{"id":4365,"date":"2021-02-02T12:48:42","date_gmt":"2021-02-02T11:48:42","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4365"},"modified":"2021-02-03T13:06:34","modified_gmt":"2021-02-03T12:06:34","slug":"reich-der-schoenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/reich-der-schoenheit\/","title":{"rendered":"Reich der Sch\u00f6nheit"},"content":{"rendered":"<h3>7. Februar 2021 | Markus 4,1-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Tine Illum |<\/h3>\n<p>\u201dDie Sch\u00f6nheit wird die Welt ver\u00e4ndern\u201c, sagt man im \u00f6stlichen Teil der Kirche. Sch\u00f6nheit nicht im kleinlichen Sinne. Nicht als Schmuck oder Oberfl\u00e4che. Nicht glatte Haut oder geschmackvolle Wohnungen. Nicht einmal die sch\u00f6nste Musik oder der sch\u00f6nste Sonnenaufgang.<\/p>\n<p>Die Sch\u00f6nheit verstanden als Leben und Wahrheit, die in uns leuchten. Die ver\u00e4ndert. Die verwandelt. So dass sich die Art und Weise ver\u00e4ndert, in der wir die Welt sehen. So dass wir in einer neuen Weise in der Welt sind. So dass sich die Welt ver\u00e4ndert. In Schimmer, als eine Ahnung. Aber daf\u00fcr ausreichend, dass wir wissen, dass es die Sch\u00f6nheit, die ver\u00e4ndernde Sch\u00f6nheit gibt. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind in der zweiten Klasse Lieder sang von den Blumen des kommenden Fr\u00fchlings. Nicht dass ich geahnt h\u00e4tte, worum es in den Liedern ging \u2026 aber das Wort vom Reich der Sch\u00f6nheit \u2026 und dann ausgerechnet in einem richtig tristen graugemalten Klassenzimmer. Es fiel schwer, sich irgendein Reich der Sch\u00f6nheit dort vorzustellen. Und dann war es eben gerade doch \u00fcberhaupt nicht schwer.\u00a0 Denn das Wort war ja da. Es existierte. Und stand da und leuchtete im Klassenzimmer in der Zentralschule von N\u00f8rre L\u00f8gum \u2013 und die Welt war nicht mehr dieselbe.<\/p>\n<p>Wir brauchen das. Wir sehnen uns danach. Dass sich die Welt ver\u00e4ndert. Nie haben wir uns so sehr danach gesehnt wie in diesem Jahr. Es ist Winter. Es ist grau. Wir haben nun fast ein Jahr in einer Pandemie gelebt. Die Winterlieder, die Melodien und die Lieder vom Winter ber\u00fchren uns wie nie zuvor.<\/p>\n<p>Die M\u00fcdigkeit kann besonders f\u00fcr einige unertr\u00e4glich schwer sein, und die Worte der Lieder vom schwachen Sinn, von der Verletzlichkeit sind nahezu k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Das gibt es in uns und um uns herum, das was so sch\u00f6n besungen wird in den Liedern vom Winterschlaf. Das ist nicht nur die Natur, die schl\u00e4ft, wir sp\u00fcren wohl auch, dass das auch f\u00fcr unsere Lebenskraft gilt und unseren Lebensmut, ja f\u00fcr unseren Geist.<\/p>\n<p>In den Liedern bebt die Sehnsucht, und die Hoffnung wird herbeigesungen, und wir halten Ausschau nach Fr\u00fchling und Leben \u2013 in uns und um uns herum als Vorboten des Vorsommers, dem Fr\u00fchling vergangener Zeiten, der unter dem schweren Grau liegt, als Verhei\u00dfung und als eine Hoffnung\u00a0 \u2026 und der nur darauf wartet, durch das Gelb der Winterlinge aus der Erde in unser leben einzubrechen.<\/p>\n<p>Die Zeit wird lang, und das zerrt an uns. Die Mutlosigkeit liegt nahe. Bei einigen mehr als bei anderen. Wir unterscheiden uns, was das Gem\u00fct und unser Leben betrifft.<\/p>\n<p>Wir sehnen uns danach zu singen, Besuch zu bekommen nach allgr\u00fcnen und neugr\u00fcnen Fr\u00fchlingszeichen. Nachdem sich unser ge\u00f6ffnet hat und empf\u00e4nglich ist f\u00fcr Worte wir Glaube, Hoffnung und Reich der Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p>Als Ihr heute in die Kirche gekommen seid, habt Ihr ein kleines Weizenkorn bekommen. Nur eines. Es enth\u00e4lt ein Reich der Sch\u00f6nheit. Das k\u00f6nnen wir nicht sehen. So ein kleines graues Korn \u2026 aber so ist es \u2026 Bald werden K\u00f6rner wie das, was du in der Hand hast, in die Erde ges\u00e4t. Und sie wachsen und werden zu \u00c4hren, das sch\u00f6nste Feld mit wogendem Korn.<\/p>\n<p>Gib Zeit, gib Zeit!<\/p>\n<p>Gut, dass wir in die Kirche kommen k\u00f6nnen, um das zu h\u00f6ren. Ihr habt etwas, worauf ihr hoffen k\u00f6nnt, auf ihn, der uns \u00fcber alle Ma\u00dfe beschenkt. Im Weizenkorn, das uns den Sommer ank\u00fcndigt und goldene Felder, Ernten und etwas zu essen. Leben. Das Weizenkorn ist wie ein Hoffnungszeichen. Eine fast unsichtbare kleine Schale mit einem Reich der Sch\u00f6nheit darin. Das uns entgegenleuchtet und unser mutloses Warten in frohe Erwartung verwandelt.<\/p>\n<p>Dann wird die Wartezeit erhellt und das Grau bekommt Farbe. Eine \u201elebendige Hoffnung\u201c hie\u00df es, als wir getauft wurden. Sch\u00f6ner kann das nicht gesagt werden. Und auch nicht wahrer.<\/p>\n<p>Dann str\u00f6mt das Leben wieder. Vielleicht merkst du das ganz schwach, gerade so viel, dass du noch etwas mehr durchh\u00e4ltst. Und mehr brauchst du nicht. Das ist die Verhei\u00dfung. Gib Zeit. Bald geschieht es. Jeder Zweig bekommt Bl\u00e4tter, das Leben bl\u00fcht und wird bunt. Das Weizenkorn keimt. M\u00fcdigkeit und der Winterschlaf des Geistes werden sich in einen herrlichen Sommer verwandeln.<\/p>\n<p>H\u00f6rt her, sagt Jesus. \u201eEs ist wichtig, dass ihr h\u00f6rt, was ich sage\u201c.<\/p>\n<p>Hier n\u00e4mlich h\u00f6ren wir vom Reich Gottes. Vom Gottesreich der Sch\u00f6nheit. Das unsichtbar ist und oft verborgen hinter seinem Gegensatz.<\/p>\n<p>Du kannst nichts h\u00f6ren, was tiefer und wichtiger ist in deinem Leben.<\/p>\n<p>Nur spricht Jesus so ganz anders davon als wir es gewohnt sind.<\/p>\n<p>Er sagt nicht: Du sollst sch\u00f6n sein. Du sollst jung aussehen. Verberge deine Narben und deine Falten und all das an dir selbst, was dich einem wirklichen Menschen gleichen l\u00e4sst mit dem Leben, das nun einmal deins ist. Er sagt nicht: Das Reich Gottes ist das Perfekte, was du nur erlangen kannst, wenn du wirklich dein Leben unter Kontrolle hast und dir gr\u00f6\u00dfte M\u00fche gibst.<\/p>\n<p>Nein \u2013 das Reich Gottes ist ein R\u00e4tsel und liegt im R\u00e4tsel verborgen: in einem kleinen Korn. Gott gleicht einem Bauern, der s\u00e4t \u2013 einer Frau, die Teig knetet \u2013 oder einer anderen Frau, die weder ihr Geld noch ihr Haus unter Kontrolle hat und deshalb nicht die M\u00fcnze finden kann, die weggerollt ist. Jedenfalls nicht ehe sie saubergemacht hat. Er sagt, dass Gottes Reich der Sch\u00f6nheit in dem verborgen ist, was du nicht bemerkst und von dem du vielleicht nicht viel h\u00e4ltst: einem grauen kleinen Korn.<\/p>\n<p>In der Bibel finden sich\u00a0 so viele verschiedene Bilder von Gott und dem Reich Gottes \u2013 und Jesus erz\u00e4hlt so viele Gleichnisse, dass wir einsehen m\u00fcssen, dass all das, was mit Gott und dem Glauben zu tun hat, nicht eine perfekte und stichfeste Theorie ist, sondern eine lebendige Erz\u00e4hlung, in die wir immer einbezogen werden, wenn wir sie h\u00f6ren. Eine Erz\u00e4hlung von einem Reich der Sch\u00f6nheit, die das Leben<em> will<\/em>. Die stets darauf wartet, L\u00fcge und H\u00e4rte und K\u00e4lte an ihrer Entfaltung zu hindern.<\/p>\n<p>Heute handelt das Bild, das wir vor uns haben, von dem Bauern, der s\u00e4t,. Es ist ein merkw\u00fcrdiger Bauer. Wenn ich sehen w\u00fcrde, wie ein Bauer hier \u00fcber das ganze Dorf s\u00e4t einschlie\u00dflich der B\u00fcrgersteige, w\u00fcrde ich ja glauben, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt. Und wenn er dabei auch noch vergn\u00fcgt aussieht, dann w\u00e4re ich sicher, dass er verr\u00fcckt ist. Von eben einem solchen Bauern h\u00f6ren wir hier. Er ist gro\u00dfz\u00fcgig und sorglos \u2013 und er ist ein Bild f\u00fcr Gott.<\/p>\n<p>Gib Zeit! Denkt er. Das Reich der Sch\u00f6nheit kommt. Und s\u00e4t weiter.<\/p>\n<p>Wenn du in Mutlosigkeit verf\u00e4llst und der Meinung bist, dass es sehr schwierig ist an der Hoffnung und am glauben festzuhalten, dann sollst du wissen, dass in die ein kleines Korn ist, das wird sicher fruchtbaren Boden finden. Gib Zeit \u2026 Und lerne von dem Bauern, gro\u00dfz\u00fcgig zu sein. Von ihm wissen wir ja \u2013 was sie nicht wussten, als die Geschichte zum ersten Mal erz\u00e4hlt wurde, dass er am Karfreitag sein Leben hingab, damit das Leben Gottes und sein Reich der Sch\u00f6nheit uns zuteilwerde. Dass er ein Korn wurde, das in die Erde gelegt wurde und zu einem leben im \u00dcberfluss auferstand.<\/p>\n<p>Das ist das Wichtigste, was du h\u00f6ren kannst. Das ist das Wichtigste, was du weitergeben kannst &#8211; immer und nicht zuletzt in dieser Zeit. Weitergeben mit Worten, die die Welt heller machen \u2013 und mit Taten, die Hoffnung n\u00e4hren. Sei gro\u00dfz\u00fcgig. Etwas wird schon aufgehen. Und das gen\u00fcgt.<\/p>\n<p>Denn wenn die Welt Gott geh\u00f6rt, dann geschieht etwas. Viele von uns haben es erlebt, an einem Sarg zu stehen und die Worte zu h\u00f6ren: Aus der Erde bist du gekommen \u2013 zu Erde wirst du werden \u2013 aus der Erde wirst du wieder auferstehen. Eine Lebenskraft st\u00e4rker als der Tod.<\/p>\n<p>Die kommt nicht von selber \u2013 sie kommt gar nicht von uns. Sie kommt von Gott. In der Erz\u00e4hlung von Jesus, der stirbt und aufersteht, damit wir Leben und das Reich der Sch\u00f6nheit im \u00dcberfluss haben.<\/p>\n<p>Es wird Fr\u00fchling und Ernte. Das wei\u00df der geduldige Bauer. Und dann wird da ein Feld stehen mit wogenden Korn\u00e4hren, die sich \u2013 ganz eggen die Erwartungen \u2013 gegen Dornen und Disteln und unfruchtbare Erde durchgesetzt haben. Nehmt das kleine Weizenkorn mit nach Hause und legt es an euer Bett oder auf den Schreibtisch oder wo ihr euch nun aufhaltet. Und lasst es das erz\u00e4hlen, was ihr h\u00f6ren m\u00fcsst:<\/p>\n<p>Gib Zeit \u2026 Hoffnung \u2026 und sei hoffnungsvoll \u2013 denn da ist alles zu hoffen \u2026 ein Reich der Sch\u00f6nheit ist auf dem Weg. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastorin Tine Illum<\/p>\n<p>DK-6091 Bjert<\/p>\n<p>Email: ti(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7. Februar 2021 | Markus 4,1-20 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Tine Illum | \u201dDie Sch\u00f6nheit wird die Welt ver\u00e4ndern\u201c, sagt man im \u00f6stlichen Teil der Kirche. Sch\u00f6nheit nicht im kleinlichen Sinne. Nicht als Schmuck oder Oberfl\u00e4che. Nicht glatte Haut oder geschmackvolle Wohnungen. Nicht einmal die sch\u00f6nste Musik oder der sch\u00f6nste Sonnenaufgang. 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