{"id":3914,"date":"2008-12-24T18:21:30","date_gmt":"2008-12-24T17:21:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3914"},"modified":"2020-12-11T18:24:02","modified_gmt":"2020-12-11T17:24:02","slug":"heiliger-abend-24-12-2008-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/heiliger-abend-24-12-2008-2\/","title":{"rendered":"Heiliger Abend, 24.12.2008"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Matth\u00e4us 1:18-25 | verfasst von Luise Stribrny de Estrada |<\/h3>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Liebe Schwestern und liebe Br\u00fcder!<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Heute, in dieser Heiligen Nacht, wollen wir uns der Geburt Jesu auf einem anderen Weg als sonst n\u00e4hern. Ich m\u00f6chte die Weihnachtsgeschichte als Geschichte Josefs erz\u00e4hlen. Josef, der \u00fcblicherweise am Rand steht und keine grosse Rolle spielt, r\u00fcckt heute in den Mittelpunkt.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Auch der Evangelist Matth\u00e4us r\u00fcckt den Adoptivvater Jesu ins Zentrum.. Er erz\u00e4hlt uns zu Beginn seines Evangeliums, wie Josef die Schwangerschaft Marias und die Geburt des Jesuskindes erlebte. H\u00f6ren wir jetzt diese andere Weihnachtsgeschichte:<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\"><em>Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, da\u00df sie schwanger war von dem heiligen Geist.<\/em><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\"><em>Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.<\/em><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\"><em>Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, f\u00fcrchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist.<\/em><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\"><em>Und sie wird einen Sohn geb\u00e4ren, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren S\u00fcnden.<\/em><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\"><em>Das ist aber alles geschehen, damit erf\u00fcllt w\u00fcrde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14):<\/em><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\"><em>&#8222;Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn geb\u00e4ren, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben\u00ab, das hei\u00dft \u00fcbersetzt: Gott mit uns.<\/em><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\"><em>Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.<\/em><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\"><em>Und er ber\u00fchrte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (Mt. 1,18-25)<\/em><\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Josef steckt in Problemen: Da ist seine Verlobte schwanger, aber er weiss, dass er nicht der Vater sein kann. Er ist verletzt und gekr\u00e4nkt, denn sie musss sich ja mit einem anderen Mann eingelassen haben. Und er hatte ihr vertraut und an eine gemeinsame Zukunft geglaubt! Was f\u00fcr ein Dummkopf war er gewesen! Bald wird das ganze Dorf \u00fcber ihn lachen! Was soll er jetzt tun? Josef \u00fcberlegt hin und her und kommt zu dem Schluss, dass er Maria am besten heimlich verlassen wird. Er kann doch nicht so tun, als ob nichts geschehen w\u00e4re, das l\u00e4sst sein Stolz nicht zu! Aber er will Maria auch nicht blossstellen, indem er auf einer Scheidung in aller \u00d6ffentlichkeit besteht. Also beschliesst er, sich ohne grosses Aufheben davonzustehlen.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Aber etwas kommt ihm in die Quere. Ein Engel tritt ihm im Traum in den Weg. Dieser Engel sagt zu ihm: &#8222;Das Kind, das Maria erwartet, ist vom Heiligen Geist. Es ist der Heiland, auf den ihr so lange gehofft habt, und er wird sein Volk retten.&#8220;<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Als Josef aufwacht, steht er vor der Entscheidung, den Traum ernst zu nehmen oder ihn einfach zu vergessen und wegzugehen wie geplant. Josef kann glauben, dass Gott in diesem Traum zu ihm gesprochen hat, und das ver\u00e4ndert alles. Er entscheidet sich, das zu tun, was ihm der Engel befohlen hat und das Kind als sein eigenes aufzuziehen. Damit sagt er &#8222;Ja&#8220; zu dem, was Gott mit ihm vorhat. Keiner kann ihn dazu zwingen, auch Gott nicht. Josef stimmt zu, bei Maria zu bleiben und und die Verantwortung f\u00fcr das Kind zu \u00fcbernehmen. Josef ist keine Schachfigur, die Gott bewegt, wie es ihm gef\u00e4llt, kein Instrument, das Gott einfach gebrauchen kann, um seinen Plan zu erf\u00fcllen, sondern ein Mensch mit der F\u00e4higkeit sich zu entscheiden. Er sagt Ja und l\u00e4sst sich so hineinziehen in die Geschiche Gottes mit den Menschen.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Darin gleicht er Maria. Auch sie war ja einem Engel begegnet, der ihr ank\u00fcndigte, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen w\u00fcrde. Sie fragte zuerst einmal kritisch nach: &#8222;Wie kann das sein, wo ich doch mit keinem Mann zusammengewesen bin?&#8220; Erst als der Engel ihr erkl\u00e4rt hatte, dass sie durch Gottes Geist schwanger werden w\u00fcrde, stimmte sie zu und sagte: &#8222;Es soll so geschehen, wie du es gesagt hast.&#8220;<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Beide, Maria und Josef, sagen ja zu dem, was Gott mit ihnen vorhat und werden so die Eltern Jesu. Josef wird vor Tatsachen gestellt, die er nicht selbst geschaffen hat und soll die Vaterschaft f\u00fcr ein Kind \u00fcbernehmen, das er nicht gezeugt hat. Leicht k\u00f6nnte er das alles absch\u00fctteln und hinter sich lassen, aber er bleibt. Er \u00fcbernimmt die Verantwortung f\u00fcr dieses fremde Kind, das da in Marias Bauch heranw\u00e4chst, und zieht es als sein eigenes auf. Er l\u00e4sst sich von Gott hineinnehmen in die Geschichte seines Sohnes, dieses besonderen Kindes, dem er auf Geheiss des Engels den Namen &#8222;Jesus&#8220; gibt, was bedeutet &#8222;Gott rettet&#8220;.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Der Evangelist Matth\u00e4us nennt Josef einen frommen Mann. Seine Fr\u00f6mmigkeit zeigt sich darin, dass er mit Gott rechnet und dass er bereit ist, auf seine Botschaft zu h\u00f6ren. Er glaubt, dass Gott eine Aufgabe f\u00fcr ihn hat, dass er mit seinem Leben etwas vorhat. Was er, Josef, tut und wie er sich verh\u00e4lt, ist nicht beliebig, sondern ver\u00e4ndert den Lauf der Dinge. Was w\u00e4re passiert, wenn er weggegangen w\u00e4re? Unter welchen Umst\u00e4nden w\u00e4re Gottes Sohn dann zur Welt gekommen und aufgewachsen?<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Josef bleibt, weil er glaubt, dass Gott ihn braucht. &#8211; Erleben wir das auch? Sp\u00fcren wir, dass das, was wir tun, bei Gott eine Bedeutung hat? Sicher ist das eine Frage, die jeder von uns sich nur selbst beantworten kann. Ich glaube aber, dass wir von uns selbst nicht zu klein denken sollten. Gott wird uns nicht dazu berufen, Vater oder Mutter des Retters der Welt zu werden, aber er hat auch f\u00fcr uns eine Aufgabe und einen Platz, an den er uns stellt. An uns ist es zu entdecken, wo Gott uns n\u00f6tig hat. Vielleicht ist es unser Auftrag, anderen von unseren Erfahrungen mit Gott zu erz\u00e4hlen, so wie die Hirten es taten, nachdem sie das Kind in der Krippe gesehen hatten. Oder Gott braucht uns dazu, jemanden zu besuchen, der krank ist, um ihn zu tr\u00f6sten und ihm beizustehen. Vielleicht ist es auch unsere Aufgabe, ein kl\u00e4rendes Wort zu sprechen in einer verfahrenen und schwierigen Situation, damit sich etwas l\u00f6sen kann. Gott kann uns brauchen an dem Ort, an dem wir stehen und in unserem Alltag. Wir brauchen keine Wunder oder Heldentaten zu vollbringen, sondern sollen mit offenen Augen und Ohren Gottes Botschaften an uns entziffern und in seinem Sinne handeln.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Das w\u00fcnsche ich Euch und uns zu diesem Weihnachtsfest: Dass wir wie Josef mit Gott rechnen und offen daf\u00fcr sind, dass er uns gebrauchen kann. Gott wird Wege finden, zu uns zu kommen: im Traum, durch seine Engel oder in seinem Sohn Jesus Christus, der uns retten will. In ihm sp\u00fcren wir Gottes Liebe, die alle Hindernisse \u00fcberwindet. Er kommt zu uns in dieser Heiligen Nacht, er will uns anr\u00fchren und bei uns bleiben. Gott taucht unser Leben in sein Licht und macht es heil.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Amen.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Und der Friede Gottes,<br \/>\nder h\u00f6her ist als alle unsere Vernunft,<br \/>\nbewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n<p align=\"left\">Amen.<\/p>\n<div align=\"left\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Matth\u00e4us 1:18-25 | verfasst von Luise Stribrny de Estrada | Liebe Schwestern und liebe Br\u00fcder! Heute, in dieser Heiligen Nacht, wollen wir uns der Geburt Jesu auf einem anderen Weg als sonst n\u00e4hern. Ich m\u00f6chte die Weihnachtsgeschichte als Geschichte Josefs erz\u00e4hlen. 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