{"id":3876,"date":"2007-12-25T17:50:57","date_gmt":"2007-12-25T16:50:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3876"},"modified":"2020-12-11T17:57:37","modified_gmt":"2020-12-11T16:57:37","slug":"heiliges-christfest-i-25-12-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/heiliges-christfest-i-25-12-2007\/","title":{"rendered":"Heiliges Christfest I, 25.12.2007"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Predigt zu Johannes 1:1-14 | verfasst von Peter Skov-Jakobsen |<\/strong><\/h3>\n<p>Die Einleitung zum Johannesevangelium ist einer der wunderbarsten Texte der Welt. Sie bringt eine Tiefe, eine Besinnlichkeit und eine Wirklichkeit zum Ausdruck, die an alle Sinne zu appellieren scheinen.<\/p>\n<p>Hier ist vom Wort die Rede &#8211; hier ist die Rede von DEM WORT &#8211; und man ahnt, dass hier mehr dazu geh\u00f6rt, als dass man nur verschiedene Worte ausspricht. Hier ist davon die Rede, dass ein Mensch versucht, das ganze Lebensmysterium mit Hilfe von Begriffen auszudr\u00fccken. Er tut es auf eine solche Art und Weise, dass die Begriffe immerzu \u00fcber sich selbst hinausgelangen. Die einzelnen Worte greifen nach anderen Wirklichkeiten. Da ist nicht nur das Wort als eine intellektuelle Gr\u00f6\u00dfe. Es ist DAS WORT als das, was die Wahrheit ausspricht, die mit mannigfachen Worten gefasst werden kann in der Poesie der Dichter, in ihren Romanen und in ihren Wirklichkeitsbeschreibungen. Es ist DAS WORT, wie es erfasst wird, wenn der Musiker die T\u00f6ne vereint und mit ihnen Wege in der Seele f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Verst\u00e4ndnis schafft. Wir merken oft, wie T\u00f6ne uns angespannt machen k\u00f6nnen, wie sie unser Empfinden zum Nachdenken stimmen k\u00f6nnen; bei uns Ahnungen und Tr\u00e4ume ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Es ist auch DAS WORT, wie Maler es mit ihren Farben und Gestalten ausdr\u00fccken. DAS WORT, das Menschen sehen l\u00e4sst. DAS WORT, das Menschen die Wirklichkeit sehen l\u00e4sst; aber nat\u00fcrlich nur, wenn Menschen ahnen, dass etwas dahinter steht. Es gibt eine Wirklichkeit, die sich nicht mit einzelnen Ausdr\u00fccken fangen l\u00e4sst; eine Wirklichkeit, die all das Feingef\u00fchl, Verst\u00e4ndnis, all die Nachdenklichkeit und N\u00e4he verlangt, die es in der Welt gibt.<\/p>\n<p>DAS WORT kommt auch in Verbindung mit den Taten anderer Menschen zu uns. Wer jemals einem Mitmenschen in einem verstehenden Blick, in einem innerlichen H\u00e4ndedruck, in einer liebevollen Geste begegnet ist, der wei\u00df, dass zwischen Menschen so viel gesagt werden und ein tief empfundenes Verst\u00e4ndnis bestehen kann, das anscheinend niemals den ganz richtigen Ausdruck finden kann. Aber wer die Liebe f\u00fchlt, ist keine Sekunde im Zweifel, dass sich hier eine Ewigkeit ausdr\u00fcckt &#8211; dass hier etwas zum Ausdruck gebracht wird, was die eigene Ordung des Lebens ist.<\/p>\n<p>Wir bemerken im selben Augenblick, dass die Ewigkeit hier in unserer Welt einen Ort gefunden hat. DAS WORT macht es uns m\u00f6glich, die Unechtheit, die Ungerechtigkeit und die Dummheit zu durchschauen. DAS WORT gibt uns den Mut, durch die Bosheit hindurchzusehen.<\/p>\n<p>Wenn wir die Welt betrachten, k\u00f6nnen wir unsere Gedanken nicht davon l\u00f6sen, dass es aussieht, als g\u00e4be es ein furchtbares Chaos in der Welt, das unabl\u00e4ssig \u00fcber uns hereinzubrechen droht. Wenn wir uns selbst betrachten, merken wir auch, dass wir eine Menge von M\u00f6glichkeiten in uns bergen. Wir bemerken, dass furchtbare Neigungen lauernd in uns unter der Oberfl\u00e4che liegen. Nicht immer muss Gro\u00dfes geschehen, um unseren Neid zu wecken &#8211; auch nicht, um unser Misstrauen zu erregen, und unaufh\u00f6rlich droht die Abk\u00fchlung unserer Beziehungen zur Umwelt.<\/p>\n<p>In uns lebt auch eine schreckliche Angst. Wir ertragen das Grauen davor, von Krankheit gel\u00e4hmt zu werden. Wir schaudern bei dem Gedanken, pl\u00f6tzlich Opfer von Zuf\u00e4llen zu werden, die unser Leben zerst\u00f6ren k\u00f6nnen. Terror und Naturkatastrophen sind die t\u00e4glichen Plagegeister vieler Menschen.<\/p>\n<p>Viele von uns plagen uns mit Besorgnissen, die uns nahezu des Atems berauben. Die Besorgnisse scheinen unabl\u00e4ssig Worte finden zu wollen! Aber es regt sich ein schreckliches Minusleben in ihnen, denn es ist, als ob sie sich zwischen uns und unsere Mitmenschen sch\u00f6ben und Abstand sch\u00fcfen. Wer nichts anderes als diese Besorgnisse in sich zu tragen vermag, ger\u00e4t schnell dahin, dass man nicht die Wahrheit sagt, denn man ist den Besorgnissen nicht gewachsen, man vermag es nicht mit anzuh\u00f6ren, wenn sie wieder und wieder die Runde machen.<\/p>\n<p>Aber wir kommen heute zusammen, um uns gegenseitig an die Forderung des Glaubens zu erinnern: dass Gott die Welt liebt und dass Gott sich der Welt hingab und Mensch wurde. Wir kommen heute zusammen, um uns daran zu erinnern, dass die Wahrheit und die Liebe sich nicht an die majest\u00e4tischen H\u00f6hen hielten, nicht einfach nur in der Welt erklangen als gute Prinzipien, sondern als Mensch gegenw\u00e4rtig wurden.<\/p>\n<p>DAS WORT, von dem wir sprechen, ist nicht nur ein Gedanke, ein Prinzip, eine Idee. Ideen m\u00f6gen sch\u00f6n und gut sein, aber sie k\u00f6nnen nicht lieben.<\/p>\n<p>Der Glaube postuliert gerade das nahezu Ungeheure, dass Gott mit einem Traum ganz auf den Menschen eindringt. Im Glauben haben wir das Vertrauen, dass die Welt nicht einem Chaos anheimgegeben ist. Das Chaos, das wir f\u00fcrchten und das uns wahrlich ununterbrochen in der Form von Machtmissbrauch von Menschen, von Egoismus, von Abgestumpftheit, von Hass auf andere Menschen bedroht &#8211; dieses Chaos ist auf Einspruch gesto\u00dfen, und es wird mit dem entlarvenden Postulat des Glaubens einged\u00e4mmt: dass Gott die Welt liebt und in seiner Liebe eine Nachdenklichkeit, ein Empfinden, eine Tat schafft, die seinen Willen zum Leben widerspiegelt.<\/p>\n<p>Jesus wurde geboren, und weil wir sein Leben und seinen Tod kennen, glauben wir auch, dass es richtig ist, dass er die Liebe und Wahrheit ausdr\u00fcckte, die Menschen den Mut schenken sollen, sich dem Glauben daran hinzugeben, dass es eine g\u00f6ttliche Liebe gibt, die Menschen niemals im Stich l\u00e4sst. Es gibt eine Liebe, die uns unsere Augen auf das Licht richten l\u00e4sst. Es gibt eine Liebe, die uns Worte, Gedanken und Taten gibt, die der Ewigkeit und dem Leben dienen. Es gibt eine Liebe, die Gott nicht von Menschen trennt, sondern Gott und Mensch verbindet. Es gibt eine Liebe, die Menschen vereint und im Menschen einen Taum schafft, dass Gott alles in allen sein kann. Wenn Gott alles in allen ist, dann glauben wir, dass der Mensch es wagt, menschlich zu sein. Menschlich zu sein bedeutet zu allererst, dass man an dem Mitgef\u00fchl mittr\u00e4gt, das Jesus unabl\u00e4ssig zum Ausdruck brachte. Wenn Gott alles in allen ist, dann sind wir weit weg von den Verurteilungen, und dann greift niemand zu den Verfluchungen.<\/p>\n<p>DAS WORT hat Wohnung in uns genommen. Wenn das geschieht, dann wagt man es, von der Welt, die kommen wird, zu tr\u00e4umen. Davon zu tr\u00e4umen, dass Gott sich auch unter uns geboren werden l\u00e4sst. Wir tr\u00e4umen davon, dass Gott sich zwischen uns stellen und uns mitf\u00fchlend, nachdenklich machen m\u00f6ge, so dass wir den wahren Gedanken zu greifen, das Richtige zu tun, den Schwachen in Schutz zu nehmen wagen.<\/p>\n<p>Christus wurde geboren &#8211; ja tagt\u00e4glich wird er in die Welt hinein geboren, in der die Hoffnung ein St\u00fcck vorw\u00e4rts gebracht wird.<\/p>\n<p>Frohe Weihnachten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"fuss\">\nPastor Peter Skov-Jakobsen<br \/>\nK\u00f8benhavn (D\u00e4nemark)<br \/>\nE-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:pesj(a)km.dk\">pesj(a)km.dk<\/a><\/div>\n<div id=\"bemerkung\">\n<b>Bemerkung:<\/b><br \/>\n\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Johannes 1:1-14 | verfasst von Peter Skov-Jakobsen | Die Einleitung zum Johannesevangelium ist einer der wunderbarsten Texte der Welt. 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