{"id":4454,"date":"2021-02-14T14:02:14","date_gmt":"2021-02-14T13:02:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4454"},"modified":"2021-02-14T14:02:14","modified_gmt":"2021-02-14T13:02:14","slug":"quarantaenehinweise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/quarantaenehinweise\/","title":{"rendered":"Quarant\u00e4nehinweise"},"content":{"rendered":"<h3>Aschermittwoch, 17. Februar 2021 | Predigt zu Psalm 51 | von Katharina Wiefel-Jenner |<\/h3>\n<p>Psalm 51<\/p>\n<p>Ein Psalm Davids, vorzusingen,<\/p>\n<p>2\u00a0als der Prophet Nathan zu ihm kam, nachdem er zu Batseba eingegangen war.<\/p>\n<p>3\u00a0Gott, sei mir gn\u00e4dig nach deiner G\u00fcte, und tilge meine S\u00fcnden nach deiner gro\u00dfen Barmherzigkeit.<\/p>\n<p>4\u00a0Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner S\u00fcnde;<\/p>\n<p>5\u00a0denn ich erkenne meine Missetat, und meine S\u00fcnde ist immer vor mir.<\/p>\n<p>6\u00a0An dir allein habe ich ges\u00fcndigt und \u00fcbel vor dir getan, auf dass du recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest.<\/p>\n<p>7\u00a0Siehe, in Schuld bin ich geboren, und meine Mutter hat mich in S\u00fcnde empfangen. 8\u00a0Siehe, du liebst Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und im Geheimen tust du mir Weisheit kund.<\/p>\n<p>9\u00a0Ents\u00fcndige mich mit Ysop, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich wei\u00dfer werde als Schnee.<\/p>\n<p>10\u00a0Lass mich h\u00f6ren Freude und Wonne, dass die Gebeine fr\u00f6hlich werden, die du zerschlagen hast.<\/p>\n<p>11\u00a0Verbirg dein Antlitz vor meinen S\u00fcnden, und tilge alle meine Missetat.<\/p>\n<p>12\u00a0Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, best\u00e4ndigen Geist. 13\u00a0Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.<\/p>\n<p>14\u00a0Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist r\u00fcste mich aus. 15\u00a0Ich will die \u00dcbertreter deine Wege lehren, dass sich die S\u00fcnder zu dir bekehren. 16\u00a0Errette mich von Blutschuld, \/ Gott, der du mein Gott und Heiland bist, dass meine Zunge deine Gerechtigkeit r\u00fchme.<\/p>\n<p>17\u00a0Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verk\u00fcndige.<\/p>\n<p>18\u00a0Denn Schlachtopfer willst du nicht, \/ ich wollte sie dir sonst geben, und Brandopfer gefallen dir nicht.<\/p>\n<p>19\u00a0Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein ge\u00e4ngsteter Geist, ein ge\u00e4ngstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.<\/p>\n<p>20\u00a0Tue wohl an Zion nach deiner Gnade, baue die Mauern zu Jerusalem.<\/p>\n<p>21\u00a0Dann werden dir gefallen rechte Opfer, \/ Brandopfer und Ganzopfer; dann wird man Stiere auf deinem Altar opfern.<\/p>\n<p>Die Bestimmungen f\u00fcr die kommende Zeit liegen fest. 40 Tage Quarant\u00e4ne. Wir sind infiziert. Wir haben 40 Tage. 40 Tage, um die Infektionskette zu unterbrechen. 40 Tage zum Fasten. 40 Tage zum Schweigen und Beten. 40 Tage nur mit denen, die mit uns zusammen auf dem Weg sind. Die kommenden 40 Tage sollten uns helfen, die Infektionsquelle in uns zu isolieren. Heute ist der erste Tag.<\/p>\n<p>Die Quarant\u00e4ne beginnt mit einer besonderen Desinfektionsma\u00dfnahme. Ein Kreuz aus Asche auf unserer Stirn. Das Aschenkreuz und ein Satz zum Bedenken. Eine Ber\u00fchrung und eine Diagnose \u2013 das ist die Medizin, die uns in die Zeit der Quarant\u00e4ne hineinf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Diagnose lautet:<\/p>\n<p><em>Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub zur\u00fcckkehren wirst.<\/em><\/p>\n<p>Bedenke es, Mensch. Nimm die Diagnose ernst und lass dir ein Kreuz aus Asche auf die Stirn legen.<\/p>\n<p>Ertrage dieses Kreuz auf deiner Stirn. Trage es an diesem ersten der 40 Tage und schau auf den, der das Kreuz auf seine Schulter nahm und so alles ver\u00e4nderte. Das Aschenkreuz wirst du kaum sp\u00fcren. Nur der Blick in den Spiegel wird dir zeigen, dass es die Sch\u00f6nheit befleckt.<\/p>\n<p>Die Diagnose bringt es an den Tag: das Kreuz aus Asche ist der Fleck auf der Stirn, der schon immer da war. Dieses schmutzige Zeichen geh\u00f6rt seit jeher zu uns. Masken und Makeup verbergen es heute nicht. Wohl k\u00f6nnten wir das Zeichen aus Ru\u00df von der Stirn wischen. Doch die Gedanken hinter der Stirn k\u00f6nnen wir nicht abwaschen. Sie bleiben und lassen sich nicht entfernen. Es ist so erschreckend, was sich hinter der Stirn abspielt. Staub und Ru\u00df haben von unseren Gedanken Besitz ergriffen. Unser W\u00fcnschen und Wollen kennen sich zu gut mit dem B\u00f6sen aus. Die t\u00e4glichen Tode in dieser Welt erschrecken uns nicht mehr. Wir haben uns bem\u00fcht, dem B\u00f6sen den R\u00fccken zuzukehren, doch es hat nichts geholfen. Wir denken dar\u00fcber nach, dass Gewalt dem B\u00f6sen ein Ende setzen k\u00f6nnte und spielen die Planspiele der Gewaltt\u00e4ter in unseren Gedanken bis zum Ende durch. Wir sind wie Kriegsherren, nur ohne Macht.<\/p>\n<p>Die Quarant\u00e4ne zwingt dazu, wahrzunehmen, was sonst im Gewohnten untergeht. Wir sind nicht so, wie wir sein wollen. Wir wollen das Beste und erreichen Schlimmeres. Wir versuchen ernstlich, auf der richtigen Seite zu stehen. Wir plagen uns damit ab. Wir wollen Frieden und schaffen Tr\u00fcmmer. Wir weinen und sehen nicht, dass sich unser Nachbar vor Schmerzen kr\u00fcmmt. Wir versagen selbst da, wo wir mit ganzem Herzen lieben.<\/p>\n<p>Das Kreuz aus Asche \u2013 so mahnt uns die Diagnose &#8211; hat seinen Ursprung im Herzen. Vom Herzen ist es der schmutzige Fleck auf die Stirn gewandert.<\/p>\n<p>Die Quarant\u00e4ne beginnt mit einer schonungslosen Diagnose. Welcher Arzt wird sich da noch zu uns wagen?\u00a0 Maske und Schutzanz\u00fcge gen\u00fcgen nicht. Der Infektionsgefahr werden sich nur die aussetzen, die barmherzig und freundlich sind, die gn\u00e4dig und g\u00fctig sind. Das Risiko unserer Existenz werden nur die auf sich nehmen, die den Tod nicht scheuen und das Kreuz nach Golgatha tragen.<\/p>\n<p>Wir sehen uns selbst im Spiegel und erschrecken \u2013 das geh\u00f6rt zur Quarant\u00e4ne dazu. Mit Wasser und Seife waschen wir die Asche von der Stirn ab.\u00a0 Aber unsere Herzen m\u00fcssten desinfiziert werden. Der Schrei der in ihre Verzweiflung Eingeschlossenen liegt neben den Quarant\u00e4nehinweisen von K\u00f6nig David. \u201eO, Erbarmen! Gott\u201c, lesen wir. \u201e<em>Wasche mich rein von meiner Missetat und reinige mich von meiner S\u00fcnde.\u201c <\/em>Darum geht es. Halten wir es Gott hin. Klopfen wir an Gottes T\u00fcr. Beten wir mit der Kraft derer, die eingeschlossen sind und aus ihrem Quarant\u00e4nequartier herauswollen. \u201eKomm zu uns hinein, Gott. Hol du den Staub aus den Ritzen meiner Seele. Gott. Scheure und schrubbe die Flecken unserer Verachtung f\u00fcr andere und unserer gro\u00dfen Selbstliebe weg. Desinfiziere die Ecken, in denen sich die Gedanken \u00fcber Tod und Krieg eingenistet haben. Verhindere, dass sie sich ausbreiten. Unterbrich die Ansteckungsketten, die von Neid und Gier ausgehen. Fege den Gedanken aus unseren K\u00f6pfen, dass Gewalt Gewalt verhindern k\u00f6nnte. Sp\u00fcl du die Angst und ihre Begleiter aus unseren Herzen. Reinige die Herzen. O Gnade, o Erbarmen!\u201c<\/p>\n<p>Die Quarant\u00e4ne verhindert die ansteckenden Begegnungen mit denen, die die Botschaften des Todes in die Welt hinauspusten. Wasser und Seife f\u00fcr die Stirn haben wir selbst zur Hand. Aber die Mittel, das Herz rein zu waschen? Wer gibt sie uns? \u201e<em>Wasche mich, dass ich wei\u00dfer werde als Schnee<\/em>.\u201c Gott, nur Gott selbst, hat das Mittel in der Hand. Gottes Erbarmen und Gottes G\u00fcte gehen unter die Haut. In Gottes Gegenwart wird aus dem verkr\u00fcmmten und harten Herzen ein weiches Herz. Gottes Wort wirkt gegen diese infekti\u00f6sen Gedanken. Es reinigt die Luft in unserem Quarant\u00e4nequartier. Es h\u00e4lt diejenigen auf Distanz, die nur mal eben vorbeikommen wollen und ihr Gift des Unfriedens in unser Herz tragen wollen. In unserem Mund wird Gottes Wort zur Kur, die die Abwehrkr\u00e4fte gegen den Hass und die L\u00fcge mobilisieren.<\/p>\n<p>Der Fleck aus Asche wird noch heute verschwunden sein. Aber werden 40 Tage gen\u00fcgen, damit sich die Herzen bekehren? Werden wir die Infektion unter Kontrolle bekommen? Werden wir endlich die Kette unterbrochen haben und nicht ewig weiter tun, was nicht tun sollen, denken, was wir nicht denken sollen und lieben, wo wir in Gefahr geraten? Werden wir gelernt haben mit den t\u00f6dlichen Spielen aufzuh\u00f6ren? Werden wir die 40 Tage \u00fcberhaupt durchhalten?<\/p>\n<p>Wie freundliche Verwandte und Nachbarn in der Quarant\u00e4ne die Versorgung \u00fcbernehmen, so bringt uns auch Gott das, was wir n\u00f6tig haben. Zum Durchhalten brauchen wir Ausdauer und Liebe. Bitten wir Gott <em>\u201eGib mir ein reines Herz und einen best\u00e4ndigen Geist.\u201c. <\/em>Dem wird sich Gott nicht verweigern. Mose und die Propheten haben es uns schon gesagt, dass Gott barmherzig und geduldig ist. Der, dem wir in diesen 40 Tagen folgen, hat es gesagt. Aus jedem seiner Worte spricht die Liebe und die Gerechtigkeit Gottes, die das Herz rein macht und den Geist best\u00e4ndig.\u00a0 Der, f\u00fcr den das Kreuz auf Golgatha aufgerichtet wurde, hat die Quarant\u00e4ne ausgehalten. Am Ende hat es \u00fcber die schlimmste Infektion in dieser Welt gesiegt.<\/p>\n<p>Die Quarant\u00e4ne beginnt. 40 Tage. Gott wird uns versorgen. Gott wird auf uns achthaben. Gott wird h\u00f6ren, wenn wir rufen: <em>\u201eHerr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verk\u00fcndige.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Jeden Morgen, jeden Tag, jeden Abend wird Gott uns h\u00f6ren. Heute ist erst der erste Tag.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Dr. Katharina Wiefel-Jenner<\/p>\n<p>Berlin<\/p>\n<p><a href=\"mailto:wiefel_jenner@hotmail.com\">wiefel_jenner@hotmail.com<\/a><\/p>\n<p>Katharina Wiefel-Jenner, geb.1958, Pfarrerin i.R., bildet als Dozentin f\u00fcr Liturgik und Homiletik Ehrenamtliche f\u00fcr den Verk\u00fcndigungsdienst aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aschermittwoch, 17. 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