{"id":4826,"date":"2021-04-01T01:44:32","date_gmt":"2021-03-31T23:44:32","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4826"},"modified":"2021-04-01T01:47:57","modified_gmt":"2021-03-31T23:47:57","slug":"der-auferweckte-gemordete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/der-auferweckte-gemordete\/","title":{"rendered":"Der auferweckte Gemordete&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Der auferweckte Gemordete als Kraft f\u00fcr alle | Ostermontag | 5.4.2021 | <\/strong><strong>Offenbarung des Johannes 5,6-14, | verfasst von Rainer Stahl |<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Predigt:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus,<\/p>\n<p>die Liebe Gottes<\/p>\n<p>und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes<\/p>\n<p>sei mit Euch allen!\u201c<\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p>Um tief in die geistlichen Dimensionen des Osterfestes eindringen zu k\u00f6nnen, werden uns heute Verse aus dem 5. Kapitel des Buches der Offenbarung des Johannes aufgegeben, Verse, die wir nur verstehen k\u00f6nnen, wenn wir auch einige fr\u00fchere S\u00e4tze zur Kenntnis nehmen:<\/p>\n<p>2a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eUnd ich war sehend einen starken Engel,<\/p>\n<p>der war verk\u00fcndigend mit lauter Stimme:<\/p>\n<p>2b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbWer ist w\u00fcrdig, die Buchrolle zu \u00f6ffnen und ihre Siegel loszumachen?\u00ab<\/p>\n<p>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und niemand, weder im Himmel noch auf der Erde, noch unterhalb der Erde,<\/p>\n<p>konnte weder die Buchrolle \u00f6ffnen noch in sie hineinsehen.<\/p>\n<p>4a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und ich war sehr klagend,<\/p>\n<p>4b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 weil niemand f\u00fcr w\u00fcrdig angesehen wurde,<\/p>\n<p>4c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Buchrolle zu \u00f6ffnen [und zu lesen], noch in sie hineinzusehen.<\/p>\n<p>5a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und einer der Presbyter sagt mir:<\/p>\n<p>5b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbKlage nicht!<\/p>\n<p>5c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Siehe, \u00fcberwunden hat der L\u00f6we, der aus dem Stamm Juda, der Wurzel Davids, ist,<\/p>\n<p>um die Buchrolle zu \u00f6ffnen und [loszumachen] ihre sieben Siegel.\u00ab<\/p>\n<p>6a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und ich sah mitten zwischen den Thronen und den vier Lebewesen<\/p>\n<p>und mitten zwischen den Presbytern ein stehendes Lamm \u2013<\/p>\n<p>wie gesch\u00e4chtet \/ geschlachtet \/ geopfert [\u2026].<\/p>\n<p>7a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und es {n\u00e4mlich das Lamm} kam<\/p>\n<p>7b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und nahm [die Buchrolle] aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron thront.<\/p>\n<p>8a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und als es die Buchrolle genommen hatte,<\/p>\n<p>8b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Presbyter vor dem Lamm nieder [\u2026].<\/p>\n<p>9a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und eine neue Ode singend, sagten \/ bekannten sie:<\/p>\n<p>9b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbW\u00fcrdig bist du,<\/p>\n<p>9c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zu nehmen die Buchrolle und zu \u00f6ffnen ihre Siegel.<\/p>\n<p>9d\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Denn gesch\u00e4chtet \/ geschlachtet \/ geopfert bist du<\/p>\n<p>9e\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und hast [unserem] Gott mit deinem Blut {Menschen} erkauft \u2013<\/p>\n<p>9f\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 aus allen St\u00e4mmen und Sprachen<\/p>\n<p>sowie aus dem einen Volk und aus den V\u00f6lkern \/ Nationen.<\/p>\n<p>10a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und gemacht hast du sie f\u00fcr unseren Gott zu K\u00f6nigen und Priestern.<\/p>\n<p>10b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und sie werden herrschen auf Erden.\u00ab<\/p>\n<p>11a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und ich sah<\/p>\n<p>11b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und h\u00f6rte [\u2026]<\/p>\n<p>12a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Redende mit gro\u00dfer Stimme:<\/p>\n<p>12b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbW\u00fcrdig ist das gesch\u00e4chtete \/ geschlachtete \/ geopferte Lamm zu nehmen<\/p>\n<p>12c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Macht und Reichtum und Weisheit und Kraft und Ehrfurcht und Herrlichkeit und<\/p>\n<p>Segen.\u00ab<\/p>\n<p>13a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und jedes Gesch\u00f6pf, das im Himmel ist und auf der Erde und unter der Erde<\/p>\n<p>und auf dem Meer und in ihm \u2013 jedes h\u00f6rte ich sagen:<\/p>\n<p>13b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbDem auf dem Thron Thronenden und dem Lamm:<\/p>\n<p>Segen und Ehrfurcht und Herrlichkeit und Herrschaft<\/p>\n<p>von Ewigkeiten zu Ewigkeiten.\u00ab [Amen.]\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p>Zu Beginn sei Ihnen ein Hinweis f\u00fcr einen zuk\u00fcnftigen Besuch Berlins gegeben \u2013 oder k\u00f6nnen Sie an einen fr\u00fcheren Besuch Berlins erinnert werden: Vor wenigen Jahren habe ich dort gleich gegen\u00fcber des unter Renovation stehenden Pergamon-Museums \u201eDas Panorama\u201c von Yadegar Asisi besucht:<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Eine beeindruckende Inszenierung des Lebens in Pergamon im Jahr 129 nach Christus zum Dionysos-Fest im Fr\u00fchjahr. Zu jenen Dionysien waren sogar Kaiser Hadrian und seine Begleitung in die Stadt gekommen. Obwohl ich nat\u00fcrlich theoretisch gewusst hatte, was es hei\u00dft, t\u00e4glich im Tempel Opfertiere zu schlachten und Teile von ihnen zu verbrennen, machte mir erst dieses Panorama-Bild bewusst, was das Opfern von Tieren auf dem Gro\u00dfen Altar von Pergamon wirklich bedeutete! Vor der Freitreppe, die zum Altar hinauff\u00fchrt, wird ein Stier niedergezwungen und liegen zwei geschlachtete L\u00e4mmer. Genauso war das ja bis zum Jahr 70 nach Christus auch in Jerusalem gewesen. Hier, f\u00fcr Pergamon, k\u00f6nnen wir sehen, was es bedeutete, gesch\u00e4chtetes \/ geschlachtetes \/ geopfertes Lamm zu sein.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Erst nachdem ich das Panorama nach intensiver Betrachtung verlassen hatte, fiel mir auf, was ich nicht entdeckt hatte, was Yadegar Asisi vielleicht gar nicht inszeniert hatte: Die kleine christliche Gruppe, die es damals gab und die sich mit Sicherheit in einem Privathaus versammelte. Die fehlte! Die Gemeinde also, an die der Seher Johannes schon vor 70 nach Christus seinen vielleicht fiktiven Brief geschrieben hatte \u2013 ich verweise auf Offenbarung 2,12-17: \u201eUnd dem Engel der Gemeinde in Pergamon schreibe!\u201c<\/p>\n<p>Wenn wir uns das Jahr 138 nach Christus vor Augen f\u00fchren, das Jahr, in dem Kaiser Hadrian gestorben war, dann entsteht vor unserem geistigen Auge der eigentliche Gegensatz auf diesem riesigen Panorama: Auf der oberen Sitzreihe im Theater tritt der Kaiser vor die begeisterten Menschen, jener Kaiser, der dann neun Jahre sp\u00e4ter verg\u00f6ttlicht werden wird. Weit rechts davon vor der gro\u00dfen Treppe zum Altar aber liegt ein geopfertes Schaf. Erst, wenn wir uns diesen Gegensatz bewusst machen, begreifen wir, was Johannes geschrieben hatte:<\/p>\n<p>6a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201e[\u2026] ein stehendes Lamm \u2013 wie gesch\u00e4chtet \/ geschlachtet \/ geopfert [\u2026]\u201c.<\/p>\n<p>Dagegen haben wir zu denken: einen Herrscher, dessen Psyche von einem Adler in einer Apotheose (\u201ezur\u00fcck zu Gott\u201c) in die g\u00f6ttliche Sph\u00e4re hinaufgetragen wird.<\/p>\n<p>Dazu muss ich jetzt eine besondere Gespr\u00e4chssituation w\u00e4hrend meines Arch\u00e4ologiekurses in Jordanien im August 1989 erinnern, den Prof. Dr. Herbert Donner geleitet hatte: Er berichtete einmal, dass er vor Jahrzehnten irgendwo zwischen Halle und Leipzig unterwegs gewesen war und auf einem Bahnhof wegen der Versp\u00e4tung des Anschlusszuges warten musste. Da konnte er sich im Bahnhofsrestaurant aufhalten. Dort wurde eine Radiosendung eingespielt. Pl\u00f6tzlich wurde die Musiksendung unterbrochen und eine Ansage zum Generalsekret\u00e4r des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und Vorsitzenden des Ministerrates der UdSSR, Josef Wissarionowitsch Stalin, eingeblendet, er\u00f6ffnet mit der Bemerkung: \u201eEr m\u00f6ge ewig leben!\u201c. \u201eDa wusste ich\u201c, so sagte uns Prof. Donner: \u201eder ist tot!\u201c Und wirklich, es war die Nachrichtensendung zum Ableben des Diktators, also am 5. oder am 6. M\u00e4rz 1953, gewesen.<\/p>\n<p>Damit haben wir den eigentlichen Gegensatz vor Augen:<\/p>\n<p>Den einen erwartet nur der Tod \u2013 den Stalin, oder wie die anderen alle hei\u00dfen, die ihre V\u00f6lker in Angst und Schrecken gest\u00fcrzt, unterdr\u00fcckt, gemordet haben oder es jetzt tun, genauer: es tun lassen, denn ohne bereite oder gezwungene Unterdr\u00fccker geht es ja nicht.<\/p>\n<p>Und es gibt den <u>einen<\/u> gemordeten Retter, den die Auferweckung erwartete, die Erh\u00f6hung als einen und einzigen Gott.<\/p>\n<p>Das ist die Botschaft, die der Seher Johannes ausspricht \u2013 als Macht\u00fcbertragung an den Erweckten benennt: K\u00fcnftig werden sich alle M\u00e4chtigen an diesem messen lassen m\u00fcssen, der f\u00fcr w\u00fcrdig gefunden wurde. \u2013 Nicht, weil er Gewalt aus\u00fcben konnte und angewendet hatte, sondern weil er sich zum Opferlamm hatte machen lassen:<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p>\n<p>9b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201e\u00bbW\u00fcrdig bist du,<\/p>\n<p>9c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zu nehmen die Buchrolle und zu \u00f6ffnen ihre Siegel.<\/p>\n<p>9d\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Denn gesch\u00e4chtet \/ geschlachtet \/ geopfert bist du<\/p>\n<p>9e\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und hast [unserem] Gott mit deinem Blut {Menschen} erkauft \u2013 [\u2026].\u00ab\u201c<\/p>\n<p>Das ist die Spannung, die unser Bibelwort aufgibt: Wir k\u00f6nnten so viele Gemordete benennen. Ich w\u00fcrde schon bei denen beginnen, die in unserer Welt moderner Medien gemobbt werden \u2013 wie Christus gesagt hatte: \u201eWer aber [zu seinem Bruder] sagt: \u201aNarr!\u2018, der ist schuldig des Feuers der Gehenna \/ H\u00f6lle\u201c (Matth\u00e4us 5,22c). Und w\u00fcrde weiter an diejenigen denken, die auch heute durch ideologische Vorherrschaften ausgegrenzt oder in Lager verbracht werden Und nat\u00fcrlich diejenigen erinnern, die wirklich um ihres christlichen Glaubens willen gemordet wurden:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4828\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Unbenannt-300x201.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Unbenannt-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Unbenannt-768x514.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Unbenannt-272x182.jpg 272w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Unbenannt.jpg 1008w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>(Fotografiert am 18. November 2016.)<\/p>\n<p>2016 war ich durch dieses Plakat an der Koptischen Kirche im Bereich des Komplexes um das Grab Jesu in Jerusalem, die Anastasis, die Auferstehungskirche, auf ein solches Verbrechen aufmerksam geworden und hatte in einem Adventsgottesdienst damals im Dezember 2016 wirklich alle Namen der 20 \u00e4gyptischen und des einen ghanaischen Arbeiters laut gelesen, die am 15. Februar 2015 von IS-K\u00e4mpfern hingerichtet worden waren. Inzwischen waren sie von der Koptischen Kirche heiliggesprochen worden.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Alle diese Namen in jenem Gottesdienst zu lesen und h\u00f6ren zu lassen, das war mir Ausdruck der inneren Konfrontation mit denen, die Leidende und die Zeugen geworden waren! Und auch jetzt seien sie in unser Bewusstsein gehoben \u2013 mit Hilfe jenes Plakats, das sie als solche deutete, die dem leidenden Christus nachfolgten.<\/p>\n<p>In diesem Sinn sei jetzt festgehalten: Das Lamm, das w\u00fcrdig ist, das Buch der Geschichte, den Daten-Stick \u00fcber die Vergangenheit und die Zukunft, die Weisheitserz\u00e4hlung von der gesamten Existenz zu \u00f6ffnen, jenes ist nur dieser eine: Christus, der Gott.<\/p>\n<p>12b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201e\u00bbW\u00fcrdig ist das gesch\u00e4chtete \/ geschlachtete \/ geopferte Lamm zu nehmen<\/p>\n<p>12c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Macht und Reichtum und Weisheit und Kraft und Ehrfurcht und Herrlichkeit und<\/p>\n<p>Segen.\u00ab\u201c<\/p>\n<p>Kann ich dazu aus unserem Leben ein Beispiel nennen? F\u00fcr uns in Deutschland, oder in der Schweiz, oder in \u00d6sterreich seien alle diejenigen Vorbild, die eine Krankheit \u00fcberwunden haben \u2013 mit dem Entstehen oder dem Wachsen des Glaubens an diesen Christus. Weil die Ahnung aufkam und sich verst\u00e4rkte und \u00fcberm\u00e4chtig wurde, dass er es ist, der einem zur Seite steht, der mitgeht, der nicht allein l\u00e4sst, der h\u00e4lt, der aus der Not herausf\u00fchrt. Die Bekenntnisse, die der Seher Johannes hier zitiert oder entwickelt hat, verherrlichen vor allem Christus und benennen an einer Stelle \u2013 in Vers 9 \u2013 die besondere Leistung f\u00fcr uns Menschen:<\/p>\n<p>9d\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201e\u00bbDenn gesch\u00e4chtet \/ geschlachtet \/ geopfert bist du<\/p>\n<p>9e\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und hast [unserem] Gott mit deinem Blut {Menschen} erkauft \u2013<\/p>\n<p>9f\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 aus allen St\u00e4mmen und Sprachen<\/p>\n<p>sowie aus <u>dem einen Volk<\/u> und aus den V\u00f6lkern \/ Nationen.\u00ab\u201c<\/p>\n<p>Hier wird also gedankt f\u00fcr jede einzelne Person, die in diese Glaubensgemeinschaft gef\u00fchrt wurde, die sich ihr zugeh\u00f6rig f\u00fchlt, die sie mit allen anderen zusammen bildet. Dabei wird aber eine ganz besondere \u00dcberzeugung angedeutet: Der judenchristliche Seher Johannes hatte nach den \u201eSt\u00e4mmen und Sprachen\u201c von \u201edem einen Volk und von den V\u00f6lkern\u201c gesprochen. Was hatte er hier gesagt? An zwei Stellen in seinem Buch hatte er \u00e4hnliche Formulierungen gefunden:<\/p>\n<p>7,9:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201e[\u2026] aus allen V\u00f6lkern \/ Nationen und St\u00e4mmen und <u>V\u00f6lkern<\/u> und Sprachen [\u2026].\u201c<\/p>\n<p>Und 11,9:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201e[\u2026] aus den <u>V\u00f6lkern<\/u> und St\u00e4mmen und Sprachen und V\u00f6lkern \/ Nationen [\u2026].\u201c<\/p>\n<p>Aber dort hatte er wirklich das Wort \u201eVolk\u201c in der Mehrzahl verwendet. Hier aber, in Kapitel 5, hatte er diesen Begriff nur in der Einzahl verwendet. Diese Einzahl wird nur in einer mir vorliegenden \u00dcbersetzung, in der Z\u00fcrcher Bibel, angedeutet: \u201e[\u2026] <u>aus jedem Volk<\/u> und jeder Nation\u201c. Sie wird aber mit dem zugesetzten \u201ejedem\u201c gleich wieder irgendwie aufgehoben. Aber der judenchristliche Seher Johannes hatte doch wirklich nur die Einzahl des Wortes \u201eVolk\u201c verwendet, also nur von einem bestimmten Volk gesprochen. Von welchem?<\/p>\n<p>Das lehrt uns ein Zitat aus dem 5. Buch Mose, das der Apostel Paulus im Jahr 56 in seinem Brief an die Gemeinde in Rom verwendet hatte, ein Zitat, das wirklich aus der griechischen \u00dcbersetzung dieses Buches stammt und so gar nicht im hebr\u00e4ischen Text steht:<\/p>\n<p>R\u00f6mer 15,10:\u00a0\u00a0 \u201e[\u2026] Freut euch ihr V\u00f6lker \/ Nationen <u>mit seinem Volk<\/u>!\u201c<\/p>\n<p>Das ist es, was auch der Seher Johannes meint:<\/p>\n<p>Es geht zuerst um die f\u00fcr den christlichen Glauben gewonnenen Frauen und M\u00e4nner aus der Gemeinschaft der Juden, aus, wie er sagte: \u201edem einen Volk\u201c. Also gerade um diejenigen, die in der Nazizeit als Getaufte, als Mitchristen sogar von Kirchenleitungen diskriminiert worden waren! Aber: Diese Menschen \u201eaus dem einen Volk\u201c kann ich nicht benennen, ohne an dieser Stelle die vielen Opfer aus demselben Volk zu erinnern, die der damalige deutsche Staat vernichtet hatte \u2013 waren sie nun Mitchristen, waren sie glaubende Juden, waren sie Atheisten!<\/p>\n<p>Und es geht um die zum christlichen Glauben gewonnenen Frauen und M\u00e4nnern aus all den anderen V\u00f6lkern, also um Personen aus dem tatarischen Volk, aus dem mordowischen Volk, aus dem baschkirischen Volk \u2013 um einmal nur diese drei Beispiele von verschiedensten V\u00f6lkern zu nennen, die zum europ\u00e4ischen Teil der Russischen F\u00f6deration geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Diese Dimension ist es, um die es hier geht. Diese Gemeinschaft er\u00f6ffnet uns der christliche Glaube. Diese Gemeinschaft ist f\u00fcr uns das Erleben der Wahrheit des Osterfestes. Das d\u00fcrfen wir heute voll Begeisterung feiern!<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>\u201eUnd der Friede Gottes,<\/p>\n<p>der h\u00f6her ist als unsere Vernunft,<\/p>\n<p>bewahre Eure Herzen und Sinne bei Christus Jesus, unserem Herrn!\u201c<\/p>\n<p>Lied nach der Predigt: \u201eIch h\u00f6r die Botschaft: Jesus lebt!\u201c \u2013 EG 558,1-4. Ich unterstreiche:<\/p>\n<p>\u201e[\u2026] Doch seh ich nur: Die Welt erbebt, weil Krankheit herrscht und Tod und Krieg.<\/p>\n<p>Wo find ich Jesu Ostersieg? [\u2026]<\/p>\n<p>[\u2026] Ob dem nicht alles widerstrebt, was t\u00e4glich unsre Welt bedroht:<\/p>\n<p>der Bosheit Trug, Gewalt und Not. [\u2026]<\/p>\n<p>[\u2026] Herr, hilf, da\u00df sich mein Herz erhebt aus Kummer, Zweifel, Angst und Leid!<\/p>\n<p>Mach es f\u00fcr deinen Trost bereit! [\u2026]<\/p>\n<p>[\u2026] Ihr Boten, die ihr Hoffnung gebt, f\u00fchrt mich zum Auferstandenen hin,<\/p>\n<p>da\u00df ich bei ihm geborgen bin! [\u2026]\u201c<\/p>\n<p>Dr. Rainer Stahl<\/p>\n<p>Erlangen<\/p>\n<p><a href=\"mailto:rainer.stahl.1@gmx.de\">rainer.stahl.1@gmx.de<\/a><\/p>\n<p>[1951 geboren, Studium der Theologie in Jena, Assistent im Alten Testament, 1981 ordiniert, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Th\u00fcringen, zwei Jahre lang Einsatz beim Lutherischen Weltbund in Genf, dann Pfarrer in Altenburg, Alttestamentler an der Kirchlichen Hochschule in Leipzig, Referent des Th\u00fcringer Landesbischofs in Eisenach, seit 1998 Dienst f\u00fcr den Martin-Luther-Bund (das lutherische Diasporawerk) in Erlangen, seit 2016 im Ruhestand.]<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>\u00a0\u00a0 Diese \u00dcbersetzung ist von mir. Mit \/ werden \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeiten voneinander unterschieden, Begriffe in zwei [ ] geben textkritische Varianten an, zwei { } kennzeichnen Erg\u00e4nzungen von mir.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a>\u00a0\u00a0 Vgl. Pergamon. Meisterwerke der Antiken Metropole und 360<sup>o<\/sup>-Panorama von Yadegar Asisi, Berlin 2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a>\u00a0\u00a0 Vgl. Gottfried Schille: Die Hochzeit hat begonnen. Eine Hinf\u00fchrung zur Offenbarung des Johannes, Erlangen 2002, S. 87.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. jetzt: Martin Mosebach: Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer, Hamburg 2018.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der auferweckte Gemordete als Kraft f\u00fcr alle | Ostermontag | 5.4.2021 | Offenbarung des Johannes 5,6-14, | verfasst von Rainer Stahl | \u00a0 Predigt: \u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!\u201c Liebe Leserin, lieber Leser! Liebe Schwestern und Br\u00fcder! Um tief in die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4815,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[62,1,157,114,716,349,3,715,109,313],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-4826","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-offenbarung","category-aktuelle","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-05-chapter-05-offenbarung","category-kasus","category-nt","category-ostermontag","category-predigten","category-rainer-stahl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4826","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4826"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4826\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4830,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4826\/revisions\/4830"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4815"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4826"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4826"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4826"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=4826"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=4826"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=4826"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=4826"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}