{"id":5339,"date":"2021-06-21T14:42:53","date_gmt":"2021-06-21T12:42:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5339"},"modified":"2021-06-21T14:43:27","modified_gmt":"2021-06-21T12:43:27","slug":"konfirmationspredigt-galater-327f","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/konfirmationspredigt-galater-327f\/","title":{"rendered":"Konfirmationspredigt | Gal 3,27f"},"content":{"rendered":"<h3>Sexismus und Feminismus in Bibel, Kirche und Gesellschaft | Konfirmation | 13.06.2021 | Predigt zu Galater 3, 27-28 | Berthold Haerter und Antonia L\u00fcthy Haerter |<\/h3>\n<p>Zur Konfirmation d\u00fcrfen sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden ihr Thema selbst w\u00e4hlen. Sie gestalteten den ersten Teil der Konfirmation mit Gedanken zu Feminismus, Sexismus und Feminismus im Alten und Neuen Testament im Bezug auf unsere derzeitige Gesellschaftssituation.<\/p>\n<p><em><strong>Dialogpredigt zwischen den beiden Konfbegleiter*innen der Konfirmand*innen<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>Weisst du eigentlich wie das Schweizer Frauen-Cupfinal letzten Samstag ausgegangen ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B<\/strong><\/p>\n<p>Also in unserer Zeitung stand nichts \u00fcber den Frauenfussballcup.<\/p>\n<p>Aber warte mal, ich meinte in der Z\u00fcrichsee Zeitung (Lokalzeitung) war eine kleine Notiz. (ZSZ 7.6.21)<\/p>\n<p>Ja genau, die Frauen aus Luzern haben gegen die FCZ Frauen gewonnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>Das ist wieder typisch.<\/p>\n<p>\u00dcber den Schweizer Fussballcup der M\u00e4nner haben alle Zeitungen ausf\u00fchrlich berichtet.<\/p>\n<p>Und die EM wird \u00fcberall gesehen und kommentiert.<\/p>\n<p>Aber die Frauen ignorieren sie geradezu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B<\/strong><\/p>\n<p>Da kommen die Frauen im Alten Testament ja etwas besser weg.<\/p>\n<p>Alle kennen Sarah, Rebekka und Rahel &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>Aber nur als Ehefrauen!<\/p>\n<p>Als Ehefrauen <u>von<\/u> Abraham, Isaak und Jakob.<\/p>\n<p>Und dazu spielen sie oft eine negative Rolle.<\/p>\n<p>Auch im Neuen Testament muss man Frauengeschichten suchen.<br \/>\nDa erz\u00e4hlt Lukas ausf\u00fchrlich wie Petrus Christ wird und dann heisst es wenig (Kapitel 8) sp\u00e4ter&#8230;.<\/p>\n<p>\u201eUnd die Zw\u00f6lf waren mit Jesus, auch einige Frauen, &#8230;: Maria, genannt Magdalena, &#8230; , und Johanna, die Frau des Chuza, &#8230;. , und Susanna und viele andere, die ihn unterst\u00fctzten mit dem, was sie besassen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist nicht besonders viel, was hier von Frauen berichtet wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B<\/strong><\/p>\n<p>Aber eines ist doch wichtig: Jesus hat neue Massst\u00e4be im Umgang mit den Geschlechtern gesetzt. Die Jugendlichen haben uns das ja mit ihren Voten klar gemacht. Und dann gibt es doch noch Maria.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das wurde mir erst vor Kurzem so richtig bewusst:<\/p>\n<p>Maria ist nicht nur in der Weihnachtsgeschichte zu finden.<\/p>\n<p>Sie ist eine der Frauen, die bei Jesus blieben bis zum Tod am Kreuz.<\/p>\n<p>Von den M\u00e4nnern keine Spur.<\/p>\n<p>Sie sind alle verschwunden.<\/p>\n<p>Und an Ostern waren Maria und weitere Frauen die ersten, die bemerkten, dass Jesus lebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B<\/strong><\/p>\n<p>Du hast Recht.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, im Mittelalter werden wiederum Frauen, von denen Paulus bewundernd erz\u00e4hlt, kurzerhand durch M\u00e4nnernamen ersetzt.<\/p>\n<p>Sie wird aus Junia pl\u00f6tzlich ein Junias.<\/p>\n<p>Man wollte nicht wahrhaben, dass Paulus Frauen besonders hervorhebt, als Leiterinnen von Gemeinden und Missionarinnen, die einiges erreichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>Da f\u00e4llt mir auch Lydia ein.<br \/>\nSie ist die erste erw\u00e4hnte Person, die in Europa zum Christentum konvertierte.<\/p>\n<p>Es wird erz\u00e4hlt, dass sie eine selbstbewusste und eigenst\u00e4ndige Frau war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B<\/strong><\/p>\n<p>Aber eigentlich sollten wir nicht immer Mann und Frau gegeneinander ausspielen.<\/p>\n<p>In einem Text der Konfirmanden wird aus der 2. Sch\u00f6pfungsgeschichte zitiert und dass Gott den Mann nicht dazu gemacht hat, \u00fcber die Frau zu herrschen und &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>&#8230;&nbsp; und in der 1. Sch\u00f6pfungsgeschichte steht es noch deutlicher:<\/p>\n<p><strong>Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild, &#8230;&nbsp; als Mann und Frau schuf er sie. <\/strong>(Genesis 1, 27)<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass wir alle gleich sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B<\/strong><\/p>\n<p>Aber jetzt muss ich doch mal nachfragen.<\/p>\n<p>Was heisst denn gleich?<\/p>\n<p>Denn wir sind schon gleich, aber doch als Mann und Frau verschieden, oder?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>Aber in vielem sind wir gleich, an Intelligenz, F\u00e4higkeiten, an praktischem K\u00f6nnen und Verm\u00f6gen, usw.<\/p>\n<p>Ich denke, gleich bedeutet hier: wir sind alle gleich viel wert, gleichwertig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Du das so sagst, f\u00e4llt mir noch etwas auf.<\/p>\n<p>In Sachen Glauben sind es mehrheitlich Frauen, die das Christentum verbreiteten und in der Geschichte lebten und leben.<\/p>\n<p>Bis heute ist es doch so:<\/p>\n<p>M\u00e4nner m\u00fcssen oft cool tun.<\/p>\n<p>Und Glauben ist uncool.<\/p>\n<p>Aber Frauen und M\u00e4nner wissen, dass da noch etwas anderes ist, eine Kraft, eine Energie, Geborgenheit, der man vertrauen kann, etwas Unverf\u00fcgbares, ein Gegen\u00fcber, das mich manchmal auch von \u00e4usseren Zw\u00e4ngen befreit, mir Selbstsicherheit gibt, mich in mir selber mehr ruhen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das umschreiben wir mit dem Begriff Gott.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>Aber sind es nicht die Frauen, die besser loslassen k\u00f6nnen und vertrauen, dass Gott da ist, in guten wie in schweren Zeiten?<\/p>\n<p>Sie \u00fcbersch\u00e4tzen sich vielleicht weniger und geben dem Spirituellen, das in jedem Menschen angelegt ist, mehr Raum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B<\/strong><\/p>\n<p>Aber jetzt finde ich, tust Du uns M\u00e4nner doch etwas Unrecht.<\/p>\n<p>Ohne Gottvertrauen h\u00e4tte ich die DDR nicht so durchgestanden und manch schwierige Situation in den letzten Jahren auch nicht.<\/p>\n<p>Aber vielleicht ist das Bewusstsein, dass, wie die Bibel sagt, es unter Christen keinen Unterschied zwischen Mann und Frau geben soll, auch eine Chance.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>Wie meinst Du das?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B<\/strong><\/p>\n<p>Naja, dass wir uns <u>alle<\/u>, M\u00e4nner und Frauen, mehr f\u00fcr das G\u00f6ttliche \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Und \u00fcberhaupt mal dar\u00fcber reden und diskutieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich frage sie als Eltern, als Gotte und G\u00f6tti, als Verwandte:<\/p>\n<p>Wann haben Sie das letzte Mal ehrlich \u00fcber den Glauben diskutiert?<\/p>\n<p>Ich meine nicht, dass jemand sagt: \u201aAlso mir ist der Glaube wichtig\u2019 und der\/ die andere, antwortet:<\/p>\n<p>\u201aDas ist alles nicht so einfach\u2019 und sich dann wieder dem Fernsehprogramm oder der Zeitung zuwendet.<\/p>\n<p>Vor Gott als Christen gleich und angenommen sein, heisst auch ehrlich und immer wieder \u00fcber das Thema Glauben zu diskutieren.<\/p>\n<p>Nur so kann er in mir wachsen<\/p>\n<p>So kann Gottvertrauen auch Kraft, Halt und Befreiung geben.<\/p>\n<p>Versuchen Sie das mal!<br \/>\nDie Konfis haben in Sachen Diskussionen zum Thema Glauben einiges in diesem Jahr gelernt.<\/p>\n<p>Die unterst\u00fctzen Sie dabei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht diskutieren Sie einmal den Satz, den ich letzthin im Internet gelesen habe:<\/p>\n<p>\u201e<strong>Man soll immer tun, was man kann, und f\u00fcr den Rest auf Gott vertrauen.\u201c AMEN<\/strong><\/p>\n<p>(Antje Schrupp, die das Zitat Teresa von Avila zuschreibt.)<\/p>\n<p><strong>&#8212;&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Heine, Susanne: Frauen der fr\u00fchen Christenheit, G\u00f6ttingen 3. Auflage 1990.<\/p>\n<p>Niemeyer, Susanne: Eva und der Zitronenfalter, Leipzig 5. Auflage 2019.<\/p>\n<p>B\u00f6ttrich, Christfried\/ Offermann, Kerstin: In Bewegung \u2013 in Begegnung, \u00d6kumenische Bibelwoche 2020\/21, Texte zur Bibel 36, Neukirchen \u2013Vluyn 2020.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Berthold W. Haerter<\/p>\n<p>Oberrieden\/Schweiz<\/p>\n<p>Berthold.haerter@bluewin.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexismus und Feminismus in Bibel, Kirche und Gesellschaft | Konfirmation | 13.06.2021 | Predigt zu Galater 3, 27-28 | Berthold Haerter und Antonia L\u00fcthy Haerter | Zur Konfirmation d\u00fcrfen sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden ihr Thema selbst w\u00e4hlen. 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