{"id":3782,"date":"2020-12-02T19:42:10","date_gmt":"2020-12-02T18:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3782"},"modified":"2023-03-12T11:06:16","modified_gmt":"2023-03-12T10:06:16","slug":"adventsandacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/adventsandacht\/","title":{"rendered":"Adventsandacht"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-size: 18px;\"><strong>Predigt zu Paul Gerhardt: Wie soll ich dich empfangen,<\/strong><\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"font-size: 18px;\"><strong>verfasst von\u00a0Pfr. Th.-M. Robscheit\u00a0<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Wie soll ich dich empfangen<\/p>\n<p>und wie begegn ich dir?<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>diese Frage ist auch die Frage nach Weihnachten. Seit ich mich erinnern kann, steht das erste Weihnachten vor der T\u00fcr, das mit Fragen, Unsicherheit und auch mit Sorgen erwartet wird. Die \u00e4lteren unter Ihnen werden sich an Weihnachtsfeste erinnern, die von Sorgen, N\u00f6ten und \u00c4ngsten begleitet waren. Doch die meisten von uns kennen das nicht. F\u00fcr mich in der Kindheit war das Warten auf Weihnachten vor allem eine unglaublich z\u00e4he Zeit und je n\u00e4her der Heilige Abend kam, desto z\u00e4her wurde es. Am Schlimmsten war dann der 24.12. selber. Bei uns im Pfarrhaus war die Bescherung erst, wenn die anderen Kinder schon das erste Spielzeug kaputt gemacht und die H\u00e4lfte der S\u00fc\u00dfigkeiten aufgegessen hatten. Als Jugendlicher demonstrierte man Coolness und ging nach dem Gottesdienst (nat\u00fcrlich dem &#8222;richtigen &#8220; Gottesdienst, nicht der Christvesper mit Krippenspiel und quengelnden Kindern) bewusst gem\u00e4chlich nach Hause. Dort hat man dann gerne auch nochmal Kohlen aus dem Keller geholt oder \u00e4hnliches, um zu zeigen, dass man gar nicht aufgeregt ist &#8211; was nat\u00fcrlich nicht stimmte. Dann als Erwachsener war die Advents- und Weihnachtszeit mit viel Arbeit gef\u00fcllt und die Sehnsucht richtete sich auf den Ersten Feiertag. Aber immer war es eine Zeit mit positiver Erwartung. 2020 ist das anders; viele Fragen und noch mehr Unsicherheit in der Adventszeit.<\/p>\n<p>Bisher war der Advent Vorweihnachtszeit und damit meine ich nicht die Zeit vor Weihnachten, sondern eine vorgezogene Weihnachtszeit. Wahrscheinlich ist keiner von uns davor gefeit, ein bisschen Weihnachten schon in die Adventszeit zu holen: Bei uns wird am ersten Advent der Stollen angeschnitten, den ich um den Reformationstag herum gebacken habe. Bei meinen Gro\u00dfeltern w\u00e4re das ein Ding der Unm\u00f6glichkeit! Nat\u00fcrlich kam der Stollen erst am 25. 12. auf den Kaffeetisch. Es gibt noch mehr Beispiele: Wenn Sie ehrlich in Ihren Kalender von 2019 schauen, stehen dort im Dezember sicherlich etliche Weihnachtsfeiern, dabei m\u00fcssten es Adventsfeiern sein, sofern das \u00fcberhaupt geht. Die Adventszeit ist eine Fastenzeit, eine Zeit mit Beschr\u00e4nkungen; Zeit f\u00fcr innere Reinigung und Genesung. Davon war nicht mehr viel geblieben. Stattdessen Hektik, laute &#8222;besinnliche&#8220; Dudelmusik, zu klebriger Gl\u00fchwein, zu viel Glitzer, Licht und oberfl\u00e4chliche Freude.<\/p>\n<p>Wie soll ich dich empfangen<br \/>\nund wie begegn ich dir?<\/p>\n<p>Dieses Lied aus der Feder von Paul Gerhadt (1607 \u2013 1667) wurde 1653 in der f\u00fcnften Auflage des Gesangbuchs Praxis Pietatis Melica von Johann Cr\u00fcger ver\u00f6ffentlicht. Der drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg war gerade f\u00fcnf Jahre vorbei; die Folgen noch immer deutlich sp\u00fcrbar. Berlin hatte etwa 2\/3 seiner Einwohner am Krieg und dessen Folgen verloren. Die Verwerfungen, Unsicherheiten und N\u00f6te des Krieges waren allgegenw\u00e4rtig. Die meisten Menschen haben mehr Lebenszeit im Krieg als im Frieden verbracht. Weihnachten wurde bestimmt nicht als das gro\u00dfe j\u00e4hrliche Familien-Friedensfest erlebt. Paul Gerhardt bezieht sich bei diesem Lied, das wir zur Adventszeit singen, auch nicht auf die Weihnachtsgeschichte und die hinf\u00fchrenden Erz\u00e4hlungen, sondern auf den Einzug in Jerusalem und auf die Offenbarung: Jesu Wiederkommen am Ende der Zeit. F\u00fcr ihn stellt sich hier erneut die Frage: wie begegne ich Jesus? Nicht als niedlichem Baby in einer romantisierten Krippe, sondern als Gegen\u00fcber am Ende meines Lebens? Liebe Gemeinde, man kann diese Frage noch weiter fassen: Wie begegne ich Christus dem Ziel meines Lebens, wie dessen Sinn und Inhalt, wie erfahre ich den Kern? Sicher nicht im lauten Hosianna- &amp; Konsumrausch, dem schnell das ebenso laute &#8222;Kreuzige ihn&#8220; und fades Erwachen folgen.<\/p>\n<p>Wie soll ich dich empfangen<br \/>\nund wie begegn ich dir?<\/p>\n<p>Paul Gerhardt gibt darauf keine allgemeing\u00fcltige Antwort und wir haben sie auch nicht. Die Fragen muss jede und jeder f\u00fcr sich selbst immer wieder neu stellen und um Antwort ringen. Vielleicht gelingt der Weg in die Weihnacht besser in Unsicherheit und mit Beschr\u00e4nkungen; \u00e4u\u00dferen Zw\u00e4ngen, die mich auf Wesentliches zur\u00fcckwerfen und mir Entscheidungen abringen: mit wem m\u00f6chte ich mich unbedingt Weihnachten treffen? Was ist Kern und was nur Beiwerk, was wom\u00f6glich sogar Ballast? Welche Hindernisse bin ich bereit zu \u00fcberwinden und welche Einschr\u00e4nkungen erdulde ich, um Christfest zu feiern? So wird die Adventszeit eine Zeit der intensiven inneren Vorbereitung auf ein hoffentlich gesegnetes Christfest.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der gr\u00f6\u00dfer ist als alle menschliche Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfr. Th.-M. Robscheit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Apolda<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"mailto:thm@robscheit.de\">thm@robscheit.de<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Als Lied sollte nat\u00fcrlich in der Andacht EG 11 gesungen oder geh\u00f6rt werden. Ich habe die Strophen dabei umgestellt: 1.7.4.2<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Paul Gerhardt: Wie soll ich dich empfangen, verfasst von\u00a0Pfr. Th.-M. Robscheit\u00a0 Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir? Liebe Gemeinde, diese Frage ist auch die Frage nach Weihnachten. Seit ich mich erinnern kann, steht das erste Weihnachten vor der T\u00fcr, das mit Fragen, Unsicherheit und auch mit Sorgen erwartet wird. 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