{"id":5207,"date":"2021-05-26T12:46:58","date_gmt":"2021-05-26T10:46:58","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5207"},"modified":"2021-05-26T13:13:48","modified_gmt":"2021-05-26T11:13:48","slug":"predigt-zu-johannes-31-8-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-johannes-31-8-3\/","title":{"rendered":"Predigt zu Johannes 3,1-8"},"content":{"rendered":"<h3>\u201eGeheimgespr\u00e4ch\u201c | 30.5. 2021 | Predigt zu Joh. 3, 1-8 | verfasst von Reinhard Schmidt-Rost |<\/h3>\n<p><em>Es war aber ein Mensch unter den Pharis\u00e4ern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. 2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. 4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. 7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr m\u00fcsst von neuem geboren werden. 8 Der Wind bl\u00e4st, wo er will, und du h\u00f6rst sein Sausen wohl; aber du wei\u00dft nicht, woher er kommt und wohin er f\u00e4hrt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. <\/em><\/p>\n<p>Geheimnisvolle Stille liegt \u00fcber dem Ort der Begegnung. W\u00e4re es ein Film und keine Erz\u00e4hlung, die ersten Worte w\u00e4ren nur Bilder, und Musik w\u00fcrde die Bilder tragen, die sich im Leser bilden:<\/p>\n<p>Jerusalem bei Nacht, kein Lampenschein dringt als Lebenszeichen aus den H\u00e4usern in die Finsternis, die Stra\u00dfen der Davidsstadt liegen unter der Decke der Dunkelheit. Die schmale Mondsichel l\u00e4sst Himmel und Erde noch dunkler wirken, tiefschwarz zeichnen sich die Schatten der B\u00e4ume, die Silhouetten der H\u00fcgel auf dem leicht glitzernden Horizont ab. Sogar der Wind ist fast eingeschlafen. Wer jetzt unterwegs ist, kann sicher sein: Er wird nicht gesehen, schon gar nicht erkannt \u2013 und wer sich trifft, hat sich verabredet, zuf\u00e4llig geschieht das nicht zu dieser Stunde.<\/p>\n<p>Zwei haben sich verabredet, ein angesehener B\u00fcrger der Stadt, Mitglied des Rats, und der junge Wanderrabbi aus dem Norden, von dem viel geredet wird in diesen Tagen. Soll es keiner erfahren, dass ein Kontakt stattgefunden hat? Will der Ratsherr sich nicht kompromittieren? Und hat der junge Lehrer nicht allen Grund vorsichtig zu sein? Er hat sich schlie\u00dflich gerade mit den H\u00e4ndlern im Tempel angelegt, und dabei ist es zu einer heftigen St\u00f6rung der \u00f6ffentlichen Ordnung gekommen.<\/p>\n<p>Mit diesen Bildern und Assoziationen f\u00fchrt der Evangelist Johannes in die Begegnung zwischen Jesus und dem Pharis\u00e4er Nikodemus ein: <em>Es war aber ein Mensch unter den Pharis\u00e4ern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht. (Joh 3,1f)<\/em><\/p>\n<p>Nun beginnt das geheime Gespr\u00e4ch im Schutz der Dunkelheit, zwischen Ratsherr und Rabbi, von Johannes in wenigen S\u00e4tzen angedeutet, ganz knapp. Man meint fast, sie redeten aneinander vorbei. Die karge Skizze deutet das Wichtige lediglich an. Der \u00c4ltere spricht \u00fcberraschend respektvoll zum J\u00fcngeren: <em>Du bist ein Lehrer, von Gott gekommen, denn niemand kann die Zeichen tun, die du getan hast<\/em>.<\/p>\n<p>Ob er damit die allgemeine Meinung wiedergibt? Wohl kaum, andere Ratsmitglieder dachten sicher sehr viel kritischer \u2013 Hokuspokus oder so \u00e4hnlich, Rattenf\u00e4nger, Aufr\u00fchrer, Volksverf\u00fchrer.<\/p>\n<p>Man sp\u00fcrt, wie er sucht, er horcht den J\u00fcngeren nicht aus, stellt ihn auch nicht auf die Probe. Zweifelt er? An sich selbst? An seinem Weg? Meint er etwa gar, er habe tats\u00e4chlich <em>den<\/em> Lehrer, den <em>Gesandten<\/em> Gottes getroffen, von dem Israel sich seit langem das Heil erhofft \u2013 ohne einig zu sein, wie dieses Heil wohl aussehen k\u00f6nnte: Weltmacht, geistige Klarheit, Leben nach dem Tod bei Gott?<\/p>\n<p>Oder ist er nur unzufrieden mit dem System, zu dem er selbst geh\u00f6rt? Hat er ein feineres Ohr als seine Amtsbr\u00fcder f\u00fcr die br\u00fcchige Stabilit\u00e4t der Ordnung, die Menschen konservieren aus Angst vor Ver\u00e4nderung? Die Antwort des J\u00fcngeren ersp\u00fcrt die Frage, die der \u00c4ltere in das geheime Gespr\u00e4ch mitbringt \u2013 und beantwortet sie mit einem ebenso klaren wie dunklen Wort: <em>Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ein klares Wort &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Klar an diesem Wort ist: Die Zeichen, die ich vollbringe, sagt Jesus, Heilungen, Speisungen, Wandlungen, sie weisen auf das Reich Gottes hin, wie Zeichen. Aber in solchen Zeichen besteht das Reich Gottes nicht, diese Zeichen sind es nicht selbst.<\/p>\n<p>Wer Menschen gesund oder satt macht oder ihnen festlich reinen Wein einschenkt, das ist alles sch\u00f6n und gut, sozial \u00fcberaus w\u00fcnschenswert. Aber das Reich Gottes ist kein Sozialstaat und kein Schlaraffenland. Ja, es ist besser, es sich gar nicht als Land vorzustellen, sondern als eine Atmosph\u00e4re, als ein geistiges Klima, in das Menschen hineinkommen oder in dessen Genuss man kommt; so wie Menschen, die an einer geistvollen Tagung teilnehmen oder an einer literarischen-k\u00fcnstlerischen Darbietung \u2013 zwar in einen Raum hineingehen, aber ohne diese geistigen Eindr\u00fccke bliebe selbst dieser ausdrucksvolle Raum ein totes Gem\u00e4uer.<\/p>\n<p>Wer Gott an diesem oder jenem Ort zu finden meint, der verwechselt das Bauwerk, das Menschen gemacht haben mit dem Geist, der sie zu diesem Kunstwerk antrieb. Es geht um den Geist, der einen Raum genauso wie eine Gruppe von Menschen erf\u00fcllen und zum Reich Gottes machen kann, eine Atmosph\u00e4re, in der sich Menschen wie neugeboren f\u00fchlen.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Atmosph\u00e4re musst Du, Nikodemus, daf\u00fcr m\u00fcsst Ihr, Schwestern und Br\u00fcder, ein Gef\u00fchl entwickeln, ein Sensorium. Ich bringe es nicht in meinen Zeichen, sagt Jesus, nicht im Hochzeitswein von Kana, nicht im Brot der Speisung, nicht in Krankenheilungen \u2013 und auch ich selbst als Person bin nur das Medium f\u00fcr diese Atmosph\u00e4re, ich bin die T\u00fcr, das Brot, der Weinstock \u2013 die Pflanze, die ihren Fr\u00fcchten Leben vermittelt.<\/p>\n<p><strong>&#8230; kann missverst\u00e4ndlich sein<\/strong><\/p>\n<p>Das Vertrackte aber ist dies: Die Menschen suchen sich nun mal am liebsten Menschen als Medium. Sie k\u00f6nnen nicht anders, obwohl der Irrtum dann besonders nahe liegt. Denn sie bewundern die Menschen grenzenlos. Sie verg\u00f6ttern die Menschen, die ihnen als Medium Eindruck machen, und sagen dann: Er hat sich uns als Gott geoffenbart.<\/p>\n<p>Dabei haben sie den Mittler sich als Gott bestimmt und verf\u00fcgen nun \u00fcber ihn, schreiben Lehrs\u00e4tze und Streits\u00e4tze, Erkenntnisse und Bekenntnisse. Aber die Person ist doch nur das aller \u00e4lteste Medium, die Maske, durch die Gott als Geist zu den Menschen spricht. Wie sollte Gott als Geist anders zu Menschen sprechen als zun\u00e4chst durch Menschen?<\/p>\n<p>Der Geist aber ist wie der Wind, wie der Schall, der Worte vom Mund zum Ohr tr\u00e4gt: <em>Der Wind bl\u00e4st, wo er will, und du h\u00f6rst sein Sausen wohl; aber du wei\u00dft nicht, woher er kommt und wohin er f\u00e4hrt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. (Joh 3,8)<\/em><\/p>\n<p>Wie Wasser und Wind wirkt Gottes Geist. Gott als Geist wirkt als Schall, wirkt durch das H\u00f6ren. Der Glaube kommt aus dem H\u00f6ren, schreibt der Apostel Paulus. Glauben beruht auf H\u00f6ren, aber er erzeugt keine H\u00f6rigkeit, ein H\u00f6ren, das frei macht, nicht versklavt, sondern in Freiheit best\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Nicht Schall und Rauch ist Gottes Geist, sondern eine ganz bestimmte kr\u00e4ftige geistige Anregung, die das Herz des Menschen weit macht und frei. Wir m\u00fcssten uns nicht einmal gro\u00df dar\u00fcber streiten. Oder der Streit w\u00e4re ein Gespr\u00e4ch dar\u00fcber, wo wir ihn finden, den Geist, der freimacht.<\/p>\n<p>Denn im Grunde kann es jeder empfinden: Was frei macht, darin wirkt Gottes Geist. Viele T\u00f6ne dr\u00f6hnen in den Ohren, L\u00e4rm fesselt, Marschbefehle diktieren, Angst vor Strafe und vor Gewalt bindet. Aber auch s\u00fc\u00dfe Worte k\u00f6nnen binden \u2013 die s\u00fc\u00dfen Worte der Liebe binden an Personen.<\/p>\n<p>Der Geist Gottes aber bindet nicht, weder an Christus noch an irgendeinen Rabbi. Er bindet nicht, aber er kr\u00e4ftigt. Diese befreiende Wirkung ist es, die wir suchen, wenn wir Christen Christus verehren.<\/p>\n<p><strong>N\u00e4he zu Jesus<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df wohl, dass viele meiner Br\u00fcder und Schwestern in Christo sagen: Nur in der N\u00e4he zu Jesus in Person finden wir Gottes Heil, er hat uns die Last unserer S\u00fcnden abgenommen.<\/p>\n<p>Aber gerade vor dieser Vergottung ist Jesus von Nazareth immer wieder geflohen. Es ist die Versuchung der Weltmacht, wenn sich Personen die Macht mit Gewalt nehmen, die ihnen zugeschoben \u2013 ja aufgedr\u00e4ngt wird. Jesus hat sich dem Zugriff der Menge immer wieder entzogen \u2013 und damit eine Weisheit Israels verwirklicht: Gott ist nicht in Bildern, ja nicht einmal in seinem Namen anzusprechen. Schon das w\u00e4re eine Verwirklichung von Allmacht, die die Menschen abh\u00e4ngig macht, vereinheitlicht, zusammenschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, wir alle haben die Wirkung eindrucksvoller Menschen schon erlebt. Aber der Star, der seinen Kult selbst betriebe, w\u00e4re f\u00fcr uns kein anregender Mensch, sondern nur ein publicity-gieriger Star, ob beim Sport, als K\u00fcnstler oder als Kaiser. Mittler des Geistes Gottes verf\u00fcgen weder \u00fcber Gott, noch beherrschen sie die Menschen, und sie wirken doch. Der Geist wirkt in ihnen und durch sie und gerade deshalb wirken sie so eindrucksvoll, dass sensible k\u00fcnstlerisch begabte Menschen sie als Heilige, ja als G\u00f6tter malen. Diese Bilder entsprechen der menschlichen Auffassungsgabe, aber sie sind Projektionen menschlicher W\u00fcnsche und Tr\u00e4ume \u2013 und binden den Geist des Menschen an seine W\u00fcnsche.<\/p>\n<p><strong>Johannes\u2019 Botschaft vom Reich Gottes<\/strong><\/p>\n<p><em>Der Wind weht, wo er will<\/em> \u2026. Gottes Geist wirkt wie Wasser und Wind, anregend, erfrischend, fruchtbringend. Und doch denkt man beim Blick in die Geschichte der Menschheit zumeist nur an die tollen Techniker, die das Wasser aufs Land zu leiten verstanden oder Windm\u00fchlen bauten und nun schon ins Meer hinaussetzen.<\/p>\n<p>Die <em>neue Geburt<\/em>, wie Johannes sagt, die Metanoia, das <em>Umdenken<\/em>, wie die anderen Evangelisten schreiben, die <em>Bu\u00dfe<\/em>, wie Luther es leider im Geist seiner Zeit \u00fcbersetzt hat, das ist der Kern des Glaubens: sich immer wieder vorzustellen, im Herzen nachzuf\u00fchlen, wie Gottes Kraft erneuernd wirkt: nicht Druck, sondern Milde, nicht Gewalt, sondern G\u00fcte, nicht Zwang, sondern Entfaltung, nicht Verfolgen, sondern Entgegenkommen schafft Leben; Leben, das \u00fcber die Generationen hinweg die Menschen verbindet, solange die Menschheit auf der Erde existiert.<\/p>\n<p>So einfach ist die Botschaft und so leicht in Erfahrung zu bringen, aber auch so brisant. Denn die Botschaft der Weltreiche ist eine ganz andere: Wer herrschen will, braucht das Schwert, muss Gewalt einsetzen, muss sich der Technik, auch der Massenmedien zur Festigung seiner Herrschaft bedienen \u2013 und vernichtet damit nach und nach die Lebensm\u00f6glichkeiten der Menschheit. Und das hei\u00dft auch: Wer herrschen will, muss eindeutige Antworten geben, kann sich nicht mit der Vielfalt anfreunden. Das geht s\u00e4kular bis zur Rede von einer Rasse, einem Volk, einem F\u00fchrer \u2013 und auch, leider, geistlich zu einem Lehramt; aber auch dieses einheitliche Lehramt wirkte in einer aufgekl\u00e4rten Welt ja \u2013 nebenbei gesagt \u2013 nur zu weiterer Vielfalt, und reagiert darauf mit elektronischer Vereinheitlichung.<\/p>\n<p><strong>Menschliche Maske und g\u00f6ttlicher Geist<\/strong><\/p>\n<p>Johannes wirbt f\u00fcr die Botschaft vom Reich Gottes mit allen M\u00f6glichkeiten seiner Medienkompetenz: Er l\u00e4sst Gott nicht als Richter auftreten, der den Menschen zur Rechenschaft zieht oder begnadigt, wie es Paulus getan hat \u2013 und Matth\u00e4us, der vom Weltenrichter spricht. Er zeichnet Gott oft auch als Person, wie die anderen Evangelisten, aber nur soweit, wie es ihm unvermeidlich erscheint.<\/p>\n<p>Die Maske, Persona, setzen Menschen Gott \u2013 um es noch einmal zu unterstreichen \u2013\u00a0 unvermeidlich auf, damit er zu ihnen sprechen, auf sie einwirken kann. Aber nicht, weil Gott menschengleich treffend und ausreichend gekennzeichnet w\u00e4re, sondern weil die Kraft, mit der er zum Leben wirkt, nur in dieser Maske, in Persona, von Menschen geh\u00f6rt wird, bis in die letzten Reihen des Welttheaters. Gott ist Geist, Gott ist nicht Mensch, er kommt in der Menschenmaske, den Menschen zu Liebe.<\/p>\n<p>Das Reformationsfest bietet die Gelegenheit, die stetige Aufgabe der Reformation, die sich der Christenheit stellt, zu bedenken, wie sie Gottes Geistesfreiheit entspricht: Die lutherische Reformation hat den einzelnen Menschen zur Selbst\u00e4ndigkeit gerufen, zu einer Freiheit, die aus dem H\u00f6ren kommt, aus dem Lauschen auf den Geist Gottes; jeder kann f\u00fcr sich selig werden; sie hat damit aber auch die Entwicklung gef\u00f6rdert, die in der Moderne einen Personenkult des Individuums hervorbrachte. Dabei war der Sinn dieser Reformation: Das Heil geschieht an jedem einzelnen Menschen, aber nicht vermittelt durch eine Weltmachtinstitution mit ihrer Zentrale in Rom, sondern durch einen geistigen Prozess, der wie der Wind frei um den ganzen Globus weht \u2013 und wo immer Menschen sich diesem Geist \u00f6ffnen, da wirken sie mit, dass dieser Wind wirkt.<\/p>\n<p>Wer je Texte aus christlich-b\u00fcrgerlichen Zeitschriften von vor 100 Jahren liest, der kann eine Vorstellung von dem Selbstbewusstsein bekommen, mit dem sich evangelische Christen in Deutschland im Kaiserreich zugleich auf Luther, die deutsche Nation und die deutsche Klassik st\u00fctzten. \u201eH\u00f6chstes Gl\u00fcck der Erdenkinder ist doch die Pers\u00f6nlichkeit!\u201c so wurde Goethe immer wieder zitiert.<\/p>\n<p>Aber dieses Selbstbewusstsein war in wichtigen Phasen der Weltgeschichte personengebunden, nicht selbstkritisch und dann auch nicht f\u00e4hig, auf die Politik kritisch einzuwirken. Sie konnten die Maske nicht vom Geist trennen.<\/p>\n<p>Neu geboren werden: Nicht aus der Gewalt, sondern aus der G\u00fcte leben, die uns umweht, wenn wir aufatmen, die Atmosph\u00e4re sp\u00fcren, die frei und kr\u00e4ftig werden l\u00e4sst, und sie weiter verbreiten, als Eltern den Kindern, als Gro\u00dfeltern den Enkeln, unter Freunden, in Geschichten, Gesten, Liedern und auch Bildern \u2026diesen Gedanken \u2013 nicht aus Gewalt, sondern aus G\u00fcte bl\u00fcht Leben \u2013 diesen Gedanken hat der Rabbi Jesus von Nazareth bei Propheten und Weisheitslehrern seines Volkes gefunden, aufgenommen und weitergegeben. Ein Weltmacht ersch\u00fctternder Gedanke \u2013 daf\u00fcr ist Jesus mit seinem Leben als Zeuge aufgetreten. Es verdunkelt diese helle Botschaft, wenn wir Jesus zum Weltgewaltherrscher erheben wollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie meinen, es w\u00e4re viel besser,<\/p>\n<p>er w\u00e4re als Held uns erschienen,<\/p>\n<p>sie w\u00fcrden gewiss gerne dienen,<\/p>\n<p>die Zunge, sie w\u00e4re das Messer,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>mit dem sie den Weg ihm bereiten,<\/p>\n<p>den als Himmelsk\u00f6nig sie schildern,<\/p>\n<p>mit Gerichtsszenarien bebildern<\/p>\n<p>den Herrn aller Herrlichkeiten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch d\u00e4mmert am Abend des Lebens,<\/p>\n<p>nicht nur dem geheimen Rat,<\/p>\n<p>dass Menschenm\u00fche vergebens,<\/p>\n<p>und blind eines jeden Tat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was jemals als Leben erbl\u00fchte,<\/p>\n<p>es wuchs aus dem Geiste der G\u00fcte.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>EG 681 Gelobt sei deine Treu (Gerhard Fritzsche\/Johannes Petzold 1938)<\/p>\n<p>EG 566 Der Geist des Herrn erf\u00fcllt das All (Marie Luise Thurmair, 1941)<\/p>\n<p>EG 677 Die Erde ist des Herrn (Jochen Rie\u00df (1985)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Prof. i.R. Dr. Reinhard Schmidt-Rost, Bonn<\/p>\n<p>e-mail: <a href=\"mailto:r.schmidt-rost@uni-bonn.de\">r.schmidt-rost@uni-bonn.de<\/a><\/p>\n<p>zur Person: Reinhard Schmidt-Rost, geb. 1949, Dipl. psych., Pfarrer der W\u00fcrttembergischen Landeskirche 1979-81, 87-93, Prof. f. Praktische Theologie in Kiel (1992-99) und Bonn (1999-2016).<\/p>\n<p>Mitarbeit beim Evangelischen Presseverband Nord, Radio Paradiso Berlin, wdr-Andachten. Ltg. des Pastoralkollegs der VELKD 1995-2010, Mitarbeit im Studienhaus der VELKD in Pullach, Mitorganisator des Bonner \u00f6kumenischen Predigtpreises (seit 2000).<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Zum Ort der Predigt:<\/strong><\/p>\n<p>Titel der akademischen Predigtreihe in der Schlo\u00dfkirche der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t:<\/p>\n<p>Johannes, der Medienexperte<\/p>\n<p>Untertitel der Predigt \u201eGeheimgespr\u00e4ch\u201c: Rede vom Reich Gottes durch die menschliche Maske hindurch<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Einleitende Bemerkungen:<\/strong><\/p>\n<p>Der Evangelist Johannes wirbt f\u00fcr die Botschaft vom Reich Gottes mit allen M\u00f6glichkeiten seiner Medienkompetenz. Oft zeichnet er Gott auch als Person. Allerdings nicht, weil Gott menschengleich treffend und ausreichend gekennzeichnet w\u00e4re: Gott kommt bei Johannes in der Menschenmaske zu den Menschen, weil die Kraft, mit der er zum Leben wirkt, nur in dieser Maske, in Persona, von Menschen geh\u00f6rt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGeheimgespr\u00e4ch\u201c | 30.5. 2021 | Predigt zu Joh. 3, 1-8 | verfasst von Reinhard Schmidt-Rost | Es war aber ein Mensch unter den Pharis\u00e4ern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. 2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5197,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,157,114,223,349,3,109,183,395],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-5207","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-3-chapter-3-johannes","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-reinhard-schmidt-rost","category-trinitatis"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5207"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5207\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5208,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5207\/revisions\/5208"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5197"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5207"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=5207"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=5207"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=5207"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=5207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}