{"id":3739,"date":"2020-11-22T12:17:20","date_gmt":"2020-11-22T11:17:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3739"},"modified":"2020-11-23T10:42:34","modified_gmt":"2020-11-23T09:42:34","slug":"freude-der-busse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/freude-der-busse\/","title":{"rendered":"Freude der Bu\u00dfe"},"content":{"rendered":"<h3>Kurzpredigt zu Sacharja 9,9f | zu halten in der Universit\u00e4tsgemeinde in Heidelberg am 2. 12. 2020 | verfasst von Michael Plathow |<\/h3>\n<p>Lied: NL 116<\/p>\n<p>1. Im Kindergottesdienst h\u00f6rte ich ihn; im Konfirmandenunterricht lernte ich ihn auswendig: alle Jahre wieder vernahm ich ihn im Advent: den alttestamentlichen Ruf \u201eDu, Tochter Zion, freue dich, und du, Tochter Jerusalem, Jauchze! Siehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem F\u00fcllen der Eselin\u201c. Selbstverst\u00e4ndlich bezog ich damals die Weissagung direkt auf Jesus. Sp\u00e4ter bei Bibelarbeiten der jungen Gemeinde und dann im Theologiestudium erkundete ich mit kritischem Blick den historischen Zusammenhang.<\/p>\n<p>Der Prophet Sacharja war es, der diese Verhei\u00dfung sprach. Mit einer Gruppe war er aus dem Babylonischen Exil heimgekehrt nach Jerusalem. Der Perserk\u00f6nig Kyros, der den Zusammenbruch des Babylonischen Gro\u00dfreiches herbeif\u00fchrte, hatte 529 v. Chr. sowohl die R\u00fcckkehr als auch den Wiederaufbau des 587 zerst\u00f6rten Jerusalemer Tempels und die R\u00fcckgabe der Kultgegenst\u00e4nde verf\u00fcgt. Die R\u00fcckkehrer erwartete aber keine bl\u00fchende Landschaft. Da war nur Streit um Liegenschaften mit den Zur\u00fcckgebliebenen. Da waren nur Tr\u00fcmmer und Schutt des zerst\u00f6rten Tempels.<\/p>\n<p>Das war der Augenblick, als Sacharja \u2013 wie der in Jud\u00e4a verbliebene Prophet Haggai \u2013 dr\u00e4ngte, jetzt, z\u00fcgig und engagiert mit dem Wiederaufbau des Tempels zu beginnen. Bei aller Entt\u00e4uschung und Not ist es der Tempel, der den Ort der Gegenwart Gottes, St\u00e4tte der Gerechtigkeit und Hilfe, verspricht. Auch will der Tempelbau eine identit\u00e4tsstiftende Gemeinschaftsaufgabe sein. Ob Sacharja seine Fertigstellung unter Serubbabel erlebt hat, wissen wir nicht.<\/p>\n<p>Dieses historische Ereignis wird in der weiteren \u00dcberlieferung als heilvolle Wende und universale Erneuerung gedeutet, u. zw. durch eine Lichtgestalt. In vision\u00e4ren Bildern wird diese angesagt. Politische Machthaber wie der Perserk\u00f6nig Kyros und dann der Sieger bei Issos 333 Alexander der Gro\u00dfe bilden irgendwie die Folie. Doch im Sacharjabuch ist es anders, provozierend; diese Verhei\u00dfung spricht von einem Anderen.<\/p>\n<p>2. \u201eFreue dich, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem!\u201c, ruft der Prophet. Es ist der Ruf zum freudigen Aufbruch, der Erhofftes schon jetzt anbrechen l\u00e4sst. Es ist die Freude, der im Vertrauen auf Gott die Zukunft geh\u00f6rt. Denn in Zion und in Jerusalem ist Gott da, voller Verhei\u00dfung.<\/p>\n<p>Hier aber erschallt kein Triumpf der \u00fcberm\u00e4chtigen Sieger \u00fcber die schmachvoll Besiegten, der Gewinner \u00fcber die am Boden liegenden Verlierer. So bei Kyros, Alexander d. Gro\u00dfen, den kriegerischen Heroen. Verg\u00e4nglich ist ihr Erfolg im Steinger\u00f6ll der Weltgeschichte.<\/p>\n<p>Diese Freude ist auf mehr gerichtet: auf einen, der Rettung und Heil, Shalom bringt. Dieser wird es sein, der Gerechtigkeit und Hilfe schafft, weil er Gerechter und Helfer ist.<\/p>\n<p>Der Prophet sagt den Neuanfang in Jud\u00e4a und die Zeitenwende in der Welt an: Schalom, Gerechtigkeit und Hilfe. Anders als menschliche Utopien, philosophische Entw\u00fcrfe vom allgemeinen Wohl und \u201eewigem Frieden\u201c. Wird da nicht schon vergessen, dass Frieden im Bewusstsein und Herzen, im Wollen und Tun von uns Menschen den Anfang hat?<\/p>\n<p>Einen anderen Anfang von Schalom, Gerechtigkeit und Hilfe verhei\u00dft der Prophet. Mit ihm bricht an die Zeit des Heils: sowohl f\u00fcr Jerusalem, Ort von Gottes Sammlung des ganzes Volkes Israel, wie f\u00fcr den Tempel, Ort der Befreiung von S\u00fcnde und Schuld.<\/p>\n<p>Ohne Pracht, gewaltfrei kommt der Verhei\u00dfene \u201edurchbohrt\u201c, wie der Prophet anzeigt (12, 10f). Er ist es, der Rettung und Vergebung von S\u00fcnde und Schuld bringen wird. Und in Jerusalem, Haus des Friedens und Ort des Heils, werden die V\u00f6lker zusammenkommen, um mit Israel Gott als den alleinigen Herrn anzurufen.<\/p>\n<p>3. Liebe Gemeinde, \u201eda wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, &#8230;\u201c ; um mehr Gerechtigkeit und Hilfe, um mehr Schalom bitten wir (NL 116).<\/p>\n<p>Welches Sehnen bewegt uns? Welche Erwartung jetzt im Advent?<\/p>\n<p>Gewiss der gew\u00fcnschte Impfstoff gegen Corona. \u201eBrot f\u00fcr die Welt\u201c gegen den Hunger von Kindern. Gelingen friedlicher Revolutionen gegen diktatorische Systeme. Mehr Solidarit\u00e4t, Demut und Liebe in unserer Gesellschaft. Mehr Glaube und Hoffnung, da, wo Menschen und V\u00f6lker sich von der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel faszinieren lassen und zu Israel sagen: \u201eWir wollen mit euch gehen; denn wir haben geh\u00f6rt: Gott ist bei euch\u201c (8, 23).<\/p>\n<p>Das Neue Testament stimmt hierin ein mit der Erz\u00e4hlung von Jesu Einzug in Jerusalem (Mt 21,5).\u00a0 Durch Jesus bleibt die christliche Kirche mit Israel verbunden. Und in Christi Advent schenkt sich der Schalom Gottes, \u201eder h\u00f6her ist als unsere Vernunft\u201c. Es ist der Friede dessen, der, \u201edurchbohrt\u201c am Kreuz und auferstanden am dritten Tag, ewiges Heil bringt, Schalom, in der Hoffnung auf das zuk\u00fcnftige Jerusalem.<\/p>\n<p>Friede mit Gott und Erneuerung der Welt.<\/p>\n<p>4. Liebe Gemeinde, Krippe und Kreuz, Bu\u00dfe und Freude begleiten den Advent des Heilands der Welt. Durch ihn sind wir gerufen, umzukehren zu Gott im H\u00f6ren auf seinen Willen: kehrt hin zu Gerechtigkeit und helfender Liebe, \u201ekehrt um!\u201c. Und \u201cwenn ihr mich von ganzen Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDie Zeit ist erf\u00fcllt, das Reich Gottes ist herbeigekommen\u201c.<\/p>\n<p>\u201eFreut euch\u201c.<\/p>\n<p>Es ist die Freude, die Erwartetes schon voraus erlebt, weil sie aus Gottes Freude an seiner Welt entspringt.<\/p>\n<p>Es ist die \u201eFreude der Bu\u00dfe\u201c im Advent \u00fcber den, der auf einem Esel kommt, gewaltfrei. Und doch ist seine Liebe die alles Zusammenleben beeinflussende Macht, Lebenselixier.<\/p>\n<p>\u201eDie Reiche der Welt vergehen\u201c. Die Macht der Sorge um die Pandemie ist letztlich gebrochen. Die Stricke der S\u00fcnde und des Todes sind entzwei. Gott \u201eist da\u201c, schenkt sein Heil. In Jesus, \u201eGott hilft, Gott rettet\u201c, ist Gott Helfer, der Gerechtigkeit verhei\u00dft und schafft.<\/p>\n<p>5. \u201eFreude der Bu\u00dfe\u201c, liebe Gemeinde, indem wir uns neu zu Gott kehren, indem wir zum Wohl von Mitmenschen und Mitwelt unseren Lebensstil, Haltung und Verhalten, \u00e4ndern. Demut vor Gott und Liebe zum nahen und fernen N\u00e4chsten ziehen da Spuren von mehr Gerechtigkeit und helfender Liebe in Kirche und Gesellschaft, oft Spurenelemente.<\/p>\n<p>\u201eMacht die Tore weit und die T\u00fcren in der Welt hoch\u201c, dass der Heiland einziehe in unsere Herzen, in die Konflikte der Familien, in die Spannungen unserer Gesellschaft, in die Zerrissenheit der V\u00f6lker und der Mitwelt.<\/p>\n<p>Welch eine Verhei\u00dfung! Welch eine Hoffnung!<\/p>\n<p>Freut euch, kehrt um und das Antlitz der Erde wird neu.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, durch die historischen Erinnerungen des alten Sacharja-Wortes vergegenw\u00e4rtigt sich mir pers\u00f6nlich die Verhei\u00dfung neu, spricht zu mir, ber\u00fchrt mich. Sie bringt mich in Bewegung: \u201eFreue dich, jauchze! Siehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm auf einem Eselsf\u00fcllen\u201c.<\/p>\n<p>\u201eUnser Herr kommt!\u201c. Amen.<\/p>\n<p>michael@plathow.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurzpredigt zu Sacharja 9,9f | zu halten in der Universit\u00e4tsgemeinde in Heidelberg am 2. 12. 2020 | verfasst von Michael Plathow | Lied: NL 116 1. 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