{"id":5264,"date":"2021-06-09T10:27:06","date_gmt":"2021-06-09T08:27:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5264"},"modified":"2021-06-09T11:31:01","modified_gmt":"2021-06-09T09:31:01","slug":"predigt-zu-jesaja-401-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-jesaja-401-8\/","title":{"rendered":"Predigt zu Jesaja 40,1-8"},"content":{"rendered":"<h3>Was Gottes Wort tut | 2. Sonntag nach Trinitatis | 13.06.2021 | Predigt zu Jesaja 40,1-8 | verfasst von Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p><em>Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk!, spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des Herrn f\u00fcr alle ihre S\u00fcnden. Es ruft eine Stimme: In der W\u00fcste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! <sup>4<\/sup>Alle T\u00e4ler sollen erh\u00f6ht werden, und alle Berge und H\u00fcgel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was h\u00fcgelig ist, soll eben werden; <sup>5<\/sup>denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des Herrn Mund hat\u2019s geredet. Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine G\u00fcte ist wie eine Blume auf dem Felde. <sup>7<\/sup>Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herrn Odem bl\u00e4st darein. Ja, Gras ist das Volk! <sup>8<\/sup>Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich. <\/em><\/p>\n<p><em>(Jesaja 40,1-8)<\/em><\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!!<\/p>\n<p>Wir haben den Text mit den ber\u00fchmten und gern vertonten Worten vor Augen \u201eTr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk\u201c. Ich wei\u00df nicht, ob Ihnen auff\u00e4llt, wie sehr diese S\u00e4tze vom Rufen, Predigen, Sprechen bestimmt sind und das im st\u00e4ndigen Hin und Her zwischen Gott und Mensch. Das Sprechen, Rufen, Predigen verbindet die S\u00e4tze wie eine Band, und sie enden in der Feststellung: \u201eDas Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.\u201c<\/p>\n<p>Dass Gott spricht, sich den Menschen deutlich vernehmbar mitteilt, das war von Anfang an so, als er die Welt mit seinem Wort geschaffen hat. Denn mit der Sch\u00f6pfung sagt Gott dem Menschen: Sieh, ich habe mit der Welt eine St\u00e4tte geschaffen, an der du gut aufgehoben und zu Hause und auf mich ausgerichtet bist. Und mit diesem Wort, das von Anfang an da war und auch an Ihrem und meinem Anfang da war, uns ins Leben gerufen hat, mit diesem Wort kommt Gott immer von neuem in die Welt und auf den Menschen zu. An sich ist es in den Strukturen dieser Welt von Anfang an ja schon da, bleibt aber meist ungeh\u00f6rt. Denn es wird \u00fcbert\u00f6nt von dem, womit Menschen auf ihre Leistungen aufmerksam machen, womit sie sich in den Vordergrund t\u00f6nen. Aber Gott l\u00e4sst sich nicht zum Schweigen bringen. Er meldet sich, indem er Menschen dazu bringt, seine Botschaft weiterzugeben.<\/p>\n<p>Doch woran merken wir, dass die Worte, die Menschen im Namen Gottes sprechen, auch wirklich von Gott kommen? Dass da mehr ist als Worte von Menschen, die sich nur hervortun und Leichtgl\u00e4ubige hinters Licht f\u00fchren wollen? Was sagen wir denen, die uns entgegenhalten: Was da in der Kirche erz\u00e4hlt wird, ist doch immer nur dasselbe belanglose Gerede. Da passiert ja nichts. Schon gar nicht in Corona-Zeiten. Bei den Katholiken gibt\u2019s wenigstens noch was zu sehen und zu erleben. Aber bei euch nichts als meist auch noch sehr abgehobenes Gerede.<\/p>\n<p>Wenn das wahr w\u00e4re, w\u00fcrde niemand mehr zur Kirche kommen. Doch die Frage, ob es da wirklich um Gottes Wort in der Predigt geht, ist berechtigt. Woran erkennen wir, dass Gott sich in den Worten eines Menschen \u00e4u\u00dfert? An den S\u00e4tzen aus Jesaja 40 wird deutlich, wie Gottes Wort kommt und was es tut. Denn ein Tu-Wort ist es immer.<\/p>\n<p>Die Menschen, an die diese Worte zuerst gerichtet waren, sa\u00dfen als verachtete Minderheit im Land ihrer Feinde. Vor mehr als zwei Generationen hatten die Babylonier ihre Vorfahren nach der Eroberung Jerusalems nach Babylonien verschleppt. Alle Hoffnungen darauf, dass ihr Gott sich bald f\u00fcr die Niederlage r\u00e4chen und die Seinen im Triumphzug wieder nach Hause bringen w\u00fcrde, hatten sich zerschlagen. F\u00fcr den Gott Israels hatte man hier nur ein mitleidiges L\u00e4cheln: Bleibt uns vom Leibe mit euren alten Geschichten, hie\u00df es. Worauf es im Leben ankommt, das ist Fruchtbarkeit und Wohlstand, milit\u00e4rische St\u00e4rke und \u00dcberlegenheit. Das sind die G\u00f6tter, denen wir dienen. Und wer da nicht mithalten will und kann, der hat im Leben verspielt, ist ein Looser und bleibt ein Looser. Viele Israeliten hatten sich schon von ihren Volksgenossen gel\u00f6st. Besonders J\u00fcngere hatten es satt, sich von allem fernhalten zu m\u00fcssen und das Leben an sich vorbeiziehen zu lassen. Sie hatten sich sozusagen richtig integrieren lassen. Die Zur\u00fcckgebliebenen, am Sinn ihres Lebens und an einem Gott zweifelnd, von dem ja nichts zu sp\u00fcren war, sie bekommen dies zu h\u00f6ren:<\/p>\n<p><em>Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des Herrn f\u00fcr alle ihre S\u00fcnden.<\/em><\/p>\n<p>S\u00fcnden und Schuld werden von Gott beim Namen genannt. Daran erkennt man sein Wort. Und dass Schuld sich r\u00e4cht, das kommt aus seiner Hand. Aber \u2013 und das ist typisch f\u00fcr Gottes Wort \u2013 es legt die schuldig Gewordenen nicht fest auf das, was sie getan haben. Es befreit von dem, was andere ihnen immer von neuem vorhalten und nie vergessen werden. Gottes Wort schafft eine freundliche Atmosph\u00e4re, in der die am Boden Liegenden aufatmen, sich aufrichten und ihr Leben erhobenen Hauptes neu beginnen k\u00f6nnen. Das tut Gottes Wort bis heute \u2013 auch mit mir und mit Ihnen. Und das suchen wir in der Kirche.<\/p>\n<p>Da aber will und kann es nicht bleiben. Gottes Wort verwirklicht sich drau\u00dfen zum Beispiel in den Initiativen, die Strafentlassene freundlich aufnehmen und ihnen neue Startm\u00f6glichkeiten ins Leben verschaffen. Gottes Wort verwirklicht sich, wo menschlicher H\u00e4me und Selbstgerechtigkeit Grenzen gesetzt werden. Wie \u00fcbel ergeht es etwa Politikern, die bei Lug und Trug ertappt wurden und dann tief gefallen sind. Wo immer ihr Name auftaucht, ist auch die Emp\u00f6rung \u00fcber ihr Versagen sofort wieder da. Was f\u00fcr ein Segen, wenn da jemand sagt: Schluss jetzt. Der Mann, die Frau hat daf\u00fcr bezahlt und hat nun ein Recht darauf, unbescholten weiterzuleben und neu durchzustarten. Auch wenn da von Gott gar nicht die Rede ist, so kommt sein Wort hier doch zur Geltung.<\/p>\n<p>Und weiter:<\/p>\n<p><em>Es ruft eine Stimme:<\/em><\/p>\n<p><em>In der W\u00fcste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle T\u00e4ler sollen erh\u00f6ht werden, und alle Berge und H\u00fcgel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was h\u00fcgelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen. Denn des Herrn Mund hat&#8217;s geredet.<\/em><\/p>\n<p>Gottes Wort bahnt seiner Herrlichkeit einen Weg in der W\u00fcste. Dazu muss man eine Vorstellung von den Gottesbahnen haben, die den Israeliten in Babylonien vor Augen standen: Auf breiten Prozessionsstra\u00dfen wurden zu den gro\u00dfen Festen haushohe Gottesbilder und -statuen durch die Stadt getragen, geschoben oder gezogen. In ihnen spiegelte sich wider, womit die Herren im Lande sich br\u00fcsten konnten: Vitalit\u00e4t und Erfolg. Eindrucksvolle Werbefeldz\u00fcge einer Gro\u00dfmacht, von denen die Massen sich begeistern und mitrei\u00dfen lie\u00dfen. Bilder, die uns aus der Zeit des Dritten Reiches ja bekannt sind. Wer nicht mitlief mit diesen G\u00f6ttern, blieb zur\u00fcck in einem Leben, das sich in Niederlagen, in Armut, in Existenz\u00e4ngsten ersch\u00f6pfte.<\/p>\n<p>Gottes Wort gibt sich nun daran zu erkennen, dass es freimacht von der Faszination todbringender Macht. Stattdessen er\u00f6ffnet es die Aussicht auf Leben in der W\u00fcste. Es richtet sich aus auf den, der nicht gezogen werden muss, sondern der den W\u00fcstenleuten entgegenkommt und sie anstiftet, dem mit ihm kommenden Heil und Leben Bahn zu brechen. Den Israeliten war es damals tats\u00e4chlich verg\u00f6nnt, auf dem Weg durch die W\u00fcste nach Hause zu kommen und damit ans Licht zu bringen, dass Gottes Kraft in den Schwachen m\u00e4chtig ist.<\/p>\n<p>Und uns heute ist es m\u00f6glich und aufgegeben, in die W\u00fcsten zu gehen, die sich hinter den himmelst\u00fcrmenden gl\u00e4nzenden Fassaden unserer Konsumwelt auftun: dahin zu gehen, wo Menschen bei uns nicht mehr mitkommen und ausgebrannt aufgeben. Dahin, wo um jedes einzelne Leben \u2013 und sei es auch noch so kl\u00e4glich \u2013 gek\u00e4mpft wird. Da wird deutlich: Der lebendige Gott ist im Kommen in einer Vielzahl von Initiativen, die sich dem Leben verschrieben haben. In ihnen \u2013 und nicht in dem, was viel L\u00e4rm macht \u2013 k\u00fcndigt sich an, was unserer Welt allein Zukunft und Heil bringen wird.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich<\/p>\n<p><em>Es spricht eine Stimme: Predige! Und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine G\u00fcte ist wie eine Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herrn Odem bl\u00e4st darein. Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorr, die Blume verwelkt; aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.<\/em><\/p>\n<p><strong>Gottes Wort l\u00e4sst Raum f\u00fcr die Klage dar\u00fcber, dass alles im Tode endet und wir nichts an uns haben, was wir dem Tod entgegensetzen k\u00f6nnten. Und dennoch steht menschliches Leben unter dem Gebot \u201ePredige!\u201c Nicht um Klage zuzudecken und einen Trost zu spenden, f\u00fcr den niemand einstehen kann. Aber predige, nimm auf und gib weiter: Gottes Wort, das dich ins Leben gerufen hat, verstummt nicht mit deinem Tod. Er bleibt bei seinem Wort, das sagt: Du bist mein in Ewigkeit. Amen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was Gottes Wort tut | 2. 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