{"id":4946,"date":"2021-04-28T15:37:00","date_gmt":"2021-04-28T13:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=4946"},"modified":"2021-04-28T21:49:49","modified_gmt":"2021-04-28T19:49:49","slug":"musik-ein-klangraum-fuer-das-goettliche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/musik-ein-klangraum-fuer-das-goettliche\/","title":{"rendered":"Musik &#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Musik \u2013ein Klangraum f\u00fcr das G\u00f6ttliche | 2.5.21 | Ezechiel 36,26-28; Apostelgeschichte 9,1-18; Johannes 16,5-15 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Christiane Gammeltoft-Hansen |<\/h3>\n<p>Predigt zu einem Musikgottesdienst<\/p>\n<p>Da wird ein Geist kommen, schreibt der Evangelist Johannes, der Geist der Wahrheit.<\/p>\n<p>Derr Geist der Wahrheit kommt nicht mit einer neuen Botschaft und stiftet auch nicht einen neuen Bund zwischen Gott und Menschen. Was er sagt, das ist das, was er geh\u00f6rt hat. Er gibt die Wahrheit wieder, eine alte Wahrheit, die jedoch nicht zu alt ist, ihr geh\u00f6rt auch die Zukunft.<\/p>\n<p>Da war so viel, was die Leute nicht begriffen, und so vieles, wo sie irrten damals, als das Christentum neu war. Es gibt noch so viel, was wir nicht begreifen und wo wir uns irren. Es ist noch immer notwendig, dass wir auf den Weg gebracht werden, dass uns von Gott und Menschen erz\u00e4hlt wird. Dabei kommt uns der Geist zu Hilfe.<\/p>\n<p>Der Geist kommt an. Das bedeutet, dass da mehr ist, als wir uns selbst sagen k\u00f6nnen. Wir empfangen etwas von au\u00dfen. Zugleich aber ist der Geist etwas in uns. Er verwandelt Herzen aus Stein in Herzen aus Fleisch. Er macht uns lebendig, zu Menschen aus Fleisch und Blut. Und er macht Worte lebendig, so dass sie das hervorbringen, was sie sagen, und wir h\u00f6ren die Worte direkt an uns gerichtet. Du bist es, dem der Segen, die Gerechtigkeit und die Vergebung gelten.<\/p>\n<p>Seit seiner Ankunft weht der Geist, wo er will. Nirgends ist er fremd. Er verweist auf die gr\u00f6\u00dfere Bedeutung des Lebens und l\u00e4dt uns mit ein in das Deutungsuniversum des Glaubens. Und auch wenn er nicht mit einer neuen Wahrheit kommt, kann es hin und wieder so sein, als werde einem das ganze Evangelium neu geschenkt, wenn der Geist es lebendig macht. Das ist wie eine Landschaft, die beim Sonnenaufgang aus dem Dunkel und der Konturlosigkeit heraustritt und Form und Farben erh\u00e4lt. Oder wie eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, etwas, was wir kaum bemerken, was aber durch das Wirken des Geistes pl\u00f6tzlich ganz deutlich und frisch wird und unsere Sinne und unser Verstehen neu erweckt.<\/p>\n<p>Der Geist weht, wohin er will. Hier unten auf Erden ist es jedoch, als habe er seine eigenen Lieblings-Freir\u00e4ume. Oder auch ist es umgekehrt \u2013 wir haben unsere Lieblings-Freir\u00e4ume, Orte wo wir tief durchatmen, uns \u00f6ffnen und die Ohren spitzen \u2013 und dann mehr bereit und offen f\u00fcr den Geist sind.<\/p>\n<p>In sich selbst sind die Buchstaben nichts, aber wenn der Dichter sie zusammensetzt, k\u00f6nnen sie die Augen wieder f\u00fcr das Leben \u00f6ffnen. In sich selbst sind die Striche nichts, aber zusammen mit dem Pinselstrich des K\u00fcnstlers k\u00f6nnen sie eine Landschaft zum Leben erwecken. Die Worte des Dichters, die Bilder des K\u00fcnstlers \u2013 das sind Freir\u00e4ume. So kann auch die Musik ein Freiraum sein.<\/p>\n<p>\u201eManchmal habe ich das Gef\u00fchl, dass ich nicht ich selbst bin, sondern ein offenes Rohr, durch das ein Strom von Musik l\u00e4uft, den milde starke Kr\u00e4fte in einer gewissen seligen Schwingung bewegen\u201c. So beschreibt ein Komponist sich selbst und seine Musik. Er sieht sich selbst mehr als Empf\u00e4nger denn als Sch\u00f6pfer. Er gibt etwas weiter, was er empfangen hat.<\/p>\n<p>Der Komponist ist der D\u00e4ne Carl Nielsen. Carl Nielsen hat sowohl einfache volkst\u00fcmliche Melodien als auch gro\u00dfe symphonische Werke komponiert. Er war ein Spielmann, zugleich aber hat er auch die Musik veredelt in gro\u00dfartigen komplexen Kompositionen.<\/p>\n<p>Die seine Musik studiert haben, haben ihn einen Erneurer genannt. Aber selbst beschreibt er sich als einen Gehilfen. Er ist gerade nicht Sch\u00f6pfer neuer Musik. Er ist ein offenes Rohr, ein Mittel f\u00fcr milde starke Kr\u00e4fte. Wollte man ihn Bahnbrecher nennen, w\u00e4re er das deshalb in dem Sinne, dass er dabei behilflich ist, dass etwas Neues hervorbricht. Etwas, was nicht als solches neu ist. Er offenbart, was schon verborgen da ist.<\/p>\n<p>Man braucht kein Komponist zu sein, um das wiederzuerkennen. Auch der H\u00f6rende und Suchende kann hier mit dabei sein. Jedenfalls k\u00f6nnen das H\u00f6ren und Singen einer neuen Melodie, die einen im Inneren besonders bewegt, so erlebt werden, dass man etwas h\u00f6rt und singt, was man wiedererkennt. Die Melodie ist neu, und doch ist es, als h\u00e4tten wir sie schon einmal geh\u00f6rt, ja vielleicht schon immer gekannt. Und auch gibt es Melodien, die man immer wieder singen kann, ohne dass man mit ihnen fertig wird. Die Melodien k\u00f6nnen viele hundert Jahre alt sein, und doch sind sie nicht veraltet. Sie h\u00f6ren sich so frisch an, als w\u00e4ren sie von heute und nicht aus ferner Vergangenheit. Sie erl\u00f6sen eine unbewusste Sehnsucht danach, diese T\u00f6ne zu singen, wie sie gerade so zusammengesetzt sind.<\/p>\n<p>Carl Nielsen kann eine Symphonie einleiten, als handele es sich um einen musikalischen Big Bang. Aber das w\u00e4re dann ein Big bang, der von anderen Kr\u00e4ften als ihm selbst bewirkt ist. Und mehr Big Bang ist das denn auch nicht, als die Musik ein Licht anz\u00fcndet, das erhellt, was schon ist, die Landschaft, wie wir sie kennen, und die Hoffnung, mit der wir leben. Das ist eine Orchestrierung von Gef\u00fchlen und Temperamenten, die wohlbekannt sind. Und das ist ein Klangraum f\u00fcr das G\u00f6ttliche.<\/p>\n<p>Die Geschichte des Geistes verbindet sich mit der Geschichte des Menschen, und sie tut das in einem Ma\u00dfe, dass es von au\u00dfen so aussehen kann, als bestimme sie die Richtung f\u00fcr den Komponisten. Ganz so wie ein Mann, der auf dem Wege nach Damaskus war, vom Heiligen Geist erf\u00fcllt wurde und von da an aus einem Verfolger zu einem Verk\u00fcndiger wurde \u2013 der Apostel Paulus, dessen Worte durch Jahrhunderte in den christlichen Gemeinden geh\u00f6rt wurden \u2013 auch heute bei uns.<\/p>\n<p>Wie eine Fuge schl\u00e4gt der Geist den Ton an, der dann weitergegeben wird. Der Geist erz\u00e4hlt, was er geh\u00f6rt hat. Der Apostel erz\u00e4hlt, was er geh\u00f6rt hat. Der Spielmann spielt, was er geh\u00f6rt hat. Das Thema der Fuge ist die Wirklichkeit Gottes. Jede Stimme stellt das Thema in neuen Variationen vor, spielerisch, deutend, klingend, treu gegen\u00fcber dem Ausgangspunkt. Manchmal entfaltet es sich und wird gro\u00dfartig, manchmal auch erdnah und unmittelbar. Der Freiraum kann sich so pl\u00f6tzlich einfinden in einer einfachen volkst\u00fcmlichen Melodie, so wie er auch in gro\u00dfen Kompositionen erfahren werden kann oder dort, wo man ansonsten mit ganz anderen Dingen besch\u00e4ftigt ist. Vielleicht liegt darin auch eine Schule des Geistes, dass im Einfachen und im Alltag auch das gro\u00dfe mitschwingt \u2013 und umgekehrt.<\/p>\n<p>Einst kam der Geist in die Welt. Die Fuge begann. Auch in dieser Zeit schwingt er in ihr mit. Amen.<\/p>\n<p>Pastorin Christiane Gammeltoft-Hansen<\/p>\n<p>DK-2000 Frederiksberg<\/p>\n<p>E-mail: cgh(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik \u2013ein Klangraum f\u00fcr das G\u00f6ttliche | 2.5.21 | Ezechiel 36,26-28; Apostelgeschichte 9,1-18; Johannes 16,5-15 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Christiane Gammeltoft-Hansen | Predigt zu einem Musikgottesdienst Da wird ein Geist kommen, schreibt der Evangelist Johannes, der Geist der Wahrheit. 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