{"id":3851,"date":"2020-12-11T14:58:43","date_gmt":"2020-12-11T13:58:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3851"},"modified":"2020-12-11T15:01:02","modified_gmt":"2020-12-11T14:01:02","slug":"die-nacht-ist-vorgedrungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/die-nacht-ist-vorgedrungen\/","title":{"rendered":"Die Nacht ist vorgedrungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigt \u00fcber das Lied \u201eDie Nacht ist vorgedrungen\u201c von Jochen Klepper (1938)\u00a0 EG 16 | Johannes L\u00e4hnemann |\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>gehalten am 3. Sonntag im Advent, 13. Dezember 2020 in der Neuwerk-Kirche Goslar<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eDie Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages\u201c \u2013 unter diesem Motto hat J\u00f6rg Zink, den viele von uns durch seine geistlichen Besinnungen, besonders auch bei den Kirchentagen, kennen, ein B\u00fcchlein unter diesem Titel geschrieben. \u201eDie Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages\u201c. Das scheint zun\u00e4chst eine banale Tatsache zu sein: Nat\u00fcrlich beginnt um Mitternacht der neue Tag. Aber f\u00fcr J\u00f6rg Zink meint das viel mehr. Er nimmt ernst, dass es um Mitternacht am dunkelsten ist und dass dann etwas Neues beginnen kann. Das Dunkel ist uns in dieser Adventszeit ganz besonders gegenw\u00e4rtig: das Dunkel der Ungewissheit, die mit der Corona-Krise \u00fcber uns alle gekommen ist. Es ist das Dunkel, das viele Menschen besonders trifft, die es ohnehin nicht leicht haben im Leben \u2013 die am Rande der Armut leben, die um ihre wirtschaftliche Existenz f\u00fcrchten m\u00fcssen, die in Notgebieten wohnen, die auf der Flucht sind. Wie viele hat es krankheitsm\u00e4\u00dfig unerwartet getroffen! Wie viele, f\u00fcr die der pers\u00f6nliche Kontakt eigentlich lebensnotwendig ist, leiden unter den fast vollkommenen Kontakteinschr\u00e4nkungen! Wie viele sind eigentlich \u00fcberfordert, die sich gerade um Andere k\u00fcmmern m\u00fcssen!<\/p>\n<p>\u201eDie Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages\u201c: Wenn J\u00f6rg Zink dieses Motto w\u00e4hlt, dann meint er damit nicht einfach: \u201eKopf hoch, es wird schon wieder werden\u201c. Er meint damit, dass f\u00fcr uns als glaubende und hoffende Menschen der neue Tag eine zentrale, tiefe Bedeutung hat. Dabei wird die Erfahrung der Dunkelheit, der Not und der Angst nicht besch\u00f6nigt.<\/p>\n<p>Was die Aussage \u201eDie Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages\u201c bedeutet, wird in keinem anderen Lied so intensiv bedacht und ausgedr\u00fcckt wie in Jochen Kleppers Lied \u201eDie Nacht ist vorgedrungen\u201c. Es ist nicht zu Unrecht das wohl bekannteste und zugleich tiefgr\u00fcndigste deutsche Adventslied des letzten Jahrhunderts. Wir wollen heute seinen einzelnen, gewichtigen Versen und Wendungen nachgehen und ihnen nach-denken. Dabei kommt uns die \u00a0zentrale Botschaft des christlichen Glaubens ganz besonders nahe.<\/p>\n<p>Vers 1: <em>Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.<\/em><\/p>\n<p>\u201eDie Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.\u201c<\/p>\n<p>Das Bild der vergehenden Nacht, des neu anbrechenden Tages ist das Bild des Advent: der Zeit der Erwartung, der Zeit der Vorbereitung auf das Neue, das kommt.<\/p>\n<p>Der Tag k\u00fcndigt sich an mit dem Licht, mit dem Morgenstern, der hell aufstrahlt. Das Licht f\u00e4llt hinein in das Dunkel: \u201eAuch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein\u201c. Das Dunkel all derer, die zur Nacht weinen, soll nicht dunkel bleiben, \u00fcber der Angst und Pein soll es hell aufstrahlen.<\/p>\n<p>Wer ist der Dichter dieses Liedes mit seinen ungeheuer starken, aussagekr\u00e4ftigen Bildern? Und welche Erfahrung verbirgt sich hinter diesen Zeilen?<\/p>\n<p>Unter unserem Liedtext steht der Name: Jochen Klepper und eine Jahreszahl: 1938. Name und Jahreszahl verbinden sich zu einem besonderen, uns heute noch bewegenden Lebensschicksal: Jochen Klepper war zum Ende der 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts der vielleicht bekannteste j\u00fcngere evangelische Dichter in Deutschland. \u2013 Im Jahr vor unserem Lied war sein gro\u00dfer biographischer Roman \u201eDer Vater\u201c erschienen, das Buch \u00fcber den \u201eSoldatenk\u00f6nig\u201c, den Vater Friedrichs des Gro\u00dfen. Seine Darstellung dieses pflichtbewussten, oft penibel sparsamen aber zugleich tief gl\u00e4ubigen K\u00f6nigs wurde ein Bestseller. Auch viele dem Nationalsozialismus zugeneigte Pers\u00f6nlichkeiten lasen es. Dabei war es ein Buch, das in seinen Grundz\u00fcgen eine scharfe Kritik an der Herrschaftsideologie des Nationalsozialismus und seiner Verg\u00f6tzung der F\u00fchrerschaft enthielt.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Jochen Klepper ist mit einer \u2013 zuvor verwitweten \u2013 j\u00fcdischen Frau verheiratet, die zwei T\u00f6chter mit in die Ehe brachte. Schon 1933 hatte man ihm nahegelegt, sich doch scheiden zu lassen. Von der Kirche, die in der Judenfrage weithin kaum entschieden auftrat, konnte er keine durchgreifende Unterst\u00fctzung erwarten. Die zunehmende Judenfeindlichkeit bekommen er und seine Familie immer st\u00e4rker zu sp\u00fcren. Jochen Klepper hat all die Jahre hindurch minuti\u00f6s ein Tagebuch gef\u00fchrt, das alle Einschr\u00e4nkungen ersch\u00fctternd dokumentiert. Die \u00e4ltere Tochter Brigitte kann noch emigrieren. Die j\u00fcngere Tochter Renate muss bald darauf den Judenstern tragen. Alle Bem\u00fchungen um ihre Ausreise scheitern. Als schlie\u00dflich deren Deportation bevorsteht, sehen Jochen Klepper, seine Frau Hanni und die Tochter Renate am Ende keinen Ausweg mehr, als gemeinsam in den Tod zu gehen.<\/p>\n<p>\u201eAuch wer zur Nacht geweinet\u201c \u2026 &#8211; Jochen Klepper wei\u00df, wovon der schreibt, wenn er diese Worte w\u00e4hlt. Er steht an der Seite aller derer, die zur Nacht weinen, die in Angst, in Not, in Verzweiflung leben.<\/p>\n<p>Wie aber kann er in dieser Situation zu dem Aufruf kommen: \u201eAuch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein\u201c? Was ist f\u00fcr ihn der \u201eMorgenstern\u201c, der auch seine Angst und Pein bescheint und aufhellt, ja, von dem er \u00fcberzeugt ist, dass er die Angst und Pein eines jeden beleuchtet, der dieses Lied singt, f\u00fcr das der Komponist Johannes Petzold schon ein Jahr sp\u00e4ter die Melodie geschrieben hat, die dem Text so sehr entspricht?<\/p>\n<p>Das entfaltet Jochen Klepper in den weiteren Strophen des Liedes, die er damals, an einem Samstag vor dem vierten Advent, entworfen hat.<\/p>\n<p>Vers 2: <em>Dem alle Engel dienen, wird nun ein Kind und Knecht.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Gott selber ist erschienen zur S\u00fchne f\u00fcr sein Recht.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Wer schuldig ist auf Erden, verh\u00fcll nicht mehr sein Haupt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Er soll errettet werden, wenn er dem Kinde glaubt.<\/em><\/p>\n<p>In dieser Strophe stellt uns Jochen Klepper gro\u00dfe, ja eigentlich unvereinbare Gegens\u00e4tze vor Augen. Da ist einerseits eine Niedrigkeitslinie: von einem Kind, von einem Knecht, von S\u00fchne und Schuld ist die Rede.<\/p>\n<p>Und auf der anderen Seite wird behauptet, dass Gott selbst es ist, der diesen Niedrigkeitsweg geht, dass der, dem die Engel dienen, ein Kind und Knecht wird. \u2013 Und diesem Kinde soll man glauben, um errettet zu werden?! Ist es nicht eine Illusion, einem Kinde glauben zu wollen? Ist es nicht eine Illusion, in der Niedrigkeit Gott zu entdecken? \u2013 Hat nicht gerade Jochen Klepper erfahren m\u00fcssen, wo die Macht sitzt, und wie sie sich an den Schwachen, den Hilflosen, den vermeintlich Lebensunwerten vergreift?<\/p>\n<p>Wie soll da die Rede von der Schwachheit eine Hilfe, ein Trost sein?<\/p>\n<p>Schwach und unscheinbar allerdings war das Leben Jesu, jedenfalls, wenn man es historisch betrachtet: Seine Geburt liegt letztlich im Dunkeln \u2013 irgendwo ganz am Rande des m\u00e4chtigen r\u00f6mischen Weltreiches. Den kargen historischen Daten nach, die wir haben, ist er ein Wanderprediger, ein j\u00fcdischer Rabbi, der das Reich Gottes erwartet, der nur eine kleine, unbedeutende Anh\u00e4ngerschaft hat. Historisch gesehen endet er am Kreuz, stirbt den Tod, den damals vor allem verurteilte Sklaven erleiden mussten.<\/p>\n<p>Die Perspektive aber, aus der Jochen Klepper heraus diesen Vers schreibt, ist die, dass dieser Tod nicht das Ende war, sondern dass es f\u00fcr die J\u00fcnger ein Ostern gab, einen unerwarteten Neuanfang, einen neuen Tag nach der Nacht, &#8211; dass der gekreuzigte Jesus sich als ihr lebendiger Herr erwiesen hat, dass Gott selbst in ihm seine Kraft, seinen Sieg \u00fcber den Tod gezeigt hat.<\/p>\n<p>Dann aber muss der ganze Weg Jesu, dieser ganz menschliche, irdische Weg schon unter dem Vorzeichen von Gottes Liebe, Gottes Hinwendung zu den Menschen, von seinem Hineinkommen in unsere Not gepr\u00e4gt sein. Wie radikal diese Heilsbotschaft Gottes Hineinkommen in ein ganz irdisches Leben zum Ausdruck bringt, hat mir ein Gespr\u00e4ch gezeigt, von dem mir eine junge Pastorin, eine fr\u00fchere Mitarbeiterin von mir, berichtet hat. In einem Gespr\u00e4chskreis christlicher und muslimischer Frauen wurde sie von einer Muslima gefragt, ob sie schon einmal bei einer Geburt dabei gewesen sei. Das sei doch nichts \u00c4sthetisches, nichts Sch\u00f6nes. Da g\u00e4be es Schmerzen, da g\u00e4be es Blut, da g\u00e4be es St\u00f6hnen, bis endlich das Kind da sei. Und da soll sich Gott hineinbegeben haben? Die Pastorin antwortete: Ja, so genauso ist das. In diese menschliche Schwachheit, in diese Angewiesenheit, hat sich nach unserem Glauben Gott hineinbegeben.<\/p>\n<p>Deshalb kann Jochen Klepper sagen, dass der Herr aller Dinge ein Knecht wird. So kann er sagen, dass die, die sich als schwach und schuldig erfahren, nicht mehr zu verzweifeln brauchen, wenn sie sich an die Seite Jesu stellen, wenn sie sich Gott anvertrauen, Gott, der die Schwachheit und Verletzlichkeit eines Kindes angenommen hat.<\/p>\n<p>Vers 3: <em>Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf!<\/em><\/p>\n<p><em>Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Von Anfang an verk\u00fcndet, seit eure Schuld geschah.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Nun hat sich euch verb\u00fcndet, den Gott selbst ausersah.<\/em><\/p>\n<p>In dieser Strophe werden wir aufgefordert, uns auf den Weg zu machen, an einen Ort, der alles andere ist als ein gl\u00e4nzender Palast: Wir sollen uns aufmachen zum Stall, dem Ort der Tiere, dem Ort, den Menschen allenfalls als Fl\u00fcchtlings-, als Notquartier aufsuchen. Und Jochen Klepper, f\u00fcr den es praktisch keine Zuflucht gab vor dem Unrechtsregime der Nationalsozialisten, verweist auf dieses Symbol einer \u00e4rmlichen und menschen-unw\u00fcrdigen Behausung. Ja, was noch unerh\u00f6rter ist: Dieser Ort wird \u2013 im Licht der Osterbotschaft \u2013 zum Mittelpunkt der Geschichte! Hier ereignet sich das Heil, das Gott seit Anfang der Zeiten f\u00fcr uns im Sinn tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Dass wir uns \u201eaufmachen\u201c sollen hei\u00dft: Wir sollen nicht verharren in der Dunkelheit, nicht fixiert sein auf Schuld und Verlorenheit, darauf, dass gerade in der gegenw\u00e4rtigen Krise unsere Gedanken nur um uns selbst kreisen, sondern wir sollen Schritte tun hin auf das Licht, das an diesem unscheinbaren Ort aufleuchtet, dorthin gehen, wo wir den finden, den Gott dazu ausersehen hat, den Tod und alle Schuld zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Vers 4: <em>Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und Schuld.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Begl\u00e4nzt von seinem Lichte h\u00e4lt euch kein Dunkel mehr.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her. <\/em><\/p>\n<p>Die 4. Strophe richtet den Blick in die Zukunft. Sie zeigt, dass Jochen Klepper nichts besch\u00f6nigen will. Solange unsere irdische Geschichte w\u00e4hrt, werden Menschenleid und -schuld nicht aufh\u00f6ren. F\u00fcr Klepper steckt darin auch gewiss eine Vorahnung des Leides und der Schuld, die der Nationalsozialismus und der Krieg noch \u00fcber die V\u00f6lker Europas bringen sollte, \u00fcber Polen und Russen, \u00fcber Tschechen und Franzosen, \u00fcber Deutsche und Skandinavier und besonders \u00fcber das vermeintlich lebensunwerte Leben in den Anstalten, \u00fcber Sinti und Roma und am \u00fcber Millionen von Juden.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns mag eine Vorahnung darin stecken, was durch fehlgeleitete menschliche Herrschsucht, Genusssucht, Sicherheitssucht und Gedankenlosigkeit in der Ausnutzung der Lebensressourcen in unserer Generation der Zukunft an B\u00fcrden auferlegt wird. Oft genug m\u00fcssen wir uns fragen: Was hat sich wirklich ge\u00e4ndert, was ist menschlicher, was ist neu geworden seit Christus? Wann wird die Last menschlichen Versagens einmal geringer, einmal leichter? Jochen Klepper setzt dem eine Vision entgegen, die ungeheuer k\u00fchn das Ende der Macht des Dunkels for Augen f\u00fchrt: \u201eDoch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Begl\u00e4nzt von seinem Lichte h\u00e4lt euch kein Dunkel mehr. Von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.\u201c<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns das sagen lassen von Jochen Klepper als von einem Menschen, der schlie\u00dflich nur durch den Tod hindurch Gottes Licht geschaut hat, dessen letzter Tagebucheintrag auf das Bild des am Kreuz segnenden Christus verweist. Jesus Christus selbst ist es, der die Dunkelheit \u00e4u\u00dferster Gottverlassenheit durchschritten hat. Er ist durch diese Verlassenheit zum Leben durchgedrungen. Mit dem Licht seines neuen Lebens will er einen jeden unserer Tage begleiten. \u2013 Kein Dunkel soll mehr ewig sein, kein Dunkel uns f\u00fcr immer festhalten.<\/p>\n<p>Vers 5: <em>Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Der sich den Erdkreis baute, der l\u00e4sst den S\u00fcnder nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht.<\/em><\/p>\n<p>In der 5. Strophe kommt noch einmal alles zusammen, was dieses Lied sagen will. Jochen Klepper kann hier die Aussagen \u00fcber Gott nur in Gegens\u00e4tzen fassen, in Gegens\u00e4tzen, durch die Gott aber in seiner ganzen Zuwendung zu allen Widerspr\u00fcchlichkeiten menschlicher Existenz, zu aller Not, Verlorenheit und Schuld erscheint. Sein Gericht \u00fcber menschliche Schuld ist paradoxerweise keine Bestrafung, sondern wie eine Belohnung: Er setzt sich menschlicher Schuld aus! Der, der das Weltall erschaffen hat, ist sich nicht zu gering, sich dem einzelnen, und gerade dem, der an der Last seiner S\u00fcnde tr\u00e4gt, zuzuwenden.<\/p>\n<p>Damit m\u00fcndet das Lied in der Botschaft: Wer hier Jesus vertraut, hat eine ewige Perspektive \u2013 er braucht die Verdammung f\u00fcr seine Schuld nicht mehr zu f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Wer von dieser Verhei\u00dfung wei\u00df, wem dieser Trost gewiss ist, der wird nicht anders k\u00f6nnen, als andere diese Verhei\u00dfung, diesen Trost auch wissen und sp\u00fcren zu lassen. Er wird hinausgehen, wird jeden und jede, die ihm begegnen, mit den Augen der Liebe Jesu sehen lernen. Wie wichtig ist das gerade in diesem Jahr, das uns mit so vielen Unsicherheiten, \u00c4ngsten und N\u00f6ten umgibt: Licht ins Dunkel zu tragen, aufzuhellen, beizustehen in den Bereichen, in denen wir wirken k\u00f6nnen und Verantwortung tragen, und dabei uns selbst immer wieder von dem Licht des Morgensterns umfangen zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt \u00fcber das Lied \u201eDie Nacht ist vorgedrungen\u201c von Jochen Klepper (1938)\u00a0 EG 16 | Johannes L\u00e4hnemann |\u00a0 gehalten am 3. Sonntag im Advent, 13. 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