{"id":4804,"date":"2021-03-30T16:10:03","date_gmt":"2021-03-30T14:10:03","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4804"},"modified":"2021-03-31T16:13:20","modified_gmt":"2021-03-31T14:13:20","slug":"osterpredigt-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/osterpredigt-2021\/","title":{"rendered":"Osterpredigt 2021"},"content":{"rendered":"<h3>4.4.21, Ostersonntag | Predigttext: 2. Mose 14,8\u201314.19\u201323.28\u201330a;15,20f. | Th.-M. Robscheit |<\/h3>\n<p>Predigtlied: BT 558: Ich h\u00f6r die Botschaft: Jesus lebt<\/p>\n<p>Eine Predigt, liebe Schwestern und Br\u00fcder, eine Predigt beginnt mit dem Friedensgru\u00df; erst recht zu Ostern! Denn da wird die fr\u00f6hliche Osterbotschaft verk\u00fcndet: Der Herr ist auferstanden! Das Leben siegt!<\/p>\n<p>Doch in diesem Jahr f\u00e4llt mir dieser Gru\u00df schwer. Es lastet so viel auf unseren Seelen, der Lebensmut sinkt; so lange schon ist\u00a0 das Leben heruntergeschraubt.<\/p>\n<p><em>Ich h\u00f6r die Botschaft: Jesus lebt!<\/em><\/p>\n<p><em>Doch seh ich nur: Die Welt erbebt,<\/em><\/p>\n<p><em>weil Krankheit herrscht und Tod und Krieg.<\/em><\/p>\n<p><em>Wo find ich Jesu Ostersieg?<\/em><\/p>\n<p>Ostersieg? Bisher war das Wort f\u00fcr mich immer recht gewaltfrei: ein Sieg ohne Blutvergie\u00dfen; eher im Gegenteil! Kein Tod, der wird \u00fcberwunden!<\/p>\n<p>Doch in diesem Jahr ist der Predigttext ein Gewaltorgie. Und da wurde der Bibeltext durch galantes Weglassen schon weich gesp\u00fclt, so fehlt zum Beispiel die zweite H\u00e4lfte des 30. Verses: Und sie sahen die \u00c4gypter tot am Ufer des Meeres liegen. Ich habe sofort Bilder von ertrunkenen Fl\u00fcchtlingen vor Augen. Was sind Ihre Assoziationen und Bilder, wenn Sie jetzt den Text aus dem Buch Exodus h\u00f6ren, das sogenannte Schilfmeerwunder?<\/p>\n<p><em>Text vorlesen: 2. Mose 14,8\u201314.19\u201323.28\u201330a;15,20f.<\/em><\/p>\n<p>Diesem massenhaften Sterben gehen schon zehn heftige Plagen mit Not und Elend voraus. Eigentlich hatte der Pharao klein beigegeben und gibt Israel frei. Doch dann verstockt Gott sein Herz und die Borniertheit eines Anf\u00fchrers bringt erneut Tod \u00fcber seine Untergebenen. Und dann, als die \u00c4gypter schon kapitulieren und fliehen wollen, l\u00e4sst Mose sie nicht entkommen, sondern schickt auf Gottes Gehei\u00df das Meer zur\u00fcck mit den bekannten Folgen. F\u00fcr die \u00e4gyptischen Soldaten dieser Erz\u00e4hlung ist das jedenfalls kein fr\u00f6hliches Osterfest.<\/p>\n<p><em>Ich h\u00f6r die Botschaft: Jesus lebt!<\/em><\/p>\n<p><em>Ob dem nicht alles widerstrebt,<\/em><\/p>\n<p><em>was t\u00e4glich unsre Welt bedroht:<\/em><\/p>\n<p><em>der Bosheit Trug, Gewalt und Not?<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr Israel ist diese Wundergeschichte um einen historischen Kern identit\u00e4tsstiftend. Sie werden aus scheinbar aussichtsloser Lage gerettet. Das wird so sehr als Wunder erlebt, dass die Geschichte immer weiter ausgeschm\u00fcckt wird. Historisch d\u00fcrfte es keineswegs stimmen, dass der Pharao oder gro\u00dfe Teile seines Heeres an der Verfolgung der Israeliten beteiligt waren oder gar zu Tode kamen. F\u00fcr Israel ist das auch nicht entscheidend, sondern die Rettung in eine aus Sicht der Protagonisten ungewisse Zukunft. Die damit verbundenen menschlichen Zweifel durchziehen die Ereignisse Schilfmeer und die folgenden Jahrzehnte. \u201eH\u00e4tten wir nicht in \u00c4gypten sterben k\u00f6nnen?\u201c, \u201eWarum hast Du uns das angetan, dass Du uns wegf\u00fchren mu\u00dftest?\u201c, \u201eHaben wir Dir nicht schon in \u00c4gypten gesagt, dass Du uns in Ruhe lassen sollst, wir wollen den \u00c4gyptern dienen?\u201c; sp\u00e4ter dann der sehns\u00fcchtige Blick zur\u00fcck auf die vermeintlichen Fleischt\u00f6pfe \u00c4gyptens. Ein einziges Gemaule und Gen\u00f6le. Es \u00fcberrascht mich immer wieder, wie wenig sich die Menschen in den letzten dreitausend Jahren ver\u00e4ndert haben. Schnell lassen sie sich begeistern, schnell sehnen sie sich nach der \u201eguten alten Zeit\u201c zur\u00fcck, in der alles seine Ordnung hatte, gl\u00e4nzte und \u00fcberhaupt viel besser war. Dabei wird Realit\u00e4t vereinfacht und verbogen. Vergessen sind die Qualen und M\u00fchen, die \u00fcberhaupt den Wunsch \u00c4gypten zu verlassen, hervorgebracht haben.<\/p>\n<p>Doch nun ist Israel erst mal gerettet. Erleichterung. Ein unglaubliches Gl\u00fccksgef\u00fchl. Es wird gesungen und getanzt; man sp\u00fcrt: Leben. Wie neugeboren!<\/p>\n<p>Vielleicht ist das ein Gef\u00fchl, dass sich mit Ostern vergleichen l\u00e4sst: alles schien am Ende und nun ist doch alles neu. Die Kraft, die Menschen haben, wenn sie eine schwere Krankheit \u00fcberstehen. Der Rausch unserer Seele, nach dem Bestehen einer wirklich schwierigen Pr\u00fcfung.<\/p>\n<p>Ist das der Kern der Osterbotschaft? Ein verg\u00e4nglicher Gl\u00fccksrausch? Wir sollten es besser wissen: wir kennen das Klagen in der Ebene. Damals die Israeliten, der Katzenjammer nach der Wiedervereinigung Anfang der 90er Jahre; die zerm\u00fcrbenden Einschnitte in unseren Alltag seit \u00fcber einem Jahr. Das Jubellied der Mirjam ist vorbei, kaum dass der letzte Ton verklungen ist und der Alltag mit seinen M\u00fchen, Sorgen, \u00c4ngsten und Ablenkungen bedeckt alles mit schwerem Staub.<\/p>\n<p><em>Ich h\u00f6r die Botschaft: Jesus lebt!<\/em><\/p>\n<p><em>Herr, hilf, da\u00df sich mein Herz erhebt<\/em><\/p>\n<p><em>aus Kummer, Zweifel, Angst und Leid!<\/em><\/p>\n<p><em>Mach es f\u00fcr deinen Trost bereit!<\/em><\/p>\n<p><em>Herr, steh mir bei!<\/em><\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von der Rettung Israels am Schilfmeer ist aber nicht nur eine Gewaltorgie gegen die \u00e4gyptischen Soldaten, nicht nur das erleichterte Ausatmen ge\u00e4ngstigter Seelen. Es ist auch die Geschichte von Gottvertrauen entgegen aller Erfahrungen. Es ist absehbar gewesen und wird es immer sein, dass Aufbr\u00fcche in neue Zeiten, das Streben nach Idealen und gerechteren Verh\u00e4ltnissen auch mit R\u00fcckschl\u00e4gen verbunden sein werden. Es wird immer Menschen geben, die mutlos werden und sich in die vergoldete Vergangenheit fl\u00fcchten wollen und das f\u00fcr einen Weg in die Zukunft halten. Unsere Geschichte streitet das nicht ab; sie berichtet, dass trotz dieser Widrigkeiten, Menschen Gott vertrauen und seiner Botschaft ins neue Leben folgen. Sie brechen wieder auf, unz\u00e4hlige Schritte,\u00a0 die die Welt ver\u00e4ndern; weg vom Tod hin zu Hoffnung und Leben.<\/p>\n<p>Unser Ostern 2021 ist wie das Innehalten am rettenden Ufer des Meeres. Wir d\u00fcrfen das Leben feiern, aber wie auch Israel steht uns ein weiterer Weg bevor. Es ist nicht alles gut, wir m\u00fcssen durch die W\u00fcste wandern. Wir k\u00f6nnten zagen und zaudern. Wir k\u00f6nnen aber auch darauf vertrauen, dass Gott uns durch diese zerm\u00fcrbende W\u00fcstenwanderung geleitet, Hoffnung gibt und zum Leben f\u00fchrt. Das ist Ostern!<\/p>\n<p><em>Ich h\u00f6r die Botschaft: Jesus lebt!<\/em><\/p>\n<p><em>Ihr Boten, die ihr Hoffnung gebt,<\/em><\/p>\n<p><em>f\u00fchrt mich zum Auferstandnen hin,<\/em><\/p>\n<p><em>da\u00df ich bei ihm geborgen bin!<\/em><\/p>\n<p><em>Herr, steh mir bei!<\/em><\/p>\n<p>Der Friede Gottes, der gr\u00f6\u00dfer ist, als unsere menschlichen Vorstellungskraft, bewahre unsere Herzen und Sinne im auferstandenen Christus! Amen<\/p>\n<p>Pfr. Th.-M. Robscheit; Apolda, EKM; thm@robscheit.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4.4.21, Ostersonntag | Predigttext: 2. Mose 14,8\u201314.19\u201323.28\u201330a;15,20f. | Th.-M. Robscheit | Predigtlied: BT 558: Ich h\u00f6r die Botschaft: Jesus lebt Eine Predigt, liebe Schwestern und Br\u00fcder, eine Predigt beginnt mit dem Friedensgru\u00df; erst recht zu Ostern! Denn da wird die fr\u00f6hliche Osterbotschaft verk\u00fcndet: Der Herr ist auferstanden! Das Leben siegt! 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