{"id":4053,"date":"2020-12-20T15:40:36","date_gmt":"2020-12-20T14:40:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4053"},"modified":"2020-12-20T15:42:56","modified_gmt":"2020-12-20T14:42:56","slug":"heiligen-abend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/heiligen-abend\/","title":{"rendered":"Heiligen Abend"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigt f\u00fcr den Heiligen Abend |&nbsp; <\/strong><strong>Jesaja 11,1-9 | verfasst von Suse G\u00fcnther |&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus der Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der St\u00e4rke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.<\/p>\n<p>Er wird Wohlgefallen haben an der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren h\u00f6ren, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stab seines Mundes den Gewaltt\u00e4tigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen t\u00f6ten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und Treue der Gurt seiner H\u00fcften. Da werden die W\u00f6lfe bei den L\u00e4mmern wohnen und die Panther bei den B\u00f6cken lagern. Ein kleiner Knabe wird das Mastvieh zusammen mit den jungen L\u00f6wen treiben. K\u00fche und B\u00e4ren werden zusammen weiden, dass Ihre Jungen beieinander liegen, und L\u00f6wen werden das Stroh fressen wie die Rinder. Und ein S\u00e4ugling wird spielen am Loch der Otter, und ein Kind wird seine Hand strecken in das Loch einer Natter. Man wird nirgends S\u00fcnde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berg, denn das Land wird voll der Erkenntnis des Herrn sein, wie Wasser, das das Meer bedeckt.<\/p>\n<p>Und es wird geschehen zu der Zeit, dass der Zweig aus der Wurzel Isais da steht als Zeichen f\u00fcr die V\u00f6lker.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Unser Predigttext ist entstanden in einer der allerdunkelsten Stunden des Volkes Israel: Als das Volk ins Exil nach Babylon gef\u00fchrt war: Der Krieg gegen die Babylonier war ebenso verloren wie die Heimat. Und damit alle Hoffnung darauf, dass sich das Blatt jemals wieder zum Guten w\u00fcrde wenden k\u00f6nnen. Der Baum des ber\u00fchmten K\u00f6nigs David war abges\u00e4gt mit Stumpf und Stiel, nur die Wurzel war noch \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Wie Sie wissen, bin ich unter anderem Krankenhausseelsorgerin und musste dazu eine Zusatzausbildung ablegen als systemische Therapeutin. Wir haben gelernt, menschliche Erfahrungen und Systeme aufzustellen mit Figuren oder lebenden Menschen, um sie begreiflicher zu machen. Und wir haben gelernt, dass&nbsp; dadurch, dass nur eine Figur ihre Position ver\u00e4ndert, alles in Bewegung kommt. Es entsteht ein neues Bild, das Auswirkungen nicht nur auf die hat, die an der Aufstellung beteiligt sind. Sondern weit dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Jesaja beschreibt in unseren heutigen Predigttext eine solche grundlegende Ver\u00e4nderung im Bild. Es entsteht etwas ganz Neues: Nicht mehr der vernichtete Baum des K\u00f6nigreiches David, auf den sich alle Hoffnung st\u00fctzte. Und den es nun nicht mehr gibt. Sondern ein neuer Zweig wird wachsen. Aus der alten Wurzel eine neue Zukunft.<\/p>\n<p>Damit ver\u00e4ndert sich f\u00fcr alle nicht nur das Bild, sondern auch die pers\u00f6nliche Zukunft. Jesaja zeichnet uns sehr anschaulich das k\u00fcnftige Friedensreich, das mit diesem neuen Zweig einhergeht. Er zeichnet es, in dem er die Figuren beschreibt, die an diesem Bild beteiligt sind. Tiere, die einander nicht mehr zum Fra\u00df dienen, sondern nebeneinander existieren. Menschen, die unter diesen Raubtieren friedlich leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf einmal gibt es eine neue Mitte in diesem Kosmos, der vorher aus wild hineingeworfenen Kreaturen bestand, von der sich jede ihren eigenen Platz erk\u00e4mpfen musste.<\/p>\n<p>Mehr als 600 Jahre sp\u00e4ter versucht der Evangelist Matth\u00e4us das in sein System zu fassen. Er beginnt sein Evangelium und seine Weihnachtsgeschichte damit, dass er den Stammbaum des Volkes Israel agribisch aufschreibt: Von Abraham bis zum K\u00f6nig David sind es, so schreibt Matt\u00e4us, 14 Generationen. Von David bis zum Exil in Babylon sind es wieder 14 Generationen. Und von diesem Exil bis zur Geburt Jesu wieder 14. Dass Matth\u00e4us das so schreibt, ist kein Zufall. Die Sieben ist f\u00fcr die Juden die g\u00f6ttliche Zahl, denken Sie an die sieben Tage, in denen Gott die Erde erschaffen hat oder den siebenarmigen Leuchter als Symbol f\u00fcr den brennenden Dornbusch, in dem Gott erschien. Die vierzehn ist also doppelt g\u00f6ttlich. Wenn Matth\u00e4us alles so beschreibt, dass immer vierzehn Generationen vergingen, dann hei\u00dft das f\u00fcr ihn, dass hier Gottes Wirken deutlich wird. Es ist Gott, der sowohl in der dunklen als auch in der lichtdurchfluteten Zeit unseres Lebens handelt. Es ist Gott, der aus dem vernichteten Stammbaum Davids einen ganz neuen Zweig, ein Reis wachsen l\u00e4sst. Und es ist Gott, der diesen Zweig dann gro\u00df und stark werden l\u00e4sst, der 14 Generationen sp\u00e4ter seinen Sohn Jesus als Mensch in er Welt geboren sein l\u00e4sst, um den Menschen eine Zukunft zu geben.<\/p>\n<p>Es ist Gott, der das Bild, das uns Menschen so aussichtslos erscheint, neu ausrichtet und der damit alles ver\u00e4ndert. Er stellt seinen Sohn in unsere Mitte und stellt uns auf diese Weise neu auf. Wir bekommen eine neue Chance.<\/p>\n<p>In einer Aufstellung, wie ich sie beruflich vornehme, frage ich am Ende die Teilnehmenden: Wie geht es Ihnen jetzt an diesem neuen Platz?<\/p>\n<p>Die Menschen antworten unterschiedlich auf diese Frage, so wie sie ja auch unterschiedlich veranlagt sind. Einer wird vielleicht sagen: \u201eIch kann mir vorstellen, dass ich hier gut leben kann aber alles ist noch sehr ungewohnt\u201c. Eine andere k\u00f6nnte antworten: \u201eHier f\u00fchle ich mich pudelwohl\u201c Und ein dritter: \u201eNein, das ist nichts f\u00fcr mich\u201c.<\/p>\n<p>Wie f\u00fchlen wir uns auf diesem neuen Platz mit Jesus, der an Weihnachten in unsere Mitte gekommen ist? Pudelwohl, ungewohnt oder fremd? Oder ganz anders?<\/p>\n<p>Wie es dann im wirklichen Leben sein wird, das wird sich erst zeigen. Die Teilnehmenden gehen wieder ihrer Wege nach dieser Begegnung. Alle nehmen etwas mit, f\u00fcr alle kommt etwas in Bewegung. Und alle m\u00f6chten ja auch, dass sich etwas bewegt, denn dazu sind sie hergekommen.<\/p>\n<p>Was ver\u00e4ndert sich dadurch, dass Jesus an Weihnachten in unsere Mitte kommt? Jesaja beschreibt es anschaulich im Predigttext. Es soll ein friedlicher, liebevoller, vertrauensvoller und gerechter Umgang miteinander herrschen. Ja. Es ist nun \u00fcber 2600 Jahre her, dass dieses friedliche und hoffnungsfrohe Bild aufgestellt wurde.<\/p>\n<p>Und alle, die einmal an so einer Aufstellung teilgenommen haben, wissen leider auch das: Das, was uns da so bewegt hat, wird auch im Alltag sich beweisen m\u00fcssen. Es ist uns als leuchtender H\u00f6hepunkt eingepr\u00e4gt, aber dann kommt eben auch wieder unser ganz normales Leben mit alle seinen Herausforderungen. Ungez\u00e4hlte Kriege und Dunkelheiten gab und gibt es seit Jesajas Hoffnungsbild. Das Volk Israel kehrte aus der Verbannung zur\u00fcck und ist bis heute in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt.<\/p>\n<p>Gerechtigkeit? Wir sind weit davon entfernt in diesen Corona Zeiten, in denen die einen arbeiten m\u00fcssen bis zum sprichw\u00f6rtlichen Umfallen. Und die anderen nicht arbeiten d\u00fcrfen und ihre Existenzgrundlage verlieren.<\/p>\n<p>Hat in dann in diesen Zeiten ein altes Bild von Gerechtigkeit, Frieden und Hoffnung, das wir uns jedes Jahr an Weihnachten noch einmal ins Ged\u00e4chtnis rufen, \u00fcberhaupt noch Bedeutung?<\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnen wir uns dieses Bild als Auftrag an uns bewahren, als Auftrag, der dann auch in die Zukunft f\u00fchrt und nicht nur die uralte Vergangenheit heraufbeschw\u00f6rt: So kann es sein und so k\u00f6nnen wir es schaffen: Indem wir einen neuen Platz ausprobieren, indem wir anderen einen neuen Platz zugestehen. Indem wir Jesus den Platz in unseren Leben nicht nur an Weihnachten als Krippenfigur \u00fcbriglassen. Wie f\u00fchle ich mich an meinem neuen Platz? Was bedeutet er f\u00fcr mich? Welchen Auftrag h\u00f6re ich f\u00fcr mich?<\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich trotz allen \u00c4ngsten dieser Zeit hoffnungsvoll.<\/p>\n<p>Mein Platz an der Seite der Menschen und an Jesu Seite gibt mir Standfestigkeit, Geborgenheit und Zuversicht in dieser zerbrechlichen Welt. Und mein Auftrag? Leben miteinander und f\u00fcreinander. Mit Gottes Hilfe. AMEN<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4054\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201211_095516-300x225.jpg\" alt=\"(c) Suse G\u00fcnther \" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201211_095516-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201211_095516-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201211_095516-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201211_095516.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4055\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201211_100010-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201211_100010-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201211_100010-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/20201211_100010.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt f\u00fcr den Heiligen Abend |&nbsp; Jesaja 11,1-9 | verfasst von Suse G\u00fcnther |&nbsp; Es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus der Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der St\u00e4rke, der Geist [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4036,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,1,2,157,545,114,641,349,109,275],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-4053","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jesaja","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-christvesper","category-deut","category-kapitel-11-chapter-11-jesaja","category-kasus","category-predigten","category-suse-guenther"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4053","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4053"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4053\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4057,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4053\/revisions\/4057"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4053"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4053"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4053"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=4053"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=4053"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=4053"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=4053"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}