{"id":5225,"date":"2021-06-03T11:08:11","date_gmt":"2021-06-03T09:08:11","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5225"},"modified":"2021-06-03T11:17:46","modified_gmt":"2021-06-03T09:17:46","slug":"predigt-zu-jona-1-und-21f-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-jona-1-und-21f-11\/","title":{"rendered":"Predigt zu Jona 1 und 2,1f.11"},"content":{"rendered":"<h3>&#8222;Wie ein Nein zum Ja wird&#8220; | Predigt zu Jona 1 und 2,1f.11 | Sonntag 6. Juni 2012 |&nbsp;verfasst von Eberhard Busch |<\/h3>\n<p>\u201eGott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen\u201c (1Tim 2,4), so ist es in unsrer Bibel zu lesen. \u201eZur Erkenntnis der Wahrheit kommen\u201c, das hei\u00dft eben, zur Erkenntnis dieser Hilfe kommen: der Hilfe f\u00fcr alle Menschen, f\u00fcr alles, was lebt. Das ist Gottes einer guter Willen mit seinen Gesch\u00f6pfen. Und das ist <em>die <\/em>Wahrheit. Der verlesene Text, ja das ganze Buch Jona mit seinen vier Kapiteln ist eine beachtenswerte Erl\u00e4uterung zu diesem Satz: \u201eGott will, dass <em>allen<\/em> geholfen werde.\u201c Daf\u00fcr kann er gut einen Gehilfen brauchen. \u201eWem Gott will recht Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.\u201c Ihn, den Jona, den Vertreter seines mit ihm verbundenen j\u00fcdischen Volkes, schickt er hin zu den Anderen, hin zu den V\u00f6lkern, hin nach Ninive. Dem getreu, dass Israel im ganzen&nbsp; berufen ist \u201ezum Bundesmittler f\u00fcr das Menschengeschlecht.\u201c (Jesaja 42,6)<\/p>\n<p>Ninive! Dorthin zu gehen, das ist jedoch, wei\u00df Gott, kein Schleck. Ninive eine Riesenweltstadt, in der ein wildes Leben bei Tag und Nacht pulsiert. Eine St\u00e4tte \u201evoll L\u00fcgen und R\u00e4uberei\u201c, sagt der Prophet Nahum (3,1). Oder sagen wir: ein Ort, wo die Nachrichten versteckt sind unter einem Wust von \u201efake news\u201c, ein Ort, wo man in manchen Quartieren seines Lebens nicht sicher ist. Ninive \u2013 eine Art \u201eDurcheinandertal\u201c, wie es der Dichter Friedrich D\u00fcrrenmatt beschrieben hat. Dort herrscht ein Lotterleben, in dem es drunter und dr\u00fcber geht.<\/p>\n<p>O, diese Anderen, die mir Fremden! \u2013 die leben nicht so, wie ich es f\u00fcr richtig halte, die f\u00fchren sich nicht auf, wie sie sollten. Mehr noch: die leben jenseits der von Gott geliebten Schar. Soll man sich zur\u00fcckziehen vor ihnen? Mit dem Spruch: Was gehen mich die Andren an! Ich bin mir selbst der N\u00e4chste. Oder soll man tolerant sein? Nach der Devise: Soll halt jeder nach seiner Fa\u00e7on selig werden. So oder so, man geht diesen Fremden am besten aus dem Weg. Und nun redet Gott seinem Jona gut zu, dass er das nicht machen soll. \u201eNein, gehe geradewegs auf sie zu! Bitte, geh denen nicht aus dem Weg! Genau dorthin geh\u00f6rst du jetzt.\u201c<\/p>\n<p>Warum muss das sein? Darum, so wird ihm von Gott aufgetragen: \u201ePredige wider sie! Denn ihre Bosheit ist heraufgekommen vor mich.\u201c Das \u00fcberrascht uns. Ist Gott denn nicht \u201eder liebe Gott\u201c? Doch, das ist er. Aber das ist er nicht, ohne das Verkehrte in unserm Leben und in der Welt zu verabschieden. Gott will das stoppen. \u201eSo geht\u2019s nicht weiter, ihr Leute! So lauft ihr dem Abgrund entgegen.\u201c Das ist Gottes heiliger Ernst, dem Irrweg der Niniviten und ihrer Gesinnungs-Freunde ein Ende zu bereiten: \u201eBis hierher und nicht weiter!\u201c Das ist seine Strenge: sein striktes Nein dazu, dass wir die Giftbr\u00fche ausl\u00f6ffeln m\u00fcssen, die wir uns selbst eingebrockt haben.<\/p>\n<p>Ich denke, dass Jona klug genug war, in diesem strikten Nein das zu wittern, womit er am Ende der Geschichte den H\u00f6chsten in bitteren Worten anklagt: O nein, \u201eich wusste ja, dass du ein gn\u00e4diger und barmherziger Gott bist\u201c (Kap.4,2). Da hat er trotzdem recht. Soll denn dieser H\u00f6chste B\u00f6ses mit B\u00f6sem vergelten? Soll er dreinschlagen?&nbsp; O nein, sagt nun <em>Gott<\/em>: \u201eMein Herz ist andren Sinnes, all mein Mitleid ist entbrannt\u201c (Hosea 11,8). Gott f\u00e4llt sich selbst in den Arm und sagt Ja zu denen, zu denen er Nein sagen muss. Gott hat Gutes im Sinn. Das hat er sogar schon, als er zu den Heiden in jener Gro\u00dfstadt Nein sagt und als er sie zur Kehrtwende auf ihrem falschen Weg bewegt. Denn diese verdorbenen Leute, diese total verquere Volksmasse, diese uns widrigen Fremden \u2013 sie sollen <em>nicht<\/em> untergehen.<\/p>\n<p>Jawohl, es bleibt dabei. Das gilt: \u201eGott will, dass allen Menschen <em>geholfen<\/em> werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen\u201c Oder wie der Satz in einer neuen \u00dcbersetzung lautet: \u201eGott der Heiland will, dass allen Menschen geholfen werde, so dass das ihnen drohende Unheil sie nicht trifft.\u201c&nbsp; Das gilt sogar f\u00fcr die argen Heiden in Ninive. Und tats\u00e4chlich, das Wunder geschieht \u2013 und es ist immer ein Wunder, wenn das passiert: sie kehren um von ihrem Weg ins Verderben. Sie kommen zur Erkenntnis der Wahrheit. Sie tun Bu\u00dfe. Bu\u00dfe hei\u00dft genau dies: Umkehr. Bu\u00dfe ist nicht blo\u00df eine innere Angelegenheit, die ein jeder privat, in seinem Inneren mit sich selber ausmachen soll. Sie muss auch \u00f6ffentlich geltend gemacht werden.<\/p>\n<p>Und so sind die Niniviten mit ihrer Umkehr nun auch Anderen, sogar \u00fcber ihre Zeit hinaus, eine Lehre, ja, eine Einladung, die verh\u00e4ngnisvollen Wege zu verlassen, die in einer Katastrophe m\u00fcnden. Wir k\u00f6nnen es gerade heute sogar in der Zeitung lesen: Unsere Umkehr von b\u00f6sartigen Fehlwegen tut not. &#8230; Jesus hat \u00fcbrigens diese Geschichte von Jona gekannt. Er hat mit ihr unbu\u00dffertigen Menschen ins Gewissen geredet und gesagt: \u201eDie Leute von Ninive werden auftreten im Gericht Gottes zusammen mit diesem Menschengeschlecht und sie werden es verurteilen; denn <em>sie<\/em> taten Bu\u00dfe nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr denn Jona.\u201c (Mt 12,41) H\u00f6ren wir es bitte: So wie sich Gott vielmehr abkehrt von seinem Zorn, so antworten wir darauf mit unsrer Umkehr von unsren verkehrten Wegen.<\/p>\n<p>\u201eGott will, dass <em>allen<\/em> Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen\u201c. Also, \u201cliebe deinen N\u00e4chsten\u201c. N\u00e4chste, das hei\u00dft nicht: die, die <em>uns<\/em> naheliegen. N\u00e4chste sind die, die <em>Gott<\/em> uns nahelegt &#8211; nicht weil sie gute Menschen sind, sondern weil sie hilfsbed\u00fcrftig sind, weil sie es brauchen, dass <em>wir<\/em> ihnen zu N\u00e4chsten werden, zu guten Nachbarn. Gott will das, aber will das auch sein Diener, sein Kind? Jona sch\u00fcttelt sein Haupt. Gott sagt Ja. Jona sagt Nein. Er l\u00e4sst Gott los, aber Gott l\u00e4sst ihn nicht los. Er wirbt um ihn. Gott ist ihm wie eine Mutter, die sich in Liebe um das Wohlsein ihrer verschiedenen Kinder m\u00fcht. Gott geht ihm nach, l\u00e4sst ihm seinen Trotz nicht durch, nimmt ihn an der Hand, greift zu drastischem Mitteln, um ihn \u201ezur Erkenntnis der Wahrheit\u201c zu f\u00fchren, damit sein Helferwille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Und Gott will sein Werk nicht ohne ihn verrichten. Er will ihn daran beteiligen.<\/p>\n<p>Was muss Gott alles tun, um diesen Dienstverweigerer zur Mitarbeit zu gewinnen! Doch der hat keine Lust dazu. Er pocht auf die Abschiebung der Fremden aus seinem Gesichtskreis Dass sein guter Gott auch ihnen helfen will, das will dem Glied von Gottes Gemeinde partout nicht in den Kopf. Dazu sagt Jona Nein, ein Nein ohne alles Ja. Davor nimmt er Rei\u00dfaus. Ein solcher Gott, einer, der Mitleid mit den Falschen hat, wie er meint, mit den Hergelaufenen, ein solcher passt ihm nicht. Wo k\u00e4men wir da hin! Das st\u00f6rt seine Kreise. Kann er nicht auch seine Religion haben, <em>ohne<\/em> sie dabei zu haben? Lieber l\u00e4sst er die Anderen in ihrem Sumpf stecken, als dass er auch nur einen Finger f\u00fcr sie r\u00fchrt. Er versteckt sich vor seinem Gott, der ihm die Anderen nahelegt. Er will nichts mehr h\u00f6ren von solch einem Gott. F\u00fcr den will er sich nicht mehr zur Verf\u00fcgung stellen. Er l\u00e4uft ihm davon, heuert auf einem Schiff an, das in die verkehrte Richtung f\u00e4hrt. Nach Tharsis. Heute hei\u00dft eine Region auf dem Mars so. Ziemlich weit weg. Nur nicht nach Ninive! Und er l\u00e4sst es drauf ankommen, dadurch die Seeleute seines Boots in t\u00f6dliche Gefahr zu bringen. Sie werfen ihn schlie\u00dflich ins Meer, wie einen l\u00e4stigen Unrat.<\/p>\n<p>Ist er nun definitiv f\u00fcr Gott unerreichbar? Aber es hei\u00dft nicht umsonst im Psalm 139: \u201eN\u00e4hme ich Fl\u00fcgel der Morgenr\u00f6te und bliebe am \u00e4u\u00dfersten Meer, so w\u00fcrde mich deine Hand doch daselbst f\u00fchren.\u201c Gott legt Hand an, dass er nicht ertrinkt. Er l\u00e4sst den S\u00fcnder leben. So wie es im Kirchenlied hei\u00dft: &#8222;Du strafst uns S\u00fcnder mit Geduld \/ ja endlich nimmst du unsre Schuld \/ und wirfst sie in das Meer.\u201c F\u00fcr die Schuld gibt es kein Festhalten. Aber den Davongelaufenen h\u00e4lt Gott fest. Genau mit diesem Menschen kann er noch etwas anfangen. Jona landet wie in einer Rettungskapsel im Magen eines gro\u00dfen Fisches. Jetzt endlich tut er, was er zuvor auf dem schwankenden Schiff nicht getan hat \u2013 da hat er geschlafen. Jetzt wendet er sich dem zu, dem er davonlaufen wollte. Er betet. \u201eIch rief zu dem Herrn in meiner Angst, und er antwortete mir; ich schrie aus dem Bauch der H\u00f6lle, und du h\u00f6rtest meine Stimme.\u201c<\/p>\n<p>Das alles klingt nach einem richtigen M\u00e4rchen. Vor allem dies, dass das Meeresungeheuer den Fl\u00fcchtigen nach drei Tagen und drei N\u00e4chten wieder ausspuckt \u2013 und zwar genau an <em>der<\/em> Stelle, wo Gott ihn haben wollte. An dem Ausgangspunkt f\u00fcr den Weg nach Ninive! Gott wirft ihn zur\u00fcck auf die Anf\u00e4nge. Ein Schritt zur\u00fcck kann zuweilen Wunder bewirken. Gott versetzt Jona an den Beginn seines kuriosen Weges und gibt ihm eine zweite Chance, die eines Neubeginns, in seinem Dienst. Nunmehr stellt er sich Gott zur Verf\u00fcgung, vielleicht m\u00fcrrisch. Aber er tut\u2019s. Er, der darauf besteht, dass diesen Fremden eine Rettung nicht zusteht, gerade er wird ihnen zum Gehilfen f\u00fcr ihre Heilung. Er, der Nein sagt, sagt nun doch Ja. Die Chance nutzt er und geht dorthin, wo Gott ihn haben will. Gott sei Dank, gibt es solche zweite Chance, die eines Neubeginns. Eine, die wir Andren g\u00f6nnen. Eine, die uns geg\u00f6nnt ist.<\/p>\n<p>Eberhard Busch<\/p>\n<p>37133 Friedland<\/p>\n<p>&lt;<a href=\"mailto:ebusch@gwdg.de\">ebusch@gwdg.de<\/a>&gt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wie ein Nein zum Ja wird&#8220; | Predigt zu Jona 1 und 2,1f.11 | Sonntag 6. 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