{"id":4833,"date":"2021-03-28T14:41:05","date_gmt":"2021-03-28T12:41:05","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4833"},"modified":"2021-04-01T14:44:12","modified_gmt":"2021-04-01T12:44:12","slug":"christi-herrschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/christi-herrschaft\/","title":{"rendered":"Christi Herrschaft"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt zu 1. Petr. 3, 18-22 | Karsamstag, 3. April 2021 | verfasst von Matthias Wolfes |<\/h3>\n<p><em>\u201eSintemal auch Christus einmal f\u00fcr unsre S\u00fcnden gelitten hat, der Gerechte f\u00fcr die Ungerechten, auf da\u00df er uns zu Gott f\u00fchrte, und ist get\u00f6tet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. In demselben ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gef\u00e4ngnis,\u00a0die vorzeiten nicht glaubten, da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zur\u00fcstete, in welcher wenige, das ist acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser;\u00a0welches nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes bedeutet ist, nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott durch die Auferstehung Jesu Christi,\u00a0welcher ist zur Rechten Gottes in den Himmel gefahren, und sind ihm untertan die Engel und die Gewaltigen und die Kr\u00e4fte.\u201c<\/em> (Jubil\u00e4umsbibel, Stuttgart 1912)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>am heutigen Karsamstag wendet sich das Blatt. Vor wenigen Stunden erst haben wir das Geschehen von Karfreitag miterlebt, des Tages, an dem Jesus gefoltert und gekreuzigt worden ist und starb. Morgen, am Ostersonntag, werden wir uns mit dem Ruf \u201eDer Herr ist auferstanden! \u2013 Er ist wahrhaftig auferstanden!\u201c begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Heute aber harren wir des Kommenden und stehen doch auch noch unter dem Eindruck der gerade eben erst Erinnerten.<\/p>\n<p>Was tut man an einem solchen Tag des Dazwischen?<\/p>\n<p>Wir jedenfalls wollen unsere Gedanken und Eindr\u00fccke ordnen. Dazu nehmen wir uns den Abschnitt aus dem ersten Petrusbrief zuhilfe. Es ist ein kurzer, aber ziemlich schwergewichtiger Text.<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Der Autor fasst in ihm noch einmal zusammen, was sich in der fr\u00fchen Christenheit an \u00dcberzeugungen zu dem Wirken Jesu bereits entwickelt hatte. Er nennt ihn <em>\u201eChristus\u201c<\/em>, und das ist auch konsequent, befinden wir uns nun doch in der Zeit nach Jesu Auferstehung. Der irdische Jesus ist nunmehr als der erh\u00f6hte Herr Gegenstand der Verehrung geworden.<\/p>\n<p>Die Gemeinde sieht in ihm den Mittler, der <em>\u201euns zu Gott f\u00fchrte\u201c<\/em>. Dies hat er bewirkt, indem er als <em>\u201eder Gerechte\u201c \u201ef\u00fcr die Ungerechten\u201c<\/em> gelitten hat. Was seinen Tod am Kreuz betrifft, so gilt, dass er <em>\u201e<\/em><em>get\u00f6tet ist nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Mit uns, die wir <em>\u201eglauben\u201c<\/em>, hat Gott durch ihn einen Bund geschlossen, und zwar <em>\u201eden Bund eines guten Gewissens durch die Auferstehung Jesu Christi\u201c<\/em>. Christus selbst aber, <em>\u201ewelcher ist zur Rechten Gottes in den Himmel gefahren\u201c<\/em>, herrscht \u00fcber <em>\u201edie Gewaltigen und die Kr\u00e4fte\u201c<\/em>, wie ihm auch <em>\u201edie Engel untertan\u201c<\/em> sind.<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Darauf l\u00e4uft in diesem Text also alles hinaus: Christus herrscht. Aus dem irdischen Wanderprediger Jesus von Nazareth ist \u201eJesus Christus\u201c geworden, der als Inhaber der g\u00f6ttlichen Allgewalt zur Rechten Gottes thront.<\/p>\n<p>Das sind die Vorstellungen und \u00dcberzeugungen, die in diesem Abschnitt des ersten Petrusbriefes \u2013 verfasst etwa sechzig bis siebzig Jahre nach Jesu Tod \u2013 zum Ausdruck kommen. Wir finden \u00e4hnliche Formulierungen in anderen neutestamentlichen Schriften. Und im Apostolischen Glaubensbekenntnis, noch einmal mehr als dreihundert Jahre sp\u00e4ter entstanden, hei\u00dft es dann:<\/p>\n<p>\u201eAm dritten Tage auferstanden von den Toten,<\/p>\n<p>aufgefahren in den Himmel;<\/p>\n<p>er sitzt zur Rechten Gottes,<\/p>\n<p>des allm\u00e4chtigen Vaters;<\/p>\n<p>von dort wird er kommen,<\/p>\n<p>zu richten die Lebenden und die Toten.\u201c<\/p>\n<p>Die Vorstellung vom Richtenden Christus finden wir in jener Passage des ersten Petrusbriefes nicht. Daf\u00fcr schreibt er Christus die unbedingte Herrschergewalt zu, die das Glaubensbekenntnis mit dem \u201eallm\u00e4chtigen Vater\u201c verbindet. Doch das Richteramt ist ja, wenn es ausge\u00fcbt wird, selbst ausge\u00fcbte Macht. Insofern \u00fcberschreitet der erste Petrusbrief die Reichweite der Formulierung des Bekenntnisses sogar noch, und deshalb ist es auch konsequent, wenn hier nicht nur alle Kreatur Christus unterworfen ist, sondern selbst noch <em>\u201edie Engel\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Die Unterschiede, auf die wir hier sto\u00dfen, verweisen auf tiefgreifende Kontroversen verschiedener theologischer Str\u00f6mungen der antiken Religionsgeschichte. Sie sollen uns heute nicht weiter besch\u00e4ftigen. F\u00fcr uns ist die Idee wesentlich, dass schon das Neue Testament Christus, den Erl\u00f6ser, als Herrscher der Welt dargestellt und bekannt hat.<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Die Herrschaft Christi \u2013 sie ist es, zu der auch wir uns jedes Jahr wieder am Osterfest bekennen. Wir tun es wohl nicht in solchen Wendungen. Wir tun es in eigenen Formulierungen und in anderen Bildern. F\u00fcr mich etwa spielt in diesem Zusammenhang eine gro\u00dfe Rolle der Gedanke des Widerstandes. Die Entschlossenheit, mit der wir als gl\u00e4ubige Menschen den widrigen Verh\u00e4ltnissen trotzen, hat unmittelbar damit zu tun, was an Ostern geschieht.<\/p>\n<p>Der Tod wird \u00fcberwunden. Er hat weder das letzte Wort noch kann er das letzte Wort \u00fcbert\u00f6nen. Vor der Kraft des Lebens erlischt seine Macht. Der Tod macht das Leben eben gerade nicht zunichte. Daf\u00fcr steht ja die Auferstehung Jesu. Die Auferstehung Jesu ist das unzerst\u00f6rbare Hoffnungszeichen.<\/p>\n<p>In meinem Glauben mache ich mir dieses Hoffnungszeichen zu eigen. Ich f\u00fchle mich eingeschlossen in den \u201eBund eines guten Gewissens\u201c. Und darin kann ich auch die Vorstellungen von der \u201eHerrschaft Christi\u201c auf mich beziehen. Ich bin erf\u00fcllt von der guten Gewissheit, dass den dunklen M\u00e4chten dieser Welt nicht die Oberhand geh\u00f6rt. Sie m\u00f6gen toben und wettern, doch sie tun es mit br\u00fcchiger Gewalt. Am Ende unterliegen sie doch.<\/p>\n<p>Das Osterfest ist das Fest der Hoffnung. Jesu Auferstehung steht f\u00fcr das Leben, die Freiheit und das Licht. Dies alles feiern wir. Wir sind dabei getragen von der Gewissheit, dass auch unser Leben geborgen ist in der G\u00fcte Gottes.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&#8211; &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>Pfarrer Dr. Dr. Matthias Wolfes<\/p>\n<p><a href=\"mailto:wolfes@zedat.fu-berlin.de\">wolfes@zedat.fu-berlin.de<\/a><\/p>\n<p>Herderstra\u00dfe 6, 10625 Berlin<\/p>\n<p>Dr. Dr. Matthias Wolfes ist Pfarrer der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und amtiert zur Zeit an der Evangelischen Trinitatiskirche in Berlin-Charlottenburg (<a href=\"https:\/\/www.trinitatiskirche.de\">https:\/\/www.trinitatiskirche.de<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu 1. Petr. 3, 18-22 | Karsamstag, 3. April 2021 | verfasst von Matthias Wolfes | \u201eSintemal auch Christus einmal f\u00fcr unsre S\u00fcnden gelitten hat, der Gerechte f\u00fcr die Ungerechten, auf da\u00df er uns zu Gott f\u00fchrte, und ist get\u00f6tet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. 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