{"id":5209,"date":"2021-05-26T12:18:42","date_gmt":"2021-05-26T10:18:42","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5209"},"modified":"2021-05-26T13:22:15","modified_gmt":"2021-05-26T11:22:15","slug":"predigt-zu-johannes-31-8-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-johannes-31-8-4\/","title":{"rendered":"Predigt zu Johannes 3,1-8"},"content":{"rendered":"<h3>Die Fragen des Nikodemus \u2013 und die Antwort Jesu | Trinitatis | Johannes 3,1-15 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Preben Kr\u00e6n Christensen |<\/h3>\n<p>Trinitatis \u2013 endlich! Das bedeutet, dass es nach all den Festen Alltag geworden ist. Das letzte aller dieser Feste war Pfingsten.<\/p>\n<p>Und ganz abgesehen davon, dass wir Bier getrunken haben, zusammen Fisch gegessen haben mit Verwandten und Freunden und hoffentlich die Pfingstsonne haben tanzen sehen, so ist dieses Fest eine Best\u00e4tigung der Liebe Gottes zu uns. Ein Fest, das die Verantwortung f\u00fcr die Welt und uns selbst und einander in unsere H\u00e4nde legt. Das Fest, das uns darin vergewissert, dass der Geist Gottes mit uns ist als Hilfe und St\u00fctze, wenn uns der Mut verlassen sollte. Jetzt und immer, wenn wir aus der hohen Zeit in die flache Zeit \u00fcbergehen, von dem Fest in den Alltag. Nun sollen wir am eigenen Leib erfahren, wie sich das Leben auf Erden im Lichte des Himmels ausnimmt, der heute und zu allen Zeiten auf uns niederschl\u00e4gt \u2013 in jedem Augenblick!<\/p>\n<p>Sobald man nicht mehr ein Kind ist, wei\u00df man, von nichts kommt nichts. Nur Querk\u00f6pfe reden darum herum und sagen, dass dies der Fall ist oder eine Entwicklung, wenn sie das sehen, was von Gott kommt. Aber wir k\u00e4mpfen mit dem Gedanken \u2013 stets herausgefordert. Der Raum, die Sterne, die Sonne und der Mond, die Erde, auf der wir leben \u2013 wie fing das an? Ist es Gott der Sch\u00f6pfer, oder ist es der gro\u00dfe Urknall, mit dem alles begann? Und wenn man damit beginnt, dar\u00fcber nachzudenken, kann das Merkw\u00fcrdige geschehen: Sobald man seine Spekulationen begonnen hat und alles im Kopf durcheinandergeht, dann reicht unser Denken nicht aus. \u201eWenn Sie mehr wissen wollen\u201c, hei\u00dft ein bekannter Slogan einer gro\u00dfen d\u00e4nischen Zeitung, und das ist genau das, was wir wollen, immer mehr wissen. Ganz gleich wieviel Wissen wir anh\u00e4ufen, wir wollen doch immer gerne mehr wissen \u2013 und das Suchen h\u00f6rt deshalb nie auf. Das ist die Mauer \u2013 die unsichtbare Mauer, \u00fcber die man nicht klettern kann und die man nicht umgehen kann, gegen die wir aber immer anrennen.<\/p>\n<p>Meine Erfahrung ist, dass viele so viel \u00fcber das Dasein und das Leben nachdenken, dass das Leben auseinanderf\u00e4llt \u2013 das Denken kann einen Menschen zu Boden werfen, in die Knie zwingen. Kennt ihr nicht dies, dass man auf eine Krankheitsgeschichte h\u00f6rt und sogleich selbst etwas \u00c4hnliches bei sich sp\u00fcrt? Die Seele oder die Psyche kann es nicht ertragen. Pl\u00f6tzlich wirft man einfach das Handtuch in den Ring \u2013 gibt auf, gibt sich verloren, und wenn man nicht ganz im Boden versunken ist und sich in die Ring-Ecke schleppen kann, muss man ja hoffen, dass da jemand ist, der einen wieder auf die Beine helfen kann.<\/p>\n<p>Das wusste der Nachtschw\u00e4rmer Nikodemus. Nikodemus ist angeschlagen, und wo die meisten von uns sicher einen Arzt aufgesucht h\u00e4tten, der einem etwas verschreibt, das uns wieder munter macht, ja da geht Nikodemus zu unserem Herrn. Er hat eingesehen, dass er selbst nicht imstande ist herauszufinden, worauf dieses Leben hier eigentlich hinausl\u00e4uft. Und da \u00f6ffnet sich pl\u00f6tzlich eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr ihn, als Jesus die Stadt besucht.<\/p>\n<p>Wenn man das erfahren hat, dass man in den Kreisverkehr des Lebens hineinf\u00e4hrt, ohne dass ein inneres GPS einem sagt, wo man abbiegen kann, dann wird man frustriert und schimpft auf das GPS. Nikodemus will nicht aufgeben, sondern erscheint mit allen seinen Fragen \u2013 all den Fragen, auf die er selbst keine Antwort finden konnte und auf die auch andere nicht antworten konnten. Er, der von Gott gekommen ist, muss doch einige von diesen Fragen beantworten k\u00f6nnen \u2013 sonst verst\u00fcnde er ja gar nichts mehr.<\/p>\n<p>Und es besteht kein Zweifel daran, dass sie die ganze Nacht zusammen gesprochen haben, bis er wieder eine Richtung in seinem Leben gefunden hatte. Sie haben von dem Sch\u00f6pfer gesprochen, vom dem, der Licht schuf, sie haben von dem gesprochen, der das Universum auf den Weg brachte, von dem der Adam und Eva aus dem Paradies verwies, von dem, der zur\u00fcckkehrte und etwas mit uns zu tun haben wollte, so dass wir nicht verzweifeln sollten, sondern stets den Blick zum Himmel richten k\u00f6nnen und sehen und h\u00f6ren, dass Nikodemus und wir nicht allein sind.<\/p>\n<p>Er erz\u00e4hlte vom ersten Menschen, der im Bilde Gottes geschaffen war, der Mann und Frau war, damit Liebe entstehen konnte. So dass man sich von Angesicht zu Angesicht begegnen konnte, von Mund zu Mund, wo Kinder in die Welt kamen und gro\u00df wurden und da weitermachten, wo wir aufgegeben hatten.<\/p>\n<p>Eines Tages werden wir hier nicht mehr sein, aber das Leben geht hier weiter durch unsere Kinder und Kindeskinder, die das Leben fortf\u00fchren, indem sie Liebe geben und empfangen. Und das Leben geht auch danach sozusagen weiter.<\/p>\n<p>Verstehst du das? Versteht ihr das? Nein, im Grunde kann unser Verstand das nicht fassen. Wir wollen am liebsten Regeln haben, Richtlinien, F\u00fchrung, wir wollen uns und am liebsten mit der Welt der Logik besch\u00e4ftigen. Da haben wir n\u00e4mlich die Dinge im Griff, da k\u00f6nnen wir alles \u00fcberschauen, da haben wir die Macht. Aber Gott haben wir nie in unserer Hand \u2013 Gott liegt nie in unserer Macht, denn \u201eder Wind bl\u00e4st, wo er will, und du h\u00f6rst sein sausen wohl; aber du wei\u00dft nicht, woher er kommt und wohin er f\u00e4hrt\u201c.<\/p>\n<p>Und dann h\u00f6ren wir, dass der, der neu geboren ist, das Reich Gottes sehen kann \u2013 d.h. all das verstehen kann. Wir k\u00f6nnen die Herrlichkeiten nicht selbst aufschlie\u00dfen, wenn ich das so sagen darf. Da brauchen wir Hilfe.<\/p>\n<p>Von Wasser und Geist geboren werden, das bedeutet sich selbst loslassen \u2013 und Gott walten lassen. Damit ist nicht gesagt, dass einem das Leben dann leichter f\u00e4llt oder dass das Leben eine lange Wanderung auf der Seite der Stra\u00dfe wird, wo immer die Sonne scheint. Oder dass man hier im Leben nie in die Knie gezwungen wird. Aber die Gabe annehmen, das Leben empfangen, das Reich Gottes annehmen, das bedeutet, dass man daran glaubt, dass das Reich Gottes einem ein f\u00fcr alle Mal geschenkt ist. Damals als du getauft wurdest. Damit folgt der Glaube daran, dass Gott bei uns ist \u2013 auch in schwerer Zeit, wo wir einsam, vergessen oder verlassen sind.<\/p>\n<p>Die Taufe ist also der Ort, an dem die neue Sch\u00f6pfung stattfindet. Nachdem wir das kleine Wasser im Mutterleib verlassen haben, sollen wir neu geboren werden. Wir m\u00fcssen wieder zum Wasser \u2013 und wenn das geschieht, hat Gott seinen Bund mit dem kleinen Kind geschlossen, mit dir, mit dem Menschen, seinem Glauben an dich, seine Hoffnung f\u00fcr dich und seine Liebe zu dir \u00f6ffnet das Reich Gottes. Und wir k\u00f6nnen das weder sehen, f\u00fchlen noch merken. Aber wir k\u00f6nnen es glauben, wenn er zu uns spricht \u2013 verstehen werden wir es jedenfalls nie.<\/p>\n<p>Wenn wir an einem Abend sitzen und die Dunkelheit sich \u00fcber uns gelegt hat und dann \u00fcber den Sinn des ganzen nachdenken, ein Glas Rotwein getrunken haben, den Kautabak im Munde noch einmal gewendet haben, und wenn man in Einsamkeit und Verlassenheit und Verzweiflung zu versinken droht, da kann es helfen, an die Worte zu denken, die bei der Taufe gesagt wurden: <em>Der allm\u00e4chtige Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der dich nun wiedergeboren hat durch Wasser und den Heiligen Geist \u2026 <\/em>&nbsp;Diese Worte betonen n\u00e4mlich, dass du schon teilhast am Reich Gottes. Gott ist vom Himmel herabgestiegen, um uns dies zu sagen \u2013 und er ist nach seinem irdischen Tod wieder aufgefahren in den Himmel. F\u00fcr uns. Denn die Liebe Gottes erkaltet nicht! Nicht einmal aller menschlicher Verstand kann sie zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Liebe Gottes bedeutet, dass es im Leben um mehr geht als Fu\u00dfball und Reisen, als Arbeit und sinnlosen Konsum, da ist mehr als du selbst, da ist auch er, der den Wind wehen l\u00e4sst und ihn fahren l\u00e4sst, wohin er will. So ging Nikodemus nicht unverrichteter Dinge von unserem Herrn. Er erhielt eine Antwort, die Antwort auf die Frage, was Gott bedeutet. Er erfuhr, dass Gott der ist, f\u00fcr den alles m\u00f6glich ist. Er erh\u00f6hte den Menschensohn, damit wir ewiges Leben in ihm haben. Es l\u00e4sst nie von dir, er verl\u00e4sst dich nie, im Leben ist er bei dir, im Tode sprengt er die Fesseln und nimmt dich zu dir, du bist nicht ein Nichts, wenn du von mir geliebt bist, so spricht er zu dem, der geboren ist aus Wasser und Geist.<\/p>\n<p>Neu geboren sein bedeutet, dass das ein Werk Gottes ist. Im Leben und im Sterben. Und Christus sitzt nun, nachdem Nikodemus\u2013 mit Ruhe im Sinn \u2013 nachhause gegangen ist, zur Rechten Gottes. Der ist von den Toten auferstanden. Er sieht alles, aber er richtet mit Milde, G\u00fcte, Barmherzigkeit, Liebe \u2013 das, was man die Gnade Gottes nennt. Verstehst du das? Wenn du mir nur ein wenig \u00e4hnlich bist, verstehst du es nicht. Aber das ist auch ok \u2013 denn das muss man <em>glauben<\/em>! Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Propst Preben Kr\u00e6n Christensen<br \/>\nDK-6710 Esbjerg V<\/p>\n<p>E-Mail: pkch(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fragen des Nikodemus \u2013 und die Antwort Jesu | Trinitatis | Johannes 3,1-15 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Preben Kr\u00e6n Christensen | Trinitatis \u2013 endlich! Das bedeutet, dass es nach all den Festen Alltag geworden ist. Das letzte aller dieser Feste war Pfingsten. 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