{"id":4663,"date":"2021-03-14T13:24:14","date_gmt":"2021-03-14T12:24:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4663"},"modified":"2021-03-22T18:17:34","modified_gmt":"2021-03-22T17:17:34","slug":"mir-geschehe-wie-du-gesagt-hast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/mir-geschehe-wie-du-gesagt-hast\/","title":{"rendered":"Mir geschehe, wie du gesagt"},"content":{"rendered":"<h3>Mir geschehe, wie du gesagt hast | Predigt zu Lukas 1,26-38 (d\u00e4nische Perikopenordnung)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> | verfasst von Leise Christensen |<\/h3>\n<p>Heute sing en wir Weihnachtslieder. Wir singen von der Jungfrau Maria, dem Engel und dem kleinen Jesuskind. Das tun wir, weil es noch etwa neun Monate bis Weihnachten ist, und die Empf\u00e4ngnis Jesu heute ist. Hier ist die Kirche einmal dem Gesch\u00e4ftsleben voraus \u2013 denn die gro\u00dfen Warenh\u00e4user verteilen wohl erst einmal in der n\u00e4chsten Woche Weihnachtskataloge. So etwa jedenfalls. Die Empf\u00e4ngnis des kleinen Jesuskindes stellt den \u00dcbergang dar zwischen dem Alten und dem Neuen Testament in unserer Bibel. Nun habe ich gerade wieder einmal die ganze Bibel gelesen. Was mir diesmal auffiel, war dies, dass Gott wirklich im ganzen Alten Testament die Leute, also uns, dazu zu bring en versucht, das zu tun, was er eigentlich will, dass wir es tun sollen: Dass wir einigerma\u00dfen friedlich zusammenleben, uns der Witwen annehmen, der Waisen und der Fremden, wie dies immer wieder gesagt wird. Dass wir soziale Gerechtigkeit sichern und dass wir \u00fcberhaupt unserem N\u00e4chsten nichts B\u00f6ses antun und daf\u00fcr sorgen, dass wir nicht G\u00f6tzen anbeten, wie es da hei\u00dft. Und wenn wir glauben sollten, dass wir keine G\u00f6tzen haben, blo\u00df weil wir keine G\u00f6tzenbilder und keine Hausg\u00f6tter haben, dann irren wir uns. Heutige G\u00f6tzen, das kann ungehemmter Gebrauch des Handys sein, unser Bankkonto, wo wir glauben, das Leben nach \u00f6konomischen Modellen berechnen zu k\u00f6nnen, ja alles M\u00f6gliche, was st\u00f6rt und unser Leben mit Gott und mit einander langsam \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>Man sagt oft vom Christentum, dass es die Religion sei, wo man den N\u00e4chsten lieben soll wie sich selbst. Und das ist sicher auch wahr, aber das ist in Wirklichkeit ein Gebot, das aus dem Alten Testament stammt, wo man auch dieses Gebot kannte. Das Projekt Gottes mit dem Menschen ist nicht sehr erfolgreich, denn der Mensch hat, wie an einer Stelle geschrieben steht, so viele eigenartige Dinge vor, dass dann nicht richtig Platz ist, das zu tun, was man eigentlich tun sollte, einander zu lieben und f\u00fcr einander zu sorgen. Gott versucht vieles, um uns Menschen dazu zu bringen, das zu tun, wozu wir eigentlich bestimmt sind \u2013 er redet Klartext, der tr\u00f6stet, er schickt Propheten, er straft, er tut alles M\u00f6gliche. Aber nein, es will offenbar nicht gelingen.<\/p>\n<p>Mit dem Neuen Testament aber \u00e4ndert sich etwas, denn es sieht so aus, dass Gott auf die Idee gekommen ist, dass er vielleicht seine Gesch\u00f6pfe besser verstehen w\u00fcrde, wenn er selbst Mensch wird und unter den Bedingungen lebt, unter denen die Menschen nun einmal und zu allen Zeiten gelebt haben. Mit Freuden, mit Furcht, mit Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck, mit Liebe und Gleichg\u00fcltigkeit, mit lauter Scherereien und Problemen, mit Leid und Klage, mit Gaben, Weinen und Lachen. Also das ganze Programm. Davon h\u00f6ren wir im heutigen Evangelium. Hier wird der allm\u00e4chtige Gott ganz klitzeklein im Mutterleib eines jungen M\u00e4dchens. Ja h\u00e4tte er sich blo\u00df daf\u00fcr entschieden, von einer K\u00f6nigin hoch auf dem Schloss geboren zu werden oder von der Gattin eines reichen Mannes. Aber nein, er wird empfangen und geboren von einem jungen unverheirateten M\u00e4dchen \u2013 was wir in unserer sogenannten aufgekl\u00e4rten Welt nur seit ganz wenigen Jahrzehnten als etwas akzeptierten, was in Ordnung ist und erfreulich \u2013 ja immer noch\u00a0 ist es an vielen Orten in der Welt so, dass junge unverheiratete schwangere M\u00e4dchen Leib und Leben riskieren.<\/p>\n<p>Was sehr gro\u00df und gewaltig war, wurde sehr klein und v\u00f6llig ausgeliefert. Und Maria, was mit ihr? Als sie sich gefangen hatte nach der beginnenden \u00dcberraschung dar\u00fcber, dass ausgerechnet sie schwanger sein und einen Sohn geb\u00e4ren sollte, der den Namen Jesus tragen und der Heiland der Welt sein w\u00fcrde, sagt sie: \u201eSiehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast\u201c. H\u00e4tte sie wohl das gesagt, wenn sie gewusst h\u00e4tte, wie es ihrem geliebten Kind ergehen sollte? Dass er einen schrecklichen und qualvollen Tod als Verbrecher an einem Kreuz sterben w\u00fcrde? H\u00e4tte sie dasselbe gesagt? Ich jedenfalls meinerseits wei\u00df, dass es Aufgaben in meinem Leben gibt, die ich unmittelbar nicht so einfach auf mich genommen h\u00e4tte, wenn ich gewusst h\u00e4tte, was das dann an M\u00fchen kosten w\u00fcrde und was dann dabei herausgekommen w\u00e4re. Ich gestehe, da h\u00e4tte ich mir das oft zweimal \u00fcberlegt. Da sind Dinge, die man auf sich genommen hat, ohne zu wissen, dass man da so gesehen sowohl f\u00fcr seine Lieben aus auch sich selbst das Leben schwer machen w\u00fcrde. Aber das sind die Bedingungen. Man wei\u00df nicht, was einen erwartet, wenn man sich auf den Weg macht. Auch wenn man glaubt, dass man alles unter Kontrolle hat. Man hat alles F\u00fcr und Wider, alle Vor- und Nachteile erwogen. Auch wenn man sich eigentlich gerne zur Verf\u00fcgung stellt \u2013 sagt man gerne. Die Wirklichkeit, zeigte sich, war eine ganz andere. Es wurde etwas ganz Anderes. Mir geschehe, wie du gesagt hast, sagt Maria. W\u00fcrden wir das sagen? Vielleicht. Denn die Sache ist nicht so einfach.\u00a0 Man kann nicht einfach nein danke sagen zu allem, weil man f\u00fcrchtet, dass es dann Schwierigkeiten geben wird. Man kann nicht nein sagen zu allem, was schwer ist im Leben, zu allem Leid und allen Schwierigkeiten. Oder ja, das kann man vielleicht doch, aber nicht ohne einen hohen Preis zu zahlen. Denn dann sagt man nein zur Liebe, zum Vertrauen, zur Hoffnung, zu all dem, was das Leben liebens- und lebenswert macht. Die Trauer ist die treue, wenn auch zuweilen unerw\u00fcnschte Begleiterin der Liebe.<\/p>\n<p>Wie sah die Sache aus in Maria, als sie unter dem Kreuz stand und ihr Kind sah, wie es da hang in unsagbarem Schmerz, ohne dass sie helfen konnte? W\u00e4re sie lieber rechtzeitig dem entgangen, als sie jung war und sagte: \u201eMir geschehe, wie du gesagt hast\u201c? So w\u00fcrde man vielleicht als Au\u00dfenstehender sagen, aber wenn man geliebt hat und den Geliebten verloren hat, dann wei\u00df man ja sehr wohl, dass man keineswegs lieber auf die Liebe zum Ehepartner, zum Kind, dem Geliebten oder wem auch immer verzichtet h\u00e4tte. Man w\u00fcrde nicht w\u00fcnschen, dass einem alle diese Schwierigkeiten erspart geblieben w\u00e4ren. Auch wenn man dasteht und verzweifelt ist, so war es das alles wert.<\/p>\n<p>Leid und Gl\u00fcck sind keine Gegens\u00e4tze, das eine tr\u00e4gt das andere in sich wie die zwei Seiten einer Medaille. Der Heiland der Welt, den Maria unter ihrem Herzen trug, ist der, der und beisteht, wenn wir selbst nicht mehr weiterk\u00f6nnen. Wenn der Weg zu steinig und zu hart wird, dann ist er es, der uns tragen wird. Wenn das Herz seufzt in Ungl\u00fcck und Leid und wo wir aufgegeben haben, dass uns etwas nach jemandes Wort geschieht, sondern wo wir w\u00fcnschen, dass es lieber nach\u00a0 unserem eigenen Wort geschieht, da ist der Gott nahe bei uns, der selbst von extremem Schmerz und Einsamkeit wei\u00df. Weil er Mensch geworden ist unter anderen Menschen, die nicht das wollen, was Gott will, sondern meist am liebsten sich selbst wollen. In ein paar Wochen ist Ostern, und wir feiern die Auferstehung. Da wird es so sein, dass wir alle das Licht erblicken. Wir glauben daran, dass es so wein wird. Amen.<\/p>\n<p>Pastorin Leise Christensen<\/p>\n<p>DK 8200 Aarhus N<\/p>\n<p>Email: lec(at)km.dk<\/p>\n<p>l<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In D\u00e4nemark wird dieser Sonntag als Mariae Verk\u00fcndigung gefeiert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir geschehe, wie du gesagt hast | Predigt zu Lukas 1,26-38 (d\u00e4nische Perikopenordnung)[1] | verfasst von Leise Christensen | Heute sing en wir Weihnachtslieder. Wir singen von der Jungfrau Maria, dem Engel und dem kleinen Jesuskind. Das tun wir, weil es noch etwa neun Monate bis Weihnachten ist, und die Empf\u00e4ngnis Jesu heute ist. 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