{"id":4217,"date":"2021-01-04T19:34:45","date_gmt":"2021-01-04T18:34:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4217"},"modified":"2021-01-05T14:58:57","modified_gmt":"2021-01-05T13:58:57","slug":"mein-platz-in-der-heilsgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/mein-platz-in-der-heilsgeschichte\/","title":{"rendered":"Mein Platz in der Heilsge&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Mein Platz in der Heilsgeschichte | Predigt f\u00fcr den ersten Sonntag nach Epiphanias \u2013 III -10.1.2021 | R\u00f6mer 12,1-8 | von Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/p>\n<p>R\u00f6mer 12,1-8<\/p>\n<p><em>Ich ermahne euch nun, liebe Br\u00fcder, dass Ihr Eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgef\u00e4llig ist. Das sei Euer vern\u00fcnftiger Gottesdienst. Und stellt Euch nicht dieser Welt gleich, sondern \u00e4ndert Euch durch die Erneuerung Eures Sinnes, damit Ihr pr\u00fcfen k\u00f6nnt, was Gottes Wille ist, n\u00e4mlich das Gute und Wohlgef\u00e4llige und Vollkommene. Denn ich sage Euch durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter Euch, dass niemand mehr von sich halte als sich\u2018s geb\u00fchrt zu halten, sondern dass er massvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Ma\u00df des Glaubens ausgeteilt hat. Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, so sind wir alle ein Leib in Jesus Christus und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist.&nbsp; Ist jemandem prophetische Rede gegeben, so \u00fcbe er sie dem Glauben gem\u00e4\u00df aus. Ist jemandem ein Amt gegeben, so diene er.&nbsp; Ist jemandem Lehre gegeben, so lehre er. Ist jemandem Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgf\u00e4ltig. \u00dcbt jemand Barmherzigkeit, so tue er es gern.<\/em><\/p>\n<p>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Vor kurzem habe ich ein Gespr\u00e4ch zwischen zwei Patientinnen im Krankenzimmer mitgeh\u00f6rt. Die eine bedauerte, dass sie so sehr auf Hilfe angewiesen sei und so gar nicht mehr selbst hilfreich f\u00fcr ihre Familie sein k\u00f6nne, die doch jede unterst\u00fctzende Hand so sehr n\u00f6tig habe.<\/p>\n<p>Ich denke, wir alle k\u00f6nnen das nachvollziehen. Wir f\u00fcrchten uns nicht nur davor, v\u00f6llig abh\u00e4ngig zu werden. Sondern vor allem auch davor, selbst nichts mehr geben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die andere Frau im Krankenzimmer hielt allerdings dagegen, obwohl in einer \u00e4hnlichen Lage: \u201eEtwas kann ich immer noch tun\u201c, so meinte sie: \u201eIch bete f\u00fcr meine Leute. Die haben so viel zu tun in ihrem Alltag, dass sie nicht zum Nachdenken kommen. Ich aber habe hier Zeit. Ich mache mir Gedanken und bringe die Anliegen vor Gott\u201c<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich habe immer wieder erlebt, dass Gebete viel bewirken und denke daher, dass diese Patientin wirklich ihren Lieben sehr viel Gutes tut, wenn sie deren Anliegen im Gebet vor Gott bringt.<\/p>\n<p>Sie dient damit nicht nur ihren Angeh\u00f6rigen, sondern auch sich selbst. Denn auch das ist richtig: Beten ver\u00e4ndert Menschen. Und ver\u00e4nderte Menschen ver\u00e4ndern die Welt. Es ist eben ein Unterschied, ob sich ein Mensch als hilflos und damit auch als sinnlos erlebt. Oder ob jemand f\u00fcr sich die Einstellung haben kann: Ich bin mit dem, was ich zu geben habe, immer noch wertvoll.<\/p>\n<p>Paulus erinnert uns im Predigttext genau daran, wenn er sagt: \u201eIhr habt verschiedene Gaben, setzt sie ein. Und erkennt in diesen Gaben die Gnade Gottes, die euch selbst zuteil geworden ist.\u201c Werdet Euch also, indem Ihr selbst abgebt von dem, was Ihr habt bewusst dar\u00fcber, wie viel Ihr habt. Werdet dankbar und letztlich auch reich, indem Ihr gebt.<\/p>\n<p>Vielen Menschen waren und sind in diesen Zeiten die H\u00e4nde gebunden. Viele k\u00f6nnen und d\u00fcrfen das nicht mehr geben, was sie zu geben h\u00e4tten. Ins Haus einladen? Ein Ehrenamt aus\u00fcben? Menschen besuchen? Fehlanzeige.<\/p>\n<p>Auch Paulus damals waren die H\u00e4nde gebunden. Es war ihm nicht m\u00f6glich, seine Gemeinden, die so weit auseinanderlagen, zu besuchen. Immer wieder musste er seine Reisen unterbrechen, weil ihn eine Krankheit dazu zwang, weil er festgenommen wurde, weil er Schiffbruch erlitt. Immer wieder war er auf Hilfe angewiesen. Und doch hat er wie kaum ein anderer Menschen erreicht und ermutigt, christliche Gemeinden gegr\u00fcndet und sie lebendig erhalten.<\/p>\n<p>Wie er das gemacht hat, davon lesen wir im neuen Testament in seinen Briefen. Und damit ist schon eine Antwort gegeben auf die Frage, wie er es geschafft hat, die Menschen zu erreichen trotz aller Widrigkeiten: Er hat Briefe geschrieben.&nbsp; Eine M\u00f6glichkeit, die auch uns gegeben ist. In der Isolation, in der Einschr\u00e4nkung durch eine Krankheit. Ich meine, ich h\u00e4tte noch nie so viele Karten erhalten und geschrieben wie an Weihnachten 2020. Ein Lob an dieser Stelle an alle, die diese Post weitergeleitet und zugestellt haben.<\/p>\n<p>Paulus hat Briefe geschrieben. Und er hat sich, wie wir heute sagen: \u201egut vernetzt\u201c, er hat also, trotz weiter r\u00e4umlicher und zeitlicher Entfernungen den Kontakt gehalten zu seinen Leuten, da haben wir es ja heute leichter als er mit unseren modernen Medien.<\/p>\n<p>Sicherlich hat er auch das getan, was die Patientin im Krankenhaus als ihre ganz pers\u00f6nliche Gabe erkannt hat: Er hat die Anliegen seiner Mitmenschen im Gebet vor Gott gebracht.<\/p>\n<p>Eine weitere Gabe hatte Paulus, aus der auch wir lernen k\u00f6nnen: Er hat sich Pausen geg\u00f6nnt, g\u00f6nnen m\u00fcssen. Immer wieder wird berichtet, dass ihn eine Krankheit gezwungen hat, innezuhalten. Bei Freunden zu bleiben, bis er wieder zu Kr\u00e4ften gekommen war. Hilfe anzunehmen. Das ist eine F\u00e4higkeit, die viele von uns erst sehr m\u00fchevoll lernen.<\/p>\n<p>Und dann auch dies: Paulus hat in schweren Zeiten den Mut nicht verloren, sondern auf Gott vertraut. Wenn es hart auf hart kam, hat er sich das ins Ged\u00e4chtnis gerufen: \u201eDurch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen\u201c (1.Kor 15,10)<\/p>\n<p>Das ist ein \u201evern\u00fcnftiger Gottesdienst\u201c in Zeiten, in denen \u00fcber die Durchf\u00fchrbarkeit und Bedeutung von Gottesdiensten ganz neu diskutiert wird.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir Gottesdienste halten, ist es wichtig? Ich halte es f\u00fcr richtig und wichtig, wir halten alle Abst\u00e4nde und Hygieneregeln ein. Aber dar\u00fcber hinaus gibt es eben auch den Gottesdienst, der mehr ist als das sonnt\u00e4gliche Treffen im Kirchengeb\u00e4ude. Der Gottesdienst, der darin besteht, dass wir unsere M\u00f6glichkeiten f\u00fcreinander lebendig werden lassen. Unser christlicher Glaube und die Art, ihn zu leben, ist immer in Bewegung. Wir sind niemals fertig. Etwas, was sich gestern noch als guter Weg herausgestellt hat, kann heute schon nicht mehr passen. Aber Paulus traut seinen Leuten das zu, dass sie ihre Gaben f\u00fcreinander lebendig werden lassen in ihrer jeweiligen Zeit und unter den jeweiligen Bedingungen. Und: In ihrem jeweiligen Kontakt zu Gott. Was m\u00f6chte Gott von mir in diesen Zeiten? Mit welchen Gaben r\u00fcstet er mich aus? Was kann ich jetzt tun? Und was lasse ich besser bleiben? Das sind Fragen, die sich Paulus und seinen Leuten t\u00e4glich neu stellten. Und das sind Fragen, die sich uns t\u00e4glich neu stellen.<\/p>\n<p>Was m\u00f6chte Gott von uns? Er m\u00f6chte, dass wir nach seinem Willen fragen und seine Antwort f\u00fcr uns h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und wie k\u00f6nnen wir seine Antwort in unserem Leben h\u00f6ren? Paulus beantwortet das so:&nbsp; Indem wir bescheiden und ma\u00dfvoll leben. Indem wir unsere Gaben f\u00fcreinander einsetzen, einander dienen und in dem, was wir tun, sorgf\u00e4ltig sind. Indem wir einander vom Glauben erz\u00e4hlen und ohne Hintergedanken geben und mitf\u00fchlend sind. Indem wir miteinander auch \u00fcber unsere Zukunft bei Gott und den Menschen sprechen.<\/p>\n<p>Sind das nicht Antworten, die auch uns heute auf der Suche nach Gottes Auftrag f\u00fcr uns, ansprechen?<\/p>\n<p>Und so f\u00e4llt mir pers\u00f6nlich dann noch eine weitere Gabe ein, die wir auch in der Isolation unserer Tage aus\u00fcben k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen lesen. In der Bibel lesen. Nachdenken dar\u00fcber, wie Gott immer wieder mit den Menschen unterwegs war, in ihrem Leben gehandelt hat. Und uns davon ansprechen lassen. So manche Antwort auf die Fragen unseres Lebens werden wir dort finden.<\/p>\n<p>Wir sind von Gott mit Gaben ausgestattet. Paulus in Kleinasien. Die r\u00f6mische Gemeinde in Europa. Wir heute. Wir sind Teil des Leibes Christi \u00fcber die zeitlichen und r\u00e4umlichen Entfernungen hinweg. Auch die, die nicht zu unserer Gemeinde vor Ort z\u00e4hlen, die vielleicht weit weg wohnen und deren Schicksal uns nur \u00fcber die Fernsehnachrichten erreicht, sind Teil dieses Leibes. Auch das ist unser vern\u00fcnftiger Gottesdienst, die nicht zu vergessen und sehr genau zu \u00fcberlegen, was wir f\u00fcr sie tun k\u00f6nnen. Auch hier gilt: F\u00fcreinander beten, sich selbst nicht \u00fcbersch\u00e4tzen, f\u00fcreinander einstehen in Wort und Tat.<\/p>\n<p>M\u00f6chten wir das im neuen Jahr, das uns hoffentlich viel Gutes bringt, nicht vergessen, was wir im alten m\u00fchevoll lernen mussten: Wie sehr wir weltweit zusammengeh\u00f6ren und aufeinander angewiesen sind.<\/p>\n<p>Gott sch\u00fctze uns und alle und lasse uns miteinander lebendig bleiben in seinem Auftrag und in seinem Namen. AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Platz in der Heilsgeschichte | Predigt f\u00fcr den ersten Sonntag nach Epiphanias \u2013 III -10.1.2021 | R\u00f6mer 12,1-8 | von Suse G\u00fcnther | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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