{"id":5161,"date":"2021-05-19T20:47:42","date_gmt":"2021-05-19T18:47:42","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5161"},"modified":"2021-05-19T20:49:29","modified_gmt":"2021-05-19T18:49:29","slug":"der-heilige-geist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/der-heilige-geist\/","title":{"rendered":"Der Heilige Geist&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Der Heilige Geist &#8211; das Bild Gottes in uns | Pfingstmontag 2021 | <\/strong>Johannes 3,16-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Tine Illum |&nbsp;<strong>&nbsp;<\/strong><\/h3>\n<p>Das sch\u00f6ne Gewand, das der K\u00f6nig anhatte &#8211; erz\u00e4hlte der alte Lehrer Scott \u2013 das war in einer besonderen Weise gewebt mit einem goldenem Faden, der sich durch den ganzen Stoff zieht. Und wenn man den goldenen Faden entfernen wollte, w\u00fcrde das Gewand v\u00f6llig auseinander fallen.<\/p>\n<p>Dieses Bild gibt er wieder, um etwas dar\u00fcber zu sagen, was es bedeutet, nach dem Bilde Gottes geschaffen zu sein, den heiligen Geist zu empfangen, geliebt zu sein. Denn Gottes Geist ist ein Sch\u00f6pfergeist, der neu macht und Leben schenkt.<\/p>\n<p>Das ist ganz grundlegend in unserem Glauben: Gott schafft Neues mit seinem Geist. Er hat uns geschaffen, uns gewollt, er liebt uns. Sein Geist ist in uns \u2013 und der will uns erneuern und verwandeln. Wir sollen brennen und leuchten, und das, was Gott will, soll unser Atem sein, der hinaus in die Welt bl\u00e4st.<\/p>\n<p>Der Geist Gottes ist wunderbar so in uns geblasen, dass wir Gott gleichen und das tun sollen, was er will, dass es der goldene Faden ist, der uns als Menschen zusammenh\u00e4lt. Ganz gleich ob wir das glauben oder nicht \u2013 und ganz gleich ob wir das von anderen glauben oder nicht. Wenn das Bild und der Gleist nicht mehr da w\u00e4ren, w\u00fcrden wir in Wirklichkeit nicht mehr existieren. Und wir w\u00fcrden auseinanderfallen. Wir werden vom Heiligen Geist am Leben erhalten. \u201eDer Mensch ist ein g\u00f6ttliches Experiment aus Staub und Geist\u201c, sagt Grundtvig.<\/p>\n<p>\u201eWir sind beehrt &#8211; und belastet durch den Heiligen Geist\u201c, das hat ein anderer gesagt. Im Bilde Gottes geschaffen zu sein, bis zum Tode von seinem Sohn Jesus geliebt zu sein, Tr\u00e4ger des Heiligen Geistes zu sein \u2013 das ist sowohl Gabe als auch Aufgabe. Und wohlgemerkt nicht etwas, was wir selbst w\u00e4hlen k\u00f6nnen. Es ist einfach das Menschsein. Es ist so, dass es einTeil des g\u00f6ttlichen Atems ist und ein Teil der Liebe, mit der er die Welt liebt.<\/p>\n<p>Wir sind im Bilde Gottes geschaffen und gleichen ihm, und mit der Hilfe des Heiligen Geistes sollen wir sein Bild in der Welt offenbar machen in dem, was wir sagen und tun.<\/p>\n<p>Pfingsten kommt in einer Weise zuletzt. Weihnachten, Ostern Pfingsten \u2013 sagen wir. Und das kann uns vielleicht schnell an einer Art Essenspyramide denken lassen, wo das Wichtigste unten ist, das Mitterste ist auch gut \u2013 aber am liebsten nicht so viel von dem Obersten.<\/p>\n<p>Aber Pfingsten und die Erz\u00e4hlung vom Heiligen Geist, der zu den J\u00fcngern Jesu kommt und sie dazu bringt, von all dem zu reden, was Gott ist und tut, mit Worten, die die Leute verstehen \u2013 dieser Geist ist alles andere als ungesunder Zierrat.<\/p>\n<p>Pfingsten ist auch nicht luftig und unwirklich. Der Heilige Geist ist Leben und Lebenskraft. Er schenkt uns Platz in der Geschichte Gottes und dem Leben der Welt.<\/p>\n<p>Er greift zur\u00fcck auf damals, als wir geschaffen wurden. Auf das Grundlegende in unserem Leben. Das, was uns \u00fcberhaupt Mensch sein l\u00e4sst. Gottes Bild und Gottes Geist. Der goldene faden in unserem Leben. Vin Ewigkeit zu Ewigkeit, sag en wir oft in der Kirche. Seit deinem ersten Atemzug \u2013 und bis hin zu deinem letzten Atemzug.<\/p>\n<p>Alles, was Jesus sagt und tut, geschieht im Geist Gottes, sagt er. Er sagt und erkl\u00e4rt, was die Liebe Gottes ist \u2013 und damit zeigt er, wer Gott ist. Wenn wir in einem Lied von dem \u201eGeist \u00fcber den Geistern\u201c den Heiligen Geist darum bitten, unsere Herzen zu \u00f6ffnen, wenn Gott zu uns spricht von seiner Liebe, wird es ganz deutlich: Wir sind g\u00f6ttlich lebend. In unserem Herzen und in unserem Leben tragen wir den Heiligen Geist. Er ist ein gewebter goldener Faden in uns. Und auch durch uns sollen andere h\u00f6ren, sehen und sp\u00fcren, wer Gott ist.<\/p>\n<p>Der Heilige Geist ist nicht etwas, was Christen besitzen. Er l\u00e4sst sich nicht in eine Volkskirche, in Glaubensbekenntnisse oder Dogmen einfangen. Er befindet sich auch nicht nur in guten Menschen, die wir gernhaben. Er ist <em>immer<\/em> bei <em>jedem<\/em> Menschen viel tiefer eingepflanzt als all das, was verdreht und verkehrt ist. Jeder tr\u00e4gt das Bild Gottes in sich.<\/p>\n<p>Das meinen wir, wenn wir sagen, dass jeder Mensch heilig und unverletzlich ist.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht leben, ohne das zu h\u00f6ren \u2013 denn wie sollten wir sonst in den Tagen leben, in denen Verbitterung oder Reue alles einf\u00e4rbt. Wo wir ein Monster im Spiegel sehen, oder einen Verlierer oder was auch immer, unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Und wir k\u00f6nnen nicht leben, ohne das zu h\u00f6ren, an Tagen, wo wir so schlimm versucht sind, die anderen als Monster zu sehen.<\/p>\n<p>Solche Tage gibt es ja, Tage, an denen sich mein Selbstbild verzerrt und wo ich andere in einem verzerrten Licht sehe.<\/p>\n<p>Denn Menschen k\u00f6nnen unmenschliche Dinge tun. Im Gro\u00dfen wie im Kleinen. Schreckliche Dinge. Auch du \u2013 und ich. Wir sind ein Teil davon. Und wir leben mitten drin.<\/p>\n<p>Und hier ist es am allerwichtigsten f\u00fcr uns, zu h\u00f6ren: Da ist diese Welt hier, die Gottes grenzenlos liebt. Nicht nur uns hier, und nicht nur, wenn wir einen unserer besten Tage haben \u2013 nicht nur wir Christen, nicht nur die, die das Glaubensbekenntnis ohne Vorbehalt und ohne einen Zweifel im Herzen aufsagen k\u00f6nnen, nicht nur Kirchensteuerzahler. Sondern die Welt, B\u00f6se wie Gute. Auch alle die, die keine Christen sind.<\/p>\n<p>Jesus ist in die ganze Welt gesandt. Wo wir Menschen so unmenschliche Dinge tun k\u00f6nnen. Wo so viel wunderbar Sch\u00f6nes geschieht und so viel Furchtbares.<\/p>\n<p>Am Kreuz bittet Jesus f\u00fcr die, die ihn gefoltert und gekreuzigt haben. Sie tragen noch immer das Bild Gottes, und sein Geist ist noch immer in ihnen. Sie sind noch immer in der Liebe Gottes. Sie werden durch einen goldenen Faden zusammengehalten.<\/p>\n<p>Das ist grundlegend f\u00fcr uns: Auch die, die wir Unmenschen nennen, sind Menschen und sollen als solche behandelt werden, sonst werden <em>wir<\/em> zu Unmenschen.<\/p>\n<p>Die Autorin Marylynne Robinson sagt es so treffend: \u201eF\u00fcr mich sieht es danach aus, dass die Menschen dazu neigen zu vergessen, dass wir unsere Feinde lieben sollen. Nicht um einen Grad an Gerechtigkeit zu erf\u00fcllen, sondern weil Gott ihr Vater ist und sie liebt\u201c.<\/p>\n<p>Das Bild Gottes kann bis zur Unkenntlichkeit verzerrt werden, aber es kann keinem Menschen genommen werden. Jeder Mensch ist kostbar und heilig.<\/p>\n<p>Du \u201ebist immer schon geliebt\u201c, sagte der d\u00e4nische Musiker Peter Bastian. Das ist die Gnade Gottes. Das ist seine Liebe zur Welt, zu dir und mir. Von Anfang bis Ende. Das ist die tiefste Wahrheit.<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist in dir eingeblasen, als du himmlisch geschaffen wurdest.<\/p>\n<p>Die Wahrheit tr\u00e4gt Jesus Christus min die Welt von Ewigkeit zu Ewigkeit.<\/p>\n<p>Die Wahrheit manifestiert sich in einem sich immer erneuernden Geist von Pfingsten.<\/p>\n<p>Die Liebe Gottes ist der goldene Faden, der die Welt aufrechterh\u00e4lt und dich und mich zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Zugleich ein Gericht \u00fcber all das, was nicht Liebe ist. Und das ist das an Jesus und den Geschichten von ihm, was am meisten provoziert. Dass er in der Liebe keine Kompromisse eingehen kann \u2013 auch nicht, wenn sie schwierig oder unrealistisch ist oder wenn ihm Hass und Dem\u00fctigung begegnet. Auch nicht, als er am Kreuz stirbt. Denn da macht er uns frei. Frei von Hass und Rache. Am Karfreitag und an Ostern wird die Welt neu. Gott ist bei uns als lebendiger Geist. Finsternis und Tod werden durch die goldenen F\u00e4den des Lebens eingefangen. Jeder grauer Augenblick. Es fl\u00fcstert himmlisch in dem Laube. Et atmet pfingstlich g\u00fclden \u00fcberm Staube und in uns, die wir Staub sind. lebendig machend, erneuernd.<\/p>\n<p>So erneuert euch denn!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pastorin Tine Illum<\/p>\n<p>DK-6091 Bjert<\/p>\n<p>Email: ti(at)km.dk<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Heilige Geist &#8211; das Bild Gottes in uns | Pfingstmontag 2021 | Johannes 3,16-21 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Tine Illum |&nbsp;&nbsp; Das sch\u00f6ne Gewand, das der K\u00f6nig anhatte &#8211; erz\u00e4hlte der alte Lehrer Scott \u2013 das war in einer besonderen Weise gewebt mit einem goldenem Faden, der sich durch den ganzen Stoff zieht. 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