{"id":3659,"date":"2020-11-11T19:40:20","date_gmt":"2020-11-11T18:40:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3659"},"modified":"2020-11-11T19:40:41","modified_gmt":"2020-11-11T18:40:41","slug":"predigt-zu-lukas-16-1-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-lukas-16-1-9\/","title":{"rendered":"Predigt zu Lukas 16, 1-9"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Lukas 16, 1-9 (Text: Z\u00fcricher Bibel) | verfasst von Winfried Klotz |<\/h3>\n<p><em>16,1 Und zu den J\u00fcngern sprach er: Es war einmal ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter. Der wurde bei ihm verklagt, er verschleudere sein Verm\u00f6gen. 15,13<\/em><br \/>\n<em>2 Da rief er ihn zu sich und sagte: Was h\u00f6re ich da \u00fcber dich? Leg die Schlussabrechnung vor, denn du kannst nicht l\u00e4nger Verwalter sein!<\/em><br \/>\n<em>3 Der Verwalter aber sagte sich: Was soll ich tun, da mein Herr mir die Verwaltung wegnimmt? Zu graben bin ich nicht stark genug, und zu betteln sch\u00e4me ich mich.<\/em><br \/>\n<em>4 Ich weiss, was ich tun werde, damit sie mich, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin, in ihre H\u00e4user aufnehmen.<\/em><br \/>\n<em>5 Und er rief die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich und sagte zum ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?<\/em><br \/>\n<em>6 Der sprach: Hundert Fass \u00d6l. Er aber sagte zu ihm: Da, nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib schnell f\u00fcnfzig!<\/em><br \/>\n<em>7 Darauf sagte er zum zweiten: Und du, wie viel bist du schuldig? Der sagte: Hundert Sack Weizen. Er sagte zu ihm: Da, nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.<\/em><br \/>\n<em>8 Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Ja, die S\u00f6hne dieser Welt sind im Verkehr mit ihresgleichen kl\u00fcger als die S\u00f6hne des Lichts!<\/em><br \/>\n<em>9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit man euch, wenn er ausgeht, aufnimmt in die ewigen Wohnungen. 12,33!<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nein fatales Beispiel f\u00fcr moralisches Versagen, so k\u00f6nnte man diese Geschichte \u00fcberschreiben, h\u00e4tte dann aber die eigentliche Aussageabsicht verfehlt: Jesus erz\u00e4hlt vom Gro\u00dfgrundbesitzer und seinem Verwalter nicht um Betrug zu loben oder zu rechtfertigen, sondern um ein Beispiel daf\u00fcr zu geben, was es hei\u00dft, in schwieriger Lage entschieden das Notwendige zu tun. Jesus lobt nicht den Betrug, sondern die Klugheit des Verwalters.<br \/>\nDer Verwalter ist ein Sohn dieser Welt, man k\u00f6nnte auch sagen, ein Sohn der Finsternis dieser Welt, und er handelt im Horizont seiner M\u00f6glichkeiten. Darin ist er kein Beispiel f\u00fcr uns! Aber er ist ein Vorbild dadurch, dass er sich in der Bedrohung seiner Existenz nicht in Jammern und Realit\u00e4tsflucht verliert, sondern entschieden handelt. Ja, er handelt unmoralisch, unethisch, indem er seine Zukunft sichert. Aber er dreht sich nicht im Kreis, er gibt sich nicht dem Erschrecken und der Angst vor der Zukunft hin. Das ist entscheidend!<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfgrundbesitzer und sein Gutsverwalter: der Verwalter wird der Untreue beschuldigt und, wie sich aus dem Gleichnis ergibt, offensichtlich zu Recht. Er muss Rechenschaft ablegen, der Ausgang ist klar: er wird seine Arbeit verlieren! Was dann? Handarbeit oder betteln mag er nicht. Der Verwalter hat bisher schon das Verm\u00f6gen des Besitzers verschleudert, auf dieser Linie f\u00e4hrt er weiter: Um seine Zukunft zu sichern, erl\u00e4sst er Schuldnern einen Teil der Schulden. Damit will er sich Freunde schaffen, die ihm in Zukunft beistehen. Ob ihm das gelingt, erz\u00e4hlt die Geschichte nicht, es kommt ihr nur auf das entschiedene Handeln des Verwalters an. Ganz \u00e4hnlich wie im Gleichnis vom Schatz im Acker oder der kostbaren Perle. (Mt 13, 44-46))<\/p>\n<p>Der Verwalter will durch sein kluges, entschiedenes Handeln seine Zukunft sichern. Bleibt die Frage: Worum geht es f\u00fcr uns? Was will Jesus uns sagen?<\/p>\n<p>Jesus hat die Menschen seiner Zeit zur Umkehr gerufen, denn jetzt ist Gnadenzeit. Gott greift ein, um zu retten und zu helfen, aus Schuld und Irrwegen herauszuf\u00fchren; das alles durch Jesu Worte und Taten, durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen. Die andere Seite aber ist: Gott wird Gericht halten \u00fcber alle Bosheit. Weil Jesus der Auferstandene ist, gilt das auch f\u00fcr uns heute. Die Botschaft des Gleichnisses ist also f\u00fcr uns: Handele entschieden und klug, indem du dich an Jesus Christus h\u00e4ltst, auf seine Zukunft vertraust und ihm in seiner Spur folgst.<\/p>\n<p>Wir gehen auf das Ende des Kirchenjahres zu, als biblische Themen begegnen uns Verg\u00e4nglichkeit und Endgericht. So hei\u00dft es in der f\u00fcr diesen Sonntag vorgesehenen alttestamentlichen Lesung aus Hiob 14: \u201eDer Mensch, geboren von der Frau, kurzlebig und voller Unruhe. Er geht auf wie eine Blume und verwelkt, er flieht wie ein Schatten und hat keinen Bestand.\u201c (V. 1-2) Und die Lesung aus dem R\u00f6merbrief, Kap. 14 sagt: \u201eDenn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden: dass er Herr sei \u00fcber Tote und Lebende. Du aber, was richtest du deinen Bruder? Und du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes treten m\u00fcssen.\u201c (V. 9-10) Genau das sagt auch der Wochenspruch der heute beginnenden Woche: \u201eWir m\u00fcssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.\u201c (2. Korinther 5, 10a)<\/p>\n<p>Wir sind verg\u00e4nglich und m\u00fcssen uns verantworten &#8211; im Letzten vor Gott. Das ist f\u00fcr viele Menschen heute kein Thema. Unsere Sorge und Verantwortung gilt unserer irdischen Zukunft! Von Klimaerw\u00e4rmung \u00fcber die Corona-Pandemie -die eigene Gesundheit- bis zur wirtschaftlichen Entwicklung. Es sage keine\/r, das seien keine guten Gr\u00fcnde sich zu sorgen! Wer zurzeit in der Gastronomie arbeitet, muss sich Sorgen machen, gleich ob als angestellter Koch\/K\u00f6chin oder als Besitzer oder Betreiberin eines Restaurants; werde ich meinen Arbeitsplatz behalten und wie bezahle ich mit dem Kurzarbeitergeld meine Miete und vielleicht auch den Kredit f\u00fcrs Auto? Muss ich demn\u00e4chst Insolvenz anmelden? Da gibt es schlaflose N\u00e4chste. Gut, wer eine Familie im Hintergrund hat, die mittr\u00e4gt. Gut, wer Vertrauen zu Gott hat und beten kann.<\/p>\n<p>Ich nenne nur einen kleinen Teil dessen, was an irdischen Sorgen uns bewegen kann. Sie sind ernst zu nehmen, aber eben nicht nur im Horizont unseres irdischen Lebens und dieser Welt, sondern auch unserer Verg\u00e4nglichkeit und Verantwortung vor Gott.<\/p>\n<p>Verg\u00e4nglichkeit: wir halten die Zeit nicht an und unser Leben nicht fest; \u201eLass uns erkennen, wie kurz unser Leben ist, damit wir zur Einsicht kommen!\u201c sagt Psalm 90. (V. 12)<\/p>\n<p>Rechenschaft ablegen vor Gott: Mein Denken und Tun ist nicht gleichg\u00fcltig vor Gott; wie lebe ich so, dass ich bestehen kann im Gericht? Das ist doch kein mittelalterliches Denken, Unwissenheit und Elend entsprungen, sondern Zeugnis der heiligen Schrift. Gott ist nicht nur Sch\u00f6pfer und Erhalter, Welt und Menschen in Jesus Christus liebevoll zugewandt trotz Gottlosigkeit (Joh. 3, 16), er hat uns nicht nur Weisung gegeben (Losung des 15. 11 aus Micha 6, 8), sondern er nimmt uns darin ernst, was wir tun und lassen.<\/p>\n<p>Wie handeln wir entschieden und klug, orientiert an Jesus Christus?<\/p>\n<p>Unser Gleichnis erz\u00e4hlt von einem Verwalter und seinem Umgang mit dem Besitz seines Herren, der von Lukas angef\u00fcgte Vers 9 macht aus der irdischen Raffinesse des Verwalters eine Anwendung f\u00fcr NachfolgerInnen Jesu: \u201eUnd ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit man euch, wenn er ausgeht, aufnimmt in die ewigen Wohnungen.\u201c<\/p>\n<p>Wie gehe ich um mit Geld und Gut auf Basis der mir in Jesus geschenkten Befreiung angesichts meiner Verg\u00e4nglichkeit und der Forderung nach Rechenschaft? H\u00f6rt bei uns Christen auch die Freundschaft auf, wenn es ums Geld geht? Zerstreiten wir uns auch \u00fcber dem Erbe? Sind wir auch Leute, die Gott nicht in ihr Portemonnaie schauen lassen, weil ihn das nichts angeht? M\u00fcssen auch wir st\u00e4ndig was kaufen, damit wir Lebenserf\u00fcllung haben? Wie m\u00e4chtig ist der G\u00f6tze Geld bei uns?<\/p>\n<p>Wir wissen aus der Bibel: Habgier ist G\u00f6tzendienst (Epheser 5, 5) und wir wissen auch: Die G\u00f6tzen sind entmachtet in Christus; wir k\u00f6nnen, wir d\u00fcrfen ihnen keinen Raum gew\u00e4hren! Aber wir k\u00f6nnen Geld und Gut einsetzen f\u00fcr Gottes Zwecke: durch Spenden, durch Kleinkredite, die in Afrika oder Asien es Menschen erm\u00f6glichen, ein Handwerk oder Gesch\u00e4ft zu beginnen. Wir k\u00f6nnen als politische Menschen uns daf\u00fcr einsetzen, dass angemessene L\u00f6hne gezahlt werden und angemessene Preise verlangt werden, dass der Geist des Kapitalismus geb\u00e4ndigt wird in unserer Gesellschaft. Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Verzicht lernen wir in der Spur Jesu. Und das bedeutet doch keineswegs, dass wir uns selbst nichts g\u00f6nnen d\u00fcrften! Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Verzicht sind auch die Ma\u00dfgaben, die in die Zukunft f\u00fchren angesichts von Not und Armut, wie auch der Klimakrise. Politiker, die nur von technischen L\u00f6sungen reden und nicht auch von notwendigem Verzicht sind nicht ehrlich!<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich: Wir haben B\u00fcrgerrecht im Himmel und leben doch auf der Erde; wir feiern Gottesdienst als irdische Gemeinde verbunden mit der Gemeinde der Heiligen und Engel im Himmel. Deshalb d\u00fcrfen Geld und Gut die Zukunftsplanungen der Kirchen und Gemeinden nicht vorrangig bestimmen. Nicht Strukturanpassungen an den erwarteten Schwund an Gemeindegliedern und finanziellen Mitteln sind Schwerpunkt der Diskussion, sondern die Frage: Wie gelingt uns ein mutiges Bekenntnis des Evangeliums?! Ohne dass wir nach gesellschaftlicher Zustimmung oder Anerkennung schielen; ohne st\u00e4ndiges Pr\u00fcfen, ob es sich rechnet. Aber auch mit dem Mut, Arbeitsbereiche aufzugeben, die f\u00fcr das Zeugnis von Jesus Christus und des neuen Lebens durch ihn nichts bringen. Wir k\u00f6nnen geistliches Leben nicht machen, aber wir k\u00f6nnen es f\u00f6rdern oder hindern. Wir f\u00f6rdern es betend und in Treue zum Zeugnis der Hl. Schrift. Wir hindern es, wenn wir uns abh\u00e4ngig machen von Finanzen und Besitz. Wir f\u00f6rdern es, indem wir entschieden und klug tun, was Jesus entspricht: helfen und heilen, f\u00fcr Gottes Liebe und Wahrheit einstehen. Wir hindern es durch Anpassung an die Ma\u00dfst\u00e4be und Vorstellungen in dieser Welt; Paulus mahnt: \u201eIch bitte euch nun, liebe Br\u00fcder und Schwestern, bei der Barmherzigkeit Gottes: Bringt euren Leib dar als lebendiges, heiliges, Gott wohlgef\u00e4lliges Opfer &#8211; dies sei euer vern\u00fcnftiger Gottesdienst! F\u00fcgt euch nicht ins Schema dieser Welt, sondern verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr zu pr\u00fcfen verm\u00f6gt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgef\u00e4llige und Vollkommene.\u201c Amen.<\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge: EG 147 Wachet auf, ruft uns die Stimme; EG 152 Wir warten dein, o Gottes Sohn; EG 351 Ist Gott f\u00fcr mich so trete; Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne; EG+ 124 Jesus in my house; EG+ 115 Und wer dich liebt.<\/p>\n<p>Winfried Klotz, Jg. 1952, Pfr. i. R. winfried.klotz@web.de<br \/>\nverheiratet, drei erwachsene Kinder, geistl. gepr\u00e4gt von Otto Michel und Hans Joachim Iwand<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Lukas 16, 1-9 (Text: Z\u00fcricher Bibel) | verfasst von Winfried Klotz | 16,1 Und zu den J\u00fcngern sprach er: Es war einmal ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter. 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