{"id":4253,"date":"2021-01-14T11:50:51","date_gmt":"2021-01-14T10:50:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=4253"},"modified":"2021-01-14T12:12:22","modified_gmt":"2021-01-14T11:12:22","slug":"ein-bild-der-hochzeit-zu-kana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/ein-bild-der-hochzeit-zu-kana\/","title":{"rendered":"Ein Bild der Hochzeit zu Kana"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Johannes 2:1-11 |&nbsp; verfasst von Ralf Reuter |<\/h3>\n<p>Was f\u00fcr ein Bild! Man m\u00fcsste es als Gem\u00e4lde haben. Von einem Maler gemalt. Gro\u00dffl\u00e4chig, farbenstark. Und aufh\u00e4ngen. Zuhause in den Flur. Nicht unbedingt ins Schlafzimmer. Eher in die Wohnk\u00fcche. Oder ins B\u00fcro. Besser noch ins Arbeitszimmer. Am liebsten an die Wand hinter den Schreibtisch. Da w\u00e4re es in den Videokonferenzen zu sehen. Mein Hintergrundbild.<\/p>\n<p>Wie stelle ich es mir vor? Die vielen Einzelheiten der Hochzeit. Es war der dritte Tag. Die Mutter Jesu war da. Und Jesus mit seinen J\u00fcngern. Dann geht der Wein aus. Die Mutter versucht, ihren Sohn zu aktivieren, er solle helfen. Der will nicht recht. Trotzdem beauftragt die Mutter die Dienerschaft, auf ihn zu h\u00f6ren. Und er sagt: F\u00fcllt die Wasserkr\u00fcge mit Wasser.<\/p>\n<p>Ich denke an die abgesagten Hochzeiten. Alles war vorbereitet. Die Einladungen raus, der Pastor informiert, Essen und Trinken bestellt. Doch die Kirchen waren zu. Wo sie wieder \u00f6ffneten, konnten nur wenige teilnehmen. Das gro\u00dfe Fest war nicht m\u00f6glich. Es h\u00e4tte eine Mutter geben m\u00fcssen, die ihm Bescheid sagt, damit er hilft.&nbsp; Ich h\u00e4tte ein solches Bild gebraucht, das hinter mir h\u00e4ngt und von dem Brautpaar gesehen wird, wenn es absagen will.<\/p>\n<p>Doch es d\u00fcrfte kein konkretes Bild von einer Hochzeit werden. Dazu sind die Hochzeiten im Leben zu verschieden. Mit Hochzeiten habe ich auch in der Wirtschaft zu tun. Wenn zwei zusammengehen, ein Unternehmen gr\u00fcnden, einen Hof bewirtschaften, einen Laden aufmachen, eine Beratung er\u00f6ffnen. Keine gute Zeit jetzt, in diesem Coronawinter. Immer zwischen Bangen und Hoffen. Die Psyche leidet. Wie auf der Hochzeit zu Kana.<\/p>\n<p>Da f\u00fcllten sie die Kr\u00fcge bis obenhin mit Wasser. Die Vorbereitungen f\u00fcr das neue Jahr. Jetzt in das Studium einsteigen, die Aufgabe beginnen, eine neue Lebensphase angehen. Mit gutem Mut. Was gab es alles f\u00fcr M\u00fctter, die bisher halfen! Eltern, Lehrer, Freundinnen, auch Institutionen, immer haben sie wie die Mutter Jesu alles f\u00fcr einen arrangiert. Doch es braucht noch mehr, es braucht ein Jesuswort.<\/p>\n<p>Jesus, die schwierigste Stelle im Bild. Sie \u00fcbersteigt meine Phantasie. Hier ist er noch jung, doch das bleibt er offenbar immer. Kann man ihn \u00fcberhaupt als Mann malen? Ich wei\u00df nur, mit den Bildern von Jesus, das geht immer schief. Besser ungegenst\u00e4ndlich malen, und doch pers\u00f6nlich. Denn so ein Bild, wo Jesus spricht: F\u00fcllt die Wasserkr\u00fcge mit Wasser, das hat Folgen. Da wird g\u00f6ttliches Gelingen ins menschliche Bem\u00fchen gegossen.<\/p>\n<p>Ein Bild, in dem ich die Wirklichkeit erkenne, meine aktuelle Situation, und darin zugleich die Herrlichkeit Gottes. So ungef\u00e4hr m\u00fcsste dieses Bild von der Hochzeit zu Kana werden. M\u00fcsste mir eine Projektion von Zukunft er\u00f6ffnen, die mein Verm\u00f6gen \u00fcbersteigt. Die mich mit hineinnimmt ins Leben Gottes. Und die die eigenen Schritte, Gedanken, Aktivit\u00e4ten, Arrangements leitet. Sie ins Gelingen zieht, wo eigentlich noch nichts zu sehen ist.<\/p>\n<p>Ein kaum zu glaubendes Bild. Der Speisemeister als guter Wirt wird erst einmal b\u00f6se, unterstellt dem Br\u00e4utigam T\u00e4uschung. Ihr habt den guten Wein zur\u00fcckgehalten, was soll das? So wie wir oft alles in den ersten Auftritt legen. Der junge Schwung einer ersten Pfarrstelle, sp\u00e4ter wird alles z\u00e4her. Die Anf\u00e4nge einer Liebe, als die Kinder klein waren, Zeiten des gemeinsamen Erlebens. Hier anders, der gute Wein erst im Fortgang der Hochzeit. Was haben wir im Leben noch vor uns?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stelle ich mir ein Bild vor, das Zuversicht ausstrahlt. Vielleicht noch mehr, das M\u00f6glichkeiten aufzeigt. Ein Bild, das die Kraft des Glaubens entfaltet, das neue Wirklichkeit entstehen l\u00e4sst. Als Bild. Mehr ist nicht da. Im Januar 2021 ist nichts zu sehen von der Zukunft dieses Jahres. Und doch will es werden. Gott ist anwesend wie der junge Jesus, wie seine helfende Mutter, wie die begleitenden J\u00fcnger, wie das Brautpaar und die G\u00e4ste, und die Dienerschaft.<\/p>\n<p>Ja, die Diener, die das Werden von Wasser zu Wein unmittelbar mitbekommen haben, wie kommen die eigentlich ins Bild? Sie sind wichtig. Wie immer die Mitarbeitenden wichtig sind in den Gemeinden, in den Unternehmen. Unverzichtbar, auf Augenh\u00f6he, das Personal in Kinderg\u00e4rten und Schulen, in Kliniken und Einrichtungen. Und all die Menschen, die einen zuhause begleiten. G\u00f6ttliche Wunder geschehen vor ihren Augen. Sie gehen durch die H\u00e4nde, die sich einsetzen.<\/p>\n<p>Zu malen ist das nicht. Oder doch? Wo wir alles getan haben, und Gottes Zutun dieses erst in ein Bild des Lebens setzt? Ein Bild, das dann \u00fcber allen menschlichen Einsatz hinaus die Hochzeit gelingen l\u00e4sst? Wo das Relative, das Unvollkommene, trotz allem ernsthaften Bem\u00fchen, diesen Jesus und seine Bilder braucht, um die ganze Liebe Gottes sichtbar zu machen. Wo aus Wasser Wein wird, wo die Hochzeit weitergeht, wo dieses Jahr 2021 unser Jahr Gottes wird.<\/p>\n<p>Mit einem Bild im Hintergrund k\u00f6nnte ich dieses immer wieder sehen lernen. So stelle ich mir die Wirkung vor. Im Homeoffice, in der Online-Konferenz, hinter mir, von allen gesehen. Ich bin in meinem kleinen Bild mit diesem Hintergrund dabei, erkenne mich darin. Und in mir die M\u00f6glichkeiten, die Zukunft Gottes mit meinem Leben. Wie es dann in die R\u00e4ume der anderen gesendet wird und neue R\u00e4ume er\u00f6ffnet. Meinem Partner und Partnerin, den Mitgesch\u00f6pfen in ihrer ganzen Sch\u00f6pfungssituation. Als Botschaft des Glaubens.<\/p>\n<p>In der Eingangshalle von Unternehmen und Einrichtungen, \u00fcber dem Esstisch in der Wohnk\u00fcche. Selbst ins Schlafzimmer passt es. Immer nur unaufdringlich, leicht spielerisch, im Hintergrund wirkend und doch wirklichkeitsgestaltend. Die F\u00fclle des Weines ist des Herrn. Mein ist das Wasser, sind der Gebrauch der Kr\u00fcge, die Weisheiten der Tradition, der Schwung des Neuen, das Arbeiten mit anderen, der Einsatz der Kr\u00e4fte. Mein wird das Jahr, mein werden die M\u00f6glichkeiten, mein wird die Erf\u00fcllung, wo Jesus mit seinem Wort dabei ist. Er transformiert diese Welt in seine Zukunft.<\/p>\n<p>Ja, so lasst uns Bilder in Auftrag geben. Bilder des Lebens, der Bibel, die uns begleiten k\u00f6nnen. Die nicht zu deutlich das begrenzt Menschliche auftragen. Die uns nicht mit scheinbarer Klarheit beengen. Die immer auch das Kommende, die Zukunft des Ewigen beinhalten. Als das bei Gott M\u00f6gliche. Wo die Hochzeit gefeiert werden kann, auch wenn der Wein ausgeht. Wo das Leben noch einmal in einem ganz anderen, himmlischen Licht erscheint. Ganz vorsichtig auch: Wo Christus der Br\u00e4utigam ist, die Christenheit die Braut.<\/p>\n<p>Es sind Bilder, wie wir sie Sonntag f\u00fcr Sonntag in der Kirche vorgelesen bekommen. Bilder, die in uns wirken, die uns eine ganze Woche begleiten. Doch die Hochzeit zu Kana bleibt f\u00fcr mich einzigartig. Es ist im Johannesevangelium das erste Zeichen von Jesus. In ihm erstrahlt seine Auferstehung, am dritten Tage. Mit einem Mal ist alles anders. Gottes Herrlichkeit ist in der Welt angekommen. Von ihr her deutet sich die Wirklichkeit und wandelt sie von Wasser zu Wein. Mein Vorhaben f\u00fcr das neue Jahr: Ein Bild der Hochzeit zu Kana.<\/p>\n<p>Pastor Ralf Reuter<\/p>\n<p>G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p>Ralf Reuter, Pastor f\u00fcr Unternehmensleitungen und F\u00fchrungskr\u00e4fte der Wirtschaft, Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, und zugleich Pastor an der Friedenskirche G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Johannes 2:1-11 |&nbsp; verfasst von Ralf Reuter | Was f\u00fcr ein Bild! Man m\u00fcsste es als Gem\u00e4lde haben. Von einem Maler gemalt. Gro\u00dffl\u00e4chig, farbenstark. Und aufh\u00e4ngen. Zuhause in den Flur. Nicht unbedingt ins Schlafzimmer. Eher in die Wohnk\u00fcche. Oder ins B\u00fcro. Besser noch ins Arbeitszimmer. Am liebsten an die Wand hinter den Schreibtisch. 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