{"id":3960,"date":"2019-12-26T19:28:09","date_gmt":"2019-12-26T18:28:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=3960"},"modified":"2020-12-11T19:30:09","modified_gmt":"2020-12-11T18:30:09","slug":"eine-andere-weihnacht-fuer-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/eine-andere-weihnacht-fuer-mich\/","title":{"rendered":"Eine andere Weihnacht f\u00fcr mich!"},"content":{"rendered":"<h1>2. Weihnachtstag, 26.12.2019 | Predigt zu Matth\u00e4us 1:18-25 | verfasst von Andreas Pawlas |<\/h1>\n<p>Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.<\/p>\n<p>Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, f\u00fcrchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn geb\u00e4ren, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von seinen S\u00fcnden. Das ist aber alles geschehen, auf dass erf\u00fcllt w\u00fcrde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): 23&nbsp;\u00bbSiehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn geb\u00e4ren, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben\u00ab, das hei\u00dft \u00fcbersetzt: Gott mit uns.<\/p>\n<p>Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Ist das nicht irritierend, wenn wir in diesem Bericht des Hl. Apostels Matth\u00e4us nicht noch einmal den gleichen Wortlaut h\u00f6ren d\u00fcrfen, wie wir bereits vorhin nach den Worten des Hl. Apostels Lukas, und wie wir ihn zur Weihnachtszeit von&nbsp;<strong><em>Kinderzeiten an<\/em><\/strong>&nbsp;gewohnt sind, und der doch so altvertraut beginnt: \u201eEs begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt gesch\u00e4tzt w\u00fcrde.\u201c? Ja, wie viele kostbare&nbsp;<strong><em>Erinnerungen&nbsp;<\/em><\/strong>h\u00e4ngen an diesem altbekannten Text.<\/p>\n<p>Wenn damals nat\u00fcrlich die heiss erwartete Weihnachtsbescherung im festlich geschm\u00fcckten h\u00e4uslichen Wohnzimmer stattfand, so geh\u00f6rte doch der Kirchgang einfach zum Weihnachtsfest, so wenig wir auch manchmal von seinen Einzelheiten verstanden. Und weil wir in der Kirche eben genau&nbsp;<strong><em>diese<\/em><\/strong>bedeutungsschweren Worte aus dem alten Bericht des Hl. Apostels Lukas immer wieder h\u00f6rten, so hat sich der Bericht des Lukas in unseren Kinder- und Erwachsenen-Seelen festgemacht und mit der Weihnachtszeit&nbsp;<strong><em>innig verbunden<\/em><\/strong>. Und ganz bestimmt k\u00f6nnen und d\u00fcrfen wir daf\u00fcr&nbsp;<strong><em>dankbar<\/em><\/strong>&nbsp;sein! Aber&nbsp;<strong><em>dennoch<\/em><\/strong>&nbsp;tritt uns da jetzt dieser ganz&nbsp;<strong><em>andere<\/em><\/strong>&nbsp;Bericht gegen\u00fcber, der uns&nbsp;<strong><em>nicht<\/em><\/strong>&nbsp;so vertraut ist, in dem sogar von&nbsp;<strong><em>Schande<\/em><\/strong>&nbsp;die Rede ist und der irgendwie gar&nbsp;<strong><em>nicht&nbsp;<\/em><\/strong>zu unserer heimeligen&nbsp;<strong><em>Kinderzeit<\/em><\/strong>&nbsp;geh\u00f6ren will.<\/p>\n<p>Doch&nbsp;<strong><em>halt<\/em><\/strong>! Vielleicht ist das ja&nbsp;<strong><em>gar nicht so schlecht<\/em><\/strong>, dass wir dadurch pl\u00f6tzlich an diesem Heiligen Abend aus vertrauten Kindheitserinnerungen unsanft heraus gerissen werden. Denn so wunderbar diese Erinnerungen auch sind, sie sind doch schon eine&nbsp;<strong><em>ganze Weile vorbei.&nbsp;<\/em><\/strong>Jedoch&nbsp;<strong><em>keinesfalls vorbei<\/em><\/strong>&nbsp;ist, dass&nbsp;<strong><em>unser Gott&nbsp;<\/em><\/strong>einem jeden von uns in Jesus Christus, eben in dem Kind in der Krippe, ganz pers\u00f6nlich&nbsp;<strong><em>nahe kommen will<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Wenn man &#8211; m\u00f6glicherweise auch ungern &#8211; bereit ist, sich derart auf das Weihnachtsgeschehen zu konzentrieren, dann f\u00e4llt uns gereiften und lebenserfahrene Menschen vielleicht eines auf: Unser Gott w\u00e4hlt, um bei uns in Erscheinung zu treten,&nbsp;<strong><em>nicht<\/em><\/strong>&nbsp;die&nbsp;<strong><em>\u00fcblichen&nbsp;<\/em><\/strong>und uns bekannten Wege der M\u00e4chtigen dieser Welt. Denn, erinnern wir uns:&nbsp;<strong><em>auf welche Weise<\/em><\/strong>&nbsp;pr\u00e4sentieren sich die Machthaber dieser Welt der gaffenden Menge? Doch mit gro\u00dfem&nbsp;<strong><em>Aufmarsch und Platzkonzert&nbsp;<\/em><\/strong>am Besten mit&nbsp;<strong><em>Kanonendonner<\/em><\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong><em>Feuerwerk<\/em><\/strong>! Und alle&nbsp;<strong><em>erschauern<\/em><\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong><em>erbeben<\/em><\/strong>&nbsp;dann vor diesem Machtget\u00f6se. Und viele wollen schnell wieder&nbsp;<strong><em>nach Hause<\/em><\/strong>, um solchem Machtgehabe nicht ausgeliefert sein zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Doch wie v\u00f6llig&nbsp;<strong><em>anders<\/em><\/strong>&nbsp;ist das hier! Denn wie wird es uns hier vom Hl. Apostel Matth\u00e4us \u00fcberliefert? Der Apostel berichtet uns hier n\u00fcchtern von einer ganz jungen Frau, die&nbsp;<strong><em>kaum begreift<\/em><\/strong>, was mit ihr geschieht. Und dann ist da ein Verlobter, der sie nicht in Schande bringen und sie deshalb heimlich&nbsp;<strong><em>verlassen<\/em><\/strong>&nbsp;will.<\/p>\n<p>Und&nbsp;<strong><em>dazu<\/em><\/strong>&nbsp;will mir spontan nur einfallen: Wie&nbsp;<strong><em>bitter<\/em><\/strong>! Klingt das nicht fast&nbsp;<strong><em>genauso<\/em><\/strong>&nbsp;wie die Irrungen und Wirrungen&nbsp;<strong><em>unserer<\/em><\/strong>&nbsp;Tage, wo so vieles an und um uns geschieht, das wir nicht begreifen, oder wo man am liebsten&nbsp;<strong><em>weglaufen<\/em><\/strong>&nbsp;m\u00f6chte? Wo man sogar&nbsp;<strong><em>Albtr\u00e4ume<\/em><\/strong>&nbsp;hat und in aller Dunkelheit&nbsp;<strong><em>keinen Rat<\/em><\/strong>&nbsp;mehr weiss? Denn in&nbsp;<strong><em>unserer Zeit<\/em><\/strong>, in dieser&nbsp;<strong><em>Jahreszeit&nbsp;<\/em><\/strong>und dieser&nbsp;<strong><em>Weltzeit<\/em><\/strong>, da scheint es&nbsp;<strong><em>dunkel<\/em><\/strong>&nbsp;zu sein, dunkel&nbsp;<strong><em>in<\/em><\/strong>&nbsp;uns und&nbsp;<strong><em>um<\/em><\/strong>&nbsp;uns,&nbsp;<strong><em>Seelenfinsternis<\/em><\/strong>,&nbsp;<strong><em>Gottesfinsternis<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Um so wichtiger, dass uns da der Hl. Apostel in seinem Bericht&nbsp;<strong><em>mitnimmt&nbsp;<\/em><\/strong>und die Dunkelheit&nbsp;<strong><em>so<\/em><\/strong>&nbsp;aufreisst als w\u00fcrde er uns einen&nbsp;<strong><em>Vorhang&nbsp;<\/em><\/strong>aufziehen. Denn er zeigt uns, dass es da eine ganz&nbsp;<strong>andere Welt,&nbsp;<em>in<\/em><\/strong>&nbsp;uns und&nbsp;<strong><em>um uns herum<\/em><\/strong>&nbsp;gibt, die Welt Gottes, in der alles, was wir nicht begreifen k\u00f6nnen, trotzdem mit einem Male&nbsp;<strong><em>klar&nbsp;<\/em><\/strong>und alles Dunkle&nbsp;<strong><em>hell<\/em><\/strong>&nbsp;wird.<\/p>\n<p>Er zeigt uns, dass wir darum&nbsp;<strong><em>nicht<\/em><\/strong>&nbsp;in den Irrungen und Wirrungen unserer Familiengeschichten, unserer Beziehungsdramen, unserer politischen Verdrehungen hilflos&nbsp;<strong><em>gefangen<\/em><\/strong>&nbsp;sind. Er zeigt uns, dass es da wirklich ganz&nbsp;<strong><em>andere<\/em><\/strong>&nbsp;<strong><em>Gedanken<\/em><\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong><em>Pl\u00e4ne<\/em><\/strong>&nbsp;f\u00fcr unser Leben gibt &#8211; und auch f\u00fcr das Leben unseres Volkes, auch f\u00fcr alle V\u00f6lker der Erde und auch f\u00fcr den ganzen Kosmos. Er zeigt uns, dass&nbsp;<strong><em>Entscheidende<\/em><\/strong>&nbsp;f\u00fcr Dich und mich und f\u00fcr die ganze Welt nicht&nbsp;<strong><em>unsere<\/em><\/strong>&nbsp;Ideen, sondern allein&nbsp;<strong><em>Gottes Gedanken, Planungen<\/em><\/strong>&nbsp;<strong><em>und F\u00fcgungen&nbsp;<\/em><\/strong>sind<strong><em>.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Und nach diesen ganz&nbsp;<strong><em>anderen<\/em><\/strong>&nbsp;Gedanken will uns unser Gott eben&nbsp;<strong><em>nicht<\/em><\/strong>&nbsp;in einem Palast mit prachtstrotzendem Gefolge erscheinen &#8211; wie sollte das auch gehen, denn wer von uns normalen Menschen h\u00e4tte auch schon&nbsp;<strong><em>Zugang<\/em><\/strong>&nbsp;zu einem Palast oder allein schon zu den&nbsp;<strong><em>Vorzimmern&nbsp;<\/em><\/strong>oder zu den dort verschanzten W\u00e4chtern der Macht? &#8211; Nein, Gott kommt&nbsp;<strong><em>so<\/em><\/strong>&nbsp;zu uns in unsere Welt, Gottes Heiligkeit zieht&nbsp;<strong><em>so<\/em><\/strong>&nbsp;in unsere Welt, wie&nbsp;<strong><em>wir alle<\/em><\/strong>&nbsp;auf diese Welt kommen: eben als Kind, in aller Hilflosigkeit, v\u00f6llig angewiesen auf den Schutz, die Liebe und Barmherzigkeit einer Mutter.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass sich die Christenheit zu allen Zeiten dar\u00fcber&nbsp;<strong><em>Gedanken<\/em><\/strong>&nbsp;gemacht hat, was das wohl f\u00fcr eine&nbsp;<strong><em>besondere<\/em><\/strong>&nbsp;Mutter, was das wohl f\u00fcr eine&nbsp;<strong><em>besondere<\/em><\/strong>&nbsp;Frau gewesen sein muss, dass unser Gott sie f\u00fcr diese Aufgabe&nbsp;<strong><em>ausgesucht<\/em><\/strong>&nbsp;hatte, die&nbsp;<strong><em>Heiligkeit Gottes<\/em><\/strong>&nbsp;unter uns&nbsp;<strong><em>normale Menschen<\/em><\/strong>&nbsp;zu bringen. Aber das muss jetzt nicht unser Thema sein. \u00dcber Jahrhunderte haben begabte Maler versucht, uns diese Maria vor Augen zu stellen in wunderbaren und ergreifenden Bildnissen. Auch das muss jetzt&nbsp;<strong><em>nicht<\/em><\/strong>&nbsp;unser Thema sein, weil es auch&nbsp;<strong><em>nicht&nbsp;<\/em><\/strong>das Thema des Hl. Apostels Matth\u00e4us ist. Dagegen schildert er uns, wie wenig auch der gute Josef von allem versteht, was da so geschieht. Wie sollte er auch? Und w\u00fcrde uns das nicht genauso ergehen? Vielleicht h\u00e4tten wir genauso wie er versucht, uns allem Undurchschaubarem zu entziehen und uns irgendwohin&nbsp;<strong><em>wegzuschleichen<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Aber was&nbsp;<strong><em>dann<\/em><\/strong>&nbsp;stattdessen geschieht, das ist schon&nbsp;<strong><em>traumhaft,&nbsp;<\/em><\/strong>wirklich<strong><em>&nbsp;traumhaft<\/em><\/strong>! Wie? Jetzt sagt jemand, er&nbsp;<strong><em>tr\u00e4ume nie<\/em><\/strong>, und deshalb kann das alles&nbsp;<strong><em>nicht sein&nbsp;<\/em><\/strong>und sollte man&nbsp;<strong><em>nicht dar\u00fcber reden<\/em><\/strong>? Nun gewiss, die Bedeutung des Tr\u00e4umens ist zu unterschiedlichen Zeiten auch unterschiedlich bewertet worden. Und sicherlich gibt es auch Tr\u00e4ume, die \u201e<strong><em>Sch\u00e4ume<\/em><\/strong>\u201c sind. Das kennen wir alle. Aber trotzdem ist die Menschheitsgeschichte&nbsp;<strong><em>voll davon<\/em><\/strong>, wie Menschen tr\u00e4umen, wie Menschen&nbsp;<strong><em>Wunderbares<\/em><\/strong>&nbsp;im Traum erleben. Und sollte nicht besonders die Weihnachtszeit&nbsp;<strong><em>traumhaft sch\u00f6n<\/em><\/strong>&nbsp;sein?<\/p>\n<p>Ja, die Menschheitsgeschichte ist voll davon, wie Menschen nicht nur tr\u00e4umen, sondern wie Menschen in Tr\u00e4umen auch&nbsp;<strong><em>Weisung<\/em><\/strong>&nbsp;erhalten,&nbsp;<strong><em>Gottes<\/em><\/strong>&nbsp;Weisung, nein, nicht selbstausgedachte Weisung. Denn das w\u00e4re dem biederen und gerechten Joseph auch niemals&nbsp;<strong><em>selbst<\/em><\/strong>&nbsp;eingefallen, dass da ihm mit einem Male ein Engel erscheint und ihn anweist, seine Maria trotz allem&nbsp;<strong><em>zu sich zu nehmen<\/em><\/strong>, weil das, was sie empfangen hat, vom&nbsp;<strong><em>Heiligen Geist<\/em><\/strong>&nbsp;ist, und dass sie einen&nbsp;<strong><em>Sohn<\/em><\/strong>&nbsp;geb\u00e4ren wird, der den Namen&nbsp;<strong><em>Jesus<\/em><\/strong>&nbsp;tragen soll, weil er sein Volk&nbsp;<strong><em>retten<\/em><\/strong>&nbsp;wird von dessen S\u00fcnden.<\/p>\n<p>Nein, das kann sich doch keiner&nbsp;<strong><em>ausdenken<\/em><\/strong>! Und das ist eindeutig zu&nbsp;<strong><em>viel<\/em><\/strong>! F\u00fcr den armen Joseph genauso wie f\u00fcr uns heutige Menschen! Dabei h\u00e4tten es doch klugen Menschen&nbsp;<strong><em>wissen<\/em><\/strong>&nbsp;m\u00fcssen, dass das alles durch Gottes Wort und Weisung bereits&nbsp;<strong><em>vorausgesagt<\/em><\/strong>&nbsp;ist. Denn vor langen langen Zeiten, da hatte doch schon der Propheten Jesaja in Gottes Namen vorausgesagt: \u00bbSiehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn geb\u00e4ren, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben\u00ab. Und genau das wird nun mit einem Male und genau zum richtigen Zeitpunkt&nbsp;<strong><em>erf\u00fcllt<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Ja, soll es das wirklich geben k\u00f6nnen, das sich dort&nbsp;<strong><em>damals&nbsp;<\/em><\/strong>und genauso hier und&nbsp;<strong><em>heute&nbsp;<\/em><\/strong>etwas genau&nbsp;<strong><em>zum richtigen Zeitpunkt erf\u00fcllt<\/em><\/strong>? Ja, soll es das wirklich geben k\u00f6nnen, das sich auch alles, was wir uns von&nbsp;<strong><em>Weihnachen<\/em><\/strong>&nbsp;ertr\u00e4umen, genauso hier und heute und damit genau&nbsp;<strong><em>zum richtigen Zeitpunkt erf\u00fcllt<\/em><\/strong>?<\/p>\n<p>Aber, was ertr\u00e4umen wir uns denn wirklich? Nein, wir sind doch keine Kinder mehr, die sich einen neuen Ball, eine neue Puppe, ein neues vielleicht sogar elektronisches Spiel ertr\u00e4umen. Ja, was ist es denn&nbsp;<strong><em>wert<\/em><\/strong>, sich zu ertr\u00e4umen?<\/p>\n<p>Frieden, Gerechtigkeit, Liebe, Partnerschaft? Oh, da wissen wir schon, wie&nbsp;<strong><em>kompliziert<\/em><\/strong>&nbsp;das heute alles in dieser verdrehten Welt ist. Da wissen wir auch, wieviele sich m\u00fchen und rackern, um diese hohen Tr\u00e4ume zu erreichen. Und weiter wissen wir, wie h\u00e4ufig diese M\u00fchen umsonst sind, weil da manche ihre pers\u00f6nlichen Interessen mit Macht und Geschick an die&nbsp;<strong><em>erste Stelle&nbsp;<\/em><\/strong>zu stellen wissen.<\/p>\n<p>Aber m\u00fcsste nicht alles ganz&nbsp;<strong><em>anders<\/em><\/strong>&nbsp;sein, wenn alle nicht mehr mit Macht um ihr eigenes Leben, um ihren eigenen Vorteil, oder darum, geliebt zu werden,&nbsp;<strong><em>k\u00e4mpfen<\/em><\/strong>&nbsp;m\u00fcssten? Aber m\u00fcsste nicht alles ganz anders sein, wenn das Leben nicht mehr so&nbsp;<strong><em>unvollkommen<\/em><\/strong>&nbsp;w\u00e4re, wenn da nicht so eine gro\u00dfe&nbsp;<strong><em>Trennung&nbsp;<\/em><\/strong>zwischen dem, was wir ertr\u00e4umen, und der bitteren Wirklichkeit w\u00e4re?<\/p>\n<p>Aber halt, jetzt sind wir genau wieder bei&nbsp;<strong><em>Jesu Geburt<\/em><\/strong>! Denn der Verheissung nach soll er doch das Volk&nbsp;<strong><em>retten<\/em><\/strong>&nbsp;von dessen S\u00fcnden. Und S\u00fcnde hei\u00dft ja Trennung.<\/p>\n<p>Aber wie sollte denn so ein kleines Kind eine solche schlimme Trennung&nbsp;<strong><em>\u00fcberwinden<\/em><\/strong>&nbsp;k\u00f6nnen, sei es noch so heilig?<\/p>\n<p>Ob diese Frage allein deshalb auftauchen kann, weil wir uns als \u201eheilig\u201c nur so etwas wie eine goldverzierte Putte an einer verschn\u00f6rkelten Kirchenwand vorstellen k\u00f6nnen? Aber wie w\u00e4re es denn, wenn wir als \u201eheilig\u201c&nbsp;<strong><em>das<\/em><\/strong>&nbsp;verstehen k\u00f6nnten, was&nbsp;<strong><em>allein von Gott<\/em><\/strong>&nbsp;kommt, was darum alle&nbsp;<strong><em>M\u00f6glichkeiten<\/em><\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong><em>ersch\u00fctternde<\/em><\/strong>&nbsp;<strong><em>Kraft<\/em><\/strong>in sich birgt; das, was alle&nbsp;<strong><em>Erf\u00fcllung&nbsp;<\/em><\/strong>und<strong><em>&nbsp;Tr\u00f6stung&nbsp;<\/em><\/strong>bis in<strong><em>&nbsp;Ewigkeit<\/em><\/strong>&nbsp;bedeutet und bewirken kann?<\/p>\n<p>Wenn wir so etwas denken und f\u00fchlen k\u00f6nnten, und wenn uns nun&nbsp;<strong><em>das alles<\/em><\/strong>&nbsp;auch wirklich in dem Jesus-Kind in der Krippe<strong><em>&nbsp;heute<\/em><\/strong>&nbsp;erscheinen will, wie sollte man dann etwa noch&nbsp;<strong><em>raffen<\/em><\/strong>&nbsp;oder&nbsp;<strong><em>geizen<\/em><\/strong>&nbsp;k\u00f6nnen,&nbsp;<strong><em>niederdr\u00fccken<\/em><\/strong>&nbsp;oder&nbsp;<strong><em>verachten<\/em><\/strong>? Ja, wie sollte selbst&nbsp;<strong><em>Krankheit<\/em><\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong><em>Tod&nbsp;<\/em><\/strong>noch Macht \u00fcber uns haben k\u00f6nnen, wenn mit dem Jesus-Kind in der Krippe alle Macht im Himmel und auf Erden&nbsp;<strong><em>uns halten und vollenden will<\/em><\/strong>? W\u00e4re das nicht&nbsp;<strong><em>traumhaft<\/em><\/strong>? Dieses Wunderbare, Traumhafte, ja, das geh\u00f6rt zur&nbsp;<strong><em>Heiligen Nacht<\/em><\/strong>, in der sich Himmel und Erde&nbsp;<strong><em>ber\u00fchren<\/em><\/strong>! Wer wollte da nicht ganz&nbsp;<strong><em>erf\u00fcllt<\/em><\/strong>&nbsp;sein und&nbsp;<strong><em>staunen<\/em><\/strong>&nbsp;\u2013 sprachlos und dankbar !<\/p>\n<p>Und was tat nun der Josef damals? Als er vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und dem Sohn, den sie gebar; gab er den Namen Jesus, den Namen Jesus, der hei\u00dft \u201eGott hilft\u201c, weil Gott mit uns ist in dem neugeborenen Kind in der Krippe. Und&nbsp;<strong><em>tats\u00e4chlich hilft Gott<\/em><\/strong>, wenn wir ihm&nbsp;<strong><em>glauben<\/em><\/strong>. Nicht immer so, wie wir es uns ausmalen. Aber so, dass es uns rettet und vollendet, wie es nach seinem Willen gut ist.&nbsp;<strong><em>Das<\/em><\/strong>&nbsp;d\u00fcrfen wir&nbsp;<strong><em>glauben<\/em><\/strong>. Genau um dieses neugeborenen Kindes in der Krippe willen. Gott sei Dank! Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"fuss\">\nPastor i.R. Prof. Dr. Andreas Pawlas<br \/>\nKl. Offenseth-Sparrieshoop, Schleswig-Holstein, Deutschland<br \/>\nE-Mail:&nbsp;<a href=\"mailto:Andreas.Pawlas@web.de\">Andreas.Pawlas@web.de<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Weihnachtstag, 26.12.2019 | Predigt zu Matth\u00e4us 1:18-25 | verfasst von Andreas Pawlas | Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. 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