von Peter Fischer-M\u00f8ller | Mit blo\u00dfem Auge ist es nicht zu sehen. 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