{"id":4535,"date":"2021-02-23T10:26:02","date_gmt":"2021-02-23T09:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4535"},"modified":"2021-02-27T08:57:24","modified_gmt":"2021-02-27T07:57:24","slug":"ernste-toene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/ernste-toene\/","title":{"rendered":"Ernste T\u00f6ne"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu Jesaja 5,1-7 | Reminiszere 28. Februar 2021 | verfasst von Paul Wellauer |<\/h3>\n<p>Predigttext Jesaja 5,1-7 [Die Z\u00fcrcher Bibel, Ausgabe 2007, \u00a9 Theologischer Verlag Z\u00fcrich]<\/p>\n<p><em>Das Lied vom Weinberg<\/em><\/p>\n<p><em>1\u00a0Erlaubt, dass ich singe von meinem Freund, das Lied meines lieben Freundes von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg, an steiler H\u00f6he, \u00fcberaus fruchtbar. 2\u00a0Und er grub ihn um und befreite ihn von Steinen, und er bepflanzte ihn mit edlen Reben, und in seiner Mitte baute er einen Turm, und auch eine Kelter schlug er darin aus. Und so hoffte er, dass er Trauben trage, doch er brachte stinkende F\u00e4ulnis hervor. 3\u00a0Und nun, Bewohner von Jerusalem und M\u00e4nner aus Juda, richtet doch zwischen mir und meinem Weinberg. 4\u00a0Was bliebe noch zu tun f\u00fcr meinen Weinberg, das ich nicht getan h\u00e4tte? Wie konnte ich hoffen, er w\u00fcrde Trauben tragen &#8211; stinkende F\u00e4ulnis hat er hervorgebracht! 5\u00a0Und nun erlaubt, dass ich euch wissen lasse, was ich mit meinem Weinberg mache: Seine Hecke ausreissen, dann soll er kahl gefressen werden; seinen Zaun einreissen, dann soll er zertreten werden. 6\u00a0Und ich habe ihn zur Verw\u00fcstung freigegeben, er wird nicht geschneitelt werden und nicht behackt, und Dornen und Disteln werden aufspriessen in ihm. Und was die Wolken betrifft, so werde ich Befehl geben, keinen Regen mehr auf ihn fallen zu lassen. 7\u00a0Der Weinberg des HERRN der Heerscharen ist das Haus Israel, und die M\u00e4nner aus Juda sind, was er aus Leidenschaft gepflanzt hat. Und er hoffte auf Rechtsspruch, doch seht: Rechtsbruch! Und auf Gerechtigkeit, doch seht: Schlechtigkeit!<\/em><\/p>\n<p><em>Selig ist jeder Mensch, der Gottes Wort h\u00f6rt, in seinem Herzen bewahrt und danach lebt. Amen<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, liebe Br\u00fcder und Schwestern in der Liebe und Gnade Gottes<\/p>\n<p>Stellen wir uns f\u00fcr einen Moment vor, wir w\u00fcrden in einer grossen Firma in der Personalabteilung arbeiten. Ein Betriebszweig der Firma hat sehr schlechte wirtschaftliche Prognosen: Der Beschluss der Firmenleitung steht fest, die Abteilung wird geschlossen und allen Mitarbeitenden wird gek\u00fcndigt. Und nun soll die Leitung der Personalabteilung den Mitarbeitenden die K\u00fcndigung aussprechen: Welchen Rat geben wir den Verantwortlichen? Welche Worte soll sie w\u00e4hlen f\u00fcr diese schwierige Botschaft?<\/p>\n<p>Und ich mache es uns noch etwas schwerer: Wir arbeiten bei einer Fluggesellschaft als Verantwortliche f\u00fcr die Kommunikation. Da erreicht uns die Schreckensnachricht, dass ein Flugzeug abgest\u00fcrzt ist und wenig Hoffnung besteht, dass es \u00dcberlebende gibt. Wie willst du den Angeh\u00f6rigen mitteilen, das ihre Mutter, ihr Bruder, ihre Tochter mit grosser Wahrscheinlichkeit t\u00f6dlich verungl\u00fcckt sind?<\/p>\n<p>Ernste, tragische, schlimme Nachrichten, die niemand gerne \u00fcberbringt und noch weniger gerne empf\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Der Prophet Jesaja hatte eine \u00e4hnliche schwierige und ernste Botschaft zu \u00fcbermitteln: Gottes guter, fruchtbarer Weinberg, \u00abdas Haus Israel und die M\u00e4nner aus Juda\u00bb (Vers 7) sollen zerst\u00f6rt, zertreten, dem Erdboden gleich gemacht werden.<\/p>\n<p>Jesaja w\u00e4hlt f\u00fcr diese bedrohliche, ja vernichtende Botschaft zun\u00e4chst aber <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4558 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/paul1.jpg\" alt=\"\" width=\"444\" height=\"254\" \/> einen sanften Einstieg: Er singt seinen Zuh\u00f6rern ein Lied von einem lieben Freund. Dieser Freund hat einen \u00fcberaus fruchtbaren Weinberg.<\/p>\n<p>Da werden Emotionen geweckt, Vorfreude wachgerufen: Ein Weinberg ist verbunden mit dem Genuss von Wein. Und Wein verbinden wir mit unbeschwerten Feiern und fr\u00f6hlichen Festen: Das war damals wohl ganz \u00e4hnlich wie heute. Eine Hochzeitsfeier, ein Vertragsabschluss, ein Geburtstagfest oder das Aufrichtefest eines Hauses: Da wird voll Freude angestossen und in ausgelassener Stimmung auch das eine oder andere weitere Glas Wein getrunken.<\/p>\n<p>Jesaja singt sein Lied weiter: Er beschreibt genau, wie sein Freund diesen Weinberg mit viel Fleiss, Geschick und Zielstrebigkeit angebaut hat: Da werden Steine entfernt, damit die Wurzeln der Weinst\u00f6cke in guter Erde nach Nahrung suchen k\u00f6nnen, ein Wachtturm wird aufgerichtet und aus der sp\u00e4teren Beschreibung lernen wir auch, dass ringsum eine Hecke und ein Zaun erstellt werden, die den Weinberg gegen Tiere und Menschen sch\u00fctzt, die dort nichts verloren haben. Die besten Reben werden gepflanzt in diesem fruchtbaren Weinberg. Und schliesslich wird das Herzst\u00fcck des Weinbergs eingerichtet: Die Kelter, die Weinpresse. Alles ist bereit. Viel Arbeit, Leidenschaft und Geschick steckt in diesem pr\u00e4chtigen Flecken Erde und seinen Weinst\u00f6cken. Bis hierher singt Jesaja wohl in den h\u00f6chsten und sch\u00f6nsten Durtonarten, freudig, fr\u00f6hlich, frohlockend.<\/p>\n<p>Aber oh weh: Statt Freudenfeste zu feiern findet der liebe Freund nur faule <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4557 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/paul2.jpg\" alt=\"\" width=\"497\" height=\"281\" \/>Fr\u00fcchte, statt Weinseligkeit bleibt nur ein m\u00e4chtiger Kater, ohne je den feinen Wein geniessen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jesaja schl\u00e4gt nun ernste T\u00f6ne an, die n\u00e4chsten Strophen singt er wohl in Mol, mit dunklen Untert\u00f6nen und schrillen Disharmonien: Der zu Beginn so liebe und hoffnungsvolle Freund reagiert \u00e4usserst rigoros und hart: Der fruchtbare Weinberg soll wieder Wildnis werden. Die Hecke wird ausgerissen, der Zaun zerst\u00f6rt, so dass ihn Tiere kahlfressen, der sch\u00f6ne Weinberg ein Bild der Verw\u00fcstung. Was \u00fcbrig bleibt, wird von Dornen und Disteln \u00fcberwuchert. Und als ob das nicht schon genug w\u00e4re, wird auch der Regen ausbleiben, so dass nur Trockenheit und W\u00fcste \u00fcbrigbleibt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens hier d\u00fcrfte den Zuh\u00f6rern und Zuh\u00f6rerinnen von Jesajas Gesangsdarbietung mulmig geworden sein: Wer hat die Macht und M\u00f6glichkeit, das Wetter zu beeinflussen? Da ist nicht irgendein irdischer Freund von Jesaja gemeint: Jesaja singt und spricht hier vom Sch\u00f6pfer der Natur, von Gott, der die Erde mit ihren Lebewesen, Jahreszeiten, Sonne, Regen und Wind geschaffen hat. Doch hier ist auch nicht von einem normalen Weinberg die Rede: Der bedrohliche Trauergesang gilt dem \u00ab<em>Haus Israel\u00bb <\/em>und den<em> \u00abM\u00e4nnern aus Juda\u00bb (Vers7). <\/em>Im Schlussvers seines eigentlichen Requiems, seines Trauergesangs zeigt Jesaja nochmals in wenigen Worten die ganze Spannung auf, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte, nachdem Gott doch mit grosser Leidenschaft einen so wunderbaren, fruchtbaren Weinberg gepflanzt hatte: \u00ab<em>Und er hoffte auf <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4555 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/paul3-300x172.jpg\" alt=\"\" width=\"443\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/paul3-300x172.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/paul3.jpg 436w\" sizes=\"auto, (max-width: 443px) 100vw, 443px\" \/>Rechtsspruch, doch seht: Rechtsbruch! Und auf Gerechtigkeit, doch seht: Schlechtigkeit!\u00bb <\/em><\/p>\n<p>Auch im hebr\u00e4ischen Urtext stehen hier Begriffspaare, die ganz \u00e4hnlich klingen und doch grosse Gegens\u00e4tze beschreiben: Ein einziger Buchstabe kann den Unterschied ausmachen, dass aus der besten Sache der Welt eine Trag\u00f6die, aus dem besten Anfang ein schlimmes Ende wird.<\/p>\n<p>Ich habe zu Beginn zwei ernste und anspruchsvolle Situationen geschildert und die Not, in dieser Situation die passenden Worte zu finden. Wer m\u00f6chte schon gerne einer Gruppe von Menschen ihre K\u00fcndigung mitteilen oder noch schwerwiegender den h\u00f6chstwahrscheinlichen Unfalltod von nahen Angeh\u00f6rigen?<\/p>\n<p>Doch es gibt Situationen, in denen solch drastische Mitteilungen gemacht werden m\u00fcssen. Sie l\u00f6sen unmittelbar eine grosse Not und Hilfslosigkeit aus, sie st\u00fcrzen Menschen in Trauer und Emp\u00f6rung.<\/p>\n<p>Wir sind uns heute gewohnt, gleich an flankierende Massnahmen zu denken in einer derartigen Situation: Die entlassenen Angestellten sollten in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften einen angemessenen Sozialplan angeboten erhalten und k\u00f6nnen auf Arbeitsvermittlungsangebote zugreifen. F\u00fcr die Hinterbliebenen von Unfallopfern werden Care-Teams aufgeboten, welche diese seelsorgerlich und psychologisch betreuen.<\/p>\n<p>Jesaja hat seine Zuh\u00f6rer zwar sehr poetisch und fast spielerisch an die schwerwiegende Thematik herangef\u00fchrt mit seinem frohen Gesang vom fruchtbaren Weinberg, doch er federt ihre Best\u00fcrzung am Ende nicht ab. Auch die nachfolgenden Verse tun dies nicht: Da folgt ein \u00abWeheruf\u00bb nach dem anderen, eine Androhung von Konsequenzen f\u00fcr gottloses Leben nach der anderen. <em>\u00abWeh denen, die B\u00f6ses gut und Gutes b\u00f6se nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer s\u00fcss und aus s\u00fcss sauer machen! Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst f\u00fcr klug!\u00bb<\/em> (Jesaja 5,20-21)<\/p>\n<p>Nein, Jesaja ist hier nicht der Tr\u00f6ster, er bietet auch kein Care-Team auf oder stellt keinen Sozialplan zu Hilfe. Er hat offensichtlich den Auftrag von Gott, dem \u00abHaus Israel und den M\u00e4nnern von Juda\u00bb, in anderen Worten dem Nord- und dem S\u00fcdreich Israels, den Spiegel vorzuhalten und die Auswirkungen ihres Verhaltens aufzuzeigen. Sie waren es mit ihrem rechtslosen Verhalten, die den fruchtbaren Weinberg verdorben haben. In den auf unseren Abschnitt folgenden Weherufen und auch im weiteren Zusammenhang des Jesajabuchs wird deutlich, worin dieses \u00abschlechte\u00bb und \u00abrechtsbrecherische\u00bb Verhalten (Vers 7) bestanden hat: Die Gebote Gottes wurden von den M\u00e4chtigen im Volk geringgeachtet, die Machthabenden n\u00fctzten ihre Macht zum eigenen Vorteil aus und suchten die eigene Ehre, statt diese Gott zukommen zu lassen. Sie und auch das einfache Volk verehrten G\u00f6tter statt den einen Gott und f\u00fchrten ein s\u00fcndiges, gottfernes Leben.<\/p>\n<p>Nun hat Gott entschieden, Gericht zu halten und sie die Konsequenzen ihres Verhaltens tragen zu lassen: Die Zerst\u00f6rung des \u00abHauses Israels\u00bb, sp\u00e4ter auch \u00abder M\u00e4nner Judas\u00bb und schliesslich die Verbannung ins Exil.<\/p>\n<p>Die Zuh\u00f6renden selbst sollen Gericht halten: <em>\u00abUnd nun, Bewohner von Jerusalem und M\u00e4nner aus Juda, richtet doch zwischen mir und meinem Weinberg.\u00bb &#8211; <\/em>Zu welchem Urteil werden die Bewohner von Jerusalem und M\u00e4nner aus Juda wohl kommen? Jesaja mach mit seinem Loblied auf den lieben Freund und den fruchtbaren Weinberg deutlich: Gott trifft keine Schuld. Er hat alles bestens vorbereitet, eingerichtet, zur Verf\u00fcgung gestellt. Jene, die den guten Weinberg pflegen und geniessen sollten, haben diesen Auftrag offenbar grundlegend verpfuscht.<\/p>\n<p>Wie schnell liegt uns der Satz auf der Zunge: \u00abWie kann Gott das zulassen?\u00bb, z.B. wenn es um Umweltkatastrophen, Unf\u00e4lle oder Verbrechen geht und wir verurteilen letztlich Gott f\u00fcr sein Tun oder seine Unterlassung. Und doch m\u00fcssten wir genauso die Frage stellen, bzw. uns der Frage stellen: Wie kann der Mensch das zulassen, warum verursacht der Mensch so viel Leid und Not in einem so pr\u00e4chtigen Weinberg?<\/p>\n<p>Die Kampagne von Brot f\u00fcr alle \/ Fastenopfer \/ Partner sein dreht sich dieses Jahr um die Thematik des Klimawandels: Ein umfassendes, vielschichtiges Thema mit vielen Facetten und Faktoren, die es zu ber\u00fccksichtigen gilt. Was aber bei allen R\u00fcckfragen deutlich wird: Unser Konsum und Umgang mit den Ressourcen dieser Welt hat zerst\u00f6rerische Konsequenzen f\u00fcr Mensch und Umwelt. Nur wenn jede und jeder an seinem Ort Verantwortung tr\u00e4gt und ihren, bzw. seinen Beitrag leistet, kann sich etwas zum Guten ver\u00e4ndern. \u00abDie da oben\u00bb an den Schalthebeln der politischen und wirtschaftlichen Macht und wir \u00abhier unten\u00bb mit unserem Konsum und Mobilit\u00e4tsverhalten: Alle sind wir entweder ein Teil des Problems oder der L\u00f6sung.<\/p>\n<p>In unserem Textausschnitt gibt Jesaja wenig Grund zur Hoffnung, wenig <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4556 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/paul4.jpg\" alt=\"\" width=\"446\" height=\"255\" \/>Zukunftsperspektive. Da m\u00fcssen wir das Jesajabuch schon im gr\u00f6sseren Zusammenhang lesen und durchforschen: Im Kapitel vier wird vom \u00abRest Israels\u00bb, von den \u00abGeretteten\u00bb gesprochen. Gottes Geschichte mit Israel ist mit den Androhungen von Jesaja nicht zu Ende gegangen, sondern wurde von Gott auch im Exil und \u00fcber das Exil hinaus bis heute fortgesetzt. Auch dazu durfte Jesaja sich \u00e4ussern. Und er durfte den Immanuel ank\u00fcndigen (Jesaja 7,14), den <em>\u00abFriedef\u00fcrst, wunderbaren Ratgeber, Heldengott, Vater f\u00fcr alle Zeit\u00bb<\/em> (Jesaja 9,5), der ein neues K\u00f6nigreich begr\u00fcnden wird, dass auf Recht und Gerechtigkeit gegr\u00fcndet ist, <em>\u00abvon nun an und f\u00fcr immer\u00bb<\/em>. (Jesaja 9,6)<\/p>\n<p>Und im Kapitel 27 des Jesajabuches lesen wir <em>\u00abAn jenem Tag: ein anmutiger Weinberg! Singt von ihm! Ich, der HERR, bin sein H\u00fcter, ich tr\u00e4nke ihn alle Zeit. Damit man ihn nicht heimsucht, h\u00fcte ich ihn bei Nacht und bei Tag.\u00bb<\/em> (Verse 2-3) Und weiter: <em>\u00abIn den Tagen, die kommen, wird Jakob Wurzeln schlagen, wird Israel bl\u00fchen und sprossen, und den Boden des Erdkreises werden sie ertragreich machen.\u00bb<\/em> (Vers 6) Gott zeigt sich als treuer, best\u00e4ndiger Gott, der zu seinem Volk steht, auch wenn es durch Gericht, kriegerische Niederlagen und Jahre in fremden L\u00e4ndern geht. Jesaja nennt auch die Bedingungen f\u00fcr diesen neuen fruchtbaren Weinberg: <em>\u00ab\u2026es sei denn, man suchte Zuflucht bei mir, man schl\u00f6sse Frieden mit mir, man schl\u00f6sse mit mir Frieden.\u00bb<\/em> Das Volk Gottes soll neu Zuflucht bei ihm suchen, Frieden schliessen und sich um Kl\u00e4rung und Vers\u00f6hnung der Verbindung zu Gott bem\u00fchen, dann wird ein neuer Weinberg Gottes angelegt, der bl\u00fcht und sprosst und Frucht tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Das Lied des lieben Freundes mit seinem fruchtbaren Weinberg hat noch viele weitere Strophen, die gesungen werden wollen. Jesaja erh\u00e4lt von Gott nach und nach die Worte f\u00fcr dieses vielgestaltige, ernste und doch hoffnungsvolle Lied anvertraut. Und die Musik im Weinberg Gottes erklingt bis heute.<\/p>\n<p>Uns stellt heute Jesaja die Frage: Wie gehen wir um mit Gottes gutem Weinberg? Pr\u00e4gt Recht und Liebe unseren Glauben und unser Verhalten, oder muss auch uns Rechtsbruch und Schlechtigkeit vorgeworfen werden? Gelingt es uns, in Zeiten von dunklen Moll-T\u00f6nen auch die Dur-Melodien Gottes herauszuh\u00f6ren aus der Botschaft der Bibel? Sehen wir den Weinberg Gottes aufwachsen, bl\u00fchen und gedeihen, wo mit dem blossen Auge erst Erde, Steine und trockenes Holz zu sehen sind?<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Vertiefungsfragen<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Welche Musik hilft mir, schwierige Momente besser zu tragen?<\/li>\n<li>Welche Bibelworte und -berichte ermutigen mich zu Geduld und Ausdauer in schweren Zeiten?<\/li>\n<li>Wie konnte es so weit kommen, dass Gott ein so vernichtendes Urteil \u00fcber seinen \u00absch\u00f6nen Weinberg\u00bb sprechen musste?<\/li>\n<li>Welche Situationen kenne ich aus meinem Leben, in denen aus fruchtbaren Anf\u00e4ngen keine guten Ertr\u00e4ge folgten? Wie konnte ich die Herausforderungen bew\u00e4ltigen?<\/li>\n<li>Im Neuen Testament ist es Jesus, der das Gericht Gottes an seiner Person f\u00fcr uns erduldet. Inwiefern haben die Ermahnungen Jesajas trotzdem noch G\u00fcltigkeit f\u00fcr uns und was davon d\u00fcrfen wir Jesus anvertrauen?<\/li>\n<li>Mit seinem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matth\u00e4us 20,1-16 illustriert Jesus Gottes Gnade, die den einen als ungerecht erscheint: Wie gehe ich mit dieser \u00abungerechten Gnade\u00bb um?<\/li>\n<li>Wie w\u00fcrde ich einem interessierten Mitmenschen Gottes Gericht und Gnade erkl\u00e4ren?<\/li>\n<\/ol>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong style=\"font-size: inherit;\">Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>ERG 163\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jesus, Herr und Haupt der Deinen<\/p>\n<p>ERG 795\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sonne der Gerechtigkeit<\/p>\n<p>RW52 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Anker in der Zeit<\/p>\n<p>RW111 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Herr, wir bitten komm und segne uns<\/p>\n<p>ERG = Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 1998<\/p>\n<p>RW = R\u00fcckenwind, Lieder f\u00fcr den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 2017<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Bildrechte:<\/strong><\/p>\n<p>Bild 3 (C) Bild Pixabay \/ Thomas B.\/Didgeman<br \/>\nBilder 1,2 &amp; 4 (C) Paul Wellauer<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pfr. Paul Wellauer<\/p>\n<p>Bischofszell, Schweiz<\/p>\n<p>E-Mail: paul.wellauer@internetkirche.ch<\/p>\n<p>Paul Wellauer, geb. 1967, Pfarrer der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Z\u00fcrich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter in der Stiftung Sozialwerke Pfr. Ernst Sieber, Z\u00fcrich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Jesaja 5,1-7 | Reminiszere 28. 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