{"id":4006,"date":"2020-12-16T13:33:07","date_gmt":"2020-12-16T12:33:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4006"},"modified":"2020-12-16T13:33:07","modified_gmt":"2020-12-16T12:33:07","slug":"es-mit-humor-nehmen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/es-mit-humor-nehmen-koennen\/","title":{"rendered":"Es mit Humor nehmen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<h3>Sonntag, 20. Dezember 2020 \u2013 4. Advent | Predigt \u00fcber Genesis 18, 1-15 | verfasst von Benedict Schubert |<\/h3>\n<p><em><sup>1<\/sup><\/em><em>Und der Herr erschien ihm im Hain Mamre, w\u00e4hrend er an der T\u00fcr seines Zeltes sa\u00df, als der Tag am hei\u00dfesten war. <sup>2<\/sup>Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei M\u00e4nner vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der T\u00fcr seines Zeltes und neigte sich zur Erde<\/em><\/p>\n<p><em><sup>3<\/sup><\/em><em>und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vor\u00fcber. <sup>4<\/sup>Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure F\u00fc\u00dfe zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum. <sup>5<\/sup>Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach m\u00f6gt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vor\u00fcbergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast. <sup>6<\/sup>Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Ma\u00df feines Mehl, knete und backe Brote. <sup>7<\/sup>Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes, gutes Kalb und gab\u2019s dem Knechte; der eilte und bereitete es zu. <sup>8<\/sup>Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie a\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em><sup>9<\/sup><\/em><em>Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. <sup>10<\/sup>Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen \u00fcbers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das h\u00f6rte Sara hinter ihm, hinter der T\u00fcr des Zeltes. <sup>11<\/sup>Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. <sup>12<\/sup>Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt! <\/em><\/p>\n<p><em><sup>13<\/sup><\/em><em>Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch geb\u00e4ren, nun, da ich alt bin? <sup>14<\/sup>Sollte dem Herrn etwas unm\u00f6glich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen \u00fcbers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. <sup>15<\/sup>Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht \u2013, denn sie f\u00fcrchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.<\/em><\/p>\n<p>Genesis 18, 1-15<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>\u00abSelig sind, die \u00fcber die Unstimmigkeiten im Leben schmunzeln k\u00f6nnen, denn ihnen gelingt es, auch \u00fcber sich selbst zu lachen.\u00bb Diese Seligpreisung hat die s\u00fcdafrikanische Theologin Denise Ackermann formuliert: \u00abBlessed are those who can chuckle at the incongruities of life, for they will be able to laugh at themselves.\u00bb<\/p>\n<p>Die lachende Sarah ist eine der Zeuginnen, auf die Denise Ackermann sich beruft im letzten Kapitel ihres Buchs, das den sch\u00f6nen Titel tr\u00e4gt: \u00ab\u00dcberrascht vom Mann auf dem ausgeliehenen Esel\u00bb. Die Autorin legt darin Rechenschaft ab \u00fcber ihren theologischen, geistlichen Lebensweg. Als \u00dcberschrift f\u00fcr jedes Kapitel hat die Autorin eine Seligpreisung formuliert. Wie die Seligpreisungen des Messias, jenes armen Eselreiters selbst, sind es auch bei ihr acht; ihr Lob des L\u00e4chelns und Lachens ist die letzte.<\/p>\n<p>Das so \u00fcberschriebene Kapitel f\u00e4ngt so an:<\/p>\n<p>\u00abAls ich j\u00fcnger war, war ich weniger dazu bereit, mich still zu am\u00fcsieren \u00fcber all das, was im Leben nicht zusammenpasst, was widerspr\u00fcchlich ist; ich neigte eher dazu, Einspruch zu erheben, w\u00fctend zu sein oder heftige Kritik zu \u00fcben. Ich kann immer noch schimpfen, aber mit dem \u00c4lterwerden bin ich eher in der Lage, \u00fcber meine eigene Dummheit zu schmunzeln, dar\u00fcber, wie bl\u00f6de ich mich anstelle, und wie einf\u00e4ltig es ist, dass ich mich so wichtig nehme. Unstimmigkeit und Paradox segeln im gleichen Boot. Du musst entweder an Bord steigen und eine Fahrt geniessen, die voller \u00dcberraschungen ist, voller unerwarteter Kurven, und die ein hohes Mass an Vergn\u00fcgen bietet, \u2013 oder aber du bleibst an Land, klammerst dich fest an deinen nicht \u00fcberpr\u00fcften Vermutungen \u00fcber das Leben und dich selbst.\u00bb<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Abraham war neunundneunzig Jahre alt, als die geheimnisvollen Besucher vor seinem Zelt in Mamre auftauchten. Nehmen wir an, Sara war f\u00fcnfzehn Jahre j\u00fcnger, also erst vierundachtzig. Es ist m\u00fcssig, dar\u00fcber zu spekulieren, wie sie reagiert h\u00e4tte, wenn dieser Besuch schon dreissig oder vierzig Jahre fr\u00fcher stattgefunden h\u00e4tte. Schon dann w\u00e4re Sara in einem Alter gewesen, in dem sie sich damit h\u00e4tte abfinden m\u00fcssen, dass sie und Abraham wohl keine Kinder bekommen w\u00fcrden und damit nach damaligem Verst\u00e4ndnis auch keine Zukunft haben. Ob sie sich dann jedoch wie die junge Denise Ackermann emp\u00f6rt h\u00e4tte, w\u00fctend geworden w\u00e4re \u00fcber die Unversch\u00e4mtheit dieser Fremden, sich \u00fcber sie zu \u00e4ussern und \u00fcber ihre F\u00e4higkeit oder eben Unf\u00e4higkeit, ein Kind zu bekommen? Ob sie zornig nachgefragt h\u00e4tte, woher die Besucher das Recht n\u00e4hmen, sich zuerst den Bauch vollzuschlagen, um sich hinterher lustig zu machen \u00fcber ihre Kinderlosigkeit mit einem Versprechen, das absurd wirken musste?<\/p>\n<p>Doch Sara schmunzelt; <em>sie lachte bei sich selbst<\/em>. Der biblische Autor sieht keine Notwendigkeit, die Tatsache diskret zu vertuschen, dass Sara schlicht zu alt war, um noch ein Kind zu bekommen. Ihr K\u00f6rper war dazu nicht mehr in der Lage \u2013 und sie selbst findet, auch das notiert der Text in modern anmutender Offenheit, sie sei \u00fcber das Alter hinaus, in dem leidenschaftlicher Sex noch erwartet und gepflegt wird: <em>Nun, da ich alt bin&#8230; <\/em>Die Z\u00fcrcher Bibel formuliert noch trockener: <em>Nun, da ich verbraucht bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt! <\/em><\/p>\n<p>Ich weiss nicht, wie es Euch geht; die Geschichte ist Euch sicher (hoffentlich) vertraut. Sie geh\u00f6rt zu den Geschichten, die mir wiederholt begegnet sind, \u00fcber die ich deshalb schon verschiedentlich nachgedacht und auch schon gepredigt habe. Wenn bei einer dieser Begegnungen das Lachen Saras \u00fcberhaupt zum Thema gemacht wurde, dann \u2013 so hat sich das jedenfalls in meiner Erinnerung festgesetzt \u2013 wurde es als eine Reaktion gewertet, die wir h\u00f6chstens verst\u00e4ndnisvoll dulden, eigentlich aber f\u00fcr unangemessen halten sollten.<\/p>\n<p>Dank meiner s\u00fcdafrikanischen Kollegin kann ich die l\u00e4chelnde Sara viel positiver, anerkennender anschauen. Abraham mag als Stammvater des Glaubens betrachtet und verehrt werden. Sara ist die Stammmutter all derer, die den Bosheiten des Lebens, den Gemeinheiten der M\u00e4chtigen, den perfiden Winkelz\u00fcgen des Schicksals mit entwaffnendem, subversivem Humor begegnen. Denise Ackermann schreibt:<\/p>\n<p>\u00abK\u00f6nnen wir dar\u00fcber lachen, wie absurd die Lage der Menschen und von uns selbst in der Welt ist? Ist es nicht besser, \u00fcber die st\u00e4ndige menschliche Dummheit zu lachen, als sie zu verspotten und zu verlachen, und so bewahrt zu werden vor jeglicher Neigung zu \u00dcberheblichkeit und Einbildung? Diese Art von Lachen findet das erheiternd, was unstimmig ist und nicht aufgeht. Es zeichnet sich durch Toleranz aus und entsteht aus der F\u00e4higkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Es heilt und befreit, viel mehr als Hohn und Spott. Es ist ein Gegengift gegen das, was unterdr\u00fcckt und uns die Freiheit nimmt; es ist eine M\u00f6glichkeit, Gef\u00fchle zu \u00e4ussern, sich gegen die Angst zu wehren und mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen. Wenn wir anerkennen, wie idiotisch vieles im Leben ist, dann kann Lachen eine Waffe sein gegen das Zerst\u00f6rerische des Leidens; lachend zeigen wir, dass wir uns weigern, vom Leiden kontrolliert und vernichtet zu werden&#8230; Ich will meine \u00dcberzeugung nicht aufgeben, dass es ein Segen ist, sich \u00fcber die Unstimmigkeiten des Lebens am\u00fcsieren zu k\u00f6nnen, und ein Ausdruck einer Hoffnung, die niemand unterdr\u00fccken kann.\u00bb<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit, \u00fcber die Welt und \u00fcber sich zu lachen, als adventliche Haltung. Sara als Urmutter all derer, die Witze machen konnten, Humor zeigen, in Situationen, in denen es eigentlich nichts zu lachen gab.<\/p>\n<p>Ich bin noch ein Kind des Kalten Krieges. In den 1960er Jahren kursierten verschiedene Sammlungen von \u00abFl\u00fcsterwitzen aus dem Osten\u00bb. Noch heute gibt es Fragen, auf die ich am liebsten eine Antwort g\u00e4be, die beginnt mit \u00abIm Prinzip Ja&#8230;\u00bb \u2013 wie damals die Antworten von Radio Jerewan. Und nat\u00fcrlich begleitet mich auch der Band mit dem \u00abJ\u00fcdischen Witz\u00bb, weil die Kinder von Sara und Abraham diejenigen sind, die offenbar von ihrer Urmutter am besten gelernt haben, wie du dich mit feinem, selbstironischem Humor dagegen wehrst, wenn du kleingemacht, ausgegrenzt, diskriminiert oder dann sogar verfolgt wirst.<\/p>\n<p>Sara l\u00e4chelt. Sie weiss, wie absurd es ist, dass Abram und sie f\u00fcnfundzwanzig Jahre vorher aufgebrochen waren aus ihrer Heimat. Sie waren einem Ruf und Versprechen des Ewigen gefolgt. Sie hatten sich darauf eingelassen, dass sie das Land, in dem sie ankommen, sich niederlassen und zu einem grossen Volk w\u00fcrden, erst sp\u00e4ter gezeigt bek\u00e4men. Sie hatten der Verheissung geglaubt, dass aus ihnen ein grosses Volk w\u00fcrde, doch was war Wirklichkeit geworden? Mit Lot, dem Neffen, hatten sie sich zerstritten. Was an Familie da war, war zerbrochen. \u00dcber den Versuch, durch eine Form von Leihmutterschaft wenigstens den ersten Kern einer Grossfamilie zu kreieren, war zwar erfolgreich gewesen: Ismael spielte zwischen den Zelten und bewunderte seinen Vater. Doch die Spannung zwischen dem Zelt, in dem Sara lebte, und jenem, in dem Hagar mit Ismael zuhause war, nahm st\u00e4ndig zu.<\/p>\n<p>Sara h\u00e4tte allen Grund gehabt zur Bitterkeit, zur Verzweiflung oder zur depressiven Resignation. Doch Sara schmunzelt bloss, als noch einmal jemand kommt, und sogar eine Dreierdelegation, um von der grossen, kinderreichen Zukunft zu reden, die konkret einsetzen werde, wenn Sara \u00fcbers Jahr ein Kind zu Welt gebracht haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Mit ihrem Schmunzeln wird Sara zu einer wunderbaren Adventsgestalt. Sie weiss, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein sollte. Sie weiss, dass das, was sie erlebt, nicht die Erf\u00fcllung der Pl\u00e4ne und Verheissungen Gottes ist. Sie weiss, dass es keinen Sinn hat, wenn sie sich aufreibt, sich selbst fertigmacht im hoffnungs- und damit sinnlosen Bem\u00fchen aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln das schaffen zu wollen, worauf sie hofft und was vom Ewigen zugesagt ist.<\/p>\n<p>Saras Schmunzeln ist kein Zeichen von Resignation. Es ist kein Zeichen daf\u00fcr, dass Sara die Welt und Gott in Ruhe lassen will. Doch es ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass Sara die Grenzen anerkennt, die ihr gesetzt sind. Sie kultiviert keine Allmachtsphantasien. Sie bildet sich nicht ein, sie k\u00f6nne und m\u00fcsse die Welt oder auch nur ihre eigenen Pl\u00e4ne retten. Sie hat begriffen, dass das Leben kein geschlossenes System sein darf, in dem alles aufgeht. Sie ist aber auch nicht Gefangene eines geschlossenen Systems, sondern lebt um Gottes Willen mit offener Zukunft. Denn schliesslich geh\u00f6rt es wesentlich zum Gott des Lebens, dass seine Wege und Worte paradox sind, also eben nicht \u00fcberpr\u00fcfbar und kontrollierbar stimmig. Sara hat gelernt, um noch einmal die Formulierung von Denise Ackermann zu verwenden, <em>die Fahrt<\/em> des Lebens zu <em>geniessen<\/em>, die <em>voller unerwarteter Kurven ist und ein hohes Mass an Vergn\u00fcgen<\/em> bietet. Sara bildet sich nicht ein, ihre <em>nicht \u00fcberpr\u00fcften Vermutungen \u00fcber das Leben und sich selbst<\/em> seien die Wahrheit.<\/p>\n<p>Wenn und weil ich Sara so als adventliche Gestalt deute, verliert die Frage, die der Besuch dann stellt, den tadelnden Unterton, den ich bisher immer mitschwingen h\u00f6rte: <em>Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch geb\u00e4ren, nun, da ich alt bin? <sup>14<\/sup>Sollte dem Herrn etwas unm\u00f6glich sein?<\/em><\/p>\n<p>Was passiert? Statt drei Besuchern ist bloss noch einer da. Der Erz\u00e4hler hat zwei von ihnen wortlos verschwinden lassen \u2013 und derjenige, der jetzt Abraham nach Saras Lachen fragt, ist nicht einfach einer der drei <em>M\u00e4nner, <\/em>von denen der Text schreibt. Jetzt erst sollen wir als H\u00f6rer oder Leserinnen verstehen, weshalb der Erz\u00e4hler mit dem starken Satz anfing, der Herr sei Abraham erschienen. Er selbst, der Ewige, ist es, der nach dem Grund f\u00fcr Saras L\u00e4cheln fragt. Mit derselben Wendung, mit der der Erz\u00e4hler die ganze Geschichte der Stammeltern hat beginnen lassen, setzt er noch einmal ein: <em>Da sprach der Herr zu Abraham&#8230;<\/em> Zweimal vorher <em>h\u00f6rte<\/em> Abraham die Stimme Gottes: Das erste Mal vor dem Aufbruch (Gen\u00a012), das zweite Mal unter dem Sternenhimmel (Gen\u00a015). Doch jetzt schenkt Gott Abraham und Sara eine direkte, menschliche Begegnung. Gott und Mensch unterhalten sich wie Gastfreunde, so wie es sp\u00e4ter auch Mose wird erleben d\u00fcrfen (Ex 33,11).<\/p>\n<p>Und Sara f\u00fcrchtet sich. Es ist nicht eine moralisch grundierte Furcht, die Sara sp\u00fcrt. Es ist auch nicht die Furcht dessen, der einen Fehler gemacht hat und nun Angst hat vor der Strafe. Saras Furcht ist von der Art wie jene, die die Frauen am leeren Grab packte, weil sie nicht einen Leichnam finden, sondern dem Lebendigen begegnen (Mk 16,8). Es ist die Ehrfurcht, die Menschen erf\u00fcllt, wenn sie Gott selbst begegnen, weil sie wissen, dass Du eigentlich Gott nicht sehen und doch weiterleben kannst (Ex 33,20). Gottesn\u00e4he verschl\u00e4gt einem Atem und Stimme, und nichts wird mehr so sein wie zuvor.<\/p>\n<p>Sara w\u00fcrde ihr Lachen am liebsten ungeschehen machen \u2013 so deute ich ihren ungelenken und etwas peinlichen Versuch, es zu leugnen. Sie hat begriffen, dass die drei M\u00e4nner nicht bloss gekommen waren, um ihr etwas mitzuteilen, was sie schon wusste und in ihrem Innern auch pflegte. Beim Besuch durch die Fremden ging es nicht nur darum, zu verhindern, dass die Hoffnung zuletzt doch stirbt. Sara wurde eine Begegnung mit dem lebendigen Gott geschenkt \u2013 und ihr wurde darin klar, dass ihr langes Warten und Hoffen endlich an sein Ziel kommt. Aus der Zeit der Erwartung wird Zeit der Erf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Euch und mir einen leichten, schmunzelnden Advent. Dass uns die F\u00e4higkeit geschenkt wird oder erhalten bleibt, \u00fcber die Unstimmigkeiten des Lebens zu l\u00e4cheln, \u00fcber unsere Unstimmigkeiten zu lachen bis zu dem Tag, wo Gott uns so begegnet, dass wir wissen: Das Warten ist vorbei. Die Erf\u00fcllung ist da.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pfr. Dr. Benedict Schubert, geb. 1957, reformierter Pfarrer an der Peterskirche in Basel nach mehreren Jahren im Dienst der evangelisch-reformierten Kirche in Angola und bei mission 21 \u2013 evangelisches missionswerk basel, sowie Lehrauftrag im Fach aussereurop\u00e4isches Christentum an der Universit\u00e4t Basel; mit seiner Frau zusammen leitet er das \u00abTheologische Alumneum\u00bb, ein Wohnheim f\u00fcr Studierende aller Fakult\u00e4ten.<\/p>\n<p>Basel<\/p>\n<p><a href=\"about:blank\">benedict.schubert@erk-bs.ch<\/a><\/p>\n<p>Die Predigt zum 4. Advent wird in einem Teil-Lockdown gehalten: Es d\u00fcrfen nicht mehr als 15 Gemeindeglieder teilnehmen, der Gottesdienst wird indessen als live stream f\u00fcr die Interessierten \u00fcbertragen (Zugang via <a href=\"https:\/\/www.erk-bs.ch\/kg\/baselwest\/baselwest-gottesdienste\">https:\/\/www.erk-bs.ch\/kg\/baselwest\/baselwest-gottesdienste<\/a>). Diese Sondersituation wird im Gottesdienst pr\u00e4sent sein und, namentlich in den Gebeten, auch zur Sprache gebracht. Da die Pandemie jedoch aus durchaus guten Gr\u00fcnden den Horizont unserer Aufmerksamkeit fast ganz ausf\u00fcllt, habe ich in der Predigt bewusst darauf verzichtet, sie noch einmal, und sei auch bloss am Rand, zum Thema zu machen.<\/p>\n<p>Verworfen habe ich eine viel weitergehende Idee: Die Perikope von der ber\u00fchmten Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubljow her zu deuten \u2013 und dabei auch den grossartigen Film von Tarkowski noch mit einzubeziehen, der offenbar vor Kurzem restauriert wurde: <a href=\"https:\/\/www.filmlinc.org\/films\/andrei-rublev\/\">https:\/\/www.filmlinc.org\/films\/andrei-rublev\/<\/a>.<\/p>\n<p>Es ist ein Film, der offensichtlich macht, wie sehns\u00fcchtig die Menschheit darauf hofft, dass der Heiland die Himmel aufreisst. (Und eine Empfehlung f\u00fcr einen langen Lockdown-Abend).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Denise Ackermann: Suprised by the Man on the Borrowed Donkey. Ordinary Blessings, Cape Town 2014, 281 [eigene \u00dcbersetzung]<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> A.a.O. 285<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag, 20. Dezember 2020 \u2013 4. Advent | Predigt \u00fcber Genesis 18, 1-15 | verfasst von Benedict Schubert | 1Und der Herr erschien ihm im Hain Mamre, w\u00e4hrend er an der T\u00fcr seines Zeltes sa\u00df, als der Tag am hei\u00dfesten war. 2Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei M\u00e4nner vor [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3980,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,501,122,1,2,157,229,120,114,121,338,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-4006","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-genesis","category-4-advent","category-adv_weihn_neujahr","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-benedict-schubert","category-bes_gelegenheiten","category-deut","category-festtage","category-kapitel-18-chapter-18-genesis","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4006","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4006"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4006\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4007,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4006\/revisions\/4007"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3980"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4006"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=4006"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=4006"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=4006"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=4006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}