{"id":5126,"date":"2021-05-18T17:46:38","date_gmt":"2021-05-18T15:46:38","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5126"},"modified":"2021-05-23T16:35:05","modified_gmt":"2021-05-23T14:35:05","slug":"was-macht-die-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/was-macht-die-kirche\/","title":{"rendered":"Was macht die Kirche&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Was macht die Kirche zur Kirche? Der Heilige Geist. | <\/strong>Pfingstmontag | Predigt am 24.5.2021 | Predigt zu 1. Kor. 12,4-11 | verfasst von Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p><em>\u201eEs wei\u00df gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei, n\u00e4mlich die heiligen Gl\u00e4ubigen und [um es mit einem biblischen Anklang zu sagen] ,die Sch\u00e4flein, die ihres Hirten Stimme h\u00f6ren.\u2018\u201c So hat es Martin Luther 1537 in den Schmalkaldischen Artikeln formuliert. Nicht ohne etwas \u00fcber die \u201eHeiligkeit\u201c hinzuzusetzen. Sie bestehe \u201eim Wort Gottes und rechtem Glauben\u201c. Und beides, das setze ich hinzu, macht der Heilige Geist. Wo Menschen Gottes Wort f\u00fcr sich h\u00f6ren, wo Menschen Lebensmut und Gottvertrauen fassen und bew\u00e4hren, da findet Pfingsten im allt\u00e4glichen Leben statt. Und daf\u00fcr zu danken, daf\u00fcr ist Pfingsten da.<\/em><\/p>\n<p><strong>Vom Kinder- und Konfirmandenwissen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEs wei\u00df gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei&#8230;\u201c Ein solches Wissen Sieben-J\u00e4hrigen zuzutrauen, klingt mutig. Aber vielleicht geht es auch nur um das Gesp\u00fcr, was \u201erichtiger\u201c Glaube ist. Selbst wenn Kinder das Wort Gottes noch nicht studieren, geschweige denn richtig ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Aber fragen wir doch einmal 14-j\u00e4hrige, was ihnen zum Stichwort \u201eKirche\u201c einf\u00e4llt. Im klassischen Konfirmandenunterricht w\u00fcrde ich einige Bl\u00e4tter auslegen und in Kleingruppen Stichworte aufschreiben lassen. Daraus ergibt sich dann eine Vielzahl von Anl\u00e4ssen zum kl\u00e4renden Gespr\u00e4ch: Nat\u00fcrlich die Kirche als Geb\u00e4ude und der Gottesdienst. Und stehen diese W\u00f6rter erst einmal auf dem Blatt, geht es schnell um Vollst\u00e4ndigkeit. \u201eAltar\u201c. \u201eKerzen\u201c. \u201eKirchenb\u00e4nke\u201c. Oder auch: \u201eLieder\u201c. \u201eOrgel\u201c. Und so weiter. Ziemlich schnell werden auch die \u201ePfarrer\u201c genannt. \u201eHalt\u201c, sagen manche, \u201ees gibt auch Pfarrerinnen.\u201c \u201eAber es gibt doch auch andere Berufe in der Kirche! Wer macht denn z. B. Kinder- und Jugendgruppen?\u201c \u201eAch ja, der Diakon M\u00fcller\u201c, oder es f\u00e4llt der Vorname einer Religionsp\u00e4dagogin. Manchmal f\u00e4llt auch der Name eines Kirchenvorstehers oder einer Kirchenvorsteherin. Und so weiter. Die f\u00fcr mich in meinen Berufsjahren bewegendste Aussage lautete: \u201eLicht und W\u00e4rme.\u201c Ich wei\u00df noch, wie ich damals dachte: \u201eDa haben die Eltern aber viel richtig gemacht.\u201c Vielleicht habe ich damals auch mehr hineingelegt, als die Heranwachsende sagen konnte. Aber es gibt einen Termin, wo ich dieses \u201eLicht und W\u00e4rme\u201c immer gesucht habe: In der Osternacht, wenn ich Konfirmand:innen oder auch Erwachsene getauft habe. Die T\u00e4uflinge sollten um sich herum ein Meer aus Osterkerzen sehen und viele gute Gedanken der Gemeinde sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Gehen wir zur\u00fcck in den n\u00fcchterneren Konfirmandenunterricht. Da w\u00fcrden wir versuchen, das Gesammelte zu ordnen. Hilfreich ist da der Duden. Er listet die Alltagsbegriffe von \u201eKirche\u201c auf: 1. Geb\u00e4ude, 2. Gottesdienst, 3. Institution\/Organisation, 4. Gemeinde\/Gemeinschaft. Der Begriff Institution ist immer erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. Und dann kann man weiterfragen: \u201eWas meint ihr: Was ist da wohl das Wichtigste?\u201c Oder umgekehrt: \u201eWorauf kann man am ehesten verzichten?\u201c Und bei mir immer: \u201eBegr\u00fcnde Deine Meinung.\u201c In der Regel entwickelt sich daraus ein Gespr\u00e4ch mit vielen Aspekten. \u201eGeb\u00e4ude!\u201c &#8211; \u201eAber man muss sich doch wo treffen k\u00f6nnen.\u201c \u201eGottesdienst!\u201c &#8211; \u201eAber man muss doch sehen k\u00f6nnen, dass man im Glauben nicht alleine ist.\u201c \u201eDie Organisation.\u201c Sie k\u00f6nnen es sich denken. Am Ende des Gespr\u00e4chs steht nie nur ein gro\u00dfes Meinungsspektrum, geschweige denn Ratlosigkeit. Es l\u00e4uft auf ein Gef\u00fchl heraus, dass Gemeinschaft wohl das Wichtigste ist. Aber die braucht auch einen Ort, eine Zeit, Leute, die das organisieren, und nat\u00fcrlich auch Leute, die zusammen geh\u00f6ren wollen. Und manchmal ist es erhellend, wenn ich die griechische Herkunft des Wortes \u201eKirche\u201c erl\u00e4utere. \u201eKirche von kyriakon\u201c &#8211; \u201ezum Herrn geh\u00f6rig.\u201c Das kennen die Konfirmanden und Konfirmandinnen vom \u201eKyrie eleison &#8211; Herr erbarme dich.\u201c Und sie erkennen, dass die Mitte von Geb\u00e4ude, Gottesdienst, Institution und Gemeinde der Glaube an Jesus Christus ist &#8211; oder sein sollte.<\/p>\n<p>Was \u201ein Denk\u201c immer wieder nicht zusammenzubringen ist, bringen Sie als Gottesdienstgemeinde \u201ein echt\u201c zusammen: Sie sind heute hier zum Gottesdienst versammelt, in einem Kirchengeb\u00e4ude oder Gemeindehaus. Sie gehen davon aus, dass alle organisatorischen Fragen gekl\u00e4rt sind. Es war jemand da, der aufgeschlossen hat, die Kerzen angez\u00fcndet hat, Blumen auf den Altar gestellt hat, die Lieder angesteckt hat und und und. Sie erwarten jemanden an Klavier oder Orgel. Und nat\u00fcrlich ist jemand da, der den Gottesdienst leitet. Vielleicht sogar ein Kirchenvorsteher oder eine Kirchenvorsteherin, im Vertrauen, dass Pfarrerin X bestimmt kommen wird, die aber noch in Y einen Gottesdienst hatte. Und zu Recht erwarten Sie, dass Sie in ihrem Glauben herausgefordert und best\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p><strong>Der Predigttext<\/strong><\/p>\n<p>Der Predigttext f\u00fchrt uns in Zeiten zur\u00fcck, wo es noch keine Kirchengeb\u00e4ude gab. Keine Gottesdienste nach unserer Art. Keine Pfarrer. Nur die Gemeinschaft derer, die zum Glauben an Jesus Christus gefunden hatten. Die ersten Christen hatten keine Baulast f\u00fcr Kirchen, Gemeinde- und Pfarrh\u00e4user und Kinderg\u00e4rten. Ihre Gottesdienste waren noch nicht auf eine Stunde am Sonntagvormittag terminiert, wo man dann \u00fcber Verschiebungen diskutiert, um mehr Leute zu erreichen. Sie hatten keine Pfarrer, mit denen man dann \u00fcber Dienstbeschreibungen und Arbeitsstil diskutiert. Nein, so das Bild mancher: Die ersten Gemeinden lebten allein von der Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen. Manche wollen in diese Zeiten zur\u00fcck. Gehen wir in diese Zeiten zur\u00fcck und lernen wir f\u00fcr unsere:<\/p>\n<ol>\n<li>Korinther 12,4-11 (Umbr\u00fcche als Vorlesehilfe)<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4 Es sind verschiedene Gaben;<\/p>\n<p>aber es ist ein Geist.<\/p>\n<p>5 Und es sind verschiedene \u00c4mter;<\/p>\n<p>aber es ist ein Herr.<\/p>\n<p>6 Und es sind verschiedene Kr\u00e4fte;<\/p>\n<p>aber es ist ein Gott,<\/p>\n<p>der da wirkt alles in allen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>7 Durch einen jeden offenbart sich der Geist<\/p>\n<p>zum Nutzen aller.<\/p>\n<p>8 Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben;<\/p>\n<p>dem andern ein Wort der Erkenntnis<\/p>\n<p>durch denselben Geist;<\/p>\n<p>9 einem andern Glaube,<\/p>\n<p>in demselben Geist;<\/p>\n<p>einem andern die Gabe, gesund zu machen,<\/p>\n<p>in dem einen Geist;<\/p>\n<p>10 einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. 11 Dies alles aber<\/p>\n<p>wirkt derselbe eine Geist,<\/p>\n<p>der einem jeden das Seine zuteilt,<\/p>\n<p>wie er will.<\/p>\n<p>Ganz offensichtlich tauchen wir mit diesem Predigttext in eine andere Zeit ein. Wir h\u00f6ren von Gaben des Geistes, der Worte von Weisheit gibt, Gl\u00e4ubige zu Heilern und Propheten macht und vieles mehr. Manche w\u00fcnschen sich diese im wahrsten Sinne \u201ewunderbare\u201c Zeit zur\u00fcck. Und nat\u00fcrlich habe auch an Krankenbetten gestanden und h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht, eine Ber\u00fchrung und ein machtvolles Gebet machen alles wieder gut. Manche w\u00fcnschen sich mehr Spontaneit\u00e4t und Enthusiasmus im Gottesdienst, au\u00dfergew\u00f6hnliche spirituelle Erlebnisse. Auch da k\u00f6nnte ich mitreden.<\/p>\n<p>Allerdings wei\u00df ich auch das andere: Schon im Neuen Testament hatten Wunder und wunderbare Erlebnisse nicht f\u00fcr jeden Beweiskraft. \u201eDurch d\u00e4monische Kr\u00e4fte heilt er\u201c &#8211; sagten Jesu Kritiker. \u201eSie sind besoffen\u201c &#8211; sagten Beobachter \u00fcber die enthusiastischen Christen beim ersten Pfingstfest. Au\u00dferdem kenne ich die Erkl\u00e4rung unserer Altvorderen, warum es eben \u201eheute\u201c keine Heilungswunder und keine ekstatische Rede mehr gibt. Sie sagten: In der Zeit Jesu und in der Urgemeinde gab es das Neue Testament noch nicht. Heute aber finden wir alles, was zum Glauben n\u00f6tig ist, eben da. Fr\u00fcher benutzte der Heilige Geist das Au\u00dfergew\u00f6hnliche; heute aber benutzt er die Heilige Schrift, um Glauben zu wecken und zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Ich nehme also probehalber das Au\u00dfergew\u00f6hnliche aus dem Text heraus, weil der Streit dar\u00fcber die Botschaft des Paulus zu \u00fcberdecken droht.<\/p>\n<p>4 Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist.<\/p>\n<p>7 Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.<\/p>\n<p>11 Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist,<\/p>\n<p>der einem jeden das Seine zuteilt,<\/p>\n<p>wie er will.<\/p>\n<p>Oder noch k\u00fcrzer: \u201everschiedene Gaben, aber ein Geist\u201c, \u201ezum Nutzen aller\u201c, \u201ewie er will\u201c. Darin h\u00f6ren wir einerseits ein Lob der Vielfalt und andererseits eine Mahnung zur Einheit und in allem die Hoffnung, dass der Heilige Geist alles zum Guten richtet.<\/p>\n<p><strong>Ein Besuch in Korinth<\/strong><\/p>\n<p>Machen wir zun\u00e4chst eine Zeitreise. Wir finden im Neuen Testament zwei ausf\u00fchrliche Briefe des Paulus an die Korinther. In denen geht es auch um sehr konkrete Dinge aus dem Gemeindeleben. Deshalb k\u00f6nnen wir ein bisschen erahnen, in welche Situation Paulus schreibt. Damit das nicht blo\u00df erkl\u00e4rend wird, gehe ich wieder in den Erz\u00e4hlmodus. Nicht wie vorhin aus der eigenen Gemeindeerfahrung, sondern in dichter Beschreibung aus der Gemeindeerfahrung in Korinth. Der Fachbegriff \u201edichte Beschreibung\u201c bedeutet die Zusammenfassung von verstreuten Einzelinformationen in einen Erz\u00e4hlung. Lassen wir drei Menschen aus einer Korinther Hausgemeinde zu Wort kommen, einen Hausherrn, einen Sklaven und eine Frau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Ideen f\u00fcr eine Inszenierung: (1) jeweils eine Person im Gegenlicht hinter einem aufgespannten wei\u00dfen Tuch. (2) analog Gestalten in Overhead\/Beamer-Projektion mit Stimmen aus dem off)<\/p>\n<p>a) ein Hausherr<\/p>\n<p>Ich bin gebeten worden, etwas \u00fcber meine Hausgemeinde zu berichten. Das tue ich gerne. \u201eHausgemeinde?\u201c werden Sie fragen. Ja, Hausgemeinde. Wir Christen haben keinen Versammlungsort wie die Ungl\u00e4ubigen mit ihren Tempeln. Als wir selber noch an die falschen G\u00f6tter glaubten, haben wir es nicht besser gewusst. Aber heute gehen wir da nicht mehr hin. Also muss man sich in den H\u00e4usern treffen. Und &#8211; nun ja &#8211; ich habe ein Haus und ausreichend Platz. Manchmal ist es schon ein bisschen eng. Zum Beispiel, wenn Paulus uns einen seiner Mitarbeiter schickt oder ein anderer christlicher Lehrer uns besucht. Ich habe sogar schon daran gedacht, eine Wand herauszurei\u00dfen und auf diese Weise zwei Zimmer zu einem gro\u00dfen Raum zu verbinden. Aber wir haben auch noch den Innenhof.<\/p>\n<p>Die Leitung dieser Hausgemeinde ist f\u00fcr mich eine Gabe und Aufgabe. Als Paulus mich zum Glauben an Jesus berufen hat, da waren es nicht viele meiner Art. Ich habe einen kleinen Handel, der mich und meine Leute ern\u00e4hrt. Viele andere in der Gemeinde haben so gut wie nichts. Ich habe, schon von Berufswegen, eine gewisse F\u00fchrungskraft. Und manchmal habe ich auch M\u00f6glichkeiten und Beziehungen, um einem armen Bruder im Herrn zu helfen. Wie gesagt, das alles ist eine gro\u00dfe Verantwortung. Aber: Ich wei\u00df, dass ich etwas f\u00fcr den Herrn tue, wenn ich etwas f\u00fcr seine Gemeinde tue. Ich wei\u00df, dass ich das nicht alleine kann, und kann nur hoffen und beten, dass der Geist mir dabei hilft.<\/p>\n<p>Was ich tun kann, tue ich. Ich lege Wert darauf, dass mein ganzes Haus zur Gemeindeversammlung da ist. Schlie\u00dflich habe ich als Hausvater auch eine religi\u00f6se Verantwortung. Dazu kommen dann ein, zwei Freunde aus meinen Kreisen, Christen aus den Mietskasernen und &#8211; ja auch &#8211; Sklaven, deren Herren dulden, dass sie sich zu Jesus halten. Und wir haben auch ein paar Schwestern im Herrn, wo die M\u00e4nner zulassen, dass sie gl\u00e4ubig sind. Manchmal gibt es da aber auch b\u00f6se Worte von den M\u00e4nnern und viele Tr\u00e4nen bei den Frauen. In diesen F\u00e4llen ist meine Frau mehr gefragt.<\/p>\n<p>Sie wollten noch wissen, ob es auch Probleme gibt. Ja, die gibt es. Ich will hier aber keine Einzelf\u00e4lle ausbreiten. In der Regel kommen wir im Leiterkreis der Hausgemeinden damit klar. Manchmal wenden wir uns an Paulus. Der wird dann schon mal deutlich; deutlicher auch, als wir das k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich wollen und m\u00fcssen wir ja miteinander weiter leben. Ich glaube, das gr\u00f6\u00dfte Problem bei uns ist die Lehre. Wir alle sind ja erst zum Glauben dazu gekommen. Wir haben ein paar Rollen mit j\u00fcdischen heiligen Schriften, wir haben ein paar Briefe von Paulus Nicht immer k\u00f6nnen wir wissen, was nun f\u00fcr uns als Christen richtig ist. Nicht immer k\u00f6nnen wir auch beurteilen, wie richtig ein christlicher Lehrer ist, der uns besucht.<\/p>\n<p>b) Ein Sklave<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen, dass Sie auch etwas von mir wissen wollen. Im Alltag habe ich nicht so viel zu sagen. Ich will nicht ungerecht sein: Als mein Herr zum Glauben an Jesus gekommen ist, wurde es auch f\u00fcr uns besser. Aber wir werden nie vergessen, wer er ist und wer wir sind. Paulus hat mal in einem Brief geschrieben: \u201eDa ist nicht Herr, nicht Sklave &#8211; ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.\u201c Das ist richtig und doch falsch. Richtig, weil das der Ma\u00dfstab ist, den Jesus an seine Gl\u00e4ubigen anlegt. Falsch, weil der Alltag immer noch anders ist. Ich habe von einem Fall geh\u00f6rt, wo ein Sklave seinem Herrn entlaufen ist. Beide Christen! Und selbst Paulus hat den entlaufenen Sklaven zur\u00fcckgeschickt. Wissen Sie, mein Herr wei\u00df seinen Handel zu f\u00fchren und das Haus und von mir aus auch die Hausgemeinde. Wir Sklaven bleiben in der zweiten Reihe. Nur ein Beispiel Wir kommen immer erst dann zur Gemeindeversammlung, wenn wirklich alle Arbeit getan ist.<\/p>\n<p>Wir Sklaven h\u00f6ren zu, wenn die Leiter oder ein Gast der Gemeinde \u00fcber den Glauben sprechen. Es gibt aber doch ein paar Dinge, wo ich etwas besser wei\u00df. Ich wei\u00df zum Beispiel, was Sklaverei ist. Darum wei\u00df ich ganz genau, was Paulus meint, wenn er sagt, dass Jesus uns von der Herrschaft der S\u00fcnde befreit. Ich wei\u00df zwar nicht, was alles S\u00fcnde ist. Da sind sich auch die Gemeindeleiter nicht einig. Ich wei\u00df aber ganz genau, was es hei\u00dft, wenn jemand anderes \u00fcber dich kommt und \u00fcber dich herrscht. Ich wei\u00df ganz genau, was Strafe f\u00fcr Ungehorsam ist. Die Striemen auf meinem R\u00fccken zeigen das. Ich wei\u00df noch genau, wie man uns nach der Versklavung \u201ezugeritten\u201c hat. Ich habe bisher nur von einem Volk geh\u00f6rt, wo man keine Sklaverei haben will, Israel. Ein Volk, das von Gott aus der Sklaverei gerettet wurde. Ein Volk, wo Gott ein Besch\u00fctzer der \u201eWitwen, Waisen und Fremdlinge\u201c ist und wo die Sklaven frei gelassen werden sollen. Ich wei\u00df nicht, ob das zu sch\u00f6n ist, um wahr zu sein. Aber es sollte wahr sein. Deshalb bin ich Christ geworden, weil ich frei sein will von der S\u00fcnde und frei von einer Welt, in der neun von zehn M\u00e4nnern Sklaven sind. Deshalb habe ich mich in die Gemeinschaft Jesu aufnehmen lassen. Ich habe das Taufwasser den Schmutz des Sklavendaseins abwaschen lassen. Und ich will die Striemen auf meinem K\u00f6rper nicht mehr als Erinnerung an die Sklaverei nehmen. Sie sollen mich an die Striemen und den Sklaventod erinnern, mit dem Jesus meine ewige Freiheit erworben hat.<\/p>\n<p>Diesen Trost m\u00f6chte ich gerne an andere Sklaven weitergeben. Aber es ist eine gef\u00e4hrliche Sache. Lassen wir mal beiseite, dass mir ohnehin viele Sklaven nicht glauben. Es ist auch eine Frage, ob die Herren mich und meine Botschaft als Gefahr ansehen. Ich tue trotzdem, was mir zum Auftrag geworden ist, und hoffe, dass mir der Geist die richtigen Augenblicke und die richtigen Worte gibt.<\/p>\n<p>c) Frau<\/p>\n<p>Manchmal denke ich mir. Es wird nichts anders. Als letzte \u201edarf\u201c ich mich \u00e4u\u00dfern. Ich bin eine Freie und komme doch erst nach dem Sklaven zu Wort. \u201eDas Weib schweige in der Gemeinde\u201c &#8211; so h\u00e4tten es manche Gemeindeleiter gerne. Sie wollen, dass ich bei irgendwelchen Fragen meinen Mann \u201ezuhause\u201c frage. Witzig ist nur, dass man sich in meinem Hause trifft&#8230;&nbsp; Ich kenne nur einen Moment, wo wir Frauen nicht schweigen m\u00fcssen und wenigstens ein bisschen gleich sind: Beim Singen. Das ist zwar manchmal ein Durcheinander, wenn verschiedene Geschwister verschiedene Lieder anstimmen oder ihre ganz eigenen Lieder singen. Aber dennoch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie immer sind wir Frauen im Hintergrund wichtig. Ich stehe zwar vor den Versammlungen nicht am Herd, organisiere aber den Haushalt. Ich sehe die Frau, die verweint in die Versammlung kommt, weil ihr Mann das nicht will. Ich sehe die Frau, die etwas auf dem Herzen hat. Und manchmal bin ich auch die Beraterin meines Mannes in Gemeindefragen, weil ich einfach mehr sehe als und weniger rede. Im \u00dcbrigen habe ich doch auch einen Glauben, und glauben Sie nicht, dass bei meinem Mann der Glauben immer so fest ist, wie er ihn als Gemeindeleiter leben muss. Ich glaube, ich sage nicht zu viel, dass sein Berufsleben durch den Glauben nicht unbedingt einfacher geworden ist. Er kann ja nun nicht mehr zu den Gesch\u00e4ftsessen gehen, wo Dinge passieren, die man als Ehefrau nicht wissen will. Das hei\u00dft auch: Die Kontakte in der Korinther Gesch\u00e4ftswelt sind nicht gerade unm\u00f6glich, aber doch schwieriger. Manchmal haben wir das Gl\u00fcck und wir h\u00f6ren von christlichen Gesch\u00e4ftsleuten in anderen St\u00e4dten. Da versuchen wir nat\u00fcrlich, neue Kontakte zu kn\u00fcpfen. Es bleibt uns aber auch da nichts anderes als die Hoffnung, dass der Geist uns zu den richtigen Leuten f\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckkehr in unsere Zeit<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ohne im Blick auf das Neue Testament zu l\u00fcgen, sind die Zeugnisse auch transparent auf unsere Zeit.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrdige den kleinen oder mittelst\u00e4ndischen Unternehmer, der auch heute eine Aufgabe in der Gemeinde \u00fcbernimmt. Die Kirchengeschichte hat uns dazu gef\u00fchrt, dass man Pfarrer, Pfarrerinnen, Pastoren und Priester als Repr\u00e4sentanten der Gemeinde sieht. Aber: Jeder Kirchenvorstand braucht Menschen mit finanzieller Expertise und Menschen mit wirtschaftlicher Erfahrung.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrdige den einfachen Mann, der einfach nur sein Zeugnis sagt, so wie es ihm das Leben und das Herz eingeben. Die Kirchengeschichte hat uns dazu gef\u00fchrt, dass man die Werbung f\u00fcr den Glauben und die Unterweisung bei den kirchlichen Angestellten sieht. Aber: Es gibt viele Menschen, zu denen Kirchenleute keinen Zugang finden.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrdige die Frau, die ihren Mann im Glauben und Beruf unterst\u00fctzt. Die Kirchengeschichte hat uns dazu gef\u00fchrt, dass Glauben als h\u00f6chst private Sache verstanden wird. Aber: Wenn einem Partner und Familie dabei nicht folgen, ist es schwierig.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nicht vers\u00e4umen, dass das alles nat\u00fcrlich auch f\u00fcr eine Unternehmerin gilt, f\u00fcr die Jesus-Frau fernab unserer doch eher mittelst\u00e4ndischen volkskirchlichen Gemeinden und f\u00fcr den Ehepartner, der den Berufs- und Glaubensweg seiner Frau mittr\u00e4gt. Wo all das Genannte gelingt, w\u00fcrde ich den Geist am Wirken sehen, auch wenn es nicht unter Wundern und Zeichen ist wie in der Fr\u00fchzeit der christlichen Gemeinde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer das Neue Testament mit Verstand liest, wird merken, das damals nicht alles so ideal oder auch spektakul\u00e4r war. Es war manches besser, vielleicht, aber auch \u201ewir\u201c haben unsere St\u00e4rken und Vorz\u00fcge. Wir haben Geb\u00e4ude, Kirchen, Gemeindeh\u00e4user, Kinderg\u00e4rten, Krankenh\u00e4user, Seniorenheime, Resozialisierungsh\u00e4user f\u00fcr entlassene Strafgefangene, Diakonische Einrichtungen und und und. Wenn die Arbeit dort ihre Mitte im Glauben findet, wird der Heilige Geist auch heute Gaben finden und entwickeln. Wir haben Gottesdienste in vielf\u00e4ltigster Art. Wenn sie ihre Mitte im Glauben finden, wird der Heilige Geist auch heute Gaben zur Mitarbeit finden und entwickeln. Wir haben die Kirche als Institution, die viele Aufgaben im Hintergrund des Lebens abnimmt. Wenn auch \u201edie\u201c Kirche \u201edem Herrn geh\u00f6rt\u201c, wird der Heilige Geist auch heute Menschen zur Sendung finden und gaben- und aufgabenorientiert entwickeln. Wir haben vielf\u00e4ltige Formen von Gemeinschaft in Gemeinden: Kinder-, Jugend-, Frauen-, M\u00fctter- und Seniorenkreise. Wenn sie ihre Mitte auch im Glauben finden, wird der Heilige Geist auch Wege finden, wie sie nicht nur um Zeiten, Platz oder auch um den einen oder anderen Hunderter rangeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man soll ruhig tun, was man kann und will, manchmal auch, was einem zuf\u00e4llt. Eine Entlastung im Gemeindealltag ist die \u00dcberzeugung, die wir an Pfingsten feiern, wenn wir das Wirken des Heiligen Geistes feiern. Oder k\u00fcrzer eben: \u201everschiedene Gaben, aber ein Geist\u201c, \u201ezum Nutzen aller\u201c und Gott sei Dank, nicht wie Menschen es f\u00fcr richtig halten, sondern, \u201ewie er will\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und derzeit als Religionslehrer am Melanchthon-Gymnasium N\u00fcrnberg t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was macht die Kirche zur Kirche? Der Heilige Geist. | Pfingstmontag | Predigt am 24.5.2021 | Predigt zu 1. Kor. 12,4-11 | verfasst von Hansj\u00f6rg Biener | \u201eEs wei\u00df gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei, n\u00e4mlich die heiligen Gl\u00e4ubigen und [um es mit einem biblischen Anklang zu sagen] ,die Sch\u00e4flein, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5128,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,1,157,120,114,271,385,349,3,124,392,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-5126","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-korinther","category-aktuelle","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-deut","category-hansjoerg-biener","category-kapitel-12-chapter-12-1-korinther","category-kasus","category-nt","category-pfingsten","category-pfingstmontag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5126"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5130,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5126\/revisions\/5130"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5128"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5126"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=5126"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=5126"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=5126"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=5126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}