{"id":4538,"date":"2021-02-22T07:55:00","date_gmt":"2021-02-22T06:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4538"},"modified":"2021-02-23T21:21:56","modified_gmt":"2021-02-23T20:21:56","slug":"weinberglied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/weinberglied\/","title":{"rendered":"Weinberglied"},"content":{"rendered":"<h3>Jesaja 5,1-7 | Reminiszere 2021 | von Ulrich Nembach |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>unser heutiger Predigttext ist ein Lied. Es ist ein altes Lied. Es wurde vor rund 2.700 Jahren gesungen. Jesaja, von ihm stammt das Lied. Er sang es und sp\u00e4ter wurde es aufgeschrieben. Jesaja stellte sich vermutlich auf eine der Gassen im alten Jerusalem hin und sang. So jedenfalls stellt sich ein Ausleger des Liedes das Ganze vor.<\/p>\n<p>Das Lied erz\u00e4hlt die Geschichte von einem Startup. Wir tun so, als ob wir Startups erfunden h\u00e4tten. Dabei gab es das schon vor 2.700 Jahren. Im Grund genommen ist das selbstverst\u00e4ndlich. Auch damals wurden neue Unternehmen gegr\u00fcndet. Wie sollen die Menschen damals anders gelebt haben?<\/p>\n<p>Bei dem Startup handelt es sich um ein besonderes Unternehmen.&nbsp; Ein Mann legt einen neuen Weinberg an. Er geht dabei sehr sorgf\u00e4ltig um. H\u00f6ren sie selbst. Wir k\u00f6nnen dabei eine Menge \u00fcber die Winzerei lernen. Wir leben in einer Gegend, wo es keinen Weinbau gibt. Es gibt zwar zahlreiche Gegenden in Deutschland, wo Wein, guter Wein angebaut wird. Ich denke \u2013 und Ihnen geht es wohl \u00e4hnlich \u2013 an den Rhein, die Mosel, die Saar, Franken, den Kaiserstuhl und auch an kleinere Gebiete wie die Unstrut.<\/p>\n<p>Also, wird gesagt, wir Nicht-Winzer k\u00f6nnen von dem Lied gleich Einiges \u00fcber den Weinbau lernen. Die Winzer werden staunen, wie gut der S\u00e4nger \u00fcber den Weinbau informiert ist.<\/p>\n<p>Ehe wir das Lied uns anh\u00f6ren, m\u00f6chte ich noch eine Vorbemerkung machen. Das Lied ist sehr komprimiert und enth\u00e4lt neben den Aussagen zum Weinberg gleich mehrere weitere Gedanken. Diese \u2013 und das erschwert etwas das Ganze \u2013 sind kompliziert und werden in einer sehr komprimierten Weise vorgetragen. Ich habe mir deshalb \u00fcberlegt, das Lied in seinen einzelnen Versen vorzutragen. Also ich lese nicht den ganzen Predigttext auf einmal, sondern werde Schritt f\u00fcr Schritt vorgehen.<\/p>\n<p>So beginnt das Lied.<\/p>\n<p>-1-<\/p>\n<p>Jesaja 5, Vers 1 und ein Teil von Vers 2:<\/p>\n<p>\u201eWohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten H\u00f6he.<\/p>\n<p>2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben br\u00e4chte;..\u201c<\/p>\n<p>Jesaja singt von seinem Freund. Er kennt ihn offenbar gut. Er sch\u00e4tzt, ja liebt ihn. Dieser Freund startet ein Startup. Ja, das gab es schon damals. Es w\u00e4re auch seltsam, wenn die Menschen vor 2.700 Jahren nicht auch Neues begonnen h\u00e4tten. Also der Freund des Lieds\u00e4ngers legt einen Weinberg an. Daf\u00fcr sucht er sich einen gut geeigneten Ort aus und macht sich umsichtig ans Werk. Er gr\u00e4bt den Boden um. Steine werden entfernt, Die Reben werden gepflanzt. Der Freund tut noch mehr. Er baut einen Turm und gr\u00e4bt eine Kelter, um sp\u00e4ter den Saft der Reben auf zu fangen. Damit ist alles getan. Nun beginnt wie auch f\u00fcr die Bauern nach der Saat das Warten. Der Freund ist erwartungsvoll. Er kann es auch sein, denn er hat alles, wirklich alles getan.<\/p>\n<p>-2-<\/p>\n<p>Aber. Ja, Aber. Es kommt ganz anders als der Freund es erwartet hat. H\u00f6ren Sie selbst<\/p>\n<p>Jesaja, 5 Vers 2b:<\/p>\n<p>\u201eaber er; der Weinberg, brachte schlechte\u201c Fr\u00fcchte.\u201c<\/p>\n<p><em>Das kann doch nicht wahr sein., <\/em>denken wir. Das ist unsere erste Reaktion. Doch es stimmt sagt der Prophet Jesaja.&nbsp; Er geht noch einen Schritt weiter. Er ruf seine Zuh\u00f6rer, B\u00fcrger Jerusalems, zu Zeugen auf. Sie verstehen offenbar Einiges vom Weinbau.&nbsp; Und er macht noch etwas. Er wechselt die Person. Er spricht nicht mehr von \u201eseinem Freund\u201c, sondern von sich selbst. Er geht noch weiter. Er macht die Zuh\u00f6rer zu Richtern. Er sagt nicht beispielsweise: \u201eWas meinen Sie dazu? Habe ich etwas falsch gemacht?\u201c Nein, er macht sie zu Richtern zwischen sich und dem Weinberg. H\u00f6ren Sie selbst:<\/p>\n<p>Jesaja 5, die Verse 3 und 4:<\/p>\n<p>\u201e3 Nun richtet, ihr B\u00fcrger zu Jerusalem und ihr M\u00e4nner Judas, zwischen mir und meinem Weinberg!<\/p>\n<p>4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, w\u00e4hrend ich darauf wartete, dass er gute br\u00e4chte?\u201c<\/p>\n<p><em>\u201eWas sollte man noch mehr tun?\u201c <\/em>&nbsp;Die Zuh\u00f6rer, die B\u00fcrger Jerusalem \u2013 damals arbeiten sie offenbar in den Weinbergen der Umgebung und nicht auch die Frauen. Sie, die Zuh\u00f6rer sind Fachleute. Sie kennen den Weinbau, Die Bedeutung der Lage eines Weinberges ist wichtig f\u00fcr die G\u00fcte des Weins. Sie wissen, wie ein Weinberg zu bearbeiten ist.<\/p>\n<p>Ihre Antwort kann darum nur sein: Nichts. Nichts ist vergessen oder falsch gemacht worden.- Diese Antwort, aber wartet Jesaja gar nicht ab. Sie ist selbst verst\u00e4ndlich. Er &nbsp;kommt darum gleich zur Konsequenz.&nbsp; Er sagt den M\u00e4nnern, was <em>er<\/em> tun wird. Die Rede vom <em>Freund<\/em>, der einen Weinberg anlegt, ist, ist nur eine Metapher, ein Bild. H\u00f6ren Sie auch hier selbst:<\/p>\n<p>-3-<\/p>\n<p>Jesaja 5, die Verse 5 und 6:<\/p>\n<p>\u201e5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verw\u00fcstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.<\/p>\n<p>6 Ich will ihn w\u00fcst liegen lassen, da er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.\u201c<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst: Die Reaktion ist das Ende des Weinberges. Er wird zerst\u00f6rt. Und wieder geht Jesaja ins Detail. Der Zaun wird weggenommen, damit alle, Mensch und Tier Zuritt haben. Die Mauer wird eingerissen. Schritt f\u00fcr Schritt wird getan, damit der Weinberg zerst\u00f6rt wird. Zum Schluss wird gar der Regen ausgesperrt. Trockenheit ist angesagt.<\/p>\n<p>Regen soll ausbleiben. Das kann ein Winzer nicht tun. Er ist nicht in der Lage, dem Wetter zu verbieten zu regnen. Mit dieser Aussage wird unterstrichen, dass das ganze Lied ein Gleichnis, eine Beispielerz\u00e4hlung ist. Es geht hier um Gott und das Volk Israel. Jesaja spricht als Prophet.<\/p>\n<p>-4-<\/p>\n<p>Was da los ist, lesen wir am Schluss des Liedes vom Weinberg. Dort hei\u00dft es in Vers 7.<\/p>\n<p>Jesaja 5, Vers 7:<\/p>\n<p>\u201e7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die M\u00e4nner Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei \u00fcber Schlechtigkeit.\u201c<\/p>\n<p><em>Rechtsbruch<\/em> anstatt <em>Gerechtigkeit<\/em>. Was das hei\u00dft, wissen wir alle, erleben wir alle Tage. Ich kehre vor unserer T\u00fcre. Wir leben in der Passionszeit, eine Bu\u00dfzeit. De Schere zwischen Reich und Arm geht immer weiter auseinander. Das wissen wir alle, aber was geschieht? Nichts. W\u00e4hrend manche angesichts des Lockdown um ihre Existenz bangen, werden andere reicher. Die reichen L\u00e4nder der Erde haben sich einen gro\u00dfen Anteil an den Impfstoffen gegen Corona reserviert, aber die reichen L\u00e4nder, also auch wir, machen insgesamt nur 1\/3 der Weltbev\u00f6lkerung aus. Homeoffice und Homeschooling lassen nicht Familien enger zusammenr\u00fccken, erm\u00f6glichen Menschen nicht, sich zu umarmen, sondern Streit bricht aus.<\/p>\n<p>Dabei kennen wir alle dieses Wort: LIEBE DEINEN N\u00c4CHSTEN WIE DICH SELBST.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jesaja 5,1-7 | Reminiszere 2021 | von Ulrich Nembach | Liebe Gemeinde, unser heutiger Predigttext ist ein Lied. Es ist ein altes Lied. Es wurde vor rund 2.700 Jahren gesungen. Jesaja, von ihm stammt das Lied. Er sang es und sp\u00e4ter wurde es aufgeschrieben. 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