{"id":3761,"date":"2020-11-23T16:10:43","date_gmt":"2020-11-23T15:10:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3761"},"modified":"2020-11-23T16:13:59","modified_gmt":"2020-11-23T15:13:59","slug":"das-jahr-des-herrn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/das-jahr-des-herrn\/","title":{"rendered":"Das Jahr des Herrn"},"content":{"rendered":"<h3>Erster Advent 2020 | Matth\u00e4us 21,1.9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Laura Lundager Jensen |<\/h3>\n<p><strong>Das Jahr des Herrn<\/strong><\/p>\n<p>\u201dSei willkommen, Jahr des Herrn\u201c, so beginnt das bekannte d\u00e4nische Adventslied von Grundtvig.<\/p>\n<p>\u201eWillkommen hier\u201c, so begr\u00fc\u00dfen wir das neue Kirchenjahr \u2013 mit seiner Reihe von liebgewonnenen Festen: Weihnachten, Ostern, Pfingsten.<\/p>\n<p>In ganz D\u00e4nemark haben heute die Gemeinden in dieser Weise das Jahr mit diesem Lied begr\u00fc\u00dft. Denn heute feiern wir das kirchliche Neujahrsfest, wir feiern, dass wir wieder ein Jahr in die Hand Gottes legen. Noch ein Jahr in die Hand Gottes.<\/p>\n<p>Anno Domini sagte man fr\u00fcher, Jahr des Herrn, und dieses Gnadenjahr ist nicht nur im Kommen, es ist schon da.<\/p>\n<p>So haben wir es auch vor einem Jahr gesungen.<\/p>\n<p>Ohne zu wissen, dass das Jahr, das uns bevorstand, ein Jahr werden w\u00fcrde, das wir nie vergessen werden. Ein Jahr, wo Bilder mit Lastwagen mit S\u00e4rgen auf dem Wege aus einer europ\u00e4ischen Gro\u00dfstadt sich in unser Ged\u00e4chtnis einpr\u00e4gten. Ein Jahr, in dem man versuchte, die Gemeinschaft mit Gesang vom Balkon aus am Leben zu erhalten.<\/p>\n<p>Ein Jahr, in dem Trauer und Leid und Unsicherheit herrschten.<\/p>\n<p>Ein Jahr, in dem es so riskant wurde, sich zu begegnen und gemeinsam zu singen, dass selbst die Kirchen geschlossen wurden.<\/p>\n<p>Ein Jahr, in dem Desinfektionsmittel, Gesichtsmasken und Schutzmasken allgemein \u00fcblich wurden. Und wo Ansteckungsgefahr ein t\u00e4gliches Thema war.<\/p>\n<p>Ein Jahr, in dem sich Herren beiderlei Geschlechts erhoben und Entscheidungen f\u00fcr alle trafen.<\/p>\n<p>Und wir alle, die wir dazu erzogen sind, f\u00fcr Freiheit und Selbst\u00e4ndigkeit zu k\u00e4mpfen, wir, die wir uns nicht Regeln und Verf\u00fcgungen von Beh\u00f6rden unterwerfen, wir, die wir vern\u00fcnftige Erkl\u00e4rungen und Beweise verlangen, wir, die wir es normalerweise sch\u00e4tzen, Herr im eigenen Hause zu sein \u2013 wir ergaben uns ganz einfach und pflichtbewusst \u2013 denn wir wussten es nicht besser als die Herren der Welt, wir trauten uns nichts anderes, und das war wohl gut so.<\/p>\n<p>Aber dass das Jahr des Herrn in dieser Weise ein Jahr <em>des Herren<\/em> wurde, im negativen Sinne dieser Wendung, den das auch haben kann &#8211; daran hatte niemand gedacht.<\/p>\n<p>Heute am ersten Advent singen wir wieder vom \u201eJahr des Herrn\u201c.<\/p>\n<p>Wohl wissend, dass das vergangene Jahr Krankheit gebracht hat und Leid, wogegen es noch kein Heilmittel gibt. Wohl wissend, dass die Verwundungen an den Seelen, die das alte Jahr gebracht hat, mit in das Jahr hineinreichen, das wir nun beginnen. Wohl wissend, dass die Herren der Welt noch viele Entscheidungen treffen m\u00fcssen. Entscheidungen, die auch uns betreffen und Konflikte schaffen und die Freiheit begrenzen werden.<\/p>\n<p>Aber \u2013 und gerade deshalb hei\u00dfen wir das Jahr willkommen \u2013 begr\u00fc\u00dfen das neue Kirchenjahr im Vertrauen darauf, dass es sich in unser allgemeines Kalenderjahr einflicht und wir Kraft und Mut erhalten, das Leben auf uns zu nehmen, wie es sich f\u00fcr uns ergibt. Dass wir den Mut bekommen, das Haupt zu erheben und sehen, was Gott mit uns im kommenden Jahr vorhat, und was er sein Wille war im vergangenen Jahr.<\/p>\n<p>Dass wir das neue Kirchenjahr nun mit der Erz\u00e4hlung von Palmarum beginnen, gibt uns zu denken. Denn gerade diese Geschichten betont die St\u00e4rke und die Kraft und das Wunder der Gegenwart Gottes in der Welt.<\/p>\n<p>Denn er Einzug Jesu in Jerusalem ist in einer gewissen Perspektive eine Erz\u00e4hlung \u00fcber Vorstellungen, die zerbrachen, und Tr\u00e4ume, die sich nicht erf\u00fcllten \u2013 eine Erz\u00e4hlung \u00fcber Leid und Entbehrungen und\u00a0 entt\u00e4uschten Erwartungen und Vorstellungen, die Erz\u00e4hlung vom Kommen unseres Herrn, die Erz\u00e4hlung von unserem Gott, der sich in die Welt begibt, sanftm\u00fctig und auf einem Esel reitend, ohnm\u00e4chtig wie das Kind in der Krippe, aber mit der Macht, Leiden und Trauer in Auferstehung und Freude zu verwandeln.<\/p>\n<p>Das Evangelium redet in die Wirklichkeit hinein, in der wir jetzt leben, und es erlaubt uns weder, in der Vergangenheit h\u00e4ngen zu bleiben, noch in die Zukunft zu fl\u00fcchten in der Erwartung, dass dann alles besser wird.<\/p>\n<p>Stattdessen gebietet es uns, die Gegenwart und in ihr einander anzunehmen. Um aus der Gegenwart Mut und St\u00e4rke zu sch\u00f6pfen, uns in eine Zukunft zu bewegen, die wir nicht kennen, von der wir aber wissen, dass sie in Gottes H\u00e4nden liegt.<\/p>\n<p>Ein Jahr kl\u00fcger in Bezug auf das vergangene Jahr, was es <em>auch<\/em> gebracht hat an Aufmerksamkeit und Gemeinschaft und Sinn f\u00fcr die, die in Einsamkeit und Angst leben. Ein Jahr, kl\u00fcger darin, dass Freiheit auch bedeutet, sich frei zu bewegen, in die Arme zu nehmen, zu singen, aber <em>auch<\/em> etwas anderes, sich mutig einzustellen auf die Hoffnung und den Glauben daran, dass Gott mit uns ist in dem Leben, das uns beschieden sein mag. Ein Jahr kl\u00fcger in Bezug darauf, dass Gemeinsinn nicht nur darin besteht, das zu tun was die Herren dieser Welt f\u00fcr gut, richtig und vern\u00fcnftig halten, sondern auch darin, zu sehen, dass der N\u00e4chste der Einsame ist, der \u00c4ngstliche, der Gestresste \u2013 wir entdeckten, dass wir eine Hand reichen konnten, ein L\u00e4cheln zeigen \u2013 trotz Gesichtsmaske und Handsprit und was das etwas bedeutet.<\/p>\n<p>Das Evangelium von dem K\u00f6nig, der uns entgegenreitet, ist die Erz\u00e4hlung dar\u00fcber, wie die Zeit der Gnade \u00fcber Zeit und Raum hinweg in all ihrer Macht und Gewalt eingreift und die Welt ver\u00e4ndert, von der wir glauben, nur wir allein k\u00f6nnten sie \u00fcberschauen und beherrschen. Das Leben, das wir in Verzweiflung und Ohnmacht allzu leicht mutlos verraten, weil wir es nicht auf uns nehmen und mit Liebe und Freude erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>\u201eMacht die Tore weit und die T\u00fcren der Welt hoch, dass der K\u00f6nig der Ehre einziehe\u201c, schrieb der Psalmist (Ps. 24,9), legt die \u201eWaffen des Lichts an\u201c. Schreibt Paulus an seine Gemeinde in Rom. \u201eSiehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir\u201c, hei\u00dft es in der Erz\u00e4hlung vom Einzug in Jerusalem.<\/p>\n<p>Freut euch und hei\u00dft das Jahr des Herrn willkommen, h\u00f6ren wir heute, und das ist die Weisheit, die uns heute geschenkt wird. Die Weisheit, die Prognosen und Statistiken \u00fcberbietet und hartn\u00e4ckig behauptet, dass das Jahr des Herrn heute beginnt und uns Freude bringt an jedem Tag des Herrn \u2013 und dass der heutige Tag der Beginn eines Gnadenjahres ist, das uns eben Freiheit und Geborgenheit schenkt. Das eben befreit uns dazu. Das Leben unbefangen und unbesorgt aufzunehmen, was auch kommen mag und was der Kalender auch bereithalten m\u00f6ge. Denn wir d\u00fcrfen unser Leben ausleben und leben zu Ehren Gottes und seiner Gnade.<\/p>\n<p>Nehmt diese Weisheit an. Denn das uralte Jahr des Gnade wird heute ganz neu in unsere H\u00e4nde gelebt &#8211;\u00a0 passt gut auf es auf!<\/p>\n<p>En gutes neues Jahr!<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Pastorin Laura Lundager Jensen<br \/>\nLangetoften 1, Osted<br \/>\nDK-4320 Lejre<br \/>\nE-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erster Advent 2020 | Matth\u00e4us 21,1.9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Laura Lundager Jensen | Das Jahr des Herrn \u201dSei willkommen, Jahr des Herrn\u201c, so beginnt das bekannte d\u00e4nische Adventslied von Grundtvig. \u201eWillkommen hier\u201c, so begr\u00fc\u00dfen wir das neue Kirchenjahr \u2013 mit seiner Reihe von liebgewonnenen Festen: Weihnachten, Ostern, Pfingsten. 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