{"id":4571,"date":"2021-03-01T20:24:40","date_gmt":"2021-03-01T19:24:40","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4571"},"modified":"2021-03-01T20:26:15","modified_gmt":"2021-03-01T19:26:15","slug":"unsere-daemonen-unsere-gewohnheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/unsere-daemonen-unsere-gewohnheiten\/","title":{"rendered":"Unsere D\u00e4monen \u2013 unsere Gewohnheiten"},"content":{"rendered":"<h3>3. Sonntag der Fastenzeit | Lukas 11,14-28 (D\u00e4nische Perikopenordung) | verfasst von Laura Lundager Jensen |<\/h3>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Es fehlt noch der Dachboden &#8211; in allem Kellerr\u00e4umen, dem Schuppen, dem Carport ist aufger\u00e4umt, sortiert, aussortiert.<\/p>\n<p>Auf dem Dachboden befinden sich Jahrsehnte alte Sachen, die aufger\u00e4umt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir sind nicht die einzigen. Wenn irgendjemand viel zu tun hatte hier in den Korona-Zeiten, dann die Leute in den Abfallzentren. \u00dcberall im Land sind die H\u00e4user aufger\u00e4umt und gereinigt. Und die meisten sind schon weiter als wir.<\/p>\n<p>Aber D\u00e4nemark ist noch immer ein Land, das geschlossen ist.<\/p>\n<p>Und nachdem der Bedarf an Aufr\u00e4umen gedeckt ist und auch das Bed\u00fcrfnis nach Spazierg\u00e4ngen, alternativen Formen der Begegnung und virtuellen Spielabenden gedeckt ist, melden sich Rastlosigkeit, Ungeduld, Langeweile und schlechte Laune.<\/p>\n<p>Der Mittagsd\u00e4mon ist eingezogen \u2013 wie das der alte W\u00fcstenm\u00f6nch Evagrios genannt hat. Das Leiden, dass die M\u00f6nche dazu veranlasste, missmutig aus dem Fensterloch der Zelle zu schauen, um zu sehen, ob und wie weit sich die Sonne bewegt hatte, seit man zuletzt nachgeschaut hatte. Gezeichnet von Ersch\u00f6pfung und M\u00fcdigkeit und der Erfahrung, dass alles sinnlos ist und das sich trotzdem nichts lohnt, sahen sie ein, dass der Mittagsd\u00e4mon sich aufs Angenehmste etabliert hatte.<\/p>\n<p>Die Unertr\u00e4glichkeit der Ungeduld, der Gegensatz des Lebensmutes.<\/p>\n<p>In der Fastenzeit dieses Jahres, die nach der Zeitrechnung der Covid-19 Zeit bald ein Jahr gedauert hat, ist der Mittagsd\u00e4mon ein vertrauter Gast geworden und hat zu einer Handlungsl\u00e4hmung gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das Bild des Evangeliums, wo man das Haus in allen Ecken reinigt nach dem Durcheinander und den D\u00e4monen vieler Jahre, um dann zu erleben, dass die n\u00e4chste Welle von D\u00e4moneneinwanderungen nur allzu guten Sinn macht.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht mehr \u2013 die Nachrichten sind unertr\u00e4glich vorhersehbar, Facebook zeigt nur Wiederholungen \u2013 dasselbe Rezept f\u00fcr Sauerteigs-Brot, dieselbe Eis-Lampe, derselbe Sonnenuntergang, dieselben Winterlinge \u2013 von allen f\u00fcr alle ausgeteilt im Lande, ohne dass das einen gr\u00f6\u00dferen Effekt f\u00fcr die Freude h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die Rede des Evangeliums von den D\u00e4monen ist allzu aktuell.<\/p>\n<p>Und ja, umso mehr dringlich ist es, sich damit auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Sich zu der Aufforderung der Fastenzeit zu verhalten, den Kampf mit den D\u00e4monen aufzunehmen.<\/p>\n<p>Und recht verstanden mit allen D\u00e4monen \u2013 bewahre uns vor den b\u00f6sen D\u00e4monen, die uns in Versuchung f\u00fchren \u2013 alle schlechten D\u00e4monen der Gewohnheit, die sich im Laufe der Jahre in den Stuben, Kellern und Dachb\u00f6den des Gem\u00fcts breitgemacht haben. Gewohnheiten, getragen von dem krankhaften Drang und der Begierde nach dem, was mehr ist und sch\u00f6ner und teurer. Die Gier des Hochmuts nach dem, was besser ist und m\u00e4chtiger. Die Besessenheit der Wut, des Neids und der Faulheit.<\/p>\n<p>Aber mindestens genauso wichtig ist es, den D\u00e4monen zu bek\u00e4mpfen, der mit dem Alle-Mittage-D\u00e4monen folgt mit seiner Traurigkeit und Depressivit\u00e4t. Die Macht, die vielleicht die gef\u00e4hrlichste und destruktivste von allen ist.<\/p>\n<p>Aber Jesus beendet ja nicht seine Erz\u00e4hlung nach einer einzelnen D\u00e4monenaustreibung, sondern f\u00e4hrt fort, mit der eigenartigen Geschichte von dem D\u00e4monen, der, nachdem er ausgetrieben ist, heimatlos umhertreibt, bis er in sein altes Haus zur\u00fcckkehrt, das er nun gekehrt und geschm\u00fcckt vorfindet, bereit den neuen Gast zu empfangen. Und schnell findet der D\u00e4mon sieben andere D\u00e4monen und zieht ein und verwandelt den Mann in eine wahre d\u00e4monische Rockerburg.<\/p>\n<p>So gesehen ist die heutige Erz\u00e4hlung eine gro\u00dfe Warnung vor dem bequemen und reizvollen Angebot der D\u00e4monen, das einfach und einladend wirkt. Zugleich aber eine mindestens genauso wichtige Mahnung, dass es nicht gen\u00fcgt, einen Kreuzzug gegen das B\u00f6se zu f\u00fchren \u2013 eine andere Macht muss an seine Stelle treten.<\/p>\n<p>Den alten M\u00f6nchen wurde geraten, in ihre Zellen zu gehen, um hier in der Einsamkeit den Kampf gegen den Mittagsd\u00e4monen zu f\u00fchren. Und dies nicht um zu fl\u00fcchten, sondern um auszuharren in dem, was man ist und was man hat. Niemand kann der Leere und dem Missmut entfliehen, so wenig wie wir dem Tod entgehen k\u00f6nnen. Stattdessen sollen wir das Leben suchen, es st\u00e4rken und siegen lassen. Wir sollen die Auferstehung siegen lassen, die die dem Tod die Macht genommen hat. Wir k\u00f6nnen den Glauben und das Vertrauen darauf siegen lassen, dass die macht der Liebe die Macht der Leere, der Einsamkeit und des Missmuts \u00fcberwindet. Nicht die Liebe, mit der wir lieben, sondern die Liebe, in der wir geschaffen sind und mit der wir geliebt sind, die Liebe, die war und noch immer mit uns ist und uns will. Wie den M\u00f6nchen wird auch uns geraten, dass wir in der Fastenzeit auf diese Weise unsere Zellen aufsuchen. Nicht um nach der Kraft der Liebe in uns zu suchen, sondern um sie anzunehmen und auf sie zu h\u00f6ren, wenn sie zu uns kommt. Sie annehmen und sie Einzug halten lassen in und, damit sie uns erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Nur mit Gottes Hilfe wird das Leben wesentlich, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>In unserem Leben reinmachen und aufr\u00e4umen sowohl physisch als auch geistig ist ewig von Nutzen. Und es ist klug, Dinge wegzuwerfen und durch mehr nachhaltiges Material zu ersetzen in allen Formen und Bedeutungen \u2013 physisch und geistig.<\/p>\n<p>So gesehen hat Covid19 einen anderen Effekt gehabt \u2013 die Welt hat eine Denkpause erhalten \u2013 nur die wenigsten sind zu einem Dasein als W\u00fcstenm\u00f6nch geschaffen.<\/p>\n<p>Deshalb m\u00fcssen wir darum beten, dass die Fastenzeit uns in diesem Jahr zu dem Wort f\u00fchrt, wie er zu Ostern offenbar wird, aber schon heute an uns ergeht \u2013 trotz der verkr\u00fcppelten Gottesdienstformen. Das Wort, das an uns stets ergeht, wann immer wir unsere Herzen \u00f6ffnen f\u00fcr den Willen Gottes. Das erklingt und uns aus den Zellen schickt wieder in die Welt. Um hier zu handeln und die Hand zu reichen, L\u00e4cheln und Sonnenschein verbreiten, und um, auch wenn es die Hoffnung des Winterfr\u00fchchens in diesem Jahr schwer hat, dennoch von der Fr\u00fchjahrshoffnung und der Ankunft des Stars und der L\u00e4rche zu reden.<\/p>\n<p>Das Evangelium von heute will und dazu bringen, dass wir all das bek\u00e4mpfen, was das Leben daran hindert, sich zu entfalten. Und mit allen Mitteln, einschlie\u00dflich Enthaltsamkeit, Ajax und Impfstoffen. Nicht um die H\u00e4user gekehrt und geschm\u00fcckt zu hinterlassen, sondern eben das Wort Gottes an die Stelle zu setzen.<\/p>\n<p>Worte, die uns geschenkt werden, wenn wir zum Gottesdienst versammelt sind und in Gemeinschaften, oder wenn wir im stillen Gebet verharren. Und Worte, die uns in Stand setzen, in dem Leben aktiv zu sein, das sich so sehr in Hoffnung und Glaube \u00f6ffnen will.<\/p>\n<p>Es braucht Mut und St\u00e4rke, sich daf\u00fcr zu entscheiden. Und der Kampf muss im Zentrum unserer Seele und unseres Herzens ausgefochten werden \u2013 aber wir sind dabei nicht allein. Wir haben das gn\u00e4dige Wort und Tun Gottes in der Welt, woran wir uns halten k\u00f6nnen \u2013 und selig sind die, die das Wort Gottes h\u00f6ren, bewahren und nach ihm handeln. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastorin Laura Lundager Jensen<br \/>\nLangetoften 1, Osted<br \/>\nDK-4320 Lejre<br \/>\nE-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag der Fastenzeit | Lukas 11,14-28 (D\u00e4nische Perikopenordung) | verfasst von Laura Lundager Jensen | &nbsp; &nbsp;Es fehlt noch der Dachboden &#8211; in allem Kellerr\u00e4umen, dem Schuppen, dem Carport ist aufger\u00e4umt, sortiert, aussortiert. Auf dem Dachboden befinden sich Jahrsehnte alte Sachen, die aufger\u00e4umt werden m\u00fcssen. Wir sind nicht die einzigen. 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