{"id":5238,"date":"2021-06-03T11:51:47","date_gmt":"2021-06-03T09:51:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5238"},"modified":"2021-06-03T11:55:12","modified_gmt":"2021-06-03T09:55:12","slug":"predigt-zu-lukas-1619-31","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-lukas-1619-31\/","title":{"rendered":"Predigt zu Lukas 16,19-31"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Luft nach oben | 1. Sonntag nach Trinitatis, 6.6.21| <\/strong>Lukas 16,19-31 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Poul Joachim Stender |<\/h3>\n<p>Der fr\u00fchere d\u00e4nische Justizminister, Mitglied der liberalen Partei, hat einmal gesagt: \u201eIn D\u00e4nemark ist viel Luft nach oben\u201c. Aber nach einer kleinen Pause fuhr er fort: \u201eAber was nutzt es, wenn keiner springen will\u201c. Und irgendwie r\u00fchrt er mit dieser Aussage an einen wunden Punkt in d\u00e4nischer Mentalit\u00e4t. Ja es ist Luft nach oben in unserem Land. Aber die Sehnsucht z.B. nach Gott zu springen hat stark abgenommen. Wir haben Religionsfreiheit. Die Christen werden in D\u00e4nemark nicht verfolgt wie anderswo in der Welt. Wir k\u00f6nnen h\u00fcpfen wie wir wollen, D\u00e4nemark ist ein Eldorado f\u00fcr Springer. Auch f\u00fcr Nichtchristen. Aber unter Christen wird nicht besonders viel gesprungen. Die Anzahl der Taufen ist in D\u00e4nemark r\u00fcckl\u00e4ufig. Das liegt nicht daran, dass sich die Eltern vom Christentum abwenden. Sie meinen nur, dass ihre Kinder selbst entscheiden sollen, wenn sie gro\u00df werden, ob sie sich taufen lassen oder nicht.<\/p>\n<p>\u00dcber Gott kann man vieles sagen. U.a. dass er jemand ist, der springt und abspringt. Er sprang ab oder hernieder von den schwindelnden Tiefen des Himmels hinab zu uns Menschen in Jesus Christus. Er war es, der zu uns kam, und wir brauchen deshalb nicht nach ihm zu springen. Und doch. Man muss nach dem G\u00f6ttlichen Springen, um zu sehen, dass er angekommen ist. Viele Menschen bilden sich ein, dass man in die Kirche geht, weil man glaubt. Aber das stimmt nicht. Die meisten gehen in die Kirche, weil sie gerne glauben wollen. Kirchgang kann ein Sprung hoch zum Glauben sein. So spring doch! In D\u00e4nemark ist Luft nach oben und die M\u00f6glichkeit besteht, nach dem Ewigen zu springen, nach gro\u00dfen Gedanken und Visionen, nach neuen Idealen und taten.<\/p>\n<p>Gestern, am 5. Juni feierten wir das d\u00e4nische Grundgesetz. Ein Fest f\u00fcr die Demokratie. Man denke nur, wir haben das Gl\u00fcck, in einem Land zu leben, wo wir eine Demokratie haben, die uns die M\u00f6glichkeit gibt in einem Land zu leben, wo Luft nach oben ist. So spring doch im Leben, spring im Glauben, spring in der Phantasie. Spring, spring, spring, bediene dich der M\u00f6glichkeit, dass wir in D\u00e4nemark eine grundgesetzlich gesicherte Demokratie haben, wo Luft nach oben ist.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte den Versuch machen, den Politikern die Erz\u00e4hlung dieses Sonntags von Lazarus und dem reichen Mann vorzuhalten. Sie handelt von einem reichen Mann, vor seiner T\u00fcr liegt ein armer Mann. Und dann stirbt der Arme, und dann stirbt er Reiche, und im Reich des Todes werden die Rollen vertauscht. Der Arme wird verw\u00f6hnt. Dem Reichen geht es schlecht. Was k\u00f6nnte das f\u00fcr d\u00e4nische Politiker bedeuten?<\/p>\n<p>Die Sozialisten w\u00fcrden sagen, dass wir von dem Gleichnis lernen sollen, die Welt zu ver\u00e4ndern, so dass die \u00f6konomischen Ungleichheiten geringer werden. Dagegen werden die Liberalen sagen, dass die Gefahrenzonen der ganzen Welt lernen m\u00fcssen, selbst etwas zu ihrem Unterhalt beizutragen. Und keiner von beiden hat Unrecht. Die Welt muss ver\u00e4ndert werden, so dass die wirtschaftlichen Ungleichheiten geringer werden, und die Armen der Welt &nbsp;m\u00fcssen selbst etwas zu ihrem Unterhalt beitragen, und es geht im Leben nicht nur um Wachstum und Produktion, aber bestimmt auch darum, dass man ein gutes Leben hat.<\/p>\n<p>Aber keines von beidem ist der eigentliche Kern des Gleichnisses. Der ist etwas anderes. Vielleicht ist die Pointe in dem Satz des Textes zu finden, der so lautet: \u201eUnd in all dem besteht zwischen uns und euch eine gro\u00dfe Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hin\u00fcberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns her\u00fcber\u201c. Da ist vom Himmel die Rede, wo Lazarus ist, und der H\u00f6lle, wo sich der reiche Mann aufh\u00e4lt. Zwei Gr\u00f6\u00dfen, die unfassbar nahe beieinander liegen. Ein gutes Leben kann in wenigen Sekunden durch Krankheit und Tod zu einer reinen H\u00f6lle werden, und ein Leben in der H\u00f6lle kann in einem Augenblick durch die Begegnung mit der Liebe himmlische Dimensionen erlangen. Aber hier kommt Jesus Christus, der Sohn Gottes und Herr des Christentums, ins Bild als Br\u00fcckenbauer \u00fcber die tiefe Kluft zwischen H\u00f6lle und Himmel.<\/p>\n<p>Mit seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung von den Toten schuf er eine Verbindung \u00fcber die Kluft, von der der Text spricht. Wir, die wir die Armen der Welt nicht viel besser behandelt haben als der reiche Mann, k\u00f6nnen von dem Nichts und der Leere des Todes in das Reich Gottes \u00fcberf\u00fchrt werden. Wir k\u00f6nnen schon hier im Leben, wenn das Dasein zur H\u00f6lle wird, mit Jesus in ein Leben mit Glauben, Hoffnung und Liebe eingehen. Wie es in Grundtvigs Lied <em>O Christgl\u00e4ubigkeit<\/em> hei\u00dft: \u201eDu schl\u00e4gst den schwankenden Steg \u00fcber Schl\u00fcnde und tr\u00e4gst die deinen trotz Eisgang am brandenden Strand vom Totenreich heim zu der Lebenden Land\u201c. Und gerade der Gedanke, dass der Sohn Gottes eine Verbindung weg vom Tod zum Reich Gottes schafft, ist f\u00fcr uns Christen eine gro\u00dfe Verpflichtung vor unserem Tod. Wir sollen unseren Mitmenschen aus der H\u00f6lle heraushelfen, ihrem Todesreich, in dem wir enden k\u00f6nnen. Wir sind f\u00fcr einander der Weg aus der der H\u00f6lle. Lazarus lag vor der T\u00fcr am Hause des reichen Mannes. Sein Leben war eine H\u00f6lle von Armut. Der reiche Mann h\u00e4tte ihn in ein irdisches Paradies f\u00fchren k\u00f6nnen, indem er ihm Hilfe, St\u00fctze und Barmherzigkeit gew\u00e4hrte. Aber das tat er nicht.<\/p>\n<p>Das Gleichnis l\u00e4sst und die Frage stellen: Wer soll unseren N\u00e4chsten aus seinem Elend erl\u00f6sen? Die Antwort ist: Das sollen wir! Und die n\u00e4chste Frage: Wer soll uns selbst aus der H\u00f6lle erl\u00f6sen, in der wir landen k\u00f6nnen?&nbsp; Die Antwort ist: das soll unser N\u00e4chster. Wenn wir diese gegenseitige Verpflichtung wahrnehmen, springen wir als Christen hoch in seinem Land, wo Luft nach oben ist. So springt doch! Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<p>Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luft nach oben | 1. Sonntag nach Trinitatis, 6.6.21| Lukas 16,19-31 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Poul Joachim Stender | Der fr\u00fchere d\u00e4nische Justizminister, Mitglied der liberalen Partei, hat einmal gesagt: \u201eIn D\u00e4nemark ist viel Luft nach oben\u201c. Aber nach einer kleinen Pause fuhr er fort: \u201eAber was nutzt es, wenn keiner springen will\u201c. 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