{"id":4058,"date":"2020-12-20T19:50:22","date_gmt":"2020-12-20T18:50:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4058"},"modified":"2020-12-21T13:57:29","modified_gmt":"2020-12-21T12:57:29","slug":"das-licht-scheint-fuer-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/das-licht-scheint-fuer-uns\/","title":{"rendered":"Das Licht scheint f\u00fcr &#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Das Licht scheint f\u00fcr uns, die im Finstern wohnen | Jesaja 9,1-6a; Lukas 2,1-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0von Eva T\u00f8jner G\u00f6tke |<\/h3>\n<p>Begrenzte Pl\u00e4tze, nur f\u00fcr Eingeladene, geschlossene T\u00fcren \u2013 das ist unsere Wirklichkeit. Und pl\u00f6tzlich ist die Weihnachtsgeschichte nicht nur eine s\u00fc\u00dfe kleine Geschichte von einem Kind, das in einem gem\u00fctlichen warmen Stall unter kauenden Tieren geboren wird. Es ist unsere Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Die Herberge ist in dieser Zeit auch f\u00fcr uns geschlossen. Wir k\u00f6nnen nicht Weihnachten feiern, wie wir das gewohnt sind. Wir sind nicht zusammen wie gewohnt, weder in der Stadt, zuhause oder in der Kirche. Wir m\u00fcssen andere Wege in das Licht und die W\u00e4rme finden.<\/p>\n<p>In diesem Jahr kann niemand vor der weihnachtlichen Tristesse in fremde exotische Gegenden fl\u00fcchten. Da sind keine Flugzeuge am Himmel, nur Sterne, Millionen von Sternen, die Gott dort angebracht hat, um uns zu erz\u00e4hlen, wann es Weinachten, Ostern und Pfingsten ist. Und um im Finstern einen leuchtenden Glauben zu wecken.<\/p>\n<p>Wir sitzen isoliert \u2013 k\u00f6nnen nicht nah beieinander sein. Sind weit drau\u00dfen wie die Hirten vor Bethlehem, die h\u00f6ren k\u00f6nnen, wie man sich in der Stadt am\u00fcsiert. Auch wir erinnern uns daran, wie das war in festlicher Gesellschaft mit vielen Menschen. H\u00f6ren ihr lautes Gel\u00e4chter und ihren Gesang, nicht gerade Engelgesang, aber immerhin, er kommt von Herzen. Sehen, wie sie einander umarmen, nicht anfassen, wie sie sich einander anvertrauen und einander an den Schultern ausweinen, wenn der Alkohol seine Wirkung zeigt und einen lockert \u2013 und im Freudenrausch werden sie ein Leib, eine gro\u00dfe Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Und auch wir werden in dieser Zeit gez\u00e4hlt. Nicht nur hier in unserer kleinen Heimatstadt, sondern i den L\u00e4ndern in aller Welt. Wir werden registriert und getestet \u2013 in Japan, in Norwegen, in Indien, in \u00c4gypten, in Iowa, in Bolivien, in China und in Australien. Und die Zahlen stehen da und leuchten und blinken wie in einem Casino. Aber das ist kein Casino \u2013 denn wir sollen uns nicht freuen \u00fcber die hohen Zahlen. Vielmehr sollen wir uns f\u00fcrchten. Denn die hohen Zahlen bedeuten Gewinnverlust, Ansteckungsgefahr, Krankheit und Tod. Und alle L\u00e4nder der Welt sind eingeteilt in Gefahrenzonen. Und da gilt nur ein Gebot \u2013 das gr\u00f6\u00dfte von allen: Haltet Abstand!<\/p>\n<p>Aber da <em>ist<\/em> kein Abstand mehr<\/p>\n<p>Das ist nicht nur das, was das Weihnachtsevangelium verk\u00fcndigt, dass der Himmel auf die Erde gekommen ist. Dass Gott in der unendlichen Ferne Mensch geworden ist und durch seinen Tod und seine Auferstehung all das \u00fcberwunden hat, was trennt. Versuche nicht, das zu verstehen. Glaube nur!<\/p>\n<p>Da ist kein Abstand mehr! Da ist die Welt, in der wir jetzt leben. Das ist auch unsere Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Die Welt, die vorher gro\u00df war, unendlich gro\u00df und fremd und m\u00e4rchenhaft weit weg \u2013 sie ist nun nahegekommen. Wir leben in derselben Welt.<\/p>\n<p>\u00dcber Face-time k\u00f6nnen wir einander in die Stuben blicken. Wir k\u00f6nnen miteinander reden \u00fcber tausende von Kilometern, kein Rauschen, keine Versp\u00e4tung, ganz gleich ob du mit Bombay sprichst oder dem Nachbarort.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen Bilder schicken und Augenblicke miteinander teilen \u2013 im gleichen Augenblick. Und wir k\u00f6nnen alle die anderen Augenblicke teilen \u2013 die trivialsten wie auch die tragischsten.<\/p>\n<p>Und wo die Augenblicke fr\u00fcher verschwanden, so verschwinden sie nicht mehr. Wir k\u00f6nnen sie wiedersehen, wieder einspielen: Die Geburt eines Kindes, den Tod eines unschuldigen Mannes.<\/p>\n<p>Das ist unsere Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Wir leben in einer globalisierten Welt. Wo wir fr\u00fcher eigene Wege gehen und alles andere au\u00dfenvor halten konnten, da h\u00e4ngt nun alles zusammen. Wie verbundene Gef\u00e4\u00dfe. Wie Ringe im Wasser: Ein Gletscher, der in Gr\u00f6nland schmilzt, l\u00e4sst den Meeresspiegel steigen im Stillen Ozean. Eine Zeichnung in einer Zeitung in J\u00fctland setzt die Welt in Brand.<\/p>\n<p>Wir alle sind Teil derselben Geschichte. Registriert. Wir haben ein gemeinsames Schicksal. Ob wir das wollen oder nicht.<\/p>\n<p>Wir f\u00fcrchten dasselbe in dieser Zeit. Und wir hoffen dasselbe, und wir sehnen uns nach demselben.<\/p>\n<p>Wir sehnen uns danach, einen Weg zu finden zum Licht und zur W\u00e4rme. Eng zusammen zu sein. Wir sehen uns danach, zusammen zu sein, an einem Tisch zu sitzen, zu singen und die Freude der Gemeinschaft zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ganz gleich, wo in der Welt wir wohnen, wir sehen uns danach, dass das Licht f\u00fcr uns scheint hier im Land der Finsternis.<\/p>\n<p>Und das tut es! Der Stern leuchtet \u00fcber uns. Die Sonne von Bethlehem. Denn das Weihnachtsevangelium ist unsere Wirklichkeit. Ein Kind ist uns geboren. Ein g\u00f6ttlicher Augenblick wird mit uns in dieser Nacht geteilt. Ein Augenblick, der nicht einfach verschwindet, sondern den man wiedersehen kann, neu erleben kann, und der f\u00fcr uns in der Finsternis leuchtet und den Weg weist, wieder und wieder.<\/p>\n<p>Gott ist Mensch geworden. Mitten in unserer Welt. Um uns zu erl\u00f6sen und uns einen <em>anderen<\/em> Weg zum Licht und zur W\u00e4rme zu zeigen als den durch gedankenlosen Konsum und r\u00fccksichtslosen Materialismus.<\/p>\n<p>Er kam zur Welt in einem armen, dreckigen Stall. Ohne Spritdispenser am Eingang. Trat ein in die Welt ohne Visier und Mundschutz, weil er das Schicksal mit uns teilen wollte.<\/p>\n<p>Er \u00f6ffnete unsere Augen f\u00fcr das merkw\u00fcrdige Paradox: Erst wenn alles nicht so ist wie gewohnt, entdecken wir das, was wert und teuer ist, was uns h\u00e4lt und tr\u00e4gt, auch wenn alles nicht so ist wie immer.<\/p>\n<p>Er zeigte uns, dass der Weg zum wahren Leben, das, was unserem Leben Sinn gibt, anders verl\u00e4uft als die Wege, die mit dem verbunden sind, was wir Reichtum und Freiheit nennen.<\/p>\n<p>Die gute Nachricht, die die Engel f\u00fcr die Hirten verk\u00fcndigten drau\u00dfen auf dem finsteren kalten Feld und die alle Leute frohmachen sollte, war die, dass ihnen ein Heiland geboren war.<\/p>\n<p>Geht und findet ihn! Sangen sie. Ihr k\u00f6nnt ihn daran erkennen, dass er in einem armen, schmutzigen Stall liegt und in alte T\u00fccher gewickelt ist.<\/p>\n<p>Und diese Neuigkeit ist immer wieder neu. Sie ist immer Breaking News, \u00fcberrascht uns stets neu. Denn wir w\u00fcrden ja dort nicht suchen, wenn wir davon nicht geh\u00f6rt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Aber das wissen wir nun. Gott ist mitten unter uns. In unserer Wirklichkeit. In all den Augenblicken, die wir miteinander teilen \u2013 die lebensfrohesten Augenblicke und die schlimmsten. Wenn wir nicht wissen, was wir sagen und tun sollen. Und wenn da nichts zu sagen oder zu tun <em>ist<\/em>.<\/p>\n<p>Wir sind nicht uns selbst \u00fcberlassen hier in der Welt. Das Licht leuchtet f\u00fcr uns, die im Land der Finsternis wohnen. <em>Ehre sei Gott in der H\u00f6he bei den Menschen seines Wohlgefallens. <\/em>Friede allen verletzlichen und verwundbaren Menschen in der Welt.<\/p>\n<p><em>Frohe Weihnachten!<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Pastorin Eva T\u00f8jner G\u00f6tke<\/p>\n<p>DK-5230 Odense M<\/p>\n<p>Email: etg(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Licht scheint f\u00fcr uns, die im Finstern wohnen | Jesaja 9,1-6a; Lukas 2,1-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0von Eva T\u00f8jner G\u00f6tke | Begrenzte Pl\u00e4tze, nur f\u00fcr Eingeladene, geschlossene T\u00fcren \u2013 das ist unsere Wirklichkeit. Und pl\u00f6tzlich ist die Weihnachtsgeschichte nicht nur eine s\u00fc\u00dfe kleine Geschichte von einem Kind, das in einem gem\u00fctlichen warmen Stall unter kauenden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4036,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,22,1,2,185,157,545,114,304,636,638,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-4058","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-jesaja","category-aktuelle","category-at","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-christvesper","category-deut","category-eva-tojner-goetke","category-kapitel-02-chapter-02-lukas","category-kapitel-09-chapter-09-jesaja","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4058","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4058"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4058\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4065,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4058\/revisions\/4065"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4058"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4058"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4058"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=4058"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=4058"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=4058"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=4058"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}