{"id":3628,"date":"2020-11-04T18:47:25","date_gmt":"2020-11-04T17:47:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3628"},"modified":"2020-11-04T18:48:51","modified_gmt":"2020-11-04T17:48:51","slug":"kinder-des-lichtes-und-kinder-des-tages","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kinder-des-lichtes-und-kinder-des-tages\/","title":{"rendered":"Kinder des Lichtes&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kinder des Lichtes und Kinder des Tages | Predigt zu 1. Thessalonicher 5:1-11 | verfasst von Ralf Reuter |<\/strong><\/p>\n<p>Ganz am Anfang seiner Zeit, noch in der fr\u00fchen Phase des Verliebtseins in die erste Gemeinde, schreibt Paulus: \u201eDenn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.\u201c (1.Thess 5,5) Kinder des Lichtes sein, wie es leuchtet von der ersten Erschaffung der Welt bis zur Vollendung am Ende der Tage, wie es das Kreuz Christi \u00fcberstrahlt und die Seinen zum Licht der Welt macht, schon jetzt auf dem Weg in die Ewigkeit. Zu Kindern des Tages werden, jede Arbeit, jede Empfindung, jeder Gedanke des Tages wird mit diesem Wort ins Licht Gottes gesetzt, wird bedeutend, kostbar und herrlich. Wunderbar ist es zu leben als Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.<\/p>\n<p>Wir sind daher keineswegs Corona-Kinder, wie man diese Tage meinen k\u00f6nnte, wo wir die Aktivit\u00e4ten wieder zur\u00fcckdrehen m\u00fcssen. Sowenig Menschen, die mit Krieg und Leid aufwuchsen, Kriegskinder sind oder gar eine verlorene Generation. Nat\u00fcrlich gibt es die Finsternisse auf dieser Erde, wo Menschen ihrer g\u00f6ttlichen Bestimmung nicht gerecht werden und abdriften zu Kindern der Nacht und des Unheils. Paulus mahnt seine geliebte erste Gemeinde, \u201ewir wollen n\u00fcchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.\u201c (5,8) Denn sie bleiben selbst in der gr\u00f6\u00dften Not immer Kinder des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung, sind Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.<\/p>\n<p>Ich will dazu eine Geschichte erz\u00e4hlen, berichten von einer Taufe vor 25 Jahren, von einem f\u00fcnfj\u00e4hrigen Kind, das nicht getauft werden wollte, mitten im Gottesdienst. Die Kirche war voll, und dieses Kind scheute und versteckte sich in der Kirchenbank, und blieb dann bis zuletzt auf dem Scho\u00df ihrer Mutter sitzen. Erst als alle gegangen waren, war es bereit und ich habe es getauft. Der Taufspruch: Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Mir ist diese Geschichte sehr nahe gegangen, sie begleitet mich all die Jahre bis heute.<\/p>\n<p>Denn dieses Kind hat eine Vorgeschichte. Es wurde im ersten Lebensjahr von seinen ersten Eltern \u00f6fter in einem dunklen Raum sich selbst \u00fcberlassen. Die \u00e4ltere Schwester hat ihr ab und zu die Flasche gegeben, damit sie \u00fcberhaupt etwas zu essen bekam. Wirklich kein Kind auf der Sonnenseite, ihr Z\u00f6gern in der Taufe macht das eindringlich erfahrbar. Und doch bekam es diesen Taufspruch. So startete das junge Leben im Lichte Gottes, und die Finsternis der ersten Tage beginnen damit zu leuchten. Es erscheint nun als einzigartiges Gesch\u00f6pf Gottes, mitgenommen auf den gro\u00dfen Weg in das Leben.<\/p>\n<p>Doch die Geschichte geht weiter. Sie wird noch ergreifender, wenn man wei\u00df, wie die Erfahrungen der Finsternis immer wieder dieses Leben verdunkelt haben und noch verdunkeln, wie es in die F\u00e4nge derer geriet, die da kommen \u201ewie ein Dieb in der Nacht\u201c (5,2) und mit hineinzieht in die abgr\u00fcndigsten Erfahrungen. Wir kennen solche Verl\u00e4ufe des Lebens, manchmal auch bei uns selber, wo die Schattenseiten die Lichtmomente immer wieder eintr\u00fcben. Und selbst darin verliert kein Mensch seine Taufe. Immer gilt die Verhei\u00dfung des Lichtes. Es ist der Blick Gottes, der einen mit hinein nimmt in seine Sch\u00f6pfung und seine Vollendung, an jedem Tag des Lebens.<\/p>\n<p>Gott legt einen Weg auf, den auch menschliche Abwege nicht zerst\u00f6ren k\u00f6nnen. Immer ist dieser Weg da, immer ruft er uns auf rechter Stra\u00dfe um seines Namens willen, wie es im 23. Psalm hei\u00dft. Viele lesen diesen Psalm ja ein Leben lang, an den Weggabeln und \u00dcberg\u00e4ngen, bis hin zur Beerdigung. Dann ist es der Blick zur\u00fcck, wo wir die Fragmente des Gl\u00fccks und der Erf\u00fcllung in den einzelnen Tagen der Verstorbenen wiederfinden, umrahmt von den dunklen Zeiten, die oft nur angedeutet werden. Christus selber ist es, der diese Teile zusammenf\u00fcgt und sie f\u00fcr uns einbringen wird am Tag des Herrn.<\/p>\n<p>Der 1. Brief des Paulus an die Gemeinde in Thessaloniki ist das \u00e4lteste Zeugnis des Neuen Testamentes, ein Liebesbrief an seine erste Gemeinde. \u201eVon den Zeiten aber und Stunden\u201c (5,1) will er nicht reden, l\u00e4ngst ist die rechte Zeit an jedem Tage da, l\u00e4ngst ist das Ziel mit dem Weg des Lichts gegeben. Er will die Seinen nicht \u201ezum Zorn\u201c (5,9) bestimmen, sondern dazu, \u201edie Seligkeit zu besitzen durch unseren Herrn Jesus Christus.\u201c(5,9)&nbsp; Paulus nennt dazu Glaube, Liebe und Hoffnung als Wegzehrung auf diesem Weg der Nachfolge, er r\u00fcstet die Seinen damit aus. Im Hohenlied an die Korinther (1.Kor13,13) stellt er dann die Liebe ans Ende. Doch Glaube, Liebe, Hoffnung, sie klingen hier noch frischer, lebensnaher.<\/p>\n<p>Leben als Kinder des Lichtes hei\u00dft dann jeden Tag leben als Kinder des Tages. Der Weg des Lichtes lebt sich im Kampf der Vormittage und Nachmittage, und besonders der Abende. Hier hat sich der Glaube gegen den Zweifel durchzusetzen, hier k\u00e4mpft die Liebe um die eigene Annahme, um Zuwendung zum N\u00e4chsten. Und hier ist es die Hoffnung, die einen auch da weitergehen lassen kann, wo kein Licht zu sehen ist, wo Handicaps verz\u00f6gern. Immer wieder kommt es darauf an, seiner Bestimmung treu zu bleiben, sie zu erneuern. Martin Luther hat das schon in der ersten seiner 95. Thesen erfasst: \u201eAls unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: \u201aTut Bu\u00dfe, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen\u2018, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Bu\u00dfe sei.\u201c Bu\u00dfe als Umkehr zum Licht, als die Gestaltung des Tages mit Glaube, Liebe und Hoffnung.<\/p>\n<p>Ganz praktisch versuche ich dies mit Managern vor dem Ruhestand einzu\u00fcben. In kleinen Klosterseminaren m\u00fcssen sie einen Wochenplan erarbeiten, und f\u00fcr alle Tage und Zeiten etwas eintragen. Denn der Tag braucht eine Struktur, besonders wenn \u00e4u\u00dferlich nichts mehr vorgegeben wird. Da hinein geh\u00f6ren weiterhin Anteile von Arbeit und Anstrengung, auch soziale Eins\u00e4tze wie famili\u00e4res K\u00fcmmern. Auch regelm\u00e4\u00dfige Fitness muss hinein, und feste Zeiten des Essens. Dazu die Gestaltung des Wochenendes und des Sonntags, und auch die Wahrnehmung von spirituellen Angeboten.<\/p>\n<p>Es ist unendlich wichtig, an keinem der Tage alles laufen zu lassen und zu \u201esagen: Friede und Sicherheit\u201c (5,3). In jedem einzelnen Tag ist der Tag des Herrn enthalten, hier leben wir schon von dem Licht, das uns einst erwarten wird. Die Zeiten und Stunden sind als Aufgabe gesetzt, da hilft es, n\u00fcchtern und vorbereitet zu sein. Die N\u00fcchternheit hilft selbst gegen das zu enge Feiern in den Zeiten von Corona, und sie hilft allemal in der F\u00fcrsorge von kleinen Kindern, sie hilft uns in der lebenslangen Begleitung von Familienangeh\u00f6rigen, sie hilft in allen Fragen unseres Daseins.<\/p>\n<p>Denn Gott hat uns in sein Leben berufen, hat uns ausgestattet mit Glaube, Liebe und Hoffnung. Er hat das Licht des ersten Tages in alle Tage hineingelegt und leuchtet sie mit uns aus bis in seine Vollendung. Darin \u201etr\u00f6stet euch untereinander und einer erbaue den anderen\u201c (5,11). So liebevoll wie Paulus dies seiner Gemeinde schreibt, so seelsorgerlich lasst es uns in diesen Tagen den Menschen, den Gemeinden und der Welt zukommen. Da wird das Leben hell und klar, kostbar und herrlich zu leben. Denn wir sind Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.<\/p>\n<p>Pastor Ralf Reuter<\/p>\n<p>G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p>Pastor f\u00fcr Unternehmensleitungen und F\u00fchrungskr\u00e4fte der Wirtschaft der Hannoverschen Landeskirche und zugleich Pastor an der Friedenskirche G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder des Lichtes und Kinder des Tages | Predigt zu 1. 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