{"id":4390,"date":"2021-02-09T14:03:51","date_gmt":"2021-02-09T13:03:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4390"},"modified":"2021-02-11T10:52:20","modified_gmt":"2021-02-11T09:52:20","slug":"fastenzeit-auf-was-wir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/fastenzeit-auf-was-wir\/","title":{"rendered":"Fastenzeit \u2013 auf was wir &#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Fastenzeit \u2013 auf was wir verzichten k\u00f6nnen und was wir dabei gewinnen | Estomihi 2021 | Matth\u00e4us 3, 13-17 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Poul Joachim Stender |<\/h3>\n<p>Die christliche Fastenzeit beginnt nun so langsam. Ein Anti-Fest, eine ernste Zeit hat begonnen, wo Jesus im Gang des Kirchenjahres sich langsam seiner Kreuzigung und Auferstehung n\u00e4hert. Das ist ein Zeitraum von 40 Tagen bis Ostern, wo man versuchen kann zu erkennen, was unser Dasein bestimmt. Gibt es da Dinge, die bewirken, dass wir uns so intensiv auf dies oder jenes konzentrieren, dass dies allm\u00e4hlich unser Verh\u00e4ltnis zu den Mitmenschen beeintr\u00e4chtigt?<\/p>\n<p>Die Fastenzeit bedeutet, dass wir gegensteuern sollen. Das wir uns in die entgegengesetzte Richtung bewegen in Bezug auf die Dinge, die zu viel Raum einnehmen und uns dadurch begrenzen. Oder anders gesagt: Auf was sollen wir ein wenig verzichten, um anderen Menschen mit ganzem Herzen mehr Leben und Freude zu schenken?<\/p>\n<p>Die Friedhofsg\u00e4rtner haben in den letzten beiden Tagen die Lindenhecke des Pfarrhauses beschnitten. Sie sagen, dass sie nach der Beschneidung sch\u00f6ner wird, weil sie mehr Licht und Luft bekommt. So ist es wohl auch bei uns Menschen. Wenn wir uns nicht selbst beschneiden, das \u00dcberfl\u00fcssige und Unn\u00f6tige ausscheiden, k\u00f6nnen wir nicht unsere M\u00f6glichkeiten und unsere Sch\u00f6nheit entfalten, die in uns sind.<\/p>\n<p>Es steht jedem Menschen frei, wie man gerne fasten will. Das h\u00e4ngt davon ab, was in unserem Leben unn\u00f6tig viel Raum einnimmt. Wenn man der Typ ist, der gerne an seinem Arbeitsplatz \u00fcber seine Kollegen redet, k\u00f6nnte es eine gute Idee sein, eine vierzigt\u00e4gige Pause einzulegen in dem Gerede \u00fcber die anderen. Das wird einen nur zu einem mehr glaubw\u00fcrdigen Menschen machen. Die Kollegen w\u00fcrden sich dabei sicherlich mehr wohlf\u00fchlen.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Menschen bedeutet Gesundheit sehr viel. Wir schwelgen in Fitness, Wellness und gesundem Essen wie nie zuvor. Das Problem mit dieser Fixierung auf die Gesundheit ist dies, dass man sich dabei vor allem mit sich selbst besch\u00e4ftigt und den Blick auf seine Mitmenschen verliert. Es k\u00f6nnte interessant sein in der Fastenzeit, nicht so sehr mit der eigenen Gesundheit besch\u00e4ftigt zu sein sondern die Zeit, die man f\u00fcr seine Gesundheit verwendet, daf\u00fcr verwendete, etwas f\u00fcr andere als sich selbst zu tun. In einem wunderbaren Bibelwort hei\u00dft es: \u201eEr muss wachsen, wir m\u00fcssen abnehmen\u201c. Das ist eine neue Form der Schlankheitskur, die darauf abzielt, dass wir abnehmen, indem wir den Egoismus fahren lassen und uns nicht mit uns selbst besch\u00e4ftigen, sondern Gott und den Mitmenschen mehr Platz in unserem Dasein einr\u00e4umen. Das gr\u00f6\u00dfte Problem der westlichen Welt ist nicht Fettleibigkeit. Das gr\u00f6\u00dfte Problem des Westens ist unser \u00fcbergewichtiges Ego.<\/p>\n<p>Es ist eine Tatsache, dass sich unser Leben zurzeit von einem Schirm zum anderen bewegt. Wir verbringen viel Zeit vor dem Computerschirm, dann sind wir \u00fcber unser Handy gebeugt und schlie\u00dflich kleben wir am Fernsehschirm. Die Fastenzeit k\u00f6nnte ein guter Anlass sein, sich 40 Tage lang darin zu \u00fcben, unseren Verbrauch von Bildschirmen zu senken und diese Zeit dazu zu verwenden, in ein menschliches Gesicht zu schauen.<\/p>\n<p>Man kann nat\u00fcrlich auch in Bezug auf die Mahlzeiten fasten, die man einzunehmen pflegt. Wir modernen Menschen essen immerzu.\u00a0 Immer mehr Leute laufen zurzeit umher mit einer Wasserflasche in der Hand, so als k\u00f6nne man sich nicht bewegen, ohne dabei dehydriert zu werden. In der Fastenzeit kann man auf Fleisch verzichten, auf Milchprodukte, auf Alkohol, auf Brot. Man wird entdecken, wie wenig man im Grunde zum Essen braucht und wie viel dann \u00fcbrig bleibt f\u00fcr Gott, den N\u00e4chsten, wenn das viele Essen nicht mehr Leib und Seele belastet.<\/p>\n<p>Was ist dann das, was wir dann erblicken k\u00f6nnen, wenn wir uns von dem befreien k\u00f6nnten, was in unserem Leben \u00fcberhandgenommen hat? Der heutige Text handelt von der Taufe Jesu im Jordan, und vom Himmel ert\u00f6nt eine Stimme, die ruft: \u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe\u201c. Die Taufe ist nicht etwas, was der Sohn Gottes unternimmt, damit es ihm besser geht oder um sein inneres wahres Ich zu finden. Er l\u00e4sst sich taufen, weil er offen ist f\u00fcr die Ewigkeit. In dem Augenblick, wo er aus dem Jordan steigt, h\u00f6rt er die Liebeserkl\u00e4rung der Ewigkeit: \u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe\u201c. Wenn wir 40 Tage lang den Blick von all dem abwenden k\u00f6nnten, was den Zugang zum Ewigen blockiert, k\u00f6nnten wir Getauften dieselbe Stimme h\u00f6ren, die dann an uns gerichtet ist: \u201eDu bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen\u201c. Und wir k\u00f6nnten dann mit dem guten Gef\u00fchl, dem Glauben, dem Vertrauen leben, dass da ein Gott ist, der Wohlgefallen hat an uns und der stets an unserer Seite sein will.<\/p>\n<p>Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fastenzeit \u2013 auf was wir verzichten k\u00f6nnen und was wir dabei gewinnen | Estomihi 2021 | Matth\u00e4us 3, 13-17 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | von Poul Joachim Stender | Die christliche Fastenzeit beginnt nun so langsam. Ein Anti-Fest, eine ernste Zeit hat begonnen, wo Jesus im Gang des Kirchenjahres sich langsam seiner Kreuzigung und Auferstehung n\u00e4hert. 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