{"id":3796,"date":"2020-12-02T21:35:07","date_gmt":"2020-12-02T20:35:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3796"},"modified":"2020-12-02T21:38:13","modified_gmt":"2020-12-02T20:38:13","slug":"so-geht-advent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/so-geht-advent\/","title":{"rendered":"So geht Advent"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigt zu Jakobus 5,7-11| verfasst von Katharina Wiefel-Jenner |<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So seid nun geduldig, Br\u00fcder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Fr\u00fchregen und Sp\u00e4tregen. Seid auch ihr geduldig und st\u00e4rkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. Seufzt nicht widereinander, damit ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der T\u00fcr.&nbsp;Nehmt zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn.&nbsp;Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr geh\u00f6rt und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr gef\u00fchrt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kanzlerin mahnt.<\/p>\n<p>Der Erste B\u00fcrgermeister<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> fordert Haltung.<\/p>\n<p>Sinken die Zahlen schon? Ach, es sind die vom Wochenende.<\/p>\n<p>Sie mahnen. Sie erinnern an die AHA-Regel.<\/p>\n<p>Wir fahren auf Sicht. Wir halten Abstand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Apostel macht Mut.<\/p>\n<p>Die Propheten lieben die Barmherzigkeit.<\/p>\n<p>Kommt der Herr schon? Ach, es ist erst Advent.<\/p>\n<p>Sie tr\u00f6sten. Sie zeigen uns die Adventsregeln.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren ihre Worte. Wir \u00fcben uns im Glauben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gab eine Zeit, da waren die Apostel noch ganz beseelt. Die Gemeinde erlebte t\u00e4glich, dass das Alte vergangen war. Es war zwar noch nicht erschienen, wie es sein w\u00fcrde. Aber es war so unzweifelhaft: Christus kommt bald. Der Herr ist nahe. Diese Welt mit ihren Schmerzen wird ein Ende haben. Bald. Nicht mehr lange. Die Krankheiten werden aufh\u00f6ren. Das Virus wird verschwunden sein. Niemand wird sich anstecken. Die Tr\u00e4nen werden getrocknet sein. Niemand wird nach Atem ringen. Es wird keine K\u00fchlhallen mehr geben, in denen sich die S\u00e4rge stapeln. Niemand wird ertrinken. Die ganze elende Angst wird verflogen sein. Der Tod wird nicht mehr sein. Bald. Nicht mehr lange. Dann ist es geschafft. Christus kommt.<\/p>\n<p>Welcher Apostel ruft da noch zur Ausdauer auf, wenn Christus schon vor der T\u00fcr steht? Welche Gemeinde h\u00e4lt noch Abstand, wenn die Hoffnung schon zum Greifen nah ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie anders ist es heute. Die Kanzlerin mahnt und der Apostel erinnert an die n\u00f6tige Geduld. Der Sommer war lang und warm. Fast hatten wir es vergessen. Und jetzt ist Advent. Die Zeit hat sich gedehnt. Jeden Morgen r\u00fcckt der Tag, an dem dies alles geschafft sein wird, in weitere Ferne. Bald, ja bald ist wirklich Advent. \u201eBald\u201c ist ein Zukunftswort, eine Schwester der Geduld.<\/p>\n<p>Es gab diese Zeit, da waren die Apostel noch ganz beseelt.<\/p>\n<p>Und dann kam die Zeit, da hatte die Gemeinde fast vergessen, dass Christus kommt.<\/p>\n<p>Und trotzdem spricht der Apostel immer noch von Geduld.<\/p>\n<p>Und trotzdem wissen wir es noch immer nicht, wann er kommt.<\/p>\n<p>Das ist die neue Normalit\u00e4t. Der Advent ist das neue Normal \u2013 gibt uns der Apostel zu verstehen und so leben wir mit diesem fernen \u201eBald\u201c, zu dem Christus ganz gewiss kommt.<\/p>\n<p>Immerhin macht uns der Apostel fit f\u00fcr diesem neuen, normalen Advent. Er fl\u00f6\u00dft uns tr\u00f6pfchenweise Geduld f\u00fcr die neue Normalit\u00e4t ein. Er ermutigt uns mit einer Advents-Regel. Die soll \u00fcber die Zeit hinweghelfen, bis aus dem \u201eBald\u201c ein \u201eJetzt\u201c geworden ist &#8211; bis wir es geschafft haben und alles gut ist. Nach dieser Adventsregel gilt es Geduld, Barmherzigkeit und Vertrauen einzu\u00fcben. Drei Vorbilder und Beispiele gibt uns der Apostel auch mit an die Hand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vom klugen Bauern sollen wir die Geduld \u00fcbernehmen. Der Bauer wei\u00df, dass er auf den Regen angewiesen ist. Aber er handelt auch professionell. Was n\u00fctzt der Regen, wenn der Bauer den Boden nicht vorbereitet hat. Andererseits bleibt seine ganze Sorgfalt sinnlos, wenn er nicht darauf vertraut, dass der Regen kommt. Entsprechend ist der Bauer aktiv und geduldig zugleich. Er wartet, arbeitet, sucht den Himmel ab und lebt sein Leben.<\/p>\n<p>So geht Advent: Den Himmel Gottes niemals aus den Augen verlieren und t\u00e4glich das N\u00f6tige tun, damit Brot und Wein auf den Tisch kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von den Propheten sollen wir die Barmherzigkeit \u00fcbernehmen. Die Propheten wussten, wie schwer es ist, miteinander auszukommen. Sie kannten die Sorglosigkeit der Reichen und deren Verachtung f\u00fcr die Schwachen. Sie haben sich den Spielchen der Verantwortungslosen verweigert und haben es ertragen, wenn man sie dem\u00fctigte. Sie haben gelitten und blieben barmherzig, weil Gottes Barmherzigkeit sie st\u00e4rkte.<\/p>\n<p>So geht Advent: Das Herz offen halten f\u00fcr die Spuren von Gottes Barmherzigkeit in dieser Welt, und denen, die verantwortungslos handeln, nicht die Macht \u00fcber die eigenen Gedanken und Taten einr\u00e4umen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Hiob sollen wir schlie\u00dflich das unersch\u00fctterliche Vertrauen zu Gott \u00fcbernehmen. Hiob hat sich standhaft geweigert, an Gottes Treue zu zweifeln. Er hat vor den Tr\u00fcmmern seines Lebens gestanden, mit Geschw\u00fcren und zerrissenen Kleidern im Dreck gehockt. Er hat sich nicht auf den Zynismus seiner Freunde eingelassen. Undenkbar war es ihm, dass Gott ihn preisgeben w\u00fcrde. Er hat das Leiden ertragen, weil er gewiss war, dass sein Erl\u00f6ser lebt.<\/p>\n<p>So geht Advent: Die Ohren vor den ver\u00e4chtlichen Stimmen verschlie\u00dfen. Denen widersprechen, die die Liebe und Treue verspotten, von Gott nicht lassen und Gott alles zutrauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kanzlerin mahnt.<\/p>\n<p>Der Erste B\u00fcrgermeister fordert Haltung.<\/p>\n<p>Kommt der Herr schon? Es ist erst Advent.<\/p>\n<p>Aber der Apostel macht Mut, den Advent so lange auszuhalten, bis aus dem \u201eBald\u201c ein \u201eJetzt\u201c wird.<\/p>\n<p>So geht also Advent: Wir \u00fcben mit den Worten der Apostel und Propheten. Wir \u00fcben uns im Glauben. Wir \u00fcben die Geduld.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Katharina Wiefel-Jenner<\/p>\n<p>Berlin<\/p>\n<p><a href=\"mailto:wiefel_jenner@hotmail.com\">wiefel_jenner@hotmail.com<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Katharina Wiefel-Jenner, geb.1958, Pfarrerin i.R., bildet als Dozentin f\u00fcr Liturgik und Homiletik Ehrenamtliche f\u00fcr den Verk\u00fcndigungsdienst aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Diese Predigt wurde in Hamburg gehalten, wo der Ministerpr\u00e4sident Erster B\u00fcrgermeister heisst. (Anm. d. Red.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Jakobus 5,7-11| verfasst von Katharina Wiefel-Jenner | &nbsp; So seid nun geduldig, Br\u00fcder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Fr\u00fchregen und Sp\u00e4tregen. 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