{"id":3925,"date":"2008-12-24T18:28:24","date_gmt":"2008-12-24T17:28:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3925"},"modified":"2020-12-11T18:47:52","modified_gmt":"2020-12-11T17:47:52","slug":"heiliger-abend-24-12-2008-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/heiliger-abend-24-12-2008-4\/","title":{"rendered":"Heiliger Abend, 24.12.2008"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Matth\u00e4us 1:18-25, verfasst von Gabriele Arnold<\/h3>\n<p align=\"left\">Liebe weihnachtliche Gemeinde!<\/p>\n<p>Heute Abend werden Sie endlich alle gel\u00fcftet &#8211; die gro\u00dfen und kleinen Geheimnisse. Und auch wenn wir Erwachsene nicht mehr so gespannt und verzaubert sind wie die Kinder, so freuen wir uns eben doch \u00fcber das gro\u00dfe Paket der Tante und das kleine P\u00e4ckchen der Liebsten. Endlich werden die Geheimnisse gel\u00fcftet.<\/p>\n<p>Nur das eine, das ganz gro\u00dfe Geheimnis bleibt geheimnisvoll, fern und irgendwie unerreichbar. Jedenfalls dann, wenn wir dieses Geheimnis mit unserem kleinen begrenzten Verstand und unserer Logik entschl\u00fcsseln wollen.<br \/>\nDieses Geheimnis erschlie\u00dft sich uns nur in unserem Herzen.<\/p>\n<p>In unserem Predigttext haben wir von diesem gro\u00dfen Geheimnis geh\u00f6rt.<br \/>\nGeh\u00f6rt von Josef, der fassungslos glaubt einem dunklen Geheimnis auf der Spur zu sein. Seine Freundin ist schwanger und er wei\u00df nicht von wem. Was liegt n\u00e4her, als sie zu verlassen.<\/p>\n<p>Da muss schon ein Engel kommen um Mutter und Kind zu sch\u00fctzen, ein Engel um Josef in das Geheimnis einzuweihen.<\/p>\n<p>Aber das Geheimnis wird nun erst recht geheimnisvoll. Der Engel steht Rede und Antwort. Aber die Antwort ist nicht die eines Privatdetektivs der Maria auf die Schliche gekommen ist. Und es ist auch nicht die Antwort eines Mediziners. Deswegen sind ja auch alle so ratlos, die diese Geschichte historisch erkl\u00e4ren wollen oder sie auf das historisch Erfahrbare und das menschlich M\u00f6gliche reduzieren wollen.<\/p>\n<p>Was der Engel sagt ist zum einen ganz normal- ein Kind ist unterwegs und zugleich ist es ganz und gar unm\u00f6glich. So unm\u00f6glich wie der Glaube \u00fcberhaupt.\u00a0 So bringt der Engel als Antwort Gottes ein Geheimnis, das Geheimnis des Glaubens.<br \/>\nEin bisschen so ist es ja bei jedem Kind, es ist ganz einfach und ganz normal und zugleich ist es wunderbar\u00a0 und geheimnisvoll, dass da neues Leben entsteht. Und bei jedem Kind, dass in unserer Familie geboren wird, staunen wir aus Neue und k\u00f6nnen nicht fassen, dass da ein neuer Mensch ist &#8211; noch ganz klein und doch vollendet und sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Das Kind aber, das Maria zur Welt bringen wird ist etwas besonderes, ist der Besondere, es ist der, auf den die Menschen Jahrhunderte gewartet haben. Es ist der Retter, der Messias, der Erl\u00f6ser. So viele Hoffnungen haben sich seit Jahrhunderten mit ihm verbunden.<br \/>\nDie Hoffnung auf Frieden, auf Befreiung, auf das Ende von Hunger, Schrecken und Gewalt. Das Alte Testament ist voller Hoffnung und Verhei\u00dfung, ist voller Erwartung auf den einen.<br \/>\nViele dieser Erwartungen wird das Kindlein, dass wir heute feiern nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Noch immer toben Kriege, noch immer hungern Menschen, die Saat der Gewalt geht t\u00e4glich aufs Neue auf. Und noch immer werden Kinder in Notunterk\u00fcnften und auf der Flucht geboren.<\/p>\n<p>So vieles hat sich nicht erf\u00fcllt, aber erf\u00fcllt hat sich etwas ganz und gar unerwartetes, etwas was wir nie zu tr\u00e4umen gewagt haben.<br \/>\nIn diesem Kind kommt Gott selbst zur Welt. \u201eGott wird Mensch, dir Mensch zu Gute. Gottes Kind, das verbind sich mit unserem Blute.&#8220;<\/p>\n<p>Gott wird Mensch. Er n\u00e4hert sich uns nicht nur freundlich an, er schaut auch nicht nur und greift ab und zu ein, er bleibt nicht l\u00e4nger weg, kommt, kommt als Mensch, ist sich nicht zu schade f\u00fcr ein ganz normales kleines Menschenleben in einem unbedeutendem Land, am Rand der W\u00fcste vor 2000 Jahren.<br \/>\nDas hat Matth\u00e4us geh\u00f6rt und geglaubt. In diesem Jesus war Gott ganz gegenw\u00e4rtig und wie sollte Matth\u00e4us es besser ausdr\u00fccken als mit der Mutterschaft Marias ohne Mann.<\/p>\n<p>Ein Bild f\u00fcr die Einwohnung Gottes bei uns. Intimer, n\u00e4her geht es nicht. So kommt Gott also in die Welt im Bauch einer Frau, so bleibt er in der Welt und bleibt auch bei uns. Das ist das Geheimnis von Weihnachten und wer es mit dem Verstand begreifen will, wird&#8217;s nicht verstehen.<\/p>\n<p>Viel zu klein ist unser Verstand f\u00fcr die unm\u00f6glichen Unm\u00f6glichkeiten Gottes.<br \/>\n\u201eOh dass mein Sinn ein Abgrund w\u00e4r&#8216; und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich m\u00f6chte fassen.&#8220;<\/p>\n<p>Singend, feiernd, betend k\u00f6nnen wir das Geheimnis erahnen und genau deshalb singen wir auch an Weihnachten, deshalb feiern wir, weil da unser ach so kluges Herz anger\u00fchrt wird und wir wieder zart und behutsam werden und dann recht mit diesem Geheimnis umgehen k\u00f6nnen.<br \/>\nDem Josef erschlie\u00dft sich das Geheimnis im Traum.<br \/>\nIm Traum wo die engen Grenzen unserer Wahrnehmung weit werden. Im Traum, wo wir uns nicht panzern k\u00f6nnen; im Traum, wo wir verletzlich sind und sehns\u00fcchtig.<\/p>\n<p>Als Josef aufwacht, da kann er es fassen in seinem Herzen und tun was n\u00f6tig ist. Maria und das Kind nehmen, bewahren, beh\u00fcten und besch\u00fctzen.<br \/>\nUnd Josef wird dem Kind die Namen geben: Jesus, der Retter, und den zweiten Namen Immanuel, damit ist alles gesagt: Immanuel: Gott mit uns. In diesem Kind ist Gott mit uns.<br \/>\nWas wir nie zu tr\u00e4umen gewagt h\u00e4tten erf\u00fcllt sich in diesem Kind.<br \/>\nDenn auch wenn unsere Welt noch immer schrecklich und grausam ist, wenn noch immer so viele Tr\u00e4nen geweint werden so ist doch unsere Welt nicht mehr gottlos, sind wir nicht mehr gottlos.<br \/>\nSeit jenem Weihnachten geht Gott mit uns, geht mit uns durch die Tage des Gl\u00fccks und des Lachens, scheint auf im Gl\u00fcck und im Glanz unserer Liebe, geht aber aber auch mit uns durch die Tage der Trauer und der Angst.<\/p>\n<p>Nun wird es nichts mehr geben, was mich von Gott trennen k\u00f6nnte: meine Schuld nicht, mein Scheitern nicht, die bange Todesangst nicht, ja nicht mal mein eigener Tod. So nah ist mir Gott ger\u00fcckt.<br \/>\n&#8222;Er wird sein Volk retten von ihren S\u00fcnden&#8220; sagt der Engel und meint damit dass jetzt einer da ist, der mir so nah ist, dass selbst meine Schuld und das Unrecht, selbst mein kaltes Herz Gott nicht mehr schrecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und so bleibt er in der Welt, in seinem Wort und in den Geschichten und in meinem Leben bis heute. Und so will er heute Abend zu uns kommen und Wohnung bei uns nehmen.<\/p>\n<p>Meister Eckhart, einer der gro\u00dfen Lehrer der Kirche hat es so schlicht und sch\u00f6n gesagt.<br \/>\n&#8220; In dem Augenblick, in dem du bereit bist, geht Gott in dich ein ohne Verz\u00f6gerung und ohne Z\u00f6gern&#8230;..<br \/>\nDu musst ihn nicht eigens suchen, weder dort noch hier. Er ist ja nicht weiter weg als vor der T\u00fcr deines Herzens.&#8220;<\/p>\n<p>So will Gott in uns geboren werden. Heute Nacht. Amen<\/p>\n<div id=\"fuss\">Pfarrerin Gabriele Arnold<br \/>\nStuttgart<br \/>\nE-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:ele.arnold@arcor.de\">ele.arnold@arcor.de<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Matth\u00e4us 1:18-25, verfasst von Gabriele Arnold Liebe weihnachtliche Gemeinde! Heute Abend werden Sie endlich alle gel\u00fcftet &#8211; die gro\u00dfen und kleinen Geheimnisse. Und auch wenn wir Erwachsene nicht mehr so gespannt und verzaubert sind wie die Kinder, so freuen wir uns eben doch \u00fcber das gro\u00dfe Paket der Tante und das kleine P\u00e4ckchen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3896,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1,157,114,487,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-3925","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-aktuelle","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-01-chapter-01-matthaeus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3925","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3925"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3925\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3927,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3925\/revisions\/3927"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3896"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3925"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3925"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3925"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=3925"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=3925"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=3925"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=3925"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}