{"id":3666,"date":"2020-11-12T15:45:08","date_gmt":"2020-11-12T14:45:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3666"},"modified":"2020-11-12T15:46:29","modified_gmt":"2020-11-12T14:46:29","slug":"rosen-wachsen-im-tale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/rosen-wachsen-im-tale\/","title":{"rendered":"Rosen wachsen im Tale"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Markus 12,38-44 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Eva T\u00f8jner G\u00f8tke |<\/h3>\n<p>Die ganze Welt war gespannt, wer die Wahl in den USA gewinnen und der 46. Pr\u00e4sident werden w\u00fcrde. Das m\u00e4chtigste Amt der Welt.<\/p>\n<p>Milliarden von Menschen, Erwachsene wie Kinder, verfolgten das Drama auf ihren Telefonen. Sahen Videos, h\u00f6rten kurze Wahlreden. Verfolgten Meinungsumfragen und die Ausz\u00e4hlung der Stimmen. Als w\u00e4re das ein Fu\u00dfballkampf. Das war zugleicht harter Ernst und reine Unterhaltung.<\/p>\n<p>Wir lassen uns n\u00e4mlich von der Macht faszinieren.&nbsp; Von den reichen \u2013 starken M\u00e4nnern. Auch wenn wir auch in diesem Wahlkampf das wahre Gesicht der Macht gesehen haben. Dass man sich um jeden Preis durchsetzen will. Seine eigene St\u00e4rke zeigen und den anderen niedermachen will. Sich selbst in Szene setzen will. Nicht das Gesicht verlieren. Das Wort in seiner Macht haben. Vor allem die Medien beherrschen. Die Erz\u00e4hlungen, die gebracht werden sollen, und die, die lieber verborgen bleiben. Die Wahrheit existiert nicht. Alle ist Spin.<\/p>\n<p>Diese Welt ist weitgehend unsere. Nicht in der gro\u00dfen Politik, sondern auch im Kleinen, im nahen Umfeld, in der Familie, da wo die Menschen zusammen sind. Streben nach Macht und Reichtum tragen dazu bei, uns zu pervertieren \u2013 und sie pervertieren unser Weltbild.<\/p>\n<p>Das ist traurig. So finster wie der dunkle November. Und damit zu leben und das zu ertragen gelingt nur, weil es kleine Lichtpunkte gibt, die auf eine andere Welt verweisen.<\/p>\n<p>Und einen solchen Lichtpunkt sehen wir heute. Wenn unser Herr nicht in die Welt gekommen w\u00e4re und unsere Augen daf\u00fcr ge\u00f6ffnet h\u00e4tte, h\u00e4tten wir es nicht bemerkt.<\/p>\n<p>Jesus befindet sich im Tempel in Jerusalem. W\u00e4hrend die Reichen versuchen, sich einander darin zu \u00fcbertreffen, wer das meiste Geld in den Gotteskasten wirft, um Aufmerksamkeit zu erregen, macht Jesus auf eine Witwe aufmerksam, die in aller Stille hingeht und zwei kleine M\u00fcnzen hineinwirft. Keiner sieht sie. Und sie handelt auch nicht, um gesehen zu werden. Aber Gott sieht sie.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat sie niemand eines Blicks gew\u00fcrdigt, denn in unserer Welt gilt der unbedeutende Beitrag der armen Witwe nichts.<\/p>\n<p>Aber er gilt etwas f\u00fcr Gott. Denn Gott misst mit einem anderen Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p>Die Witwe gibt mehr als alle Reichen, die von ihrem \u00dcberfluss geben, erkl\u00e4rt Jesus den J\u00fcngern. Sie hat aus ihrer Armut gegeben. Sie hat von dem Nichts gegeben, das sie hat. Sie hat sich selbst gegeben.<\/p>\n<p>Sie <em>hatte<\/em> nichts anderes, von dem sie geben konnte, als sich selbst. Auch wenn es sie die letzten M\u00fcnzen kostete, wollte sie auch eine Geberin sein.<\/p>\n<p>Ihr Handeln sagt mehr als viele Worte. Sie ist ein <em>Gleichnis<\/em>.<\/p>\n<p>Sie ist ein Gleichnis f\u00fcr die Liebe, die sich mirakul\u00f6s in dieser Witwe durchsetzt, die nichts anders hat, von dem sie geben kann.<\/p>\n<p>Sie ist ein Gleichnis von der Wahrheit, dass die gr\u00f6\u00dfte Gabe die ist, die in Armut aus dem Nichts gegeben wird.<\/p>\n<p>H\u00e4tte Jesus sie nicht vor den J\u00fcngern hervorgehoben, h\u00e4tten sie sie nicht bemerkt. Denn wir sind von den Reichen fasziniert. Die sich vordr\u00e4ngen. Denen wir gerne gleichen wollen. Nach ihrem Leben streben wir, nach Macht und Einfluss und Anerkennung. Leute, die imstande sind, gro\u00dfe Schecks auszustellen.<\/p>\n<p>Aber mit Gott hat sich die Welt ver\u00e4ndert. Oder unser Leben hier in der Welt hat sich ver\u00e4ndert. Denn mit ihm ist diese Frau ins Licht ger\u00fcckt. Ihr bescheidenes Opfer. Ihr Festhalten daran, eine Geberin zu sein, auch wenn sie nichts hatte, wovon sie geben konnte.<\/p>\n<p>Unser Herr will den J\u00fcngern \u2013 und uns \u2013 lehren, solche Lichtpunkte zu sehen, wo immer wir leben. Denn es gibt sie. Und sie geschehen \u00fcberall. Menschen, die im Stillen leben. Die das f\u00fcr andere tun, was zu tun ist, und wof\u00fcr ich keine Zeit oder M\u00f6glichkeit zu haben meinen.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Geschenk von allem ist dies, dass unser Herr seine Kirche an seiner Botschaft festh\u00e4lt, n\u00e4mlich dass er auf die Lichtpunkte verweist, die Trost und Hoffnung und Vergebung f\u00fcr alle Heuchelei und allen Betrug verk\u00fcnden, an denen wir alle hier in der Welt teilhaben. Auch die Kirche.<\/p>\n<p>Die arme Witwe ist ja in diesem Sinne ein Gleichnis f\u00fcr unseren Herrn, der in diese Welt tritt, dem\u00fctig und ganz unbemerkt, der sich selbst hingibt, alles, was er besa\u00df, um uns Glauben zu schenken und uns zum Leben zu erwecken.<\/p>\n<p>In ihm sehen wir der Wahrheit \u00fcber uns selbst ins Auge und bekommen zugleich den Blick, der uns aus unserer Armut erl\u00f6st. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastorin Eva T\u00f8jner G\u00f6tke<\/p>\n<p>DK-5230 Odense M<\/p>\n<p>Email: etg(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Markus 12,38-44 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Eva T\u00f8jner G\u00f8tke | Die ganze Welt war gespannt, wer die Wahl in den USA gewinnen und der 46. Pr\u00e4sident werden w\u00fcrde. Das m\u00e4chtigste Amt der Welt. Milliarden von Menschen, Erwachsene wie Kinder, verfolgten das Drama auf ihren Telefonen. Sahen Videos, h\u00f6rten kurze Wahlreden. 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