{"id":4813,"date":"2021-03-31T23:41:06","date_gmt":"2021-03-31T21:41:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4813"},"modified":"2021-03-31T23:45:35","modified_gmt":"2021-03-31T21:45:35","slug":"die-verwandelnde-kraft-der-auferstehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/die-verwandelnde-kraft-der-auferstehung\/","title":{"rendered":"Die verwandelnde Kraft &#8230;"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Die verwandelnde Kraft der Auferstehung | Ostermontag | 5.4.21 | Predigt zu <\/strong>Lukas 24,13-25 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Eva T\u00f8jner G\u00f6tke |\u00a0<strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p>In Emmaus geschieht etwas, wor\u00fcber man nur schwer sprechen kann. Das ist schwer, weil wir es nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Dem Auferstandenen zu begegnen. Einen Menschen sehen, der tot ist. Helllebendig hier, als w\u00e4re er anwesend \u2013 nein er <em>ist<\/em> anwesend.<\/p>\n<p>In Emmaus geschieht das den beiden verzweifelten J\u00fcngern. Aber das wird nicht mit Worten gesagt. Die Sprache reicht nicht aus. Ein Brot tut es. In dem Brot, das ihnen gereicht wird, erkennen sie ihn wieder. Und die Wirkung dieses Anblicks wird sie selbst verwandeln.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber kann man nur schwer reden. Und doch erkennen wir kraft dieser Erz\u00e4hlung die Augenblicke wieder, die eine Wirkung auf uns haben, so dass wir verwandelt werden. Das ist nicht immer etwas, was man mit Worten sagen kann. Die Sprache reicht nicht aus. Ein unerwarteter Besuch gen\u00fcgt. Eine stille Morgend\u00e4mmerung, ehe die Gro\u00dfstadt erwacht, reicht aus. Ein scharfes Fr\u00fchlingslicht \u00fcber den noch welken Feldern. Ein Anruf. Augenblicke, die voller Bedeutung sind. Die unseren Morgen oder unseren Tag oder unser k\u00fcnftiges Leben ver\u00e4ndern, eine neue Richtung geben, uns eine Einsicht vermitteln, eine wertvolle Einsicht.<\/p>\n<p>Augenblicke, die uns zum Leben erwecken, unsere Sinne wecken, so dass wir Bedeutungsschichten erfahren, die uns vorher verschlossen waren und nur schwer zur Sprache kamen \u2013 die sich aber jetzt als g\u00f6ttliche Augenblicke deuten lassen, die uns anreden und etwas Entscheidendes bei uns bewirken.<\/p>\n<p>Jetzt aber, kann ich bei mir selbst h\u00f6ren, geht das doch sehr gut. Aber ich rede ja nicht von dem, was geschieht &#8211; fasse es nur in Worte. So wie wenn wir ein Gem\u00e4lde von der Mahlzeit in Emmaus betrachten, wo Jesus in einem verkl\u00e4renden Licht sitzt, das seinen Schein in die Finsternis der J\u00fcnger wirft. Ein Gem\u00e4lde betrachten ist nicht dasselbe wie das zu erfahren, was geschieht.<\/p>\n<p>In Emmaus geschieht es. Das wird uns erz\u00e4hlt. Damit wir es vor uns sehen k\u00f6nnen. Und hoffen, dass es f\u00fcr uns geschieht.<\/p>\n<p>Die beiden verzweifelten J\u00fcnger werden verwandelt in der Begegnung mit dem Auferstandenen. Sie erkennen ihn wieder an dem Brot, das ihnen gereicht wird. Da wird er sichtbar f\u00fcr sie. Einen kurzen Augenblick. Dann ist er weg.<\/p>\n<p>Sie sehen, was sie zuvor nicht sehen konnten.<\/p>\n<p>Kann das auch f\u00fcr uns geschehen? K\u00f6nnen wir ihnen auf ihrem Weg folgen? K\u00f6nnen wir uns mit ihnen an den Tisch setzen? Sind wir es, die sagen: Bleibe bei uns! Es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.<\/p>\n<p>Ihre Augen \u00f6ffnen sich, und sie verstehen das, was sie vorher nicht verstehen konnten, als sie miteinander sprachen, und auch nicht, als er ihnen folgte und ihnen die Schrift auslegte. Die Sprache reichte nicht aus. Drang nicht durch. Sie hatten nicht den Schl\u00fcssel, es zu verstehen.<\/p>\n<p>Den erhielten sie, als er das Brot brach. In dieser Geste erkannten sie ihn wieder. Da war er gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Und der Anblick schuf eine Kl\u00e4rung. Was zuvor keinen Sinn machte, wurde nun verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Die Bedeutung, die im Brot lag, gab dem allem einen Sinn. All dem, was geschehen war. Nicht nur in Jerusalem \u2013 dass Christus leiden und sterben und in seine Herrlichkeit eingehen sollte. Sondern auch das, was auf dem Wege geschehen war. Brannten unsere Herzen nicht in uns. Alles \u00f6ffnete sich. Und machte zugleich Sinn. Auch was in ihnen selbst vor sich ging, machte nun Sinn. Das, was zerbrochen war, was sie verloren hatten, der Glaube, der nun in ihren Herzen brannte.<\/p>\n<p>Nun konnten sie zur\u00fcckkehren und \u00fcber das reden, was man nicht erkl\u00e4ren kann, all das, wor\u00fcber man nur schwer reden kann, weil unsere rationelle Vernunft uns schwerf\u00e4llig und unverst\u00e4ndig macht f\u00fcr das, was in einem logischen Sinne nicht zusammenpasst, was Widerspr\u00fcche und Ambivalenz enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnen sie selbst mitreden, weil sie es erfahren haben. Dort am Tisch in Emmaus.<\/p>\n<p>Sie <em>waren<\/em> unverst\u00e4ndig und schwerf\u00e4llig gewesen. Auch wenn sie den Zusammenhang nicht erkl\u00e4ren konnten, wussten sie nun, dass das, was geschehen war, geschehen <em>war.<\/em> Er <em>war<\/em> gestorben, und es <em>war<\/em>, wie die Frauen gesagt hatten: das Grab <em>war<\/em> leer, wie die Engel zu den Frauen in einer Erscheinung gesagt hatten: Er lebt.<\/p>\n<p>Sie hatten ihn darum gebeten, bei ihnen zu bleiben. Sie wollten nicht allein gelassen werden mit ihrer Trauer und Verzweiflung. Er war so weit weg \u2013 und so nah. Er war nicht da. Er war tot und begraben. Und dennoch war er mitten unter ihnen. Er ist nicht hier. Und doch ist er hier. Als die verwandelnde Kraft der Auferstehung.<\/p>\n<p>Darum feiern wir Gottesdienst. Hier am Tage danach. Am Ostermontag und an all den Sonntagen seit diesem Tag, als sie verzweifelt Jerusalem verlie\u00dfen und nach Emmaus gingen.<\/p>\n<p>Wir sind dabei auf dieser Wanderung nach Emmaus.<\/p>\n<p>Wir haben Kirchen gebaut, um ihn einzuladen.<\/p>\n<p>Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt! Wir setzen uns an den Tisch und teilen das Brot. Gib dich zu erkennen. Lass die verwandelnde Kraft der Auferstehung uns Augen geben, die mit den Herzen sehen, die brennen, und wir sp\u00fcren, dass wir nicht allein gelassen sind. Auch wenn wir fortgehen von hier.<\/p>\n<p>In ihm haben wir den Schl\u00fcssel, der uns die Schrift aufschlie\u00dft, der uns aufschlie\u00dft f\u00fcr das Leben, das uns entgegenkommt, dass wir unsere Unverst\u00e4ndigkeit und Schwerf\u00e4lligkeit hinter uns lassen und die Zeichen deuten, die g\u00f6ttlichen Augenblicke, in denen wir h\u00f6ren k\u00f6nnen, dass das Leben uns ruft. Uns zur\u00fcckruft.<\/p>\n<p><em>Frohe Ostern! <\/em>Amen.<\/p>\n<p>Pastorin Eva T\u00f8jner G\u00f6tke<\/p>\n<p>DK-5230 Odense M<\/p>\n<p>Email: etg(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die verwandelnde Kraft der Auferstehung | Ostermontag | 5.4.21 | Predigt zu Lukas 24,13-25 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Eva T\u00f8jner G\u00f6tke |\u00a0\u00a0 In Emmaus geschieht etwas, wor\u00fcber man nur schwer sprechen kann. Das ist schwer, weil wir es nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Dem Auferstandenen zu begegnen. Einen Menschen sehen, der tot ist. Helllebendig hier, als [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4815,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,1,185,157,114,304,319,349,3,715,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-4813","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-deut","category-eva-tojner-goetke","category-kapitel-24-chapter-24","category-kasus","category-nt","category-ostermontag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4813"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4813\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4819,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4813\/revisions\/4819"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4815"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4813"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=4813"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=4813"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=4813"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=4813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}