{"id":5247,"date":"2021-06-04T08:15:04","date_gmt":"2021-06-04T06:15:04","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5247"},"modified":"2021-06-04T08:16:45","modified_gmt":"2021-06-04T06:16:45","slug":"predigt-zu-jona-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-jona-1\/","title":{"rendered":"Predigt zu Jona 1"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Gottes Humor: er l\u00e4chelt \u00fcber Jonas Fluchtversuch|<\/strong> Predigt zu Jona 1 und 2 | 1. So. n. Trinitatis (6. 6. 2021)|\u00a0 verfasst von Michael Plathow |<\/h3>\n<p>Lesung: Jona 1, 1 \u2013 2, 3 und 2, 4 \u2013 10 und 2, 11<\/p>\n<p>\u201eDie Situation ist ernst\u201c &#8211; eine Warnung, die in den zur\u00fcckliegenden Monaten erging. Ja, sie war und sie ist ernst. Sie konnte einem den Boden wegziehen und den Atem rauben, wenn da nicht auch das Andere w\u00e4re: Humor.<\/p>\n<p>Was meint Humor? \u201eHumor ist der Knopf, der verhindert, dass der Kragen platzt\u201c, wie ein Sprichwort sagt. Als springender Punkt des zum L\u00e4cheln reizenden Humors erweist sich die Komik einer Alltagserfahrung. Sie spiegelt sich im heiteren Minenspiel und in zustimmendem Anteilnehmen. Der heitere Ernst des Humors, der entlastet und frei macht.<\/p>\n<p>1.Davon berichtet die biblische Erz\u00e4hlung von Gottes Geschichte mit dem Propheten Jona. Es ist eine Novelle aus der 2. H\u00e4lfte des 4. Jahrhunderts vor Christi Geburt.<\/p>\n<p>Gott ruft den Propheten Jona. Es ist der lebendige Gott, der Jona nach der Stadt Ninive sendet. Er soll sich aufmachen hin zu den Menschen, die Gott vergessen haben. Jona soll gehen zu den Menschen mit Sorge, Sehnsucht und Schuld. Jonas soll sie zur Umkehr rufen.<\/p>\n<p>Doch Jona tut sich schwer und tut sich so wichtig. Der Auftrag ist ihm zu gewichtig, weil er nur auf sich schaut, und dabei sich selbst f\u00fcr wichtig nimmt. Er widersetzt sich. Er verweigert sich. Wie ein pubertierender Trotzkopf schl\u00e4gt er genau die entgegensetzte Richtung ein. Er bricht auf nach Tarsis. Er rennt. Er eilt. Blo\u00df weg dahin, wo Gottes Stimme ihn nicht erreichen m\u00f6ge. Von der Hafenstadt Jafo segelt er los \u00fcber das weite Meer.<\/p>\n<p>\u201eAber\u201c der Herr entl\u00e4sst den Propheten nicht; er bleibt Jona nah. Gott l\u00e4sst Wind und Sturm losbrechen (1, 4). Die Wellen schlagen hoch. Das Schiff droht zu kentern. Kapit\u00e4n und Mannschaft forschen voll Angst nach dem Schuldigen.<\/p>\n<p>In Ungl\u00fcck und Not wird der Schuldige gesucht.<\/p>\n<p>Auf dem in Seenot k\u00e4mpfenden Schiff fragt man: \u201eWas sollen wir tun?\u201c Erkundet hatte man, dass Jona auf der Flucht ist vor seinem Gott. Auch gesteht Jona seine Schuld. Ja, er ist bereit, das Schiff und die Besatzung durch sein pers\u00f6nliches Opfer zu retten: \u201eNehmt mich und werft mich ins Meer\u201c (1, 12). Gleichwohl versuchen die Seeleute sich zun\u00e4chst aus eigenen Kr\u00e4ften zu retten. Vergebens.<\/p>\n<p>Das Unwetter bricht \u00fcber sie. Da beginnen sie zu beten. Religi\u00f6s unmusikalisch sind sie und irgendwie normal, fromm sind sie und lebenserfahren.<\/p>\n<p>Sie beten, wie immer in Gefahr und Angst der Ruf nach Gott laut wird, wie erst am tiefsten Punkt im Leben wir uns Gott n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Sie ahnen und wissen, dass da eine h\u00f6here Macht ist, von der sie abh\u00e4ngig sind und die sie unbedingt angeht gerade jetzt. Sie schreien den Gott-Ruf: \u201eHerr, h\u00f6re meine Stimme\u201c hinaus gegen den Sturm. Dann \u00fcbergeben sie Jona dem Meer: S\u00fcndenbock durch Schuld\u00fcbertragung und Schuld\u00fcbernahme ist er. Und zur allseitigen Befriedung beruhigt sich das Meer.<\/p>\n<p>2.Die Geschichte zwischen Gott und Jona, liebe Gemeinde, erf\u00e4hrt nun einen weiteren Spannungsmoment: \u201eAber\u201c der Herr schickt einen gewaltigen Fisch, wird erz\u00e4hlt. Der verschlingt Jona. Drei Tage und drei N\u00e4chte verbringt dieser gefangen im Bauch des gewaltigen Tieres. Und unwahrscheinlich und irgendwie kurios, aus finsterem Bauch wendet sich der Prophet an seinen Gott; er schreit seine Angst \u201ezum Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene geschaffen hat\u201c; er klagt: das Wasser steht ihm bis zum Hals. Er schnappt nach Luft. Die Tore des Todes schlie\u00dfen sich. Seinem Leben entschwindet Zukunft.<\/p>\n<p>Und da, da kommen \u00fcber Jonas Lippen &#8211; angesichts der komischen Situation eigentlich unvorstellbar &#8211; Worte der Zuversicht: Du aber, aber du Herr, \u201ebist ja mein Gott\u201c. Andeutet sich da irgendwie die Glaubensheiterkeit im Vertrauen auf Gott.<\/p>\n<p>Der Prophet Jona erinnert an Gottes Gemeinschaftstreue, er verl\u00e4sst sich auf den Herrn.<\/p>\n<p>Wer sich klammert an Nichtiges, eigenwillig, oder an von Menschen Gemachtes und Erdachtes, sein Herz daran h\u00e4ngt, der verliert das, was letztlich tr\u00e4g, Hilfe und Heil schenkt. Jona bekennt gegen die Finsternis: \u201eHilfe finde ich bei dem Herrn!\u201c\u00a0 (2, 10).<\/p>\n<p>Und die Komik steigert sich: Jona singt aus voller Kehle und der ganze Fisch ist voll Gesang. Wie in einem Dom schallt und hallt es.<\/p>\n<p>Der Herr \u201eaber\u201c befiehlt dem Fisch, Jona auszuspucken ans Land (2, 12). Jona ist gerettet. Wunderbar! M\u00e4rchenhaft! Gottes G\u00fcte ist immer noch gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Dreimal spricht Gott das \u201eAber\u201c in dieser Geschichte mit Jona. Dreimal ruft er Jona. Gott geht Jona nach und zugleich voraus. Er l\u00e4sst ihn nicht aus den Augen. Obwohl Jona sich schwer tut, in sich verkr\u00fcmmt \u2013 Gottes G\u00fcte bleibt ihm nah. \u201eN\u00e4hme ich Fl\u00fcgel der Morgenr\u00f6te und bliebe am \u00e4u\u00dfersten Meer, so w\u00fcrde auch dort deine Hand mich f\u00fchren&#8230;\u201c (Ps 139, 9f). Denn du bist bist bei mir.<\/p>\n<p>Gott ist uns n\u00e4her als wir uns selbst sind. Auch wer Gottes Geschichte mit sich abbrechen will, den \u00fcberl\u00e4sst Gottes \u201eAber\u201c nicht sich selbst und seinem Schicksal. Kein vernichtendes Aber ist es. \u201eDas geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen\u201c (Jes 42, 3). Gottes Wege sind anders, seine Gedanken h\u00f6her (Jes 55, 8). Es ist das \u201eAber\u201c der Liebe Gottes.<\/p>\n<p>3.\u201eDer Mensch denkt sich einen Weg; aber Gott lenkt seine Schritte\u201c, sagt das alttestamentliche Sprichwort von der Furcht Gottes als Anfang aller Weisheit (Spr 16, 9). Darum wendet sich die Klage in Zuversicht: \u201edennoch vertraue ich darauf, dass du gn\u00e4dig bist\u201c (Ps 13, 6); \u201eaber du, Herr, sei nicht fern; eile mir zu helfen\u201c (Ps 22, 29).<\/p>\n<p>Gottes G\u00fcte und Liebe ist immer gr\u00f6\u00dfer, liebe Gemeinde, selbst wenn wir uns verschlie\u00dfen, an einem Auftrag scheitern wie Jona.<\/p>\n<p>Der lebendige Gott \u2013 und das ist der springende Punkt der Jona-Novelle \u2013\u00a0 der lebendige Gott ist es, der sich selbst erfahrbar macht: \u201eGott, barmherzig und gn\u00e4dig und geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte und Treue\u201c (Ex 34, 6). Gegen alles, was sich schwer tut, der Schwere nicht gewachsen f\u00fchlt oder sich so wichtig nimmt, spricht Gott das befreiende \u201eAber\u201c. Gottes Liebe mischt sich ein, durchkreuzt den eigenwilligen Weg und er\u00f6ffnet Neues.<\/p>\n<p>Gott spricht sein g\u00fctiges \u201eAber\u201c mit Anteil nehmendem Humor \u00fcber Jona, der nur auf sich schaut und sich so wichtig nimmt.<\/p>\n<p>Papst Johannes XXIII. war es, der von einem um Rat bittenden jungen Bischof erz\u00e4hlt, der vor der Gewichtigkeit der Aufgabe zur\u00fcckschreckt; bis in den Schlaf verfolge ihn, dass er den Dienst\u00a0 auf Dauer nicht bew\u00e4ltigen k\u00f6nne. \u201eAuch mir erging es so\u201c, antwortete der Papst, \u201eEinmal bin ich eingenickt. Da erschien mir ein Engel im Traum und ich erz\u00e4hlte ihm meine Not. Darauf sagte der Engel: \u00b4Giovanni, nimm dich nicht so wichtig`. Seitdem kann ich wunderbar schlafen\u201c. Glaubensheiterkeit in der Gewissheit, die K. Barths Telefongespr\u00e4ch mit E. Thurneisen am Abend vor seinem Abruf bekennt: \u201eGott ist im Regiment\u201c.<\/p>\n<p>In der Erz\u00e4hlung von Jona platzte Gottes Kragen nicht. Ein heiteres, wenn auch nicht unbeschwertes, L\u00e4cheln Gottes, wie Psalm 2, 3 singt, scheint \u00fcber dem Propheten, der sich schwer tut. \u201eWir sollen Mensch sein und nicht Gott; das ist die Summe\u201c des 1. Gebotes\u00a0 (M. Luther).<\/p>\n<p>Gottes liebendes L\u00e4cheln offenbart sich einzig in Jesus, Gottes eingeborenen Sohn, unserm erstgeborenen Bruder:<\/p>\n<p>F\u00fcr Jesus war Jonas Rettung aus dem Bauch des gewaltiges Fisches das Zeichen f\u00fcr seine \u201eAuferstehung am dritten Tag\u201c (Mt 12, 39, 41). Christus ist Sieger, der Befreier von der Macht der Finsternis und des Todes zugunsten des Lebens.<\/p>\n<p>Die Liebe Gottes\u00a0 ist da \u201ef\u00fcr uns\u201c; ihm sind wir bleibend wertvoll. \u201eHerr, deine G\u00fcte reicht soweit der Himmel ist\u201c (Ps 36, 6a).<\/p>\n<p>\u201eHilfe finde ich beim Herrn\u201c, bekennt Jona im Bauch des Fisches (2, 10). Auch mit uns hat Gottes Liebe und G\u00fcte immer noch etwas vor, selbst wenn wir uns schwer tun, vielleicht weil wir uns so wichtig nehmen.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen, unsere Vernunft und unser Tun im Glauben an Gottes Liebe und G\u00fcte. Amen.<\/p>\n<p>Lied: EG 277, 1, 2, 4<\/p>\n<p>Prof. Dr. Michael Plathow Uni Heidelberg, Pfr. i. R., D 69181 Leimen, email: michael@plathow.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottes Humor: er l\u00e4chelt \u00fcber Jonas Fluchtversuch| Predigt zu Jona 1 und 2 | 1. So. n. 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