{"id":3773,"date":"2020-11-25T11:04:55","date_gmt":"2020-11-25T10:04:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3773"},"modified":"2020-11-25T11:05:57","modified_gmt":"2020-11-25T10:05:57","slug":"freue-dich-du-tochter-oftersheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/freue-dich-du-tochter-oftersheim\/","title":{"rendered":"Freue dich, du Tochter&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Freue dich, du Tochter Oftersheim! | Predigt am 1. Advent, den 29. November 2020 im Gemeindesaal Oftersheim | verfasst von Sibylle Rolf |<\/h3>\n<p>Es ist Advent. Der 6j\u00e4hrige Christoph hat seinen Adventskalender an die Wand in seinem Zimmer geh\u00e4ngt. Jeden Morgen wird er ein T\u00fcrchen \u00f6ffnen und den s\u00fc\u00dfen Inhalt genie\u00dfen. Er kann es kaum abwarten bis zum Heiligen Abend. Dann wird endlich der Lichterbaum im Wohnzimmer stehen und das Kind in der Krippe liegen. Am meisten wartet er auf die Geschenke. Wird sein gr\u00f6\u00dfter Wunsch erf\u00fcllt werden? Seine Mutter Monika wird heute Mittag den Adventskranz auf den Tisch stellen. Die Kerzen werden ihnen Sonntag f\u00fcr Sonntag zeigen, wie lange sie noch warten m\u00fcssen. Auch Monika wartet auf Weihnachten. Sie sehnt sich nach Frieden. Ihre Schw\u00e4gerin ist im Sommer mit einer Frau zusammen gezogen. Die Schwiegereltern sind so entsetzt, dass sie den Kontakt verweigern. Werden wir Frieden erleben, oder wird alles nur noch schlimmer? Ins Warten mischt sich eine Spannung.<\/p>\n<p>Christophs Lehrerin wartet auch. Wie in jedem Jahr wartet sie auf Ruhe. In der Adventszeit f\u00fchlt sie sich h\u00e4ufig so gehetzt und unruhig, dass sie sich nach Stille sehnt. Auch in diesem Jahr, das doch so ganz anders ist. Aber die Stille kehrt wieder nicht ein. Mit zu vielem ist sie innerlich besch\u00e4ftigt. Die Sorge um ihre Eltern, die Vorbereitungen auf Weihnachten im Wissen, dass alles vielleicht in diesem Jahr gar nicht stattfindet. Die Bedrohung, sich in der Schule zu infizieren und die st\u00e4ndige Angst, dass ihre Klasse geschlossen wird. F\u00fcr dieses Jahr hat sie sich vorgenommen, dass sie mit ihren Erstkl\u00e4sslern jeden Morgen eine Kerze anz\u00fcndet und ein paar Minuten Stille genie\u00dft. Einfach schweigen und h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Inge und Heinz, Christophs Gro\u00dfeltern, warten darauf, dass Corona endlich vorbei ist und sie ihre Kinder und Enkel treffen k\u00f6nnen. Beide, der Sohn und die Tochter, arbeiten in medizinischen Berufen und wagen es nicht, die Eltern zu besuchen. Aber die Einsamkeit und der Verzicht auf Umarmungen mit den Liebsten &#8211; das alles tut so weh. Und dann noch die Sache mit der Frau und der eigenen Tochter\u2026 keine guten Vorzeichen f\u00fcr ein Weihnachten in Frieden und Ruhe\u2026<\/p>\n<p>Es ist Advent. Worauf wartest du? Ich warte auf Ruhe in meinen Gedanken und in meiner Seele &#8211; auch wenn in diesem Jahr der Druck der zahllosen Weihnachtsfeiern und Gl\u00fchweinverabredungen ausf\u00e4llt. Die erzwungene Ruhe kann ich nicht immer gut aushalten. Ich warte auf die (wie man so sagt) Adventsstimmung, das erbauliche Schauern beim Duft von Vanillekipferln und Zimtsternen &#8211; und auch wenn der Adventskranz auf dem Tisch steht, will sich die rechte Stimmung nicht einstellen. Ich warte auf Frieden in einer verzweifelten Welt mit Kriegen und Demonstrationen, lauten P\u00f6beleien und Aluhelmen. Ich warte auf Unbeschwertheit und Normalit\u00e4t in Wochen, in denen ich auf vieles verzichten muss. Das Warten wird zur Sehnsucht. Ich sehne mich danach, dass alles wieder gut ist. Die Welt, das Leben, meine innere Unruhe. Dass wieder Freude einkehrt. Und innerer Friede.<\/p>\n<p>Es ist Advent. Worauf wartest du?<\/p>\n<p>H\u00f6r hin. Lass sie dir sagen, die alten Worte vom Warten und von der Freude. Vor langer Zeit aufgeschrieben vom Propheten Sacharja. Vielleicht treffen sie deine Sehnsucht.<\/p>\n<p><em>Sacharja 9,9-10<\/em><\/p>\n<p><em>9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein K<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nig kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem F\u00fcllen der Eselin. <\/em><\/p>\n<p><em>10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den V<\/em><em>\u00f6<\/em><em>lkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Freue dich\u2026! F\u00fcr den Propheten entsteht die Freude in der Sehnsucht.<\/p>\n<p>In der Sehnsucht nach einem K\u00f6nig, der Frieden bringt und Kriegsger\u00e4te zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der endlich ein Ende macht mit der Ungerechtigkeit.<\/p>\n<p>Der daf\u00fcr sorgt, dass wir uns keine Sorgen mehr machen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ein Freudenbild f\u00fcr Zion, f\u00fcr Jerusalem.<\/p>\n<p>Tochter Zion, freue dich! Jauchze laut, Jerusalem!<\/p>\n<p>Endlich hast du Frieden und Heilung.<\/p>\n<p>Freude.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Bild.<\/p>\n<p>Aber ein armer K\u00f6nig auf einem Esel?<\/p>\n<p>Stell dir mal vor: nicht Panzer und Waffen bringen den Frieden &#8211; sondern: ein Esel\u2026?<\/p>\n<p>Wie kann ein Esel Ruhe in meine Unruhe bringen?<\/p>\n<p>Die Sehnsucht des Propheten durchkreuzt meine Erwartung.<\/p>\n<p>Vielleicht muss ich meine Erwartung zurecht r\u00fccken.<\/p>\n<p>Auf den richtigen warten.<\/p>\n<p>Nicht auf das Pferd, das Tier der M\u00e4chtigen und Herrscher.<\/p>\n<p>Nicht auf den Starken, der sagt, wo es lang geht,<\/p>\n<p>nicht auf den Chef, der durchgreift.<\/p>\n<p>Denn darin liegen kein Frieden, keine Ruhe.<\/p>\n<p>Warte auf den Esel, das Lasttier der Armen!<\/p>\n<p>Das Bild setzt sich fest in meinem Herzen.<\/p>\n<p>Der Esel tr\u00e4gt die schwangere Frau von Nazareth nach Bethlehem.<\/p>\n<p>Er steht daneben, als Hirten und Weise ihre Aufwartung machen<\/p>\n<p>und die Engel vom Frieden auf Erden singen.<\/p>\n<p>Ein neugeborenes Kind und ein Esel.<\/p>\n<p>Nicht gerade den Erwartungen entsprechend.<\/p>\n<p>Hast du deinen K\u00f6nig wirklich so erwartet &#8211; arm und bed\u00fcrftig?<\/p>\n<p>Ohne gro\u00dfen Hofstaat? Ohne viel Ansehen und Prunk?<\/p>\n<p>Und dann 30 Jahre sp\u00e4ter: derselbe Mann reitet auf einem Esel nach Jerusalem.<\/p>\n<p>Der Friedensbringer, der Tod-\u00dcberwinder, der Leben-Teiler.<\/p>\n<p>Der verhei\u00dfene K\u00f6nig, in dem sich die Sehnsucht des Propheten f\u00fcr Christen erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Tochter Zion, freue dich! Jauchze laut, Jerusalem!<\/p>\n<p>Mit einem Esel f\u00e4ngt alles an.<\/p>\n<p>Und es geht immer weiter, um die ganze Welt.<\/p>\n<p>Das Beste kommt noch.<\/p>\n<p>Du darfst ihn erwarten.<\/p>\n<p>Und so warte ich auf ihn.<\/p>\n<p>Mit Christoph und seiner Lehrerin.<\/p>\n<p>Mit Monika, mit Inge und Heinz.<\/p>\n<p>Dass er kommt!<\/p>\n<p>In die Unruhe meiner Gedanken,<\/p>\n<p>in die Sorgen meiner Konflikte,<\/p>\n<p>in die Vorfreude und in den \u00dcberdruss,<\/p>\n<p>in die Dunkelheit der Pandemie und in die Trostlosigkeit der Einsamkeit.<\/p>\n<p>In die Ungeborgenheit.<\/p>\n<p>Er kommt &#8211; dir zum Trost und zum Frieden.<\/p>\n<p>Au\u00dfen und innen.<\/p>\n<p>Denn er teilt es. Das Leben, das Leiden. Die Schwachheit und und die Bed\u00fcrftigkeit.<\/p>\n<p>Die Einsamkeit &#8211; und wom\u00f6glich sogar die Pandemie.<\/p>\n<p>Freue dich, Oftersheim &#8211; jauchze laut, Kurpfalz!<\/p>\n<p>Lass ihn eintreten, vertraue ihm.<\/p>\n<p>Kriegsger\u00e4te werden verwandelt werden<\/p>\n<p>Wortspeere verlieren ihre Sch\u00e4rfe und ihre Spitze.<\/p>\n<p>Es wird Frieden sein. Frieden in den Familien.<\/p>\n<p>Auch wenn nicht alles dem Bilderbuch entspricht.<\/p>\n<p>Es wird Frieden sein in dir. Denn du hast einen an der Seite, der dich kennt.<\/p>\n<p>Wer auf einem Esel reitet, sitzt auch neben dir auf dem Sofa.<\/p>\n<p>Es wird Frieden sein in der Welt. Auch wenn du es noch nicht siehst und sp\u00fcrst.<\/p>\n<p>Aber er kommt. Er ist schon da.<\/p>\n<p>Freue dich, du Tochter Oftersheim! Amen.<\/p>\n<p>Pfrin. Prof. Dr. Sibylle Rolf<\/p>\n<p>ev. Kirchengemeinde Oftersheim<\/p>\n<p>Eichendorffstr. 6<\/p>\n<p>68723 Oftersheim<\/p>\n<p>sibylle.rolf@kbz.ekiba.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freue dich, du Tochter Oftersheim! | Predigt am 1. Advent, den 29. November 2020 im Gemeindesaal Oftersheim | verfasst von Sibylle Rolf | Es ist Advent. Der 6j\u00e4hrige Christoph hat seinen Adventskalender an die Wand in seinem Zimmer geh\u00e4ngt. Jeden Morgen wird er ein T\u00fcrchen \u00f6ffnen und den s\u00fc\u00dfen Inhalt genie\u00dfen. 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