{"id":4170,"date":"2020-12-31T23:06:01","date_gmt":"2020-12-31T22:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4170"},"modified":"2021-01-02T17:56:33","modified_gmt":"2021-01-02T16:56:33","slug":"der-zwoelfjaehrige-jesus-im-tempel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/der-zwoelfjaehrige-jesus-im-tempel\/","title":{"rendered":"Der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Jesus im &#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Jesus im Tempel | 2. Sonntag nach dem Christfest, 03.01.2021 | Predigt \u00fcber Lukas 2,40-52 | verfasst von Johannes L\u00e4hnemann |<\/h3>\n<p><em><strong>Lukas 2,40-52<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>40 Das Kind (Jesus) aber wuchs und wurde kr\u00e4ftig, erf\u00fcllt von Weisheit, und die Gnade Gottes war auf ihm. 41 Seine Eltern zogen jedes Jahr nach Jerusalem zum Passafest. Und als er zw\u00f6lf Jahre alt war, gingen sie gem\u00e4\u00df ihrer Gewohnheit hinauf zum Fest, 43 Als nun die Tage vollendet waren und sie zur\u00fcckkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten es nicht, 44 sie nahmen aber an, dass er in der Reisegesellschaft war. Sie zogen eine Tagesreise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45 Als sie ihn nicht fanden, wandten sie sich zur\u00fcck nach Jerusalem und suchten ihn. 46 Und es geschah nach drei Tagen, dass sie ihn im Tempel fanden, wo er mitten unter den Lehrern sa\u00df; er h\u00f6rte ihnen zu und stellte Fragen. 47 Es staunten aber alle, die ihm zuh\u00f6rten \u00fcber sein Verst\u00e4ndnis und seine Antworten. 48 Als sie ihn so sahen, waren sie entsetzt, und seine Mutter sprach zu ihm: \u201eKind, warum hast du uns dies angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit \u00c4ngsten gesucht\u201c. 49 Da sprach er zu ihnen: \u201eWarum sucht ihr mich? Wusstet ihr nicht, dass ich im Hause meines Vaters sein muss?\u201c 50 Aber sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen redete. 51 Dann ging er mit ihnen und kam nach Nazareth, und er war ihnen gehorsam. Aber seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen. 52 Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<div id=\"attachment_4171\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4171\" class=\"wp-image-4171\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2021-01-03-Laehnemann-211x300.jpg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"694\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2021-01-03-Laehnemann-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2021-01-03-Laehnemann.jpg 504w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><p id=\"caption-attachment-4171\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Ev. Verein f\u00fcr die Schneller-Schulen<\/p><\/div>\n<p>zu der Geschichte, die wir eben geh\u00f6rt haben, habe ich uns ein Bild mitgebracht, das ich besonders gern mag. Es f\u00fchrt uns mitten hinein in die Erz\u00e4hlung: Jesus steht hervorgehoben in der Mitte, mit hellem Gewand, aufrecht, in sprechender Haltung, um ihn die Gelehrten, aufmerksam auf das bezogen, was sie mit Jesus erleben. Neugierig erscheinen sie, nachdenklich, staunend. Darunter steht das Wort aus dem Bibeltext, auf das sich das Bild bezieht: \u201e\u2026er h\u00f6rte ihnen zu und stellte Fragen\u201c. Es ist die Situation eines ernsthaften Gespr\u00e4chs, eines Dialogs, ja man kann sagen, eine Situation wechselseitigen Lernens.<\/p>\n<p>Ein wenig muss ich Ihnen zu diesem Bild erz\u00e4hlen: Es zeigt eine Geschichte des Kindes Jesus, gestaltet f\u00fcr Kinder \u2013 auf einem Glasfenster in der Christuskirche der Theodor Schneller-Schule in Amman\/Jordanien. In dieser Schule werden Kinder aus bed\u00fcrftigen Familien, z.T. aus dem benachbarten pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlingslager, unterrichtet. Sie k\u00f6nnen auch eine Berufsausbildung erhalten. Christliche und muslimische Kinder besuchen die Schule gemeinsam und lernen gemeinsam. Es ist eine echte Friedensarbeit. Die Kinder lieben dieses Bild. Dabei hat es eine besondere Geschichte. Schon vor 110 Jahren wurde es aus Deutschland gestiftet, und zwar vom Kindergottesdienst des Mariendoms in Kolberg. Hergestellt wurde es in einer Glasmalerei in Quedlinburg am Harz. Vorlage daf\u00fcr waren die \u201eZeichnungen aus dem Leben des Heilandes\u201c von Heinrich Hoffmann (1824-1911), Professor an der K\u00f6niglichen Akademie der K\u00fcnste in Dresden. Im Stil ist das Glasfenster gepr\u00e4gt von der liebevollen, die biblischen Geschichten ausmalenden Weise der damaligen Zeit. Es zierte zusammen mit anderen Fenstern das Syrische Waisenhaus in Jerusalem, die Vorg\u00e4ngerschule der Theodor Schneller-Schule in Amman, die im zweiten Weltkrieg von den deutschen Tr\u00e4gern verlassen werden musste. Es konnte mit anderen Glasbildern aus der Kirche in Jerusalem ausgebaut und nach Amman gebracht werden.<\/p>\n<p>Der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Jesus im Tempel: Was ist an dieser Geschichte so besonders? Es ist die einzige Erz\u00e4hlung aus der Kindheit und Jugend Jesu, die Eingang gefunden hat in die Bibel. Zwischen der Geburt Jesu und seinem ersten Auftreten, als er sich von Johannes dem T\u00e4ufer taufen l\u00e4sst, haben wir sonst keine Geschichte mit Einzelheiten \u00fcber das Leben des jungen Jesus. Das erste hinreichend sichere Datum seines Lebens ist \u00fcberhaupt wohl die Taufe Jesu durch Johannes. Das Markusevangelium, das \u00e4lteste Evangelium, beginnt deshalb auch erst damit. Die Vorgeschichten, die wir im Matth\u00e4us- und im Lukasevangelium finden, sind so verschieden, dass man daraus keinen historischen Ablauf rekonstruieren kann. Dabei haben diese Geschichten eine gro\u00dfe theologische Bedeutung. Sie leiten den Weg Jesu inhaltlich ein. Sie werfen ein Licht voraus auf den weiteren Weg Jesu. Wir k\u00f6nnten sie als \u00dcberschrift-Geschichten bezeichnen: bei Lukas etwa die Erw\u00e4hlung des jungen M\u00e4dchens Maria, die in ihrem Lobgesang schon ausdr\u00fccken kann, wie Gott sich der Armen und Elenden annimmt. Die Geburt Jesu in der Krippe, in der kleinen Stadt Bethlehem ganz am Rande des r\u00f6mischen Weltreichs. Kaiser Augustus, der f\u00fcr seine Steuersch\u00e4tzung die Menschen auf die Reise schickt, ahnt nicht, dass er damit daf\u00fcr sorgt, dass das Jesuskind am richtigen Ort geboren wird, aus dem der von den Propheten versprochene Retter kommen soll.<\/p>\n<p>Und nun die Erz\u00e4hlung vom 12-j\u00e4hrigen Jesus im Tempel. Was will sie uns \u00fcber Jesus sagen? Und was k\u00f6nnen wir daraus lernen?<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte das in drei Punkten entfalten:<\/p>\n<ol>\n<li>Jesus \u2013 das h\u00f6rende und fragende Kind<\/li>\n<li>Jesus \u2013 der lernende Lehrer<\/li>\n<li>Lernen mit Jesus<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li><strong> Jesus \u2013 das h\u00f6rende und fragende Kind <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Unsere Geschichte wird von zwei Versen eingerahmt, die von der voraufgehenden Erz\u00e4hlung zu ihr \u00fcberleiten und sie am Ende abrunden. Sie scheinen sehr allgemein gehalten zu sein, sagen aber doch viel dar\u00fcber aus, wie Jesus aufgewachsen ist.<\/p>\n<p>Am Anfang: \u201e40 Das Kind (Jesus) aber wuchs und wurde kr\u00e4ftig, erf\u00fcllt von Weisheit, und die Gnade Gottes war auf ihm.\u201c<\/p>\n<p>Am Schluss: \u201e52 Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.\u201c<\/p>\n<p>In beiden Versen ist von Weisheit und Gnade die Rede. Darin steckt auch das Wissen, dass Jesus in einer j\u00fcdischen Familie gro\u00df geworden ist, mit all dem, was zu einem intensiven j\u00fcdischen Glaubensleben geh\u00f6rte: Da wurde der Sabbat gefeiert, da befolgte man die Mose gegebenen Gebote, da kannte man die Worte der Propheten, da betete man mit den Liedern der Psalmen. Es wurde eifrig gelernt in frommen j\u00fcdischen Familien. Dabei sind auch die Erwachsenen gefordert. Im 5. Buch Mose wird uns solche eine Lernsituation vorgef\u00fchrt. Da hei\u00dft es: \u201eWenn dich aber dein Sohn heute oder morgen fragen wird und sagen: Was sind das f\u00fcr Zeugnisse, Gebote und Rechte, die euch der HERR, unser Gott, geboten hat?\u00a0so sollst du deinem Sohn sagen: Wir waren Knechte des Pharao in \u00c4gypten, und der HERR f\u00fchrte uns aus \u00c4gypten mit m\u00e4chtiger Hand\u201c (Dt 6,20f.). Wenn es in unserem Text hei\u00dft: Jesus h\u00f6rte zu und stellte Fragen, dann wird damit gesagt, dass Jesus auf der Grundlage dessen, was er in seiner Familie gelernt und erfahren hat, von Anfang an das Gespr\u00e4ch gesucht hat, dass er nicht einfach nur gelehrt hat, sondern den Austausch suchte, dass er neugierig war auf das, was die Gesetzeslehrer sagten und dass er sie mit seinem Wissensdurst ins Staunen brachte. Kein Wunder, dass seine Eltern, als sie ihn endlich im Tempel gefunden haben, entsetzt sind, dass sie ihm Vorw\u00fcrfe machen, weil er sie so in Sorge versetzt hat. Seine Antwort \u2013 \u201eWusstet ihr nicht, dass ich im Hause meines Vaters sein muss\u201c \u2013 k\u00f6nnen sie erst einmal nicht begreifen. Lukas aber, der uns diese Geschichte \u00fcberliefert, wei\u00df, dass bei Jesus von Anfang an eine ganz besondere, eine einzigartige Beziehung zu Gott als seinem Vater besteht.<\/p>\n<p>Jesus \u2013 das fragende Kind. Das h\u00e4lt uns einen Spiegel vor: Wie gehen wir selbst mit Kinderfragen um? Nehmen wir sie ernst? Staunen wir \u00fcber das, was sie wissen wollen? Oder sind wir immer die Besserwisser? Lassen wir uns auch einmal neugierig und kritisch befragen? Oft wollen sie gerne wissen: Warum lebt ihr so, wie ihr lebt? Wie war das fr\u00fcher f\u00fcr euch? Was habt ihr erfahren? Wie habt ihr euch verhalten? Was habt ihr gelernt? Was ist euch wichtig? Sehen Kinder nicht manches klarer als wir selbst, wenn es um unsere Gewohnheiten, unsere Lebensformen geht? So fragen uns etwa in der Bewegung \u201eFridays for Future\u201c junge Menschen un\u00fcberh\u00f6rbar, wie wir uns verhalten, damit wir durch unsere Lebensformen und unser Verhalten die Zukunft unserer Kinder und unserer Erde nicht str\u00e4flich aufs Spiel setzen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Jesus, der lernende Lehrer<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein englischer Kollege von mir hat k\u00fcrzlich ein Buch herausgebracht unter dem Titel: \u201eJesus \u2013 the learning teacher\u201c = \u201eJesus, der lernende Lehrer\u201c. Ich finde, das ist ein ausgezeichneter Titel. Er trifft etwas, das ich immer wieder entdecke, wenn ich Jesus auf seinen Spuren durch die Evangelien folge. Die Geschichte vom 12-j\u00e4hrigen Jesus im Tempel ist das Anfangsbeispiel daf\u00fcr, wie Jesus fragend und lernend ein einzigartiger Lehrer wird. Er tritt nicht als fertiger Alleswisser auf. Er kommt als Erwachsener zuerst zu Johannes dem T\u00e4ufer. Er h\u00f6rt dessen Predigt, mit der er die Menschen im Blick auf das kommende Gericht Gottes zur Bu\u00dfe und Umkehr auffordert. Jesus nimmt das ernst. Er l\u00e4sst sich von Johannes taufen und stellt sich damit an die Seite derer, die sich von Gott zur Umkehr von unheilvollen Wegen rufen lassen. Aber w\u00e4hrend Johannes mit einer drohenden Botschaft auftritt, schildert Lukas, wie Jesus mit einer frohen Botschaft auftritt. In der Synagoge von Nazareth schl\u00e4gt er das Buch vom Propheten Jesaja auf und liest daraus vor: \u201eDer Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu verk\u00fcndigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit und zu verk\u00fcndigen das Gnadenjahr des Herrn.\u201c Dieses Prophetenwort wird zum Leitfaden f\u00fcr Jesu Wirken: Er predigt die N\u00e4he und Liebe Gottes, von der er selbst erf\u00fcllt ist, vorrangig zu denen, die diese Liebe besonders brauchen: die Armen, die Blinden, die Zerschlagenen. Wort und Tat sind dabei eine Einheit. Auf diesem Weg kommt Jesus selbst in Situationen, die ihn n\u00f6tigen, Neues zu lernen. Ein besonderes Beispiel ist, wie Jesus von einer nichtj\u00fcdischen, einer heidnischen Frau angefleht wird, ihre von einem D\u00e4mon besessene Tochter zu heilen. Jesus will das zun\u00e4chst ablehnen, weil er sich zuerst zu den Armen seines Volkes gesandt sieht. Er gebraucht das harte Wort: \u201eEs ist nicht recht, den Kindern das Brot zu nehmen und es den Hunden vorzuwerfen\u201c. Aber dann gewinnt ihn die Frau, indem sie sein Wort aufnimmt und sagt: \u201eGewiss, Herr. Aber die Hunde unter dem Tisch zehren von den Brosamen der Kinder.\u201c Jesus ist von diesem verbl\u00fcffenden Argument, vor allem aber von Gr\u00f6\u00dfe des Vertrauens, ja des Glaubens dieser Frau getroffen und gewonnen. Er heilt die kranke Tochter der Frau \u2013 und lernt auf diesem Wege, dass sein Auftrag \u00fcber die Grenzen seines Volkes hinaus geht. Immer wieder wird Jesu Lehren und Handeln von Gespr\u00e4chen und Entdeckungen begleitet, und dabei entwickelt er eine besondere Begabung als Erz\u00e4hler von Gleichnisgeschichten, in denen er seine Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer zeigt, wie unbegrenzt die Liebe Gottes ist. Der gr\u00f6\u00dfte Lernweg Jesu aber ist der Weg, der ihn in das Leiden, in die Erfahrung des Verrates, ja in den Tod hinein f\u00fchrt. Da ist er ganz menschlich, ganz verzagt, wie sein Gebet im Garten Gethsemane zeigt. Er wei\u00df, dass er Gott als seinen Vater auch in dieser \u00e4u\u00dfersten Not anrufen kann so wie schon die Beter der Psalmen.\u00a0 Er steht so an der Seite aller Leidenden, aller derer, die in Ausweglosigkeit geraten, all derer, die eine schreckliche Todeserfahrung machen m\u00fcssen. Und auf eben diese Erfahrung antwortet Gott mit dem Ostermorgen, mit dem unerwarteten neuen Leben, das das gr\u00f6\u00dfte Hoffnungslicht in die Welt setzt und seine J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger ermutigt und st\u00e4rkt, seine Botschaft von der unbegrenzten Liebe Gottes weiter zu tragen.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Lernen mit Jesus <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Von Jesus lernen, ja, mit ihm lernen: K\u00f6nnen wir das? \u2013 Jesus als das h\u00f6rende und fragende Kind, Jesus als der lernende Lehrer! Was hei\u00dft das f\u00fcr uns?<\/p>\n<p>H\u00f6ren, das hei\u00dft: nicht alles schon wissen, nicht \u00fcber alles urteilen, bevor wir geh\u00f6rt haben. Andere nicht \u00fcberfallen mit dem, was wir immer schon wissen, sondern aufmerken, wahrnehmen, auch staunen \u00fcber das, was uns in der Welt begegnet, was uns in den anderen Menschen begegnet. Fragen bedeutet, nicht alles selbstverst\u00e4ndlich hinnehmen, sondern sich kundig zu machen. Das bedeutet dann aber auch: L\u00fcgen L\u00fcgen nennen, vertrauensw\u00fcrdigen Fakten zur Geltung zu helfen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir uns gerade in der Corona-Krise stark machen. Wovon Jesus erf\u00fcllt war und was er in immer weitere Kreise hinein realisiert hat, ist: die Menschen mit den Augen der Liebe Gottes zu sehen und danach zu handeln.<\/p>\n<p>Am bedeutendsten aber ist der letzte Schritt im Lernen Jesu: sich Gott anvertrauen auch in Not und Anfechtung, angesichts von Leiden und Ausweglosigkeiten. Hoffen und Handeln \u00fcber die Realit\u00e4ten von Krankheit, Verlassenheit, ja auch \u00fcber den Tod hinaus. Das l\u00e4sst uns nicht in Resignation verfallen, auch wenn uns gegenw\u00e4rtig so viele Ungewissheiten und Verzagtheiten auf der Erde begegnen. Wir stehen bei, ermutigen und tr\u00f6sten, helfen und unterst\u00fctzen, so wie wir es k\u00f6nnen \u2013 und d\u00fcrfen uns getragen wissen von der Liebe Gottes, so wie sie in Jesus Wirklichkeit geworden ist.<\/p>\n<p>Ob das alles der 12-j\u00e4hrige Jesus schon geahnt und gewusst hat? Das ist eine Frage, die wir so nicht beantworten k\u00f6nnen. Aber er hat geh\u00f6rt und gefragt, der Anfang eines gro\u00dfen Lernweges, den er vor und f\u00fcr uns gegangen ist. Die Helligkeit, in die ihn der K\u00fcnstler auf unserem Bild mitten unter die Gelehrten gestellt hat, dr\u00fcckt aus: Von diesem Kind geht eine gro\u00dfe Verhei\u00dfung und Hoffnung f\u00fcr uns alle aus.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Prof. em. Dr. Johannes L\u00e4hnemann, Goslar, <a href=\"mailto:johannes@laehnemann.de\">johannes@laehnemann.de<\/a><\/p>\n<p>Johannes L\u00e4hnemann (geb. 1941) hatte von 1981-2007 den Lehrstuhl f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des Ev. Religionsunterrichts an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg inne. Er lebt im Ruhestand in Goslar. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Interreligi\u00f6ser Dialog, Interreligi\u00f6ses Lernen, Religionen und Friedenserziehung. Er ist Vorsitzender der N\u00fcrnberger Regionalgruppe der <em>Religionen f\u00fcr den Frieden<\/em>, Mitglied am Runden Tisch der Religionen in Deutschland und Mitglied der internationalen Kommission <em>Strenghtening Interreligious Education <\/em>der internationalen Bewegung <em>Religions for Peace <\/em>(RfP).<\/p>\n<p>Seine Autobiografie ist erschienen unter dem Titel \u201eLernen in der Begegnung. Ein Leben auf dem Weg zur Interreligiosit\u00e4t.\u201c G\u00f6ttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 2017.<\/p>\n<p>Die Predigt wird \u00a0&#8211; soweit es die aktuellen Regelungen in der Corona-Krise erlauben &#8211; in der romanischen Neuwerkkirche Goslar gehalten.<\/p>\n<p>Liedempfehlungen: EG 12 (Gott sei Dank durch alle Welt), 56 (Weil Gott in tiefster Nacht erschienen),<\/p>\n<p>538 (Lobt den Herrn, lobt den Herrn, unter uns erbl\u00fcht sein Stern)<\/p>\n<p>Bildnachweis: Alle Rechte liegen beim Ev. Verein f\u00fcr die Schneller-Schulen. Zustimmung von der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung wurde ausschliesslich f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung in dieser Predigt erteilt. Jegliche andere Weiterverwendung ist untersagt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Jesus im Tempel | 2. 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