{"id":4041,"date":"2020-12-22T13:53:24","date_gmt":"2020-12-22T12:53:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4041"},"modified":"2020-12-25T15:13:52","modified_gmt":"2020-12-25T14:13:52","slug":"das-wort-wurde-ein-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/das-wort-wurde-ein-mensch\/","title":{"rendered":"Das Wort wurde ein Mensch &#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Das Wort wurde ein Mensch mit Fleisch und Blut | Zweiter Weihnachtstag | Johannes 1,14-18 | von Tine Illum |<strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p>Im Weihnachtsevangelium des Johannes gibt es keinen Stall und keine Hirten. Er erz\u00e4hlt nicht, dass die Geburt Jesu in einem besonderen historischen Kontext stattfindet. Wir h\u00f6ren nicht von Maria und Josef und den Engeln auf dem Felde. Johannes wollte etwas anderes sagen. Er wollte nicht schreiben, was geschah, sondern was das bedeutet, was geschah. Was es mit unserem Glauben und unser Denken von Gott und der Welt und uns selbst auf sich hat. Ja, Johannes ist in der Tat der einzige Evangelist, der sagt, warum er sein Buch geschrieben hat: \u201cEs ist geschrieben, damit ihr glauben sollt, dass Jesus der Messias ist, Gottes Sohn\u201c. Das will er erz\u00e4hlen. Und hier zu Beginn sagt er eben dies: Jesus ist Messias, Christus. Er ist g\u00f6ttlich und voller Liebe und Wahrheit Gottes.<\/p>\n<p>Wenn Johannes erz\u00e4hlt, beginnt das nicht mit der kaiserlichen Registrierung seiner Untertanen. Es begann viel fr\u00fcher. Es beginnt ganz am Anfang \u2013 als die Welt geschaffen wurde. Alles beginnt mit Worten von Gott. In das totale Chaos und die totale Finsternis hinein spricht Gott. Und die Worte aus dem Mund Gottes setzten Sterne, Sonne und Mond am Himmel, und sie machen die Welt bewohnbar und bewohnt. Schlie\u00dflich werden die Menschen durch das Wort geschaffen. Das Wort Gottes ist ein Teil von ihm selbst. Das Wort war bei Gott, bevor alles geschaffen wurde. Das Wort war Gott. \u201eMit ihm schuf er alles, ohne es gab es nichts\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Und jetzt, sagt Johannes \u2013 jetzt geschieht es: Das Wort von Gott, das die Welt schuf, wird Mensch in Fleisch und Blut. Einer, den man anfassen kann und dessen Stimme man kennt. Einer der wei\u00df, was es hei\u00dft, ein Mensch zu sein, weil er selbst ein Mensch ist. Vollst\u00e4ndig. Und der zugleich Gott ist. Vollst\u00e4ndig. Es ist ein Geheimnis, wie das zugehen soll. Und unsere Gehirne sind zu klein, um das zu verstehen. Und dennoch macht es einen tiefen Sinn.<\/p>\n<p>Wenn wir hier am zweiten Weihnachtstag in die Kirche kommen, lassen wir nat\u00fcrlich nicht unser Gehirn am Eingang zur\u00fcck. Wir sollen nicht dumm sein. Wir sollen nur gegenw\u00e4rtig sein. Mit Gehirn und Herz, Ahnungen, Gef\u00fchlen, Zweifel, Gedanken und Glauben \u2026. Einfach nur sein \u2026 und uns unter das Geheimnis begeben, das Wunder: Dass das Wort Gottes Mensch wird. Das Jesus Mensch und Gott ist.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, als man damit begann, durchdachte Glaubensbekenntnisse zu formulieren, wurde das fester Bestandteil: Gott von Gott \u201ewurde Mensch\u201c, hei\u00dft es in dem Glaubensbekenntnis, das die meisten Christen in der Welt in ihren Gottesdiensten benutzen. Das meiste wurde 325 verfasst. Ein Versuch, ganz kurz zu sagen, was das Wichtigste in unserem Glauben ist. Es handelt von dem, was Weihnachten, Ostern und Pfingsten geschieht.<\/p>\n<p>Man ist fast versucht zu sagen: W\u00e4re es doch dabei geblieben. H\u00e4tte man doch das Mysterium und das Wunder so stehen lassen, die Sch\u00f6nheit aus ihm zum Leuchten gebracht, so dass es uns weiter erhellen kann. Es ist aber wohl so mit uns Menschen, dass wir hinter die Dinge zur\u00fcckfragen, um sie zu verstehen. Das tun wir, um herauszufinden, was wirklich ist, was wahr ist und worauf wir uns verlassen k\u00f6nnen. Daran ist ja nichts falsch. Und h\u00e4tten wir nicht den Wissensdrang, dann w\u00fcrden die Konspirationstheorien in aller Welt noch mehr Verbreitung finden, als sie schon haben.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns nur nicht auf diese Weise Gott n\u00e4hern. Immer wieder m\u00fcssen wir aufgeben und einsehen, dass das zu unertr\u00e4glichen Gedankenspielen wird. Es ist als m\u00fcssten wir einen anderen Weg finden zur Vertiefung und zur Erkenntnis. \u201eKeiner ja je Gott gesehen\u201c sagt Johannes in seinem Evangelium \u2026 Aber wir glauben, dass seine Liebe und Wahrheit mit Jesus Christus gekommen ist und in ihm und bei ihm ist, dass er g\u00f6ttlich ist und uns g\u00f6ttlich nah gekommen ist, und dass er sich und seine G\u00f6ttlichkeit uns selbst gibt \u2013 ganz unverdient.<\/p>\n<p>Ein kluger Mann sagte das einmal zutreffend: Gottes Wort wurde ein lebendiger Mensch aus Fleisch und Blut. Lebte, starb, auferstand und lebt bei Gott. Und diesen Menschen machten wir dann zu lauter kleinen Worten \u2013 und die lebendige Erz\u00e4hlung wurde zu Dogmen, und statt neugierig und voller Verwunderung einen Zipfel der g\u00f6ttlichen Wahrheit zu erfassen und uns tiefer in sie zu versenken \u2013 ja da wurden wir rechthaberisch und halsstarrig und machten das lebendige leuchtende Wort zu grauen Wortsystemen.<\/p>\n<p>Nun ist es an der Zeit, dass wir alle die kleinen Worte fallen lassen und zu einem Nachklang des gro\u00dfen Wortes Gottes werden, zu leuchtenden und g\u00f6ttlichen Lebewesen werden., in und durch Menschen von Fleisch und Blut \u2013 durch uns.<\/p>\n<p>Am Anfang war das Wort,<\/p>\n<p>es war bei Gott,<\/p>\n<p>es war Gott.<\/p>\n<p>Gott ist Liebe,<\/p>\n<p>Und Liebe kann nicht bei sich selbst bleiben,<\/p>\n<p>sie muss hinaus,<\/p>\n<p>so dass das Wort, das Liebeswort, das Gott selbst war, \u00fcber die Welt ging<\/p>\n<p>und alles wurde durch das Wort.<\/p>\n<p>alles, alles war von Gott geschaffen und heilig und hell.<\/p>\n<p>Und wie ging es zu,<\/p>\n<p>dass es verf\u00e4lscht und verfinstert wurde und fast zerst\u00f6rt,<\/p>\n<p>das ist ein furchtbares R\u00e4tsel,<\/p>\n<p>das Zischen einer Schlange in all den Jahren.<\/p>\n<p>Dann geschah es \u2013 weil Gott die Welt geliebt hat \u2013<\/p>\n<p>dass das Wort Mensch wurde in Fleisch und Blut, Jesus.<\/p>\n<p>Und wo er hinkam,<\/p>\n<p>wurde das Zerst\u00f6rte wieder heil und heilig \u2013 und hell,<\/p>\n<p>und die Finsternis konnte das Licht nicht verschlingen,<\/p>\n<p>denn es war Gott selbst.<\/p>\n<p>Das sahen sie \u2013 das erz\u00e4hlten sie,<\/p>\n<p>als alles stumm und finster und tot war;<\/p>\n<p>als das Wort, das Licht, gekreuzigt wurde,<\/p>\n<p>da leuchtete das Licht Gottes mit Osterkraft in die Finsternis.<\/p>\n<p>Die Zeit verrann \u2026<\/p>\n<p>Und das Wort, das Mensch wurde, und starb und auferstand, wurde zu Worten \u2026 wurde zu Buchstaben, und die Buchstaben legten sich eng um das Wort und legten Schatten \u00fcber sein Licht und wurde zu Meinungen und S\u00e4tzen, die versteiften und es allzu sehr pressten.<\/p>\n<p>Aber es starb nicht.<\/p>\n<p>Es atmet und ist Geist.<\/p>\n<p>Von innen, aus den Schatten leuchtet und klingt es durch die Spalten \u2026. Es findet seinen Weg \u2026 eine Himmelsstimme, die heilig ist und Leben schenkt,<\/p>\n<p>und die das Wort war und ist, das unter uns wohnt.<\/p>\n<p>Und durch Menschen von Fleisch und Blut, durch uns, durch dich und mich<\/p>\n<p>Soll es Lucht werden,<\/p>\n<p>soll Leben werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastorin Tine Illum<\/p>\n<p>DK-6091 Bjert<\/p>\n<p>Email: ti(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort wurde ein Mensch mit Fleisch und Blut | Zweiter Weihnachtstag | Johannes 1,14-18 | von Tine Illum |\u00a0 Im Weihnachtsevangelium des Johannes gibt es keinen Stall und keine Hirten. Er erz\u00e4hlt nicht, dass die Geburt Jesu in einem besonderen historischen Kontext stattfindet. 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