{"id":4244,"date":"2021-01-05T13:49:19","date_gmt":"2021-01-05T12:49:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4244"},"modified":"2021-01-05T13:49:43","modified_gmt":"2021-01-05T12:49:43","slug":"zum-geistlichen-geistigen-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/zum-geistlichen-geistigen-leben\/","title":{"rendered":"Zum geistlichen, geistigen &#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Zum geistlichen, geistigen Leben ermutigt! | 1. So. n. Epiphanias, 10.01.21 | Predigt zu R\u00f6mer 12,1\u20138 | verfasst von Thomas Bautz |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eBr\u00fcder und Schwestern, kraft des Erbarmens Gottes ermahne, ermutige, bitte ich euch: Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verf\u00fcgung! Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar, heilig, voller Hingabe, ihm wohlgef\u00e4llig. Das ist f\u00fcr euch der \u201evernunftgem\u00e4\u00dfe\u201c, geistige Gottesdienst.<\/p>\n<p>Passt euch nicht den Ma\u00dfst\u00e4ben dieser Welt an; lasst euch vom Zeitgeist nicht in das gleiche Schema pressen, sondern euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird; (\u201edurch die Erneuerung des Denken\u201c).<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Dann k\u00f6nnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut, gottgef\u00e4llig und vollkommen ist.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Wenn Paulus die Gemeinde ermahnt, impliziert das Wort im Griechischen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> ermutigen und bitten. Mag es unserem Denken und Sprachgebrauch nicht entsprechen: Wenn z.B. Eltern ihre Kinder oder Lehrer ihre Sch\u00fcler ermahnen, m\u00f6gen diese in der Ermahnung kaum eine Ermutigung erkennen. Das Ermahnen als solches wird heute ohnehin eher als Ma\u00dfregeln empfunden, was Missfallen provoziert oder auf Widerspruch sto\u00dfen l\u00e4sst. Wenn&nbsp; gar eine Ermahnung mit einer Bitte verbunden ist, riskiert der&nbsp; Mahnende, nicht ernst genommen zu werden. Heutiger Sprachgebrauch umgeht die Alternative und ersetzt das Ermahnen durch das Bitten: Man bittet sein Kind um etwas, auch wenn dahinter eine Ermahnung stecken mag.&nbsp; Das Ermutigen sollte in der Familie wie in der Schule Priorit\u00e4t haben.<\/p>\n<p>Bedenken wir, dass Paulus sehr Grunds\u00e4tzliches f\u00fcr den Einzelnen wie f\u00fcr die Gemeinde anspricht, sind wir sicher froh, dass er ermahnen, ermutigen und bitten zugleich,<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> nicht aber fordern will. Es ist keine Kleinigkeit, wenn von einem erwartet wird, das ganze Leben \u201eGott\u201c zur Verf\u00fcgung zu stellen,<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> oder \u201eals lebendiges Opfer darzubringen\u201c.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Dazu muss man wirklich ermutigt<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> werden. Die Antike kennt materielle Opfer (Tier-, Speise- und Menschenopfer); da zu seiner Zeit das Opferwesen und dessen Sprachgebrauch noch pr\u00e4sent ist, spricht Paulus spiritualisierend vom \u201elebendigen Opfer\u201c, holt den Begriff aber auch in die Alltagssprache hinein.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen hier ankn\u00fcpfen, weil wir auch \u201eOpfer bringen\u201c: Wir opfern Zeit f\u00fcr Alte, Kranke, indem wir Dinge f\u00fcr sie erledigen, zu denen sie selbst nicht (mehr) imstande sind: Einkaufen, Vorlesen. Wir schenken ihnen unsere Aufmerksamkeit und vergessen ein St\u00fcck weit uns selbst. Wir opfern aber auch Zeit und Energie, wenn wir uns eine Aufgabe gestellt haben, die unsere ganze Konzentration verlangt: f\u00fcr berufliche Fortbildung; f\u00fcr das Erlernen einer Fremdsprache; f\u00fcr das Spielen mit Kindern aus der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis (u.v.a.m.).<\/p>\n<p>Das Opfern kann durchaus mit Leichtigkeit einhergehen, es erfolgt ohne Zwang. Paulus erwartet aber ein Opfer, das uns zu \u00fcberfordern scheint. Doch legitimiert er den hohen Anspruch an die Gemeinde, indem er seine Autorit\u00e4t vom Erbarmen \u201eGottes\u201c ableitet. In der j\u00fcdischen und christlichen Tradition ist Barmherzigkeit eine Eigenschaft \u201eGottes\u201c, die sehr verehrt wird; einzelne Menschen k\u00f6nnen ihrer teilhaftig werden. Heute wird barmherziges Handeln weitgehend durch Sachzw\u00e4nge abgel\u00f6st, leider auch in Gemeinden. Au\u00dferdem mangelt es an Fairness gegen\u00fcber Pers\u00f6nlichkeiten, die beruflich im Rampenlicht der Medien stehen. Ende der 1990er Jahre sprach ein Politiker im Altenberger Dom die bedenkenswerten Worte: \u201eWas fr\u00fcher Barmherzigkeit war, wurde abgel\u00f6st durch die \u00f6ffentliche Meinung, und die ist allemal unbarmherzig.\u201c<\/p>\n<p>Als Opfer sollen wir auch \u201eheilig\u201c (gottgeweiht, gottgem\u00e4\u00df, zu Gott geh\u00f6rig, rein, vollkommen)<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> und \u201eGott wohlgef\u00e4llig\u201c sein. Es ist schwer, diese Begriffe in unsere Alltagssprache zu \u00fcbersetzen. Sehen wir uns einfach das typische polarisierende Denkmodell \u201eheilig\u201c vs. \u201eprofan\u201c an. Ist nur das heilig, was biblische und christliche Personen, Gegenst\u00e4nde und Handlungen beinhaltet? Weit verbreitet ist das Wort \u201eScheinheiligkeit\u201c; wir bezeichnen jemanden als scheinheilig, wenn er Heiliges nur vorgibt. Ein solcher Mensch wird leicht durchschaut: \u201eTu nicht so scheinheilig!\u201c Aber kaum wird man sagen: \u201eIch sehe, du bist heilig.\u201c Eher noch: \u201eSchau, dieser Mensch war wahrhaftig heilig.\u201c<\/p>\n<p>In der r\u00f6misch-katholischen Kirche gibt es den formalen kirchenrechtlichen Akt der Heiligsprechung, der liturgisch vom Papst vollzogen wird. Dem ist eine stufenweise Pr\u00fcfung vorausgegangen. Wer kein M\u00e4rtyrer war, dem muss ein Wunder, meist ein Heilungswunder nachgewiesen werden. Katholiken kritisieren die h\u00e4ufige Heiligsprechung von P\u00e4psten durch ihre amtierenden Kirchenoberh\u00e4upter.<\/p>\n<p>Kennt der Protestantismus Heilige? Wir lesen in verschiedenen Paulusbriefen, dass der Apostel seine Gemeindeglieder als Heilige anspricht; davon abstrahiert die katholische Theologie und Praxis. Zwar wird es in der evangelischen Kirche diskutiert, ob der Theologe und Pfarrer Dietrich Bonhoeffer als heilig gelten k\u00f6nne,<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> da er mit gro\u00dfer \u00dcberzeugung bis ins Martyrium dem NS-Regime widerstand. Sicher hatte er bereits im Gef\u00e4ngnis eine Vorahnung von seiner Hinrichtung, aber er wollte ebenso sicher nicht als M\u00e4rtyrer sterben, um sp\u00e4ter als&nbsp; Heilliger verehrt zu werden. Eine Fokussierung auf Bonhoeffer stellte andere M\u00e4rtyrer und verdienstvolle Menschen in den Schatten, auch diejenigen, die sich aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden&nbsp; unter Einsatz ihres Lebens im Widerstand engagierten; man denke nur an Sophie Scholl bzw. an die Geschwister Scholl.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>In Bonhoeffers Ethik (hg.v. Eberhard Bethge) schreibt er \u00fcber das Denken&nbsp; in zwei R\u00e4umen: Heilig und profan. Bonhoeffer vertritt die Auffassung, dass mit der Inkarnation des Logos in Gestalt von Leben und Lehre des Jesus von Nazareth die strikte Unterscheidung oder Trennung von heilig und profan aufgehoben sei, schlicht obsolet w\u00e4re. Man mag einwenden, dass B\u00f6sewichte, Kindersch\u00e4nder und Vergewaltiger; Diktatoren, Totschl\u00e4ger und M\u00f6rder (die Liste lie\u00dfe sich vorsetzen) doch auf keinen Fall als Heilige oder ihre Handlungen als heilig gelten k\u00f6nnen. Doch! Auch unter den Heiligen gibt es Fromme (das Wort ist g\u00e4ngiger), die ihre Familien tyrannisieren; die Kinder missbrauchen; die von Macht besessen sind; die sich in Milit\u00e4rdiktaturen mit den Unterdr\u00fcckern verbr\u00fcdern.<\/p>\n<p>Nun kommen wir zu einem Punkt, an dem Paulus einen neuen Aspekt der Hingabe als lebendiges Opfer zu erkennen gibt. Er vergleicht unsere Hingabe mit einem \u201egeistlichen\u201c,<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> vernunftgem\u00e4\u00dfen &nbsp;Gottesdienst, den wir also als \u201evernunftbegabte Wesen\u201c ausf\u00fchren.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> \u201eGottesdienst\u201c wird von Paulus wesentlich umfassender verstanden als Kultus, Liturgie und Verk\u00fcndigung im kirchlichen Geschehen. Es ist lobenswert, wenn das innere und \u00e4u\u00dfere Leben der Gemeinde und Einzelner ihrer Glieder mit ihren feierlichen Gottesdiensten korrespondiert. Wir wissen, dass dies leider nicht immer der Fall ist. Gelegentlich wird der Verdacht laut, ob nicht die elit\u00e4re Sprache des Gottesdienstes einer Begegnung mit Au\u00dfenstehenden krass im Wege steht. Auch das Verhalten gegen\u00fcber Fremden kann Irritationen hervorrufen, und sei es nur das Beharren auf einen eigenen, wenn auch imagin\u00e4ren Sitzplatz. Sieht man jemanden zum ersten Mal im Gottesdienst, sollte man ihn aufrichtig freundlich begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Angesichts hoher Austrittszahlen und sinkender Kirchensteuereinnahmen werden sich Gemeinden k\u00fcnftig noch mehr bem\u00fchen, einen einladenden Charakter zu bekommen. Dabei ist es sicher nicht damit getan, hochkar\u00e4tige Konzerte oder Ausstellungen anzubieten, so attraktiv dies auch ist. Doch werden damit nur bestimmte Gesellschaftsschichten angesprochen. Es k\u00e4me ebenso darauf an, den Menschen eine Begegnung anzubieten, die Christentum und Kirche im Prinzip nur von den drei \u201eT\u201c, Taufe, Trauung, Trauergottesdienst, her kennen. Die Pfarrerschaft hat hier eine wesentliche Funktion, wenn sie zu anschlie\u00dfenden Familienfeiern eingeladen ist. Dabei entscheidet es sich, ob man in der Hauptsache nur als Amtsperson die Kirche repr\u00e4sentiert oder ob die Menschen sp\u00fcren, dass man sich f\u00fcr sie interessiert. Nat\u00fcrlich braucht es Fingerspitzengef\u00fchl; man darf sich nicht aufdr\u00e4ngen. Nicht jeder ist kontaktfreudig, auch nicht im Alltagsleben.<\/p>\n<p>Man sollte sich bei Fragen nicht scheuen, die eigene Meinung zu \u00e4u\u00dfern und nicht den Katechismus zitieren. Es tut der Pfarrerschaft manchmal gut, etwas zu sagen, was nicht kirchenkonform ist, und die Leute f\u00fchlen sich akzeptiert und sind erleichtert dar\u00fcber, dass auch Glaubenszweifel zugelassen sind. Etliche Menschen verstehen heute weder Sprache noch Gedankenwelt der Kirche. Wenn uns wirklich an diesen Leuten, die immerhin Kirchensteuerzahler sind, gelegen sein sollte, m\u00fcssten wir beginnen, kirchlichen Sprachgebrauch selbstkritisch zu pr\u00fcfen. Kirche l\u00e4sst sich mannigfaltig beraten: Werbung, Finanzierung (Fonds), soziale Medien \u2013 warum nicht Beratung durch Kompetenzen, die gen\u00fcgend von gesprochener und geschriebener Sprache verstehen?!<\/p>\n<p>Da Sprache nie losgel\u00f6st vom Denken und von Inhalten strukturiert ist, w\u00fcrde sich das Gremium der jeweiligen Gemeinde (Pfarrerschaft, Presbyterium, Kirchenvorstand) heftig mit den Sprachkundigen (Lehrer, Sprachwissenschaftler, kirchliche Presse) streiten, weil lieb gewordene Formulierungen und W\u00f6rter pl\u00f6tzlich hinterfragt werden. Hier bedarf es eines hohen Ma\u00dfes an Lernbereitschaft, aber auch Toleranz auf beiden Seiten. Manchmal m\u00fcssen Kompromisse gefunden werden. Das betrifft nat\u00fcrlich auch die Inhalte, wobei manches traditionelle Gedankengut durchaus in eine neue Form passt.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Einzelne W\u00f6rter oder Begriffe d\u00fcrfen nicht sklavisch verehrt werden.<\/p>\n<p>Eine solche Arbeit am kirchlichen Sprachgebrauch und kirchlicher Sprache ist eine Hundsarbeit, die daran Teilnehmenden w\u00fcrden wahrhaft Opfer bringen, an Zeit und Anstrengung, es w\u00e4re vern\u00fcnftig allzumal, eine Art vernunftgem\u00e4\u00dfer und auch geistlicher Gottesdienst. Damit w\u00fcrden Christen auch zeigen, dass sie sich nicht vom Zeitgeist in ein Schema pressen lassen. Neigen heutzutage doch viele eher dazu, andere zu verunglimpfen, l\u00e4cherlich zu machen, zu polemisieren, sich selbst ins bessere Licht zu stellen oder einer gleichberechtigten Kommunikation gar aus dem Weg zu gehen.<\/p>\n<p>Ein Professor f\u00fcr Systematische Theologie sagte einmal, er vermisse die fruchtbaren Streitgespr\u00e4che, und genau die sind es, die uns weiterbringen. Streith\u00e4hne hingegen muss man auseinanderbringen. Es bedarf einiger Voraussetzungen, einen hilfreichen Dialog zu f\u00fchren, aus dem die Gespr\u00e4chspartner bereichert hervorgehen: Respekt vor dem Gegen\u00fcber; die Erkenntnis, die Weisheit nicht zu besitzen; die Einsicht, dass Wahrheit viele Facetten hat; die Erwartung, gemeinsam ans Ziel zu kommen. Nur so wird sich unser Denken erneuern. Wenn wir nur selbstverliebt unsere eigenen Anschauungen pflegen, kommen wir nicht weiter: unser Denken wie auch unser Glauben stagnieren.<\/p>\n<p>Paulus pl\u00e4diert f\u00fcr eine Erneuerung des Denkens und glaubt an eine Umwandlung des Einzelnen durch \u201eGott\u201c. Wenn wir erleben, dass sich ein Mensch (positiv) vollkommen ver\u00e4ndert hat, sagen wir, er sei wie ausgewechselt oder als h\u00e4tte man ihn (sie) v\u00f6llig umgekrempelt. Solche Umwandlungen geschehen wohl recht selten; f\u00fcr Paulus waren sie im Kontext seiner Gemeinde offenbar m\u00f6glich. Er geht nicht darauf ein, wie eine solche Umwandlung von statten gehen kann. Wir m\u00f6gen an Ereignisse, einschneidende Erlebnisse im Leben eines Menschen denken, die ihn (sie) v\u00f6llig ver\u00e4ndert haben: \u00dcberstehen eines schlimmen Unfalls; Bewahrung in einer schrecklichen Katastrophe; \u00dcberwindung einer normalerweise t\u00f6dlichen Krankheit. Nicht jeder wird eine solche Rettung mit \u201eGott\u201c verbinden, in der Regel wird sie aber h\u00f6chst bedeutsam bleiben.<\/p>\n<p>Umwandlung als Ver\u00e4nderung und Erneuerung des Denkens f\u00fchrt zu einer Einstellung, die Paulus ebenfalls wichtig ist und wiederum durch seine Anrede unterstrichen wird: \u201eIn der Vollmacht, die Gott mir als Apostel gegeben hat, wende ich mich an jeden Einzelnen von euch. Niemand soll sich \u00fcber andere erheben und h\u00f6her von sich denken, als es angemessen ist. Bleibt bescheiden, seid ma\u00dfvoll! Durch den Glauben hat jeder von euch seinen besonderen Anteil an den Gnadengaben bekommen. Daran hat jeder den Ma\u00dfstab, nach dem er sich einsch\u00e4tzen soll.<\/p>\n<p>Paulus muss es extra betonen: Niemand soll sich \u00fcber andere erheben und meinen, er (sie) sei etwas \u201eBesseres\u201c. Damit ist sicher mehr gemeint als nur hochn\u00e4sig \u00fcber jemanden die Nase zu r\u00fcmpfen. \u00dcberheblichkeit kann sich auswachsen zu einer Menschen verachtenden Lebenshaltung. Wird sie erst einmal gen\u00e4hrt mit ideologischem Material, ist eine gewisse Anf\u00e4lligkeit und Affinit\u00e4t vorhanden, f\u00fchrt das Erhobensein zum Sturz in die Tiefe des (christlichen) Fundamentalismus und in die diversen Formen des Extremismus. Aber man braucht gar nicht erst diese extremen Formen anzusprechen. Ein leider seit Jahren grassierendes Verhalten in Gemeinden ist das Mobbing: Presbyter gegen Pfarrer und die Kollegen in der Pfarrerschaft gegeneinander. Wenn man anders ist oder gar Fehler begeht, wird man vor ein Tribunal geladen, die dann \u2013 mehrheitlich \u00fcberlegen \u2013 durchblicken lassen, dass man gehen m\u00fcsse. Die Gr\u00fcnde sind vorwiegend schwach bis l\u00e4cherlich. Ob Paulus \u00e4hnliche Sorgen in seinen Gemeinden hatte? Jedenfalls hat er um deren Lebendigkeit und Wahrhaftigkeit gek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Paulus weist in seinem weiteren Briefabschnitt auf Gnadengaben hin, die \u201eGott\u201c kraft seiner Gnade den Einzelnen jeweils geschenkt habe, denn jedes Gemeindeglied h\u00e4tte seine eigene Funktion. Auch g\u00e4be es jeweils ein verschiedenes Glaubensma\u00df:<\/p>\n<p>\u201eDenkt an den menschlichen Leib: Er bildet ein lebendiges Ganzes und hat doch viele Teile, und jeder Teil hat seine besondere Funktion. So ist es auch mit uns: Als Menschen, die zu Christus geh\u00f6ren, bilden wir alle ein unteilbares Ganzes; aber als Einzelne stehen wir zueinander wie Teile mit ihrer besonderen Funktion. Wir haben ganz verschiedene Gaben, so wie Gott sie uns in seiner Gnade zugeteilt hat. Einige sind bef\u00e4higt, Weisungen f\u00fcr die Gemeinde von Gott zu empfangen; was sie sagen, muss dem gemeinsamen Bekenntnis entsprechen. Andere sind bef\u00e4higt, praktische Aufgaben in der Gemeinde zu \u00fcbernehmen; sie sollen sich treu diesen Aufgaben widmen. Wer die Gabe hat, als Lehrer die Gemeinde zu unterweisen, gebrauche sie. Wer die Gabe hat, andere zu ermahnen und zu ermutigen, nutze sie. Wer Bed\u00fcrftige unterst\u00fctzt, soll sich dabei nicht in Szene setzen. Wer in der Gemeinde eine Verantwortung \u00fcbernimmt, soll mit Hingabe bei der Sache sein. Wer sich um Notleidende k\u00fcmmert, soll es nicht mit saurer Miene tun.\u201c<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Pfarrer Thomas Bautz<\/p>\n<p>Bonn<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:thomas.bautz@ekir.de\">thomas.bautz@ekir.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ulrich Wilckens: Der Brief an die R\u00f6mer, EKK VI\/3 (1982), 1.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Cf. Gute Nachricht Bibel. Deutsche Bibelgesellschaft. Online (2018), z.St.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Liddell &amp; Scott: Greek-English Lexicon (1996), s.v. parakal\u00e9o (auch tr\u00f6sten), 1311; par\u00e1klesis (Ermahnung, Trost), 1313; par\u00e1kletos (Beistand, Anwalt; Tr\u00f6ster; F\u00fcrsprecher), 1313; ThWNT 5 (1990), s.v. parakal\u00e9o, par\u00e1klesis (771\u2013798): &nbsp;parakal\u00e9o und par\u00e1klesis im NT, 790\u2013798): (1.) Das bittende Ersuchen (792); (2.) Der ermahnende Zuspruch, 792\u2013794: 793 (A. 169); s.v. par\u00e1kletos, 798\u2013812; Walter Bauer: Griechisch-deutsches W\u00f6rterbuch zu den Schriften des NT und der \u00fcbrigen urchristlichen Literatur (1971), s.v. parakal\u00e9o, par\u00e1klesis, par\u00e1kletos, 1223\u20131227.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Die Bedeutungen \u201eMahnen\u201c und \u201eBitten\u201c (f\u00fcr parakal\u00e9o) \u201egehen vielf\u00e4ltig ineinander \u00fcber\u201c, Wilckens: (1982), 2; Wilckens l\u00e4sst \u201eermutigen\u201c aus. Christliche Mahnung beinhaltet den \u201eDreiklang beschw\u00f6renden Aufrufens, bewegenden Bittens, ermutigenden oder tr\u00f6stenden Zuredens\u201c, Ernst K\u00e4semann: An die R\u00f6mer, HNT 8a (1980), 314; K\u00e4semann pl\u00e4diert f\u00fcr \u201eschlichtes Ermahnen\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Cf. ThWNT 5 (1990), s.v. parist\u00e1no (835\u2013840), im NT allg. u.a.. \u201ezur Verf\u00fcgung stellen\u201c (838f); f\u00fcr R\u00f6m 12, 1 jedoch nur die \u00dcbersetzung \u201eals Opfer darbringen\u201c (840).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Bauer (1971), s.v. thys\u00eda, 723\u2013725: parist\u00e1nai thys\u00edan ist terminus technicus des Opferwesens (724).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Das Neue Testament. \u00dcbersetzt von Fridolin Stier (1989), 348.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Bauer (1971), s.v. h\u00e1gios, 17\u201319.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> http:\/\/www.bonhoeffer.ch\/texte-zu-bonhoeffer\/dietrich-bonhoeffer-ein-seltsamer-heiliger-der-postmoderne<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> https:\/\/www.bpb.de\/geschichte\/nationalsozialismus\/weisse-rose\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> ThWNT 4 (1990), s.v. logik\u00f3s, 145\u2013147: 146.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Bauer (1971), s.v. logik\u00f3s, 941.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> 1982 erschien die Bibel in heutigem Deutsch (Gute Nachricht Bibel), Projekt, an dem Sprachwissenschaftler mitgearbeitet haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum geistlichen, geistigen Leben ermutigt! | 1. 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