{"id":4002,"date":"2020-12-15T18:25:16","date_gmt":"2020-12-15T17:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4002"},"modified":"2020-12-15T18:29:00","modified_gmt":"2020-12-15T17:29:00","slug":"predigt-fuer-den-vierten-advent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-fuer-den-vierten-advent\/","title":{"rendered":"Blickkontakt"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu 1.Mose 18, 1-2.9-15 | 20.12.2020 | verfasst von Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p><strong>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/strong><\/p>\n<p>Und der Gott erschient Abraham im Hain Mamre, w\u00e4hrend er an der T\u00fcr seines Zeltes sa\u00df, als der Tag am hei\u00dfesten war.<\/p>\n<p>Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei M\u00e4nner vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der T\u00fcr seines Zeltes und neigte sich zur Erde und sprach: Herr, habe ich Gnade gefunden vor Deinen Augen, so geh nicht an Deinem Knecht vor\u00fcber\u2026<\/p>\n<p>Da sprachen sie zu ihm: \u201eWo ist Sara, Deine Frau?\u201c<\/p>\n<p>Er antwortete: \u201eIch will wieder zu Dir kommen, \u00fcbers Jahr, siehe, dann soll Sara, Deine Frau, einen Sohn haben.\u201c<\/p>\n<p>Das h\u00f6rte Sara hinter ihm, hinter der T\u00fcr des Zeltes. Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, so dass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, wo ich alt bin, soll ich noch die Liebe pflegen und mein Herr ist auch alt. Da sprach Gott zu Abraham: \u201eWarum lacht Sara und spricht: Meinst Du, dass es wahr ist , dass ich noch geb\u00e4ren werde, die ich doch alt bin? Sollte Gott etwas unm\u00f6glich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen \u00fcbers Jahr, dann soll Sara einen Sohn haben.\u201c Da leugnete Sara und sprach: \u201eich habe nicht gelacht\u201c, denn sie f\u00fcrchtete sich. Aber er sprach: \u201eEs ist nicht so, du hast gelacht\u201c.<\/p>\n<p>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Mein katholischer Kollege Daniel Zamilski hat folgenden wundersch\u00f6nen Leitartikel in der Adventsausgabe seines Pfarrbriefes ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<p>#Am Morgen, kurz bevor der Wecker klingelt, habe ich einen Traum: Ich sitze am Kamin und schaue in die Flammen. Ich sage: \u201eDu wolltest doch mal vorbeikommen. Wir warten auf Dich\u201c. Und Gott antwortet: \u201eMach ich\u201c, sagt er. \u201eAch\u201c sage ich. Und weil mir nichts Besseres einf\u00e4llt, frage ich, wie ich ihn denn erkennen w\u00fcrde. Man wei\u00df ja nichts Genaues, au\u00dfer das Ger\u00fccht, er tr\u00fcge Bart. \u201eIch werde Dich ansehen\u201c, sagt Gott. \u201eDaran wirst Du mich erkennen\u201c Die Katze maunzt, der Wecker klingelt. Seit diesem Morgen gehe ich durch die Stra\u00dfen und suche jedes Menschen Blick.#<\/p>\n<p>Das ist etwas, was mir in von diesem Advent ganz besonders in Erinnerung bleiben wird: Den Blick eines Menschen suchen. Wir im Krankenhaus sehen alle gleich aus. Alle tragen die gleiche Schutzkleidung. Alle tragen Fpp2 Masken. Nur beim Blick in die Augen eines Menschen erkenne ich, wen ich vor mir habe. Erkenne ich vielleicht auch, wie es ihm oder ihr gerade geht. Einen Menschen ansehen, das ist in diesen Tagen ganz besonders wichtig und wertvoll geworden. Der Kontakt, den wir noch haben konnten: Der Blickkontakt. Und es gibt sie, die Pflegekr\u00e4fte, die einen Schwerkranken auch durch Schutzbrille und \u00fcber die Schutzmaske hinweg liebevoll ansehen und versorgen, auch auf die Gefahr hin, sich dabei selbst zu infizieren.<\/p>\n<p>Abraham sitzt vor seinem Zelt, die Augen geschlossen in der hei\u00dfen Mittagszeit. Vielleicht hat er gemerkt, dass Besuch kommt, jedenfalls \u00f6ffnet er die Augen, sieht die drei Besucher an, l\u00e4uft ihnen entgegen und verneigt sich vor ihnen. Er l\u00e4dt sie in sein Zelt ein mit den Worten: \u201eHerr, wenn ich Gnade vor Deinen Augen gefunden habe, dann geh nicht an Deinem Knecht vor\u00fcber.\u201c<\/p>\n<p>Das ist ja nun leider etwas, was wir in diesem Advent nicht tun konnten, spontan jemanden in unser Haus einladen.<\/p>\n<p>Wir, die wir auch im Normalfall sicherlich nicht so unbefangen gastfreundlich sind, wie das im Vorderen Orient der Fall ist, haben es trotzdem sehr deutlich erlebt: Wie einsam wir werden, wenn wir immer auf uns selbst und unsere engsten Mitbewohner beschr\u00e4nkt bleiben m\u00fcssen. F\u00fcr die Nomaden zur Zeit Abrahams kann es geradezu \u00fcberlebenswichtig gewesen sein, dass Besucher von au\u00dfen kommen. Die Fremden kommen aus einer anderen Welt und k\u00f6nnen von ihr berichten. Durch eine solche Begegnung kann eine bedeutende Entwicklung ausgel\u00f6st werden. Und so l\u00e4dt Abraham nicht nur in sein Zelt ein, sondern bewirtet auch mit einem k\u00f6stlichen Essen, schlachtet ein Kalb, bringt Wasser zum Waschen, l\u00e4sst Sara Brot backen.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt auf, dass in der Erz\u00e4hlung einmal von einem Besucher die Rede ist, dann wieder von dreien. *<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3994 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Dreifaltigkeitsikone-Rubljow-243x300.jpg\" alt=\"\" width=\"303\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Dreifaltigkeitsikone-Rubljow-243x300.jpg 243w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Dreifaltigkeitsikone-Rubljow-830x1024.jpg 830w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Dreifaltigkeitsikone-Rubljow-768x947.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Dreifaltigkeitsikone-Rubljow.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/>In einer ber\u00fchmten Ikone aus dem Jahr 1425 werden die drei Besucher als Engel dargestellt, als Boten, als \u00dcberbringer einer Botschaft. Auf dieser Darstellung sitzen die drei M\u00e4nner mit identischen Gesichtern aber unterschiedlicher Kleidung an einem Tisch mit ihren Wanderst\u00e4ben in der Hand. Ein Mann, der zu dreien wird. Drei, die zu einem werden. Die nicht zuf\u00e4llig vorbeigekommen sind, sondern die einen gemeinsamen Auftrag haben.<\/p>\n<p>\u00dcbers Jahr werden Sara und Abraham einen Sohn haben, so lautet die Nachricht. Sara und Abraham sind alt und kinderlos. Und deshalb kann Sara diesem Versprechen ebenso wenig glauben wie Zacharias viele Jahre sp\u00e4ter, als der Engel Gabriel die Geburt des Johannes ank\u00fcndigt. Ja, Begegnungen bringen etwas in Bewegung. Begegnungen mit Fremden besonders. Mein Leben wird reicher, bunter. Mir er\u00f6ffnen sich neue Horizonte.<\/p>\n<p>Wer Mauern um sich herum hochzieht, wird \u00e4rmer. Nur auf uns selbst bezogen, verlieren wir unsere Mit-Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Sich auf etwas Neues einzulassen, manchen Menschen gelingt es nicht einmal in ihrer Jugend, andere k\u00f6nnen es noch im hohen Alter. Abraham und Sarah sind bekannt daf\u00fcr geworden, dass sie sich auf Gottes Gehei\u00df hin auf den Weg ins Ungewisse machten (1.Mose 12), nach biblischem Bericht war Abraham 75 Jahre alt, als er loszog.<\/p>\n<p>Offen sein f\u00fcr Neues: F\u00fcr neue Menschen, neue Wege, neue Versprechen: Darin k\u00f6nnen uns Abraham und Sara zum Vorbild werden. Und auf diesen neuen Wegen, mit diesen neuen Menschen und Versprechen Gott begegnen. Woran sollen wir ihn erkennen, auf den wir warten und der sich uns f\u00fcr Weihnachten angek\u00fcndigt hat? Er wird uns ansehen. Und also heben auch wir den Blick, \u00f6ffnen die Augen, suchen Blickkontakt, werden offen f\u00fcr Neues.<\/p>\n<p>Nein, wir k\u00f6nnen an diesem Weihnachtsfest niemanden in unser Haus einladen. Wir h\u00e4tten es gerne getan. Stollen und Pl\u00e4tzchen gebacken, den Braten in den Ofen geschoben und es allen gem\u00fctlich gemacht.<\/p>\n<p>In diesem Jahr m\u00fcssen wir uns auf ganz neue Wege begeben. Etwa Pl\u00e4tzchen und Stollen backen, liebevoll einpacken und einem Nachbarn oder einer Nachbarin vor die T\u00fcr stellen, die sicher ebenso unter der Einsamkeit leiden. Die Gastfreundschaft nach au\u00dfen tragen, statt nach innen. Im Krankenhaus k\u00f6nnen wir schon lange keinen Gottesdienst mehr feiern. Aber die Kapelle steht offen, einladend f\u00fcr alle als Raum der Besinnung und Einkehr. Vielleicht k\u00f6nnen auch wir evangelischen Christen endlich dar\u00fcber nachdenken, unsere Gottesh\u00e4user zu \u00f6ffnen f\u00fcr die Menschen, nicht nur am Sonntagmorgen. Gottes Zelt unter den Menschen, das immer einl\u00e4dt auf W\u00fcstenwegen und zur Erholung. Auch f\u00fcr diese ganz neuen Sorten der Gastfreundschaft gelten die Worte des Hebr\u00e4erbriefes (13,2): \u201eGastfreundlich zu sein, vergesst nicht. Denn auf diese Weise haben einige, ohne ihr Wissen, Engel beherbergt.\u201c<\/p>\n<p>Ja, auch in diesen ganz besonderen Advents- und Weihnachtstagen bitte ich Gott: Lass mich Gnade finden vor Deinen Augen und geh nicht an meinem Zelt vor\u00fcber. Wir brauchen Dich gerade jetzt, Gott. Bring uns gute Botschaft von weither. Hilf uns die neuen Wege zu gehen, die Du uns zumutest. Lass uns einander zu guten Boten werden und unsere Herzen \u00f6ffnen. Lass uns einander im Blick behalten,<\/p>\n<p>Dir begegnen. Und das Kind erwarten, das Du uns angek\u00fcndigt hast. AMEN<\/p>\n<p>*Claus Westermann \u201eAm Anfang\u201c, Neukirchen 1986, S. 197<\/p>\n<p>deutet das dahingehend, dass hier zwei Erz\u00e4hlungen ineinander verwoben wurden.<\/p>\n<p>Eusebius v.Caesarea findet in seiner Kirchengeschichte aus dem dritten Jahrhundert bereits die Erkl\u00e4rung, dass es sich hier um eine vorchristliche Darstellung der Dreifaltigkeit handele (Eusebius v.Caesarea, Kirchengeschichte M\u00fcnchen 2\/1981, erstes Buch S. 85), ebenso stellt es die ber\u00fchmte Dreifaltigkeitsikone von Andreij Rublijow (1425), dar, die drei Engel mit identischen Gesichtern und Wanderst\u00e4ben am Tisch sitzend zeigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu 1.Mose 18, 1-2.9-15 | 20.12.2020 | verfasst von Suse G\u00fcnther | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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