{"id":4730,"date":"2021-03-29T14:16:54","date_gmt":"2021-03-29T12:16:54","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4730"},"modified":"2023-03-12T14:15:37","modified_gmt":"2023-03-12T13:15:37","slug":"durch-seine-wunden-sind-wir-geheilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/durch-seine-wunden-sind-wir-geheilt\/","title":{"rendered":"Durch seine Wunden sind wir &#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Durch seine Wunden sind wir geheilt | Karfreitag, den 2. April 2021 | Sprechmotette f\u00fcr zwei Lesende zu Jesaja 52,13 \u2013 53,12 | von Udo Schmitt |<\/h3>\n<p><strong>[ Noch einmal sehen ]<\/strong><\/p>\n<p>A: Siehe, meinem Knecht wird&#8217;s gelingen, er wird erh\u00f6ht und sehr hoch erhaben sein.<\/p>\n<p>B:\u00a0 Er wird erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>A:\u00a0 Er wird erh\u00f6ht und sehr hoch erhaben sein.<\/p>\n<p>B:\u00a0 Er wird erh\u00f6ht und sehr hoch erhaben sein.<\/p>\n<p>A:\u00a0 Wie sich viele \u00fcber ihn entsetzten, weil seine Gestalt h\u00e4sslicher war als die anderer Leute<br \/>\nund sein Aussehen als das der Menschenkinder,\u2026<\/p>\n<p>B: H\u00e4sslich! Wie sieht der denn aus!<\/p>\n<p>A: \u2026so wird er viele Heiden besprengen, dass auch K\u00f6nige werden ihren Mund vor ihm zuhalten.<br \/>\nDenn denen nichts davon verk\u00fcndet ist, die werden es nun sehen,<br \/>\nund die nichts davon geh\u00f6rt haben, die werden es merken. \u2026<br \/>\nEr hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber\u2026<br \/>\nda war keine Gestalt, die uns gefallen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>B: Nein, mein Schatz! Da war keine Gestalt, die uns gefallen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>A: Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>B: \u201eTun Sie sich das nicht an!\u201c, sagte man zu der Mutter.<br \/>\nUnd meinte es ja nur gut mit ihr. Aber sie musste ihn noch einmal sehen, ihren Sohn, der verungl\u00fcckt war.<br \/>\nSo jung! Sie musste ihn noch einmal sehen, sonst konnte sie es nicht glauben.<\/p>\n<p>A: Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit.<\/p>\n<p>B:\u00a0 Noch einmal ihn sehen. Das hatten sie sich auch gew\u00fcnscht &#8211; seine Frau und seine Kinder.<br \/>\nEr war eingeliefert worden, sofort auf die Intensiv. An der Beatmung. Es ging alles so schnell.<br \/>\nEin Anruf am Telefon. Die \u00c4rztin. Eine mit professioneller Freundlichkeit vorgetragene Mitteilung verk\u00fcndete das Unfassbare. Nein, tut uns leid, sie k\u00f6nnen ihn nicht noch einmal sehen. Sie m\u00fcssen verstehen.<\/p>\n<p>A: Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit.<br \/>\nEr war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg;<br \/>\ndarum haben wir ihn f\u00fcr nichts geachtet.<\/p>\n<p>B: Du sollst dir kein Bildnis machen!<br \/>\nDas gilt. 364 Tage im Jahr. Aber heute nicht.<br \/>\nSieh hin! Verbirg dein Gesicht nicht vor ihm!<br \/>\nEcce homo &#8211; seht diesen Menschen an.<br \/>\nSieh hin! Gott selbst hat dieses Bild gew\u00e4hlt. F\u00fcr sich.<br \/>\nAm Kreuz k\u00f6nnen wir ihn erblicken. Gott hat dieses Bild &#8211; gew\u00e4hlt.<br \/>\nEins, das um Atem ringt. Eins, das den Atem raubt.<\/p>\n<p><strong>[ Ins Schweigen gehen ]<\/strong><\/p>\n<p>A: F\u00fcrwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.<br \/>\nWir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert w\u00e4re.<br \/>\nAber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer S\u00fcnde willen zerschlagen.<br \/>\nDie Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden h\u00e4tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.<\/p>\n<p>B: Durch seine Wunden.<\/p>\n<p>A: Sind wir geheilt.<\/p>\n<p>B: Geheilt von den blinden Flecken. Geheilt von der dunklen Seite in mir.<br \/>\nDie wir &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur beim anderen sehen. Uns selbst aber, nicht eingestehen.<br \/>\nIch hab doch nichts gemacht. Nichts Schlimmes. Ich bitte Sie, wegen mir\u2026<br \/>\nwegen mir h\u00e4tte er nicht sterben m\u00fcssen. Oder?<\/p>\n<p>A: Um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer S\u00fcnde willen zerschlagen.<\/p>\n<p>B: Vielleicht kennt er uns besser. Besser als wir selbst uns kennen.<br \/>\nSein Blick geht tiefer, durchdringt Unschuldsmiene und Schutzbehauptung.<br \/>\nWer will mit ihm richten? Wer will ihn vor Gericht zerren und verklagen?<br \/>\nWer ohne schuld ist. Der werfe den ersten Stein.<\/p>\n<p>A: Wir gingen alle in die Irre wie Schafe.<\/p>\n<p>B: Wir gingen alle.<\/p>\n<p>A: Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.<br \/>\nAber der HERR warf unser aller S\u00fcnde auf ihn.<br \/>\nAls er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf<br \/>\nwie ein Lamm, das zur Schlachtbank gef\u00fchrt wird;<br \/>\nund wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer,<br \/>\ntat er seinen Mund nicht auf.<\/p>\n<p>B: Wir gingen in die Irre.<\/p>\n<p>A: Ein jeder seinen Weg.<\/p>\n<p>B: Und er hat geschwiegen.<\/p>\n<p>A: (Nicken).<\/p>\n<p>B: Und er hat geschwiegen, als sie ihn verklagt haben. Gejagt haben. Ausgelacht. Gefoltert\u2026<\/p>\n<p>A: (schweigt).<\/p>\n<p>B: \u201eWarum nur?\u201c<\/p>\n<p>A: (schweigt).<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>[ Hinsehen! ]<\/strong><\/p>\n<p>B: \u201eWarum nur?\u201c, fragte der Leidende: \u201eWas habe ich denn getan?!\u201c<br \/>\nUnd die Nachbarn sagten sich: Wo Rauch ist, da ist Feuer.<br \/>\nUnd pflegten ihre G\u00e4rten und die Selbst-schulds-Vermutung:<br \/>\n&#8211; Selbst schuld! H\u00e4tte er mal nicht so viel geraucht!<br \/>\n&#8211; Warum musste sie sich auch so freiz\u00fcgig bekleidet auf dieses Fest begeben?<br \/>\n&#8211; Fr\u00fcher hat sie sich \u00fcber die Muttertiere lustig gemacht, jetzt kann sie keine Kinder bekommen!<br \/>\n&#8211; Sie hat ja auch w\u00e4hrend der Schwangerschaft\u2026, und nun ist das Kind, na ja!<br \/>\n&#8211; Er meinte immer, alles besser zu wissen, nun hat ihn sein Mundwerk hinter Gitter gebracht!<br \/>\nSelbst schuld!<\/p>\n<p>A: Als er gemartert ward, litt er doch willig<br \/>\nund tat seinen Mund nicht auf.<\/p>\n<p>B: Und wir? Sollten wir nicht auch die Hand auf den Mund legen? Und schweigen?<br \/>\nDas Schweigen Gottes. Das Schweigen Gottes zu diesem Leid\u2026 teilen?<\/p>\n<p>A: Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen?<br \/>\nDenn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen\u2026<\/p>\n<p>B: Mitten aus dem Leben gerissen.<\/p>\n<p>A: \u2026da er f\u00fcr die Missetat meines Volks geplagt war.<br \/>\nUnd man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei \u00dcbelt\u00e4tern, als er gestorben war,<br \/>\nwiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.<\/p>\n<p>B: \u201eZerflie\u00dfe mein Herze, in Fluten der Z\u00e4hren. Dem H\u00f6chsten zu Ehren.<br \/>\nErz\u00e4hle der Welt und dem Himmel die Not. Dein Jesus ist tot!\u201c<br \/>\n[von J.S. Bach, Johannespassion, Nr.35 \u2013 eventuell gesungen oder eingespielt?]<\/p>\n<p>A: Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen\u2026<br \/>\nWeil seine Seele sich abgem\u00fcht hat, wird er das Licht schauen und die F\u00fclle haben.<br \/>\nUnd durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte,<br \/>\nden Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er tr\u00e4gt ihre S\u00fcnden.<\/p>\n<p>B: Mein Jesus ist fort.<\/p>\n<p>A: Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben,<br \/>\ndaf\u00fcr dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den \u00dcbelt\u00e4tern gleichgerechnet ist<br \/>\nund er die S\u00fcnde der Vielen getragen hat und f\u00fcr die \u00dcbelt\u00e4ter gebeten.<\/p>\n<p>B: Mein Jesus ist tot.<\/p>\n<p>A: Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen.<\/p>\n<p>B: Sein Grab ist bei den Gottlosen.<\/p>\n<p>A: Sie haben ihn gesucht. Und sie konnte ihn nicht finden.<\/p>\n<p>B: Mein Jesus ist fort.<\/p>\n<p>A: Wohin habt ihr ihn gelegt? Wo kann ich ihn finden?<\/p>\n<p>B: Seht hin!<\/p>\n<p>A: Seht hin.<\/p>\n<p>B: Wo finde ich ihn?<\/p>\n<p>A: In der Natur, im Wald? Im Kreis der S\u00e4nger, in lieberschlossener Freundesrunde?<\/p>\n<p>B: Sieh hin!<\/p>\n<p>A: Wo finde ich ihn?<\/p>\n<p>B: Seht hin! Ihr erblickt ihn.<br \/>\nIn jeder gequ\u00e4lten Kreatur, in jedem geschlagenen Kind, gefolterten Gefangenen.<br \/>\nIn jedem gequ\u00e4lten L\u00e4cheln. Seht hin!<\/p>\n<p>A: F\u00fcrwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.<\/p>\n<p>B: Seht hin!<\/p>\n<p>A: Die Strafe liegt auf ihm,\u2026 \u00a0\u00a0 B: auf dass wir Frieden h\u00e4tten,\u2026<\/p>\n<p>A: und durch seine Wunden \u00a0\u00a0 B: sind wir geheilt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<\/p>\n<p>EG 81 Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen<\/p>\n<p>EG 82 Wenn meine S\u00fcnd mich kr\u00e4nken<\/p>\n<p>EG 85 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 O Haupt voll Blut und Wunden<\/p>\n<p>EG 90 Ich gr\u00fc\u00dfe dich im Kreuzesstamm<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/p>\n<p>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/p>\n<p>udo.schmitt@ekir.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch seine Wunden sind wir geheilt | Karfreitag, den 2. 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