{"id":4919,"date":"2021-04-20T18:51:42","date_gmt":"2021-04-20T16:51:42","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4919"},"modified":"2021-04-20T18:52:24","modified_gmt":"2021-04-20T16:52:24","slug":"werdet-wach-und-fangt-an-zu-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/werdet-wach-und-fangt-an-zu-leben\/","title":{"rendered":"Werdet wach und fangt an zu&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Werdet wach und fangt an zu leben! | Jubilate 25.04.2021 | Predigt zu Apg 17,22-34 | verfasst von Udo Schmitt |<\/h3>\n<ol>\n<li>Ein Fremder in der Stadt<\/li>\n<\/ol>\n<p>Paulus ist durch Athen gegangen. Und es traf ihn wie ein Schlag. Was haben die hier alles rumstehen! An G\u00f6tzen. Gro\u00dfe und kleine. Gedrechselte, gekleidete, beschm\u00fcckt und bemalt. In Gold und Marmor. Weiblich, m\u00e4nnlich und halb Tier, mit Namen und auch den namenlosen und unbekannten G\u00f6ttern haben sie einen Altar aufgestellt. Nur zur Sicherheit. Man wei\u00df ja nie. Und blo\u00df keinen vergessen! Das war die Angst des antiken Menschen: Blo\u00df keinen Gott vergessen. Oder anders wie erz\u00fcrnen und gegen mich aufbringen. Antike G\u00f6tter konnten da sehr kleinlich sein und nachtragend. Und der \u201epursuit of happiness\u201c, das Streben nach Gl\u00fcck hing davon ab, dass die G\u00f6tter es gut mit einem meinten. Also besser allen opfern! Die Spenden gleichm\u00e4\u00dfig verteilen. Nicht alles auf eine Aktie setzen.<\/p>\n<p>Die Pracht, die Farben hier \u2013 und das Befremden da. Das Befremden des Landeis in der gro\u00dfen Stadt. Das Befremden des ehemaligen Juden \u2013 obwohl\u2026 h\u00e4tte er sich selbst so bezeichnet? Wie auch immer: Das Befremden eines Mannes, der mit dem Glauben an den einen unsichtbaren Gott aufgewachsen ist, und die Welt der Heiden da. Die Pracht, die schreienden Farben, die nur \u00fcbert\u00f6nen sollen, was dahinter steckt. Was sich verbirgt unter der bunten Vielfalt: die nackte Angst, etwas falsch zu machen und zu verpassen. Blo\u00df keinen vergessen.<\/p>\n<p>Paulus stellt sich auf einen \u00f6ffentlichen Platz und beginnt eine Rede: \u201eIhr M\u00e4nner von Athen h\u00f6rt mich an!\u201c Aber wie f\u00e4ngt man an? Am besten mit dem Offensichtlichen: \u201eIch sehe, dass ihr euch sehr f\u00fcr Religion interessiert, die vielen Alt\u00e4re sind mir aufgefallen. Sogar f\u00fcr einen unbekannten Gott habt ihr einen Altar aufgestellt. Nun will ich euch sagen, wer der ist.\u201c \u2013 Der seltsame Fremde da will etwas \u00fcber die G\u00f6tter erz\u00e4hlen. Klingt interessant, obwohl\u2026 \u2013 er nimmt die Backen ganz sch\u00f6n voll. Aber man wei\u00df ja nie, lass ihn mal!<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Ein Ab-Wendepunkt<\/li>\n<\/ol>\n<p>Und nun macht Paulus drei Punkte: Gott, der Sch\u00f6pfer allen Seins, l\u00e4sst sich erstens nicht in Tempel einsperren. Er wohnt nicht darin. Gott, der Spender allen Lebens, ist zweitens nicht abh\u00e4ngig von den Menschen. Er braucht keine Opfer. Drittens aber hat er die Menschen nicht nur geschaffen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl f\u00fchlen und finden k\u00f6nnten. Sondern er ist ihnen auch nah. Einem jeden von uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. Hier zitiert Paulus einen griechischen Autor und bis hierhin d\u00fcrften ihm die Athener auch wohl gerne, wohlwollend gefolgt sein.<\/p>\n<p>Nun aber kommt Paulus mit der eigentlichen Botschaft. \u201eNun aber\u201c, das sagt Paulus nicht nur hier, sondern an mehreren Stellen. \u201eNun aber\u201c, das ist seine feste \u00dcberzeugung, stehen wir an einem kritischen Punkt, an einem Wendepunkt des Weltgeschehens. Nun hei\u00dft es sich entscheiden. F\u00fcr die G\u00f6tzen, die falschen G\u00f6tter, oder f\u00fcr Christus, den einzig Wahren. Ich fordere euch auf: Lasst die einen zur\u00fcck! Werft sie weg! Und ergreift das Angebot des anderen. Den Glauben an die Auferstehung, die Auferweckung von den Toten.<\/p>\n<p>Da lachten die einen, wendeten sich ab und gingen fort, die anderen taten es ebenso und meinten: Erz\u00e4hl uns doch ein anderes Mal mehr davon! Und meinten es nicht ernst. Paulus ging auch fort, fort aus Athen. Er hatte dort nur wenig Erfolg gehabt. Dionysius, der eine aus dem Rat, wurde gl\u00e4ubig und eine Frau mit Namen Damaris, die andere. Und vielleicht noch ein paar andere auch. Aber viele waren es nicht.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Alles offen\u2026<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dionysos und Damaris, heute hie\u00dfen sie vielleicht Toni und Tamara. Mehr nicht. In einer gro\u00dfen Stadt voller Menschen. So wenige. Und wir stehen in ihrer Nachfolge. Paulus ruft zur Entscheidung auf, er ruft in die Entscheidung. Jetzt oder nie! Hop oder top! Ein Ruf, der damals nicht gerne geh\u00f6rt wurde. Und auch heute nicht. Gerade heute. Gerade heute halten sich viele Menschen alles offen. Vermeiden die Festlegung. M\u00f6glichst lange.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war fast alles fest vorgegeben: War dein Vater ein Bauer, dann wurdest auch du ein Bauer. Das eine Dorf war evangelisch, das andere katholisch. Hier durftest du heiraten, dort nicht. Schuster bleib bei deinen Leisten. Heute steht uns alles offen. Man kann in die Stadt ziehen, seinen Namen \u00e4ndern, die Haarfarbe, die Religion, das Geschlecht, den Ern\u00e4hrungsstil, den Lebenspartner, den Fu\u00dfballverein. Alles ist m\u00f6glich. Egal. Mach, was du willst! Hauptsache, du wirst gl\u00fccklich damit.<\/p>\n<p>Aber. Aber, was soll ich denn wollen? Welche Entscheidung ist die richtige? Welche Aktie wirft Gewinn ab? Welcher Weg ist der Weg zum Gl\u00fcck? Blo\u00df keine Chance verpassen! Denken sich heute viele. Und halten sich deshalb die Entscheidung f\u00fcr oder gegen etwas m\u00f6glichst lange offen. Denn so lange ich mich nicht entscheide, steht mir ja noch alles offen. Ich habe noch alle M\u00f6glichkeiten. Theoretisch. Habe ich mich aber erst einmal entschieden, dann verengt sich der Weg. Die Kugel l\u00e4uft in eine gewisse Richtung. Aber ist die die Richtige? Wer wei\u00df? Und die anderen Richtungen stehen mir dann ja nicht mehr offen. Also z\u00f6gere ich die Entscheidung m\u00f6glichst lange hinaus.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li>\u2026oder nicht ganz dicht?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Niemals erwachsen werden. Immer jugendlich bleiben. Mit 40 Jahren als Mann noch nicht zu Hause ausgezogen, von Mutter bekocht werden. Als Frau mit 60 doch noch ein Kind kriegen, weil vorher keine Zeit daf\u00fcr war und es heute denkbar. Und man liest es ja mal hier und da von der einen oder anderen Schauspielerin, die dann doch&#8230; Egal. Mach, was du willst! Hauptsache, du wirst gl\u00fccklich damit. Alles scheint m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Nun aber, ruft Paulus, entscheidet euch! Verlasst eure Spielsachen, lasst all den Quatsch und den Kram, mit dem ihr euch umgebt. Die Spinnereien, denen ihr nachh\u00e4ngt. Kill your idols! Und wendet euch dem einzig wahren Gott zu. Vertraut ihm. Vertraut dem Leben, das er uns schenkt durch Christus. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.<\/p>\n<p>Blo\u00df keinen Gott vergessen, das war die Angst des antiken Menschen. Blo\u00df keine Chance verpassen! Das ist die Angst des Menschen von heute. Nichts auslassen. Alles mitnehmen. Und sich deshalb erstmal alles offen halten. Das ist der \u201epursuit of happiness\u201c heute. Das Streben nach Gl\u00fcck h\u00e4ngt davon ab, sich m\u00f6glichst lange in der sp\u00e4tpubert\u00e4ren Kuschel-Comfort- und Wohlf\u00fchlzone aufzuhalten, in der alle R\u00e4ume offen, alle Tr\u00e4ume m\u00f6glich scheinen. Und vielleicht werde ich eines Tages ja doch noch ber\u00fchmt und ein Star, den alle Welt kennt. Eines Tages hinterm Regenbogen\u2026<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li>Werdet wach und fangt an zu leben!<\/li>\n<\/ol>\n<p>Werdet wach! Werdet erwachsen! Gott wartet auf euch. Wahrscheinlich ist er ja geduldig. Sehr geduldig sogar, schlie\u00dflich geh\u00f6rt ihm ja die Ewigkeit. Aber vielleicht wartet er nicht ewig. ER hat Zeit, das ja. Aber habt ihr sie? Wirklich? Habt ihr so viel Zeit zu s\u00e4umen und zu tr\u00e4umen? Das Leben mit Erw\u00e4gungen und Vertr\u00f6stungen zu vertr\u00f6deln. Sp\u00e4ter. Vielleicht. Mal sehen. Erz\u00e4hl uns doch ein anderes Mal mehr davon. Sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Nein. Jetzt ist die Zeit. Jetzt ist die Stunde. Jetzt oder nie. \u2013 Aber wie?<\/p>\n<p>Nun. So schwer kann es nicht sein. Er hat euch Menschen ja geschaffen, damit ihr ihn, Gott, suchen sollt, ob ihr ihn wohl f\u00fchlen und finden k\u00f6nnt. Er ist nicht fern. Er ist den Menschen nahe. Einem jeden von uns. Denn durch ihn leben wir, von ihm leben wir, in ihm leben, weben und sind wir. Fangt an ihm zu vertrauen. Vertrauen ist ein Anfang. Fangt an, diesen Weg zu gehen. Und der Rest wird sich finden. ER l\u00e4sst sich von euch finden. Das will er ja. Sucht nach seinen Spuren und ihr werdet sie entdecken. In eurem Leben. Vielleicht heute schon. Werdet wach und fangt an zu leben!<\/p>\n<p><strong>\u00a0&#8212;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong>:<\/p>\n<p>Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde (Erdent\u00f6ne-Himmelsklang 139)<\/p>\n<p>Gott gab uns Atem, damit wir leben (EG 432)<\/p>\n<p>Nun aufw\u00e4rts froh den Blick gewandt (EG 394)<\/p>\n<p>Aufstehn, losgehn, Schritte wagen (Himmel und Erde 309)<\/p>\n<p><strong>\u00a0&#8212;<\/strong><\/p>\n<p>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/p>\n<p>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/p>\n<p>udo.schmitt@ekir.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werdet wach und fangt an zu leben! | Jubilate 25.04.2021 | Predigt zu Apg 17,22-34 | verfasst von Udo Schmitt | Ein Fremder in der Stadt Paulus ist durch Athen gegangen. 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