{"id":3825,"date":"2020-12-08T09:11:22","date_gmt":"2020-12-08T08:11:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3825"},"modified":"2020-12-08T15:14:47","modified_gmt":"2020-12-08T14:14:47","slug":"die-transzendentale-erdverankerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/die-transzendentale-erdverankerung\/","title":{"rendered":"Die transzendentale Erdverankerung"},"content":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 11,2-10 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Elof Westergaard |<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Jesus Christus.<\/p>\n<p>Du Rose in der W\u00fcste und Sohn Gottes,<\/p>\n<p>deine Wurzeln sind im Himmel,<\/p>\n<p>und sie n\u00e4hren die Erde.<\/p>\n<p>Du verwandelst das unfruchtbare Land in einen bl\u00fchenden Garten.<\/p>\n<p>Weir bitten dich:<\/p>\n<p>Gib uns himmlische Schwerkraft,<\/p>\n<p>so dass wir Fu\u00df fassen.<\/p>\n<p>St\u00e4rke unsere unruhigen Herzen,<\/p>\n<p>dass der Glaube an dich w\u00e4chst<\/p>\n<p>und die Gemeinschaft zwischen uns bl\u00fcht.<\/p>\n<p>\u00d6ffne unsere Ohren f\u00fcr dein Wort,<\/p>\n<p>und gib uns einen Blick f\u00fcr das neue Leben, das du in die Welt bringst.<\/p>\n<p>Wir warten auf dein Kommen,<\/p>\n<p>du, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Johannes der T\u00e4ufer sitzt im Gef\u00e4ngnis, und er muss deshalb andere ausschicken, seine J\u00fcnger, um Jesus zu fragen, ob er wirklich der ist, auf den sie warten: \u201eBist du, Jesus, wirklich der Messias, Christus, der Erl\u00f6ser?\u201c Jesus antwortet ihnen, dass sie zur\u00fcckgehen sollen zu Johannes dem T\u00e4fer und ihm erz\u00e4hlen sollen, was sie sehen: Blinde k\u00f6nnen wieder sehen, Taube h\u00f6ren und Tote stehen auf.<\/p>\n<p>Unmittelbar, wenn ich das Evangelium heute h\u00f6re, komme ich nicht umhin, daran zu denken, ob Johannes der T\u00e4ufer, der Jesus getauft hat, vielleicht doch an der Identit\u00e4t und Autorit\u00e4t Jesu gezweifelt hat.&nbsp; Sa\u00df Johannes der T\u00e4ufer in seinem Gef\u00e4ngnis und zweifelte an seinem alten Sch\u00fcler? Dar\u00fcber brauche ich aber nicht weiter nachzudenken. Die folgenden Worte Jesu an die Volksscharen machen n\u00e4mlich deutlich: Indem Johannes der T\u00e4ufer seine J\u00fcnger ausschickt, um Jesus zu fragen, wer er ist, tut er nur das, was er immer tut, n\u00e4mlich auf Christus hinzuzeigen. Er schickt seine J\u00fcnger aus, so dass sie sehen k\u00f6nnen, wer Jesus ist.<\/p>\n<p>Es besteht somit kein Grund, ein tiefgr\u00fcndiges Portrait von Johannes dem T\u00e4ufer zu zeichnen, die Zweideutigkeit hervorzuheben, die sicher in ihm war, die sicher in jedem Menschen wohnt, der Zweifel und die Unsicherheit, die in uns wohnen kann und die uns gegen\u00fcber einander gegen\u00fcber und in Bezug auf alles in der Welt verunsichern kann. Nein, Jesus sagt es so deutlich: Johannes der T\u00e4ufer ist der Engel, der Sendbote, der den Weg bereitet f\u00fcr Jesus. Johannes der T\u00e4ufer steht stets da und verweist auf Christus.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Neulich las ich ein kleines Buch \u00fcber ein Gespr\u00e4ch mit dem Titel: Gott, Geist und Geld, 2012 nach der Finanzkrise geschrieben. In dem Gespr\u00e4ch zwischen den Philosophen Peter Sloterdeijk und Thomas Macho sowie dem Dichter Manfred Osten f\u00fchrte der letztere aus, wie wir in unserer Zeit die transzendentale Erdverankerung verloren haben.<\/p>\n<p>Diesen Ausdruck hatte ich noch nie geh\u00f6rt. Wir haben die transzendentale Erdverankerung verloren. Was bedeutet das? Ja, hier in unserer Zeit kommt geht alles um Geld und das was man sehen, messen und wiegen kann. D.h. hier vergessen wir leicht das, was \u00fcber das hinausgeht, was man messen kann. Wir haben eine starke Tendenz, alles zu rubrizieren und damit das R\u00e4tselhafte und Verwunderliche im Dasein zu reduzieren, all das was uns Leben, Freude und Hoffnung schenkt.<\/p>\n<p>Hier kann es sehr wohl angebracht sein, auf Johannes den T\u00e4ufer zu blicken und sich von ihm inspirieren zu lassen. Das Verlorene bekommen wir nicht so einfach wieder. Das moderne Leben hat uns im Griff. Aber wir k\u00f6nnen uns darin \u00fcben, unseren Sinn sch\u00e4rfen f\u00fcr die transzendentale Erdverankerung, so wie Johannes der T\u00e4ufer dies tat, indem er weg von sich selbst zeigte und hin auf Christus, auf die Hoffnung, den Frieden, die Vergebung und die Freiheit, die er in die Welt bringt.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass wir dem modernen Leben den R\u00fccken zukehren sollen, in ein inneres Kloster gehen sollen, aber wir sollen wie Johannes der T\u00e4ufer verstehen, dass uns anderes und mehr begegnet als das, was wir sehen und wiegen k\u00f6nnen. Gott kommt uns entgegen. Dass dies geschieht, darauf warten wir in der Adventszeit, wo wir auf Weihnachten warten, auf die Geburt Jesu. Wenn Gott bei uns ist, haben wir im Grunde nichts zu bef\u00fcrchten. Licht scheint in der Finsternis, die Rosen, so d\u00fcrfen wir hoffen, werden bl\u00fchen, selbst im leeren und \u00f6den Land.<\/p>\n<p>Das geschehe im Namen Jesu. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bischof Elof Westergaard<\/p>\n<p>Korsbr\u00f8dregade 7<\/p>\n<p>DK 6760 Ribe<\/p>\n<p>eve(at)km.dk<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 11,2-10 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Elof Westergaard | &nbsp; &nbsp;Jesus Christus. Du Rose in der W\u00fcste und Sohn Gottes, deine Wurzeln sind im Himmel, und sie n\u00e4hren die Erde. Du verwandelst das unfruchtbare Land in einen bl\u00fchenden Garten. Weir bitten dich: Gib uns himmlische Schwerkraft, so dass wir Fu\u00df fassen. 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