{"id":4486,"date":"2021-02-17T18:49:38","date_gmt":"2021-02-17T17:49:38","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4486"},"modified":"2021-02-18T18:53:55","modified_gmt":"2021-02-18T17:53:55","slug":"verrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/verrat\/","title":{"rendered":"Verrat!"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt \u00fcber Joh 13,21-30 | verfasst von Andreas Pawlas |<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die J\u00fcnger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen J\u00fcngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es w\u00e4re, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist\u2019s? Jesus antwortete: Der ist\u2019s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spr\u00e4che Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest n\u00f6tig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eUnd es war Nacht.\u201c So endet dieses Bibelwort f\u00fcr unsere heutige Predigt. Wie bedr\u00fcckend! Wie bedeutungsschwer! Aber so etwas k\u00f6nnen wir doch in den heutigen schweren, durch die Pandemie gepr\u00e4gten Zeiten wirklich nicht gebrauchen! Was wir brauchen, das sind doch Worte der Hoffnung! Das sind doch Worte der Ermunterung! Und worum geht es jetzt hier in dieser dramatischen Szene mit den J\u00fcngern? Es geht um <strong><em>Verrat<\/em><\/strong>! Nein, es geht nicht nur um eine beil\u00e4ufige Entgleisung, f\u00fcr die man sich dann irgendwann einmal beil\u00e4ufig entschuldigen k\u00f6nnte, sondern es geht &#8211; und das wissen wir doch jetzt zu Beginn der Passionszeit &#8211; bei diesem Verrat um <strong><em>Leben<\/em><\/strong> und <strong><em>Tod<\/em><\/strong>! Und <strong><em>wir<\/em><\/strong>, wir sind mit dabei!<\/p>\n<p>Wieso denn <strong><em>das<\/em><\/strong>? Wir sitzen hier doch ganz ruhig und trocken. Oder wollen uns da jetzt ganz von allein alle die Szenen vor Augen kommen, wo wir <strong><em>selbst<\/em><\/strong> einmal dem Verrat ausgeliefert waren? St\u00fcrmen da jetzt alle die Erinnerungen auf uns ein, wie f\u00fcr uns als Verratene die vorher gute Beziehung zu dem Verr\u00e4ter auf diese Weise im Nichts endete und nur noch tiefer <strong><em>Hass<\/em><\/strong> blieb? Oder &#8211; haben wir das bisher noch nicht erlebt, und kennen es nur vom H\u00f6rensagen?<\/p>\n<p>Aber wie dem auch sei, kein Wunder, dass in den vielen Altarbildern zur Passion dieser Judas so h\u00e4ufig als dunkle Gestalt abgebildet wurde, den Beutel fest umkrallt. Kein Wunder auch, dass es in unserem biblischen Bericht nach der verst\u00f6renden Ank\u00fcndigung Jesu: \u201eEiner unter euch wird mich verraten.\u201c hei\u00dft: \u201eDa sahen sich die J\u00fcnger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.\u201c Ja, sie wissen genau, wie <strong><em>schlimm<\/em><\/strong> Verrat ist!<\/p>\n<p>Kein Wunder auch, dass damit eigentlich alles, was die J\u00fcnger vorher so Gutes mit Jesus erlebt hatten, nun irgendwie <strong><em>am Zerbrechen<\/em><\/strong> war.<\/p>\n<p>Ja, aber warum tut sich die Christenheit <strong><em>das<\/em><\/strong> <strong><em>an<\/em><\/strong>, die Erinnerung an solcher schlimmen Geschehnisse in jeder Passionszeit wachzuhalten? Unsere moderne Spassgesellschaft, die will doch <strong><em>anderes<\/em><\/strong> h\u00f6ren und alles, was sie <strong><em>nicht<\/em><\/strong> h\u00f6ren will, das wird <strong><em>ignoriert<\/em><\/strong>, hat die Einschaltquote <strong><em>Null<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Sollte man darum nicht lieber diese so \u00fcblen Szenen aus der Passionszeit \u00fcbergehen und besser dar\u00fcber berichten, wie unser Gott, den, den er liebt, und die, die er liebt, mit reichen G\u00fctern segnet, wie er ihn und sie siegen l\u00e4\u00dft, wie er ihn und sie dann irgendwann in weiter Ferne alt und lebenssatt sterben l\u00e4\u00dft?<\/p>\n<p>Ja, liebe Gemeinde, das kann man machen. Und ganz gewiss ist das auch alles richtig und man darf fest daran glauben. Aber, was ist dann mit all dem Dunklen in unserem Leben? Alles das Dunkle, das ganz offen oder verborgen im Hintergrund seine Macht \u00fcber uns gewinnen will, und dem wir irgendwie ausgeliefert scheinen?<\/p>\n<p>Nein, <strong><em>keiner<\/em><\/strong> w\u00fcnscht sich doch den Verrat, aber er ist doch <strong><em>da<\/em><\/strong>! Nein, keiner w\u00fcnscht sich doch <strong><em>Zerst\u00f6rung<\/em><\/strong> der guten Gemeinschaft, aber doch <strong><em>gibt<\/em><\/strong> es so etwas unter uns! Und schlie\u00dflich: keiner w\u00fcnscht sich doch einen Gang an das <strong><em>Kreuz<\/em><\/strong> mit <strong><em>Qual<\/em><\/strong> und <strong><em>Tod<\/em><\/strong>, aber doch <strong><em>gibt<\/em><\/strong> es so etwas unter uns! Nein, wir d\u00fcrfen doch nicht die Augen verschlie\u00dfen, vor dem, was unter uns so oder so \u00e4hnlich <strong><em>gelitten<\/em><\/strong> wird. Wir d\u00fcrfen doch nicht die Augen verschlie\u00dfen, vor dem, was uns in <strong><em>Schmerz<\/em><\/strong> und <strong><em>Sterben<\/em><\/strong> den <strong><em>Verstand<\/em><\/strong> stehen lassen will.<\/p>\n<p>Nein, unserer modernen Spassgesellschaft f\u00e4llt da nichts mehr ein. Und genau <strong><em>das<\/em><\/strong> ist der Grund, weshalb die Christenheit <strong><em>nicht<\/em><\/strong> schweigen darf, selbst wenn sie niemand h\u00f6ren will. Darum bleibt es unsere Aufgabe, die Erinnerung an diese schlimmen Geschehnisse auch in dieser Passionszeit wachzuhalten.<\/p>\n<p>Warum? Etwa, um uns \u00fcber die Schw\u00e4chen der Akteure zu am\u00fcsieren? Etwa, um uns an den Qualen der Leidenden zu weiden?<\/p>\n<p>Nein, um Gottes Willen nein! Niemals kann es <strong><em>deshalb<\/em><\/strong> Aufgabe des Christen sein, auf die Passionszeit zu schauen. Nein, es geht doch gar nicht um eine Verherrlichung von <strong><em>Leiden<\/em><\/strong> und <strong><em>k\u00f6rperlichem<\/em><\/strong> und <strong><em>seelischem Zusammenbrechen<\/em><\/strong>! Sondern es geht gerade in dieser Dunkelheit um die <strong><em>helle und frohe Botschaft<\/em><\/strong>, auf die doch alles trotz Verrat und Schmerzen zusteuert: Es geht um das: <strong><em>Christus ist auferstanden!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Weil <strong><em>diese<\/em><\/strong> Botschaft am Ende der Passionszeit steht, deshalb halten es Christen \u00fcberhaupt aus, vor all dem elenden Verrat nicht die Augen zu schlie\u00dfen, deshalb halten es Christen \u00fcberhaupt aus, allen Schmerz und Sterben <strong><em>nicht<\/em><\/strong> zu \u00fcbergehen, deshalb halten es Christen \u00fcberhaupt aus, bei aller Vernichtung und allem Untergang <strong><em>nicht<\/em><\/strong> wegzuschauen.<\/p>\n<p>Und darum sind auch genau <strong><em>wir<\/em><\/strong> bei dieser Passionszeit mit <strong><em>dabei<\/em><\/strong>. Und darum sind auch genau <strong><em>wir<\/em><\/strong> mit unserem eigenem Leben mit <strong><em>eingebunden.<\/em><\/strong> Und das in doppelter Weise.<\/p>\n<p>Einmal d\u00fcrfen wir die innere Logik dieser ganzen Ereignisse auch f\u00fcr unser eigenes Leben gelten lassen. Es ist die Logik, nach der auch das <strong><em>b\u00f6se<\/em><\/strong> Getane, also das Handeln des Judas, das Jesus ans Kreuz bringt, in irgendeiner Weise dazu <strong><em>beitr\u00e4gt<\/em><\/strong>, die Botschaft der Auferstehung f\u00fcr alle Welt <strong><em>sichtbar zu machen<\/em><\/strong>, die Erl\u00f6sung der ganzen Welt nach <strong><em>Gottes Willen zu vollbringen<\/em><\/strong>. Das ist kaum begreiflich.<\/p>\n<p>Aber was w\u00e4re es da f\u00fcr ein Schritt, wenn wir uns tats\u00e4chlich trauten, diese Logik auch f\u00fcr all <strong><em>das<\/em><\/strong> gelten zu lassen, was wir in unserem eigenen Leben leiden und ertragen m\u00fcssen?! Was w\u00e4re das f\u00fcr ein Schritt, wenn wir uns nach dieser Logik <strong><em>gewiss<\/em><\/strong> sein d\u00fcrften, dass am Ende in Gottes Hand, dass am Ende nach Gottes Heilsplan alles <strong><em>gut<\/em><\/strong> sein wird?!<\/p>\n<p>Aber es gibt noch einen anderen tiefen Grund daf\u00fcr, dass alles <strong><em>das<\/em><\/strong>, was uns, ja, genau <strong><em>Dir und mir<\/em><\/strong>, in diesem Leben an \u00dcblem angetan wurde, <strong><em>nicht<\/em><\/strong> die Oberhand behalten wird! Ja, es gibt noch einen anderen tiefen Grund daf\u00fcr, dass wir <strong><em>so<\/em><\/strong>, wie wir in diesem Leben verraten, gedem\u00fctigt und verkr\u00fcmmt wurden, <strong><em>nicht<\/em><\/strong> untergehen werden! Wirklich, es gibt noch einen anderen tiefen Grund daf\u00fcr, dass das, was wir in diesem Leben an Schmerzen und Qualen, an Fu\u00dftritten und Verh\u00f6hnungen erlitten und ertragen haben, uns <strong><em>nicht<\/em><\/strong> zerst\u00f6ren wird!<\/p>\n<p>Welcher Grund das ist? Der Grund liegt darin, dass dieser Mensch aus Nazareth f\u00fcr Dich und mich in unser Leben mit Leib und Seele eintritt. Ja, wir d\u00fcrfen daran glauben, dass dieser Jesus Christus alles bereits f\u00fcr uns und an unserer Stelle getragen und ertragen hat. Und dass er dann <strong><em>f\u00fcr uns<\/em><\/strong> aus allem Verrat, Leiden und Tod aufersteht und <strong><em>wir mit ihm<\/em><\/strong>.<\/p>\n<p>Und die Spassgesellschaft kann sagen, was sie will, oder kann Christen totschweigen oder l\u00e4cherlich machen, so wie es vielleicht so mancher von uns erlebt hat, aber es ist die kostbare Erfahrung der Christenheit, dass der, der so glauben kann, <strong><em>gerettet<\/em><\/strong> ist. Nein, nicht nur aus dem gegenw\u00e4rtigen Durcheinander in der Welt, sondern bis in alle Ewigkeit! <strong><em>Gro\u00dfartig<\/em><\/strong>! <strong><em>Gott sei Dan<\/em><\/strong>k! Amen.<\/p>\n<p>Pastor i. R. Prof. Dr. Andreas Pawlas<br \/>\nEichenweg 24<br \/>\n25365 Kl. Offenseth-Sparrieshoop<\/p>\n<p>Andreas.Pawlas@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt \u00fcber Joh 13,21-30 | verfasst von Andreas Pawlas | &nbsp; Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die J\u00fcnger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. 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