{"id":4167,"date":"2020-12-25T12:33:34","date_gmt":"2020-12-25T11:33:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4167"},"modified":"2020-12-26T12:37:05","modified_gmt":"2020-12-26T11:37:05","slug":"die-liebe-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/die-liebe-gottes\/","title":{"rendered":"Die Liebe Gottes&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Liebe Gottes und der Trost Israels | Predigt zu Lukas 2, 22-40 mit 1. Johannes 4, 9+16 | verfasst von Rainer Kopisch |\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>21 Und als acht Tage um waren und er beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, welche genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.<br \/>\n22 Als die Tage der Reinigung Marias nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten Maria und Josef Jesus hinauf nach Jerusalem um in dem Herrn darzustellen<br \/>\n23 wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn: \u201eAlles M\u00e4nnliche, das zuerst den Mutterscho\u00df durchbricht, soll dem Herrn geheiligt hei\u00dfen\u201c,<br \/>\n24 und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: \u201eein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben\u201c.<\/p>\n<p>25 Und siehe:<\/p>\n<p>Ein Mensch war in Jerusalem mit dem Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesf\u00fcrchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm.<br \/>\n26 Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen.<br \/>\n27 Und er kam vom Geist gef\u00fchrt in den Tempel.<br \/>\nUnd als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz,<br \/>\n28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:<\/p>\n<p>29 Herr nun l\u00e4sst du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;<br \/>\n30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,<\/p>\n<p>31 das Heil, dass du bereitet hast vor allen V\u00f6lkern,<\/p>\n<p>32 ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.<\/p>\n<p>33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich \u00fcber das, was von ihm gesagt wurde.<\/p>\n<p>34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist dazu bestimmt,<\/p>\n<p>dass viele in Israel fallen und viele aufstehen,<\/p>\n<p>und er ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird.<\/p>\n<p>35 &#8211; und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden.<\/p>\n<p>36 Und es war eine Prophetin Hanna, eine Tochter Phanuels aus dem Stamm Asser.<\/p>\n<p>Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt\u00a0 und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und beten Tag und Nacht.<\/p>\n<p>38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erl\u00f6sung Jerusalems warteten.<\/p>\n<p>39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zur\u00fcck nach Galil\u00e4a in ihre Stadt Nazareth.<\/p>\n<p>40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde<\/p>\n<p>Drei wichtige S\u00e4tze, die zu den Texten des Christfestes geh\u00f6ren, stehen im 1. Johannesbrief im Kapitel 4 in den Versen 9 und 16:<\/p>\n<p>1 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in unsere Welt, damit wir durch ihn leben sollen.<\/p>\n<p>2 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.<\/p>\n<p>3 Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.<\/p>\n<p>Der Evangelist Lukas hat diese S\u00e4tze wahrscheinlich gekannt. Sie sind geschrieben worden, bevor er selbst sich an die Arbeit gemacht hat, das Leben Jesu in Geschichten zu einem Evangelium zusammen zu fassen.<\/p>\n<p>Die Erfahrung in den jungen Gemeinden zeigte damals, dass es hilfreich ist, vom christlichen Glauben<\/p>\n<p>in Geschichten aus dem Leben Jesu anschaulich zu erz\u00e4hlen. Diese zun\u00e4chst m\u00fcndlich \u00fcberlieferten Geschichten sind nach und nach gesammelt und aufgeschrieben wurden. Darunter gab es auch Sammlungen der Worte Jesu. Diese Sammlungen benutzten die Evangelisten als Quellen f\u00fcr ihre eigenen Evangelien. Wir sind heute dankbar, dass sich Christen die Arbeit gemacht haben, aufzuschreiben, was ihnen wichtig war und damit Zeugnisse ihres eigenen Glaubens weitergegeben haben.<\/p>\n<p>Meine Predigt ist in diesen Vorgang der Glaubens\u00fcberlieferung eingebunden. Darum habe ich die drei S\u00e4tze urspr\u00fcnglichen Glaubens an den Anfang gestellt.<\/p>\n<p>Wir haben schon bei der Lesung des heutigen Evangeliums einen wichtigen Ausschnitt aus den Jesus-Geschichten des Lukas geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Kraft der Glaubensaussagen tr\u00e4gt diese Geschichten und macht sie f\u00fcr uns lebendig.<\/p>\n<p>Der letzte Satz wird Ihnen noch im Ohr sein:<\/p>\n<p>Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm.<\/p>\n<p>Jesus und der alten Simeon haben eines gemeinsam:<\/p>\n<p>eine intensive Verbindung mit Gott.<\/p>\n<p>Der kleine Jesus liegt noch am Beginn seines Lebens, der alte Simeon wird bald im Frieden aus seinem irdischen Leben scheiden.<\/p>\n<p>Der Heilige Geist hat ihm gesagt, dass er den Heiland sehen wird, bevor er aus diesem Leben scheidet.<\/p>\n<p>Lukas beschreibt Simeon auch als einen der Menschen, die auf den Trost Israels warten.<\/p>\n<p>Lukas nimmt den pal\u00e4stinensischen Sprachgebrauch auf, der auf Grund von Jesaja 40, Vers 1 und 2 von der messianischen Zeit als der g\u00f6ttlichen Tr\u00f6stung des Heilsvolkes redet. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<p>Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk! Spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist. Damit gibt Lukas die Frage nach dem Kommen des Messias mit einer deutlichen Spannung in die Geschichte.<\/p>\n<p>Als die Eltern mit ihrem Kind in den Tempel sind, kommt Simeon dazu und nimmt den kleinen Jesus auf den Arm und spricht:<\/p>\n<p>29 Herr nun l\u00e4sst du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;<br \/>\n30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,<\/p>\n<p>31 das Heil, dass du bereitet hast vor allen V\u00f6lkern,<\/p>\n<p>32 ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.<\/p>\n<p>Die Frage, wann der Messias kommt, ist damit beantwortet.<\/p>\n<p>Der Beginn einer neuen Zeit der Geschichte Gottes mit der Welt bricht an.<\/p>\n<p>Begegnung mit Gott wird m\u00f6glich, weit \u00fcber die Grenzen des Gottesvolkes Israel hinaus.<\/p>\n<p>Nach dem Gebet und der prophetischen Verhei\u00dfung Gottes f\u00fcr alle Menschen, erteilt Simeon der jungen Familie den Segen Gottes.<\/p>\n<p>Wie die Erf\u00fcllung der Prophetie des Simeon sp\u00e4ter in der Welt aussehen wird,<\/p>\n<p>verschweigt Simeon nicht.<\/p>\n<p>Er spricht er zu Maria von der Zukunft des Heilandes Jesus:<\/p>\n<p>Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen,<\/p>\n<p>und er ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird<\/p>\n<p>35 &#8211; und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden.<\/p>\n<p>Die Folgen der Sendung des Heilandes beschreibt Simeon mit Fallen und Aufstehen.<\/p>\n<p>Der Einschub weist auf das Leiden und Sterben Jesu und den Schmerz dar\u00fcber im Herzen seiner Mutter hin.<\/p>\n<p>Simeon spricht prophetisch auch von der Zukunft der christlichen Botschaft vom Heil Gottes.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel steht Simeon fest auf dem Boden der Traditionen des Volkes Israel, aber er sieht auch den Fortgang der Geschichte des Volkes Gottes in dem Heiland, der ihm im Kind Jesus begegnet.<\/p>\n<p>Lukas selbst steht in der Glaubenstradition der Judenchristen und schreibt darum die Apostelgeschichte auch in dem Bewusstsein, dass der Heilige Geist Gottes allen V\u00f6lker der Welt die Botschaft vom Heil in Gott er\u00f6ffnet hat.<\/p>\n<p>Lukas geht davon aus, dass der Geist Gottes in der Geschichte mit seinem Volk wirksam ist, wie er es an Simeon und der Prophetin Hanna zeigt, die in Verbindung mit dem Heiligen Geist stehen.<\/p>\n<p>Die Prophetin Hanna wird von Lukas deutlich vorgestellt.<\/p>\n<p>Wir erfahren von ihrer Lebensgeschichte und wie sie als Witwe im Tempel mit Fasten und Beten zuhause ist.<\/p>\n<p>Lukas sagt ausdr\u00fccklich, dass sie in dieser Stunde wie auch Simeon vom Geist Gottes mit Josef, Maria und Jesus zusammengef\u00fchrt gef\u00fchrt wird. Es hei\u00dft weiter, dass sie Gott preist und von ihm zu allen redet, die auf die Erl\u00f6sung Jerusalems, auf den Messias warten.<\/p>\n<p>Hanna best\u00e4tigt als Prophetin offenbar die Prophetie Simeons.<\/p>\n<p>Nachdem die Eltern Jesu alles getan hatten, was das Gebot des Mose von ihnen erwartet, zogen sie nach Nazareth zur\u00fcck. Und von Jesus heisst es:<\/p>\n<p>Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte auf die letzten Worte Simeons \u00fcber die Bestimmung des Heilandes zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p>Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen,<\/p>\n<p>und er ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden.<\/p>\n<p>Noch bei der Kreuzigung Jesu zwischen den beiden Verbrechern wird deutlich, was mit fallen und aufstehen gemeint ist. Der eine Verbrecher l\u00e4stert Jesus mit den Worten: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Der zweite weist den anderen zurecht und sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Jesus antwortet ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.<\/p>\n<p>Eine sinnenf\u00e4llige Geschichte \u00fcber das Aufstehen erz\u00e4hlt Johannes mit der Heilung eines seit 38 Jahren Gel\u00e4hmten am Teich Betesda. Steh auf, nimm dein Bett und geh hin, sagt Jesus. Sp\u00e4ter zur Rede gestellt sagt Jesus den Juden: Mein Vater wirkt bis auf diesen Tag und ich wirke auch.<\/p>\n<p>Johannes schreibt am Ende des Berichtes: Danach trachteten die Juden noch viel mehr danach, ihn zu t\u00f6ten, weil er nicht allein den Sabbat brach, sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich.<\/p>\n<p>Wenn Sie aufmerksam auf die Inhalte der Prophetie des Simeon achten, werden sie sicher zun\u00e4chst an die Auseinandersetzungen im Leben Jesu denken, die schlie\u00dflich zu seinem Tod am Kreuz gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>Dann werden sie an die sp\u00e4teren Widerst\u00e4nde gegen die Ausbreitung der christlichen Botschaft denken.<\/p>\n<p>Sie werden in der Geschichte des Christentums keine Zeiten ohne Widerspruch gegen die Botschaft finden, obwohl die Botschaft von der befreienden Liebe Gottes von der Erl\u00f6sung aus Verstrickungen in Schuld f\u00fcr alle Menschen gilt.<\/p>\n<p>Es ist auf dem Weg zu Gott f\u00fcr uns Menschen wichtig, dass die in unseren Herzen verborgenen \u00a0Gedanken offen zu Tage treten und deutlich werden. Am Ende unseres Lebens fehlt oft Gelegenheit und Zeit, sich mit schweren Belastungen auseinander zu setzen und sich der Barmherzigkeit und Liebe Gottes anzuvertrauen. Viele Menschen kennen die Botschaft von der befreienden Liebe Gottes nicht in ausrechendem Ma\u00dfe oder haben sich dar\u00fcber nicht ausreichend Gedanken gemacht.<\/p>\n<p>Nicht alle werden wie Simeon von Frieden im Angesicht ihres Sterbens sprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Viele Sterbende nehmen Ungewissheit \u00fcber ihr Schicksal mit in den Tod.<\/p>\n<p>Die Begleitung von Sterbenden, die eine Begleitung w\u00fcnschen, ist eine dankbare Aufgabe f\u00fcr Menschen, die darauf vorbereitet sind, sich in einen Sterbeprozess mit einzubringen.<\/p>\n<p>Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen, Gelassenheit, Ruhe und Glaubenszuversicht sind dabei eine gro\u00dfe Hilfe.<\/p>\n<p>Oft brauchen auch Gestorbene pers\u00f6nliche Hilfe und Beistand in ihrer Situation.<\/p>\n<p>Ein Pfarrer, den ich pers\u00f6nlich gut kenne, hat auf Tagungen der fr\u00fcheren \u201eGesellschaft Arzt und Seelsorger\u201c, die jetzt \u201eInternationale Gesellschaft f\u00fcr Tiefenpsychologie\u201c hei\u00dft, die Praxis der Aktiven Imagination nach C. G. Jung erlernt. Ihm ist es dadurch m\u00f6glich, in tiefer Entspannung \u00fcber die Grenze zur Transzendenz zu gehen und auch zu w\u00fcnschen, Verstorbenen zu begegnen.<\/p>\n<p>Ich gebe hier zwei seiner Schilderungen aus j\u00fcngster Zeit wieder:<\/p>\n<p>\u201eMir ist es vor ein paar Wochen passiert, dass ich eines Vormittags eine lange nicht gekannte tiefe Trauer sp\u00fcrte. Ein Mann, den ich kannte, war in der Nacht zuvor gestorben.<\/p>\n<p>Eine Krankheit hatte sein Gehirn zunehmend ver\u00e4ndert und ihn zum Pflegefall werden lassen.<\/p>\n<p>Ich ging sp\u00e4ter am gleichen Tag mit den Wusch, ihm zu begegnen, in tiefer Meditation an die Grenze zur Transzendenz.<\/p>\n<p>Vorsichtig \u00f6ffnete ich die T\u00fcr. Sofort st\u00fcrmte eine gro\u00dfe Gestalt \u00fcber die T\u00fcr hinweg auf mich ein, nahm mich in die Arme und f\u00fchrte einen wilden Freudentanz mit mir auf.<\/p>\n<p>Dabei erkannte ich ihn sofort.<\/p>\n<p>Seine vorherige tiefe Trauer, die sich mir mitteilte und seine \u00fcberbordende Freude<\/p>\n<p>sind mir auf Grund seiner letzten Lebensjahre erkl\u00e4rlich.<\/p>\n<p>Dann machte ich mich mit ihm auf den Weg zum Ort der Toten.<\/p>\n<p>Dort f\u00fchrte ich ihn zu einer Gruppe von Gestorbenen meiner eigenen Familie.<\/p>\n<p>Er sprach kurz mit meinen Eltern, die er von fr\u00fcher kannte.<\/p>\n<p>Ich sagte ihm dann, dass er so auch die Gestorbenen seiner Familie aufsuchen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Er machte sich sogleich auf den Weg.<\/p>\n<p>Ich denke, ich habe ihm geholfen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag ging ich mit einer offenen Erwartung wieder durch die T\u00fcr zur Transzendenz.<\/p>\n<p>So weit ich sehen konnte, waren schwarz verh\u00fcllte Gestalten zu sehen.<\/p>\n<p>Sie standen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden auf einem gro\u00dfen Platz.<\/p>\n<p>Als mir klar wurde, dass es Gestorbene sind, die nicht wissen, wo sie sich befinden,<\/p>\n<p>ging ich einen Schritt auf sie zu.<\/p>\n<p>Da fielen die schwarzen H\u00fcllen von ihnen ab und ich sah sie in ihren menschlichen Gestalten.<\/p>\n<p>Ich kam pl\u00f6tzlich der Gedanke, ich sollte zu ihnen reden.<\/p>\n<p>Es entstand eine gro\u00dfe Kuppel, in der wie in einem gro\u00dfen H\u00f6rsaal in aufsteigenden Sitzreihen im gebogenen Rund angeordnet waren mit Platz f\u00fcr vielen Zuh\u00f6rende.<\/p>\n<p>Bald waren die R\u00e4nge von der Gestorbenen gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Ich fand mich unten am Pult neben dem Professor, der mir Mut machte, zu den Toten zu reden.<\/p>\n<p>Ich begr\u00fc\u00dfte die Zuh\u00f6rer und fragte, woher sie k\u00e4men.<\/p>\n<p>Es stellte sich schnell heraus, dass nicht alle von der Erde kamen,<\/p>\n<p>sondern einige auch von anderen Planeten.<\/p>\n<p>Als Theologe fing ich meine Predigt damit an, dass ich von Gott, dem Sch\u00f6pfer erz\u00e4hlte,<\/p>\n<p>der das Weltall und alles Leben geschaffen hat und auch Gott der Toten ist.<\/p>\n<p>Ich sprach dann von Gott, dem Sch\u00f6pfer und seiner Liebe.<\/p>\n<p>Ich zitierte aus dem ersten Johannesbrief den zweiten Halbvers 16:<\/p>\n<p>Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.<\/p>\n<p>Ich sprach \u00fcber die Liebe und welche Bedeutung sie auch f\u00fcr die Gemeinschaft der Gestorbenen hat.<\/p>\n<p>Ich ermunterte sie, sich an Erlebnisse ihres vergangenen Lebens zu erinnern, in denen sie in Liebe mit anderen Menschen verbunden waren.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass sie sich auch in der neuen Situation mit Liebe und mit Gott verbunden f\u00fchlen d\u00fcrfen und k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnschte es ihnen von ganzem Herzen, sagte ich zum Schluss.<\/p>\n<p>Ich bedankte mich f\u00fcr den Beistand bei meinem Professor<\/p>\n<p>und verschwand schlie\u00dflich wieder durch die T\u00fcr in meine gewohnte Wirklichkeit.\u201c<\/p>\n<p>Soweit die ungew\u00f6hnliche Schilderung aus dem Zwischenreich der Toten.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch einmal auf den ersten der bereits zitierten drei S\u00e4tze aus dem ersten Johannesbrief zur\u00fcckkommen, weil er f\u00fcr uns Menschen auf dieser Erde auch f\u00fcr die Zeit ihres Erdenlebens von allergr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit ist:<\/p>\n<p>\u201eDarin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in unsere Welt, damit wir durch ihn leben sollen.\u201c<\/p>\n<p>Welche Folgerungen ziehen wir aus dieser Weihnachtsbotschaft f\u00fcr unser Leben?<\/p>\n<p>Wir Menschen sind dabei, die M\u00f6glichkeit menschlichen Lebens auf dem Planeten Erde durch Zerst\u00f6rungen vieler unserer Lebensgrundlagen einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie l\u00e4sst uns drastisch sp\u00fcren, was Einschr\u00e4nkung des Lebens ist.<\/p>\n<p>Eine neue Variante, die f\u00fcr junge Menschen gef\u00e4hrlicher ist, gibt es inzwischen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch Leugner der Existenz der Pandemie.<\/p>\n<p>Der Klimawandel, den Wissenschaftler seit Jahrzehnten beobachten, wird geleugnet.<\/p>\n<p>Behalten Sie Ruhe und einen klaren Kopf f\u00fcr gute Entscheidungen, bleiben Sie besch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Setzen Sie die Erkenntnis um, dass Gott die Liebe ist und von uns erwartet, dass auch wir lieben &#8211;<\/p>\n<p>nicht das Geld und den Konsum, nicht die verg\u00e4nglichen Werte.<\/p>\n<p>Nur die Liebe zeigt uns den Weg zum ewigen Gott.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Pfarrer i. R. Rainer Kopisch<\/p>\n<p>Braunschweig<\/p>\n<p>E-Mail: rainer.kopisch@gmx.de<\/p>\n<p>Zur Erstellung der Exegese des Textes habe ich das Theologische W\u00f6rterbuch zum NeuenTestament von Kittel in der ersten Auflage und die Interlinear\u00fcbersetzung von Ernst Dietzfelbinger in der dritten Auflage benutzt.<\/p>\n<p>Es war mir ein Anliegen, Glaube und Glaubensgeschichten zu trennen.<\/p>\n<p>Der eingef\u00fcgte Bericht eines Pfarrers \u00fcber Begegnungen mit Gestorbenen<\/p>\n<p>und \u00fcber seine Predigt in dem Rahmen soll an die Aufgabe der Seelsorge f\u00fcr Verstorbene erinnern.<\/p>\n<p>Rainer Kopisch, Pfarrer in Ruhe der Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig, Seelsorger mit logotherapeutischer Kompetenz,<\/p>\n<p>letztes selbstst\u00e4ndiges Pfarramt: Martin Luther in Braunschweig,<\/p>\n<p>in der Vergangenheit: langj\u00e4hriger Vorsitzender der Vertretung der Pfarrer und Pfarrerinnen in der Landeskirche, Mitglied in der Pfarrervertretung der Konf\u00f6deration der Landeskirchen in Niedersachsen, Mitglied in der Pfarrvertretung der VELKD, Mitglied in der Fuldaer Runde.<\/p>\n<p>Roonstr. 6<br \/>\n38102 Braunschweig<br \/>\n<a href=\"mailto:rainer.kopisch@gmx.de\">rainer.kopisch@gmx.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Liebe Gottes und der Trost Israels | Predigt zu Lukas 2, 22-40 mit 1. 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